mini|Logo des Verbundes Oldenburger Münsterland e. V.

Das Oldenburger Münsterland – selten auch Oldenburgisches Münsterland genannt – ist das Gebiet der niedersächsischen Landkreise Cloppenburg und Vechta. Inoffiziell wird es auch Südoldenburg genannt; seine Bewohner nennen sich dementsprechend Südoldenburger. Eher ungebräuchlich ist die Bezeichnung Oldenburger Münsterländer.

Geschichte mini|hochkant|Südostgrenze des Oldenburger Münsterlands am Dümmer. Grenzpfahl mit aktuellen und historischen Wappen 1252 erwarb das Hochstift Münster die ehemalige Grafschaft Ravensberg-Vechta.Andreas Janda: Geschichte der Grafschaft Ravensberg von ihren Anfängen im 10./11. Jahrhundert bis zum Aussterben der Manneslinie 1346 Mit der Eroberung des zuvor tecklenburgischen Amtes Cloppenburg im Jahre 1400 beginnt die gemeinsame Geschichte des heutigen Oldenburger Münsterlands im Niederstift Münster. 1668 erlangte der Bischof von Münster auch die kirchliche Oberhoheit über das Niederstift.Hermann Stieglitz (Bearb.): Handbuch des Bistums Osnabrück. Dombücherstube, Osnabrück, 2., völlig neubearb. Aufl. 1991, ISBN 3-925164-10-3, S. 39.Franz Josef Scheeben: Seit 350 Jahren gehört Oldenburg zum Bistum Münster – Warum „Bomben-Bernd“ die geistliche Gewalt in Südoldenburg kaufte. kirche-und-leben.de. 14. September 2018 Durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 gewann der protestantische Herzog von Oldenburg die staatliche Gewalt über die Ämter Cloppenburg und Vechta, deren Bevölkerung bis heute überwiegend katholisch blieb. Während der sogenannten Franzosenzeit (1811–1813) gehörte das Oldenburger Münsterland dem französischen Hanseatischen Département de l’Ems-Supérieur (Departement der Oberen Ems) an. Bis 1946 blieb das Oldenburger Münsterland Teil des Großherzogtums Oldenburg bzw. (seit 1919) des Freistaates Oldenburg. In dieser Zeit wurde es auch Münsterländische Geest genannt.VideoLexikon: Seit 1946 gehört das Oldenburger Münsterland zum Land Niedersachsen und umfasst das Gebiet der Landkreise Cloppenburg und Vechta.

Religion mini|Gerbert-Castus-Denkmal bei der Pfarrkirche St. Vitus in Visbek: Dargestellt sind der Abt Gerbert Castus, der Priester Folcard (ein Mitstreiter des ersten Bremer Bischofs Willehad) und ein Gefährte der beiden, der Graf Emmig.Landesbibliothek Oldenburg: Bio-Handbuch U-Z S. 790 p. (pdf S. 29 p.; 11,0 MB) mini|Typisches Landschaftsbild am Krimpenforter Berg: eine Kreuzanlage zwischen der Straße und einem abgeernteten Maisfeld; im Hintergrund ein Tiefkühllagergebäude Von Visbek aus leitete Abt Gerbert Castus – der Apostel des Oldenburger Münsterlandes. Abgerufen aus dem Webarchiv am 3. Oktober 2017. – um 800 n. Chr. die Christianisierung der Sachsen u. a. im Lerigau, im Hasegau, im Venkigau, möglicherweise auch im nördlichen Dersagau, also im Oldenburger Münsterland, ein. Durch eine Urkunde vom 1. September 819 soll Kaiser Ludwig der Fromme der fiscbechi genannten Abtei des Castus und den ihm untergebenen Kirchen völlige Abgabenfreiheit gewährt haben. Diese Urkunde wird allerdings inzwischen als Totalfälschung aus dem späten 10. Jahrhundert angesehen.Theo Kölzer: Die Urkunden Ludwigs des Frommen für Halberstadt (BM2 535) und Visbek (BM2 702) – ein folgenschweres Mißverständnis. In: Archiv für Diplomatik 58, 2012, S. 103–123, hier: S. 119–121.

Zuvor waren ab 780 n. Chr. von Karl dem Großen (* wahrscheinlich 2. April 747 oder 748; † 28. Januar 814 in Aachen) neun Missionssprengel zur Christianisierung der unterworfenen Sachsen errichtet worden, von denen die Benediktinerabtei cellula fiscbechi (Visbek)Germania Sacra – Klöster und Stifte des Alten Reiches. Abgerufen am 25. Feb. 2020. einen bildete. Es wurde in Visbek die erste Kirche des Missionsbezirkes, die sogenannte Urkirche, erbaut. Von der Missionszelle Visbek aus wurden die ersten Kirchengemeinden im Oldenburger Münsterland gegründet. Zu ihnen zählten u. a. im Lerigau wahrscheinlich die Pfarrkirchen Krapendorf, Altenoythe, Bakum und Emstek, im Hasegau die Gaukirche Löningen, und die Gaukirche Freren im Venkigau. Auch Lohne im nördlichen Dersagau dürfte eine Visbeker Gründung sein.Bischöflich Münstersches Offizialat Vechta. Abgerufen am 10. Oktober 2013.

Zur Zeit der Reformation war unter Bischof Franz von Waldeck das Gebiet rund 70 Jahre von 1543 bis 1613 lutherisch geprägt.Tim Unger: Reformation und Gegenreformation im Oldenburger Münsterland. Vortrag in Vechta am 31. Oktober 2016. Evangelischer Kirchenkreis Oldenburger Münsterland In jener Zeit wirkte in dieser Region der evangelische Reformator Hermann Bonnus. Im Zuge der Gegenreformation, angeführt von Bischof Ferdinand von Bayern, wurde die Region rekatholisiert. Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass Christoph Bernhard von Galen, damals Bischof von Münster, vom Bistum Osnabrück 1668 die geistliche Oberhoheit über das heutige Oldenburger Münsterland abkaufte. Erst dadurch konnte er auf seine Untertanen einen erheblichen, nachhaltig wirksamen Konfessionalisierungsdruck ausüben, vor dem nur die Landadeligen in der Region geschützt waren. Gleichwohl gab es in den Randlagen des Oldenburger Münsterlandes auch nach 1613 eine Minderheit nicht-adeliger Protestanten.Tim Unger: Reformation und Gegenreformation im Oldenburger Münsterland. Am 31. Oktober 2016 gehaltener Vortrag. S. 10 Im Landkreis Cloppenburg waren 1846 346 von 32.663, im Landkreis Vechta 1996 von 35.254 Einwohnern Protestanten.Hubert Gelhaus: Das politisch-soziale Milieu in Südoldenburg von 1803 bis 1936. Dissertation. 1999, S. 35 (online) In den 1920er Jahren erhielten, dem damaligen Konfessionsverhältnis entsprechend, bei der Aufteilung der Wulfenauer Mark sieben Katholiken und fünf Protestanten ein Kolonat.Hermann Brengelmann: Die Besiedlung der Wulfenauer Mark. In: Evangelisch ins Oldenburger Münsterland (Hrsg.: Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Oldenburger Münsterland). Cloppenburg 2016, S. 152 In Goldenstedt, Wulfenau und Cloppenburg erhielten evangelische Christen in der Mitte des 19. Jahrhunderts eigene Gotteshäuser.Frank Kröger: Evang. Kirchen. Link „Einweihung 1852“. altdinklage.com Flächendeckend wurden evangelische Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, weil sich unter den Flüchtlingen und Vertriebenen, die im Oldenburger Münsterland eine neue Heimat fanden, eine große Zahl evangelischer Christen befand.

Geistliches, wenn auch nicht weltliches Oberhaupt der Katholiken im Oldenburger Münsterland blieb auch nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 der Bischof von Münster (weltliches Oberhaupt wurde der – evangelische – Herzog, später Großherzog von Oldenburg). Seit den 1820er Jahren ist der bischöfliche Offizial in Vechta sein ständiger Repräsentant für das gesamte Gebiet des Oldenburger Landes, das nach dem Recht der katholischen Kirche bis heute gänzlich zum Bistum Münster gehört. Als weltweit staatskirchenrechtlich einzigartige Institution stellt das Bischöflich Münstersche Offizialat mit regional definierter Zuständigkeit gleich einem Generalvikariat die ausführende Gewalt (potestas executiva). Abgerufen am 4. Oktober 2013. des Bischofs dar. Seit Januar 2017 bekleidet Weihbischof Wilfried Theising, Titularbischof von Minadas, das Amt des Offizials in Vechta.

mini|Kalvarienberg bei der Kirche St. Bonaventura in Mühlen Sichtbares Kennzeichen einer lebendigen traditionellen Volksfrömmigkeit im Oldenburger Münsterland ist die Vielzahl von Bildstöcken, Wegkreuzen und Kreuzweganlagen im Freien.Der Bischof von Münster: Übersicht Bildstöcke und Wegkreuze. Region Oldenburg. kirchensite.de Allein auf dem Gebiet der Stadt Lohne gibt es mehr als 100 Wegkreuze.Kirchengemeinde St. Gertrud Lohne (Hrsg.): Wegezeichen – Glaubenszeichen. In der Pfarrgemeinde St. Gertrud Lohne. Lohne. 2011 ()

Ein besonderes Merkmal des Oldenburger Münsterlandes ist die Existenz einer Vielzahl staatlicher Grundschulen in der Form der katholischen Bekenntnisschule. Darüber hinaus gibt es im Oldenburger Münsterland mehrere Privatschulen in der Trägerschaft der katholischen Kirche.Schulstiftung St. Benedikt: Schule ist Kirche. Christliches Menschenbild prägt kirchliche Schulen. 15. April 2015

Für Aufsehen sorgte im Frühjahr 2021 eine Aktion der Ludgerusschule in Vechta, einer Oberschule in der Trägerschaft der St. Benedikt-Stiftung des katholischen Bistums Münster. Die Aktion richtete sich gegen die „Diskriminierung der ‚LGBTQ‘-Gemeinde“.Schüler setzen Zeichen gegen Homophobie. om-online.de. 21. Mai 2021.

Politik Zurzeit ist das Gebiet des Oldenburger Münsterlandes deckungsgleich mit dem des Bundestagswahlkreises Cloppenburg – Vechta, während es beim Zuschnitt der Landtagswahlkreise Überschneidungen mit dem Gebiet benachbarter Landkreise gibt. So gehören bei Wahlen zum Niedersächsischen Landtag die Stadt Wildeshausen und die Gemeinde Großenkneten im Landkreis Oldenburg zum Wahlkreis Cloppenburg-Nord, und die Stadt Damme und die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta wurden dem Landtagswahlkreis Bersenbrück zugeordnet. Vollständig auf dem Gebiet des Oldenburger Münsterlandes und nur auf diesem liegen die Wahlkreise Cloppenburg und Vechta.

Das Oldenburger Münsterland ist seit deren Bestehen traditionell eine Hochburg der CDU. Seit 1947 wurden in allen Wahlen zum Niedersächsischen Landtag und seit 1949 in allen Bundestagswahlen die jeweiligen Wahlkreiskandidaten der CDU direkt gewählt, und die CDU erhielt in allen Wahlen vor der Bundestagswahl 2021 eine absolute Mehrheit der Stimmen.

Entsprechende Mehrheiten gab es bereits vor 1933: Bei allen demokratischen Wahlen zum Oldenburgischen Landtag und zum Reichstag ab 1871 ging im Oldenburger Münsterland die Zentrumspartei als Sieger hervor, und zwar auch bei der Landtagswahl 1932, bei der die NSDAP die absolute Mehrheit der Mandate im Oldenburgischen Landtag erhielt. Joachim Kuropka, von 1982 bis 2006 Professor für Geschichte an der Universität Vechta, charakterisierte das Oldenburger Münsterland als „schwärzeste Ecke Deutschlands“.Rudolf Willenborg: Die Grenzen des Milieus. Vergleichende Analysen zu Stabilität und Gefährdung katholischer Milieus in der Endphase der Weimarer Republik und in der NS-Zeit. 24. Oktober 2009

Auch nach der Bundestagswahl 2021 ist der Bundestagswahlkreis Cloppenburg – Vechta eine Hochburg der CDU. Jedoch sank der Anteil der Zweitstimmen in diesem Wahlkreis für die CDU von 63,2 % bei der Bundestagswahl 2013 über 53,1 % bei der Bundestagswahl 2017 auf 38,4 % bei der Bundestagswahl 2021. Der Abstand zur SPD schrumpfte von 43,4 (2013) auf 13,8 Prozentpunkte (2021).

Wirtschaft Johann Gottfried Hoche, evangelischer Prediger und Reiseschriftsteller aus Halberstadt, reiste im Jahre 1798 von Hunteburg über Damme, Holdorf, Quakenbrück, Essen, Molbergen und Ellerbrock bei Friesoythe ins Saterland und veröffentlichte im Jahre 1800 in Bremen seine Reiseeindrücke. Darin heißt es:

„Der ganze Strich Landes von Quackenbrück aus über Vechta, Kloppenburg, Frisoyta bis an die Soeste, von da über die Ems, und wieder an der Hase hinauf, gehört nicht nur zu den schlechtesten in Westphalen, sondern in ganz Deutschland. Man glaubt in den Steppen von Sibirien zu seyn, wenn man die Haiden durchwatet… Alles ist öde und still, nicht ein Vogel singt sein Morgenlied und ergötzt das Ohr des Wanderers. Nicht ein Baum, nicht ein Busch bietet ihm Schatten dar… Bald wandelt man auf einem schwankenden Boden, bald hat man Mühe, den Fuß aus dem Sande zu erheben, dann gehet man durch ein halb verhungertes Getraide, auf einem Acker, der den Haiden geraubt wurde, und nähert sich einem Dörfchen, wo dies Bild noch grellere Farben findet. Die Schöpfung scheint hier noch unvollendet zu seyn.“

Allerdings trafen diese Eindrücke wohl weitgehend nicht zu; denn der Cloppenburger Arzt Joseph König stellte die Beschreibung Hoches kurz danach richtig: