miniatur|Wappen (Exlibris) des Johann Adam Grüsner, 1760|180px Johann Adam Grüsner (* um 1719 in Kirn oder Erfurt;John „Bonifacius“ Leslie, Johannes Adam Grüsner Erfurtensis: Dissertatio logico-metaphysica de individuo. Johann Christoph Hering, Erfurt 1736. † 20. August 1784 in Kirn) war ein Verwaltungsjurist und Historiker im Dienst der Fürsten von Salm-Kyrburg in Kirn.

Leben Johann Adam Grüsner stammte aus Kirn. Seine Eltern waren Adam Caspar Grüsner und ChristinaVorname nach Recherche bei familysearch.org. Dehn (* 1698/1700; † 1773).Brief von Jean Adam Grüsner an Justizrat Arnold von Dehn (1748–1798) in Reval vom 6. August 1768 aus Kirn. In: August von Dehn: Beiträge zur Geschichte der Familie von Dehn. Heinrich Laakmann, Dorpat 1868, S. 59–61 (digar.ee; 19,8 MB). Die Familie seiner Mutter stammte ab von Pastor Dehn in Osterode am Harz und dessen Sohn Cyriacus Dehn zu Erfurt.

Johann Adam Grüsner studierte Philosophie und Rechtswissenschaft an der Universität Erfurt. 1736 verteidigte er unter dem Vorsitz des Professors der Metaphysik und Theologie Pater Bonifatius Leslie OSB (1701–1779)Geboren als John Leslie aus dem schottischen Clan Leslie, wurde 1726 Professor in Erfurt, seit 1736 Prior des dortigen Schottenklosters, 1764–1766 Rektor der Universität. Disputationsthesen über das „Individuum“.

1748 wurde Johann Adam Grüsner Rat des Fürsten Philipp Josef, Wild- und Rheingraf von Salm-Kyrburg, Herrn zu Neufville-Leuze. Als Fürstlich Salm-Kyrburger Hofrat wurde er später Direktor der salmschen bzw. wild- und rheingräflichen (gemeinschaftlich Salm-Kyrburg und Salm-Salm) Lehenskanzlei in Kirn. Grüsner verfügte in Kirn über eine fast vollständige rheingräfliche „Deductionssuite“ und darüber hinaus über eine 20-bändige Sammlung von weiteren „Deductionen“ (Rechtsgutachten).Christoph Siegmund von Holzschuher: Deductions-Bibliothek von Teutschland nebst dazu gehörigen Nachrichten, Bd. II. Frankfurt am Main und Leipzig 1779, S. xxvii und S. 1126 (Google-Books). Insbesondere in den Erbschaftsstreitigkeiten, die sich nach dem Tod des wenige Monate alten Friedrich Wilhelm von Salm-Püttlingen (*/† 1750) entwickelten, sind ausführliche juristisch-historische Untersuchungen angestellt und publiziert worden. Friedrich Wilhelm von Salm-Püttlingen galt nach dem Tod des Wild- und Rheingrafen Johann Philipp von Salm-Dhaun (1724–1742) als letzter männlicher Nachkomme des Adolf Heinrich von Salm-Dhaun (1557–1606) und damit als der letzte Rheingraf von Dhaun. Die Rheingrafen von Salm-Grumbach und Salm-Rheingrafenstein ließen von Johann Jacob ReinhardJohann Jacob Reinhard: Gründliche Ausführung des Rheingräflich-Grumbach- und Rheingrafensteinischen Erb- und Lehen-Folg-Rechtes in Die Hälfte derer erledigten Rheingräflich-Dhaunischen Landen. o. O. 1750 (Digitalisat); 2. Auflage 1751 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); ders.: Die Gemeinschaft, als ein wahrer Grund der Erbfolge …, insonderheit, … des Rheingräflich-Grumbach- und Rheingrafensteinischen Erb- und Lehenfolgerechtes in die Hälfte derer … Rheingräflich-Dhaunischen Lande. o. O. 1755 (Google-Books).Johann Jacob Moser: Teutsches Staats-Archiv, Bd. I. Reinheckel, Hanau 1751, S. 35. und Johann Martin Kremer (1718–1793)Bruder von Christoph Jakob Kremer, rheingräflich-grumbachischer Hofrat und Kanzleidirektor, seit 1770 nassau-usingenscher Geheimrat in Wiesbaden und Weilburg.Johann Martin Kremer: Kurzer Begrif dererjenigen Gründen, welche bisher zu Behauptung des Rheingräflich-Grumbach- und Rheingrafensteinischen Erb- und Lehenfolg-Rechtes in die Hälfte derer erledigten Rheingräflich-Dhaunischen Landen vorgeleget worden sind, Nebst Widerlegung derer dagegen Fürstlich-Salm-Kyrburgischer Seits vorgebrachter unstatthafter Einreden. o. O. 1758 (Google-Books); ders.: Vorlegung derer Wild- und Rheingräflichen Successions-Fällen … zur Bestärkung der denen Herren Rheingrafen zu Grumbach und Rheingrafenstein zustehenden Erb- und Lehenfolge. Michael Macklot, Karlsruhe 1763 (Google-Books). Gutachten erarbeiten, um in den Besitz der Hälfte der Herrschaft Dhaun zu gelangen. Gegengutachten der Fürsten von Salm-Salm und Salm-Kyrburg stammen von Johann Ulrich von Cramer.Johann Ulrich von Cramer: Rechtliche Abhandlung von dem Vorzug derer näher gesippten Stamms-Vettern … bey der Erbfolge … und zugleich unumstößlicher Beweiß daß denen Herren Fürsten zu Salm die Erb- und Lehen-Folge in sämtliche erledigte Rheingräflich-Dhaunische Lande mit Ausschliessung derer Herren Rheingrafen zu Grumbach und Rheinstein zustehe. o. O. 1751 (Google-Books); ders.: Actenmäßige Species facti in causa citationis ad videndum dividi tam feuda … quam allodia in Successione Dhaunsensi … In Sachen derer Herren Rheingrafen zu Grumbach und Rheingrafenstein Contra Die Herren Fürsten … von Salm-Salm, so dann … von Salm-Kyrburg. o. O. 1757 (Google-Books).(Wiederabdruck) Johann Ulrich von Cramer: Supplementum Opusculorum Suorum Materias Gravissimas. Johann Conrad Wohler, Ulm, Frankfurt am Main und Leipzig 1767, Nr. I, IV und V, S. 1–35, 278–460 und 460–502 (Google-Books). Auch die juristischen Fakultäten der Universitäten Göttingen und Heidelberg erstellten 1757/58 Rechtsgutachten, insbesondere zur Frage einer möglicherweise eingetretenen „Totteilung“ der Rheingrafschaft.Johann Stephan Pütter (Hrsg.): Auserlesene Rechts-Fälle aus allen Theilen der in Teutschland üblichen Rechtsgelehrsamkeit in Deductionen, rechtlicher Bedenken, Relationen und Urtheilen, Bd. I. Vandenhoeck, Göttingen 1760, S. 90–122 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Nachdem das Reichskammergericht 1764 zugunsten der Rheingrafen von Salm-Grumbach und Salm-Rheingrafenstein entschieden hatte, Beurkundeter Inhalt der Fürstlich-Salm-Salmisch- und Salm-Kyrburgischen Revisions-Libellen. o. O. 1773, Vorbericht sowie S. 315 u. ö. gingen die Fürsten von Salm-Salm und Salm-Kyrburg in Revision. An einer rechtshistorischen Untersuchung zur Unterstützung der RevisionsklageBeurkundeter Inhalt der Fürstlich-Salm-Salmisch- und Salm-Kyrburgischen Revisions-Libellen. o. O. 1773. war Johann Adam Grüsner beteiligt.Vgl. Johann Adam Grüsner: Bikkenbachisches Stamm-Register. (Diplomatische Beyträge 4). Andreä, Frankfurt am Main, Hanau und Leipzig 1777, S. 105 und 237f; Fritz Vigener zu RggEbMz, Nr. 1543. In: Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe (1354–1374) (online; Zugriff am 4. Januar 2021). Erst 1779/83 kam es zu einem Vergleich.

Johann Adam Grüsner war ordentliches Mitglied (socius ordinarius) der 1754 gestifteten Churfürstlich-Mayntzischen Gesellschaft oder Academie nützlicher Wissenschaften zu Erfurt, deren Devise „Propter fructus gratior (= der Früchte wegen verdienstvoller)“ er seinem Wappen beifügte (1760). 1776 wurde er auch zum außerordentlichen Mitglied der 1763 gegründeten Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften in Mannheim ernannt.Anton Joseph Weidenbach: Das Nahethal, Band IV. (Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius II/19). Hergt, Koblenz 1870, S. 297f (Google-Books); vgl. S. 249. Er ist der „katholischen Aufklärung“ zuzurechnen. Eine Lobrede, die Fürst Friedrich III. von Salm-Kyrburg auf seinen verstorbenen Vater Fürst Philipp Joseph verfasst und in Kirn am 20. Juni 1779 hatte verlesen lassen, sandte Grüsner an den Herausgeber der Pfalzbaierischen Beiträge zur Gelehrsamkeit Christian Friedrich Schwan, der sie 1782 veröffentlichte.Friedrich III. von Salm-Kyrburg: Eloge Historique de très-haut, très-puissant & Sérénissime Prince Philippe-Joseph, Par la Grace de Dieu Prince Regnant de Salm-Kirbourg. In: Pfalzbaierische Beiträge zur Gelehrsamkeit 2,1 (1782), S. 3–14 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).

Hofrat Johann Adam Grüsner bewohnte nach 1778/79 unentgeltlich ein von Fürst Johann Dominik Albert von Salm-Kyrburg dem Sekretär Ludwig Hohlinger abgekauftes Haus an der Hauptstraße zwischen der Toten Gasse (heute Sackgasse) und dem Evergäßchen (heute Übergasse, Nr. 8a: „Haus Holinga“), das von 1757 bis etwa 1765 als erstes Schulgebäude des Piaristenkollegs Kirn gedient hatte.Johann Aloys Cadenbach, Franz Joseph Potthoff (zugeschrieben): Denkschrift über das Stiftungsvermögen des Collegii patrum piarum scholarum zu Kirn, und die Rechte, welche daraus von den Nachfolgern der untergegangenen Anstalt noch jetzt auszuüben sind. Henß, Kreuznach 1825, § 4, S. 4f (Digitalisat des Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Koblenz). 1778 beabsichtigte man, im Gewölbe und einigen Räumen das Salm-Kyrburger Archiv unterzubringen.Brief des Geheimen Rates Grüsner und des Kanzleidirektors H. Weis an den neuen Landesherrn Philipp Joseph zu Salm-Kyrburg vom 14. September 1778; Das Gebäude, das noch Anfang des 19. Jahrhunderts das „Grüsnerische Haus“ genannt wurde,Johann Aloys Cadenbach, Franz Joseph Potthoff (zugeschrieben): Denkschrift über das Stiftungsvermögen des Collegii patrum piarum scholarum zu Kirn. Henß, Kreuznach 1825, S. 4, 13f, 20 und Anhang Nr. 5, S. 20 und Nr. 13, S. 32. übertrug das Départementsgericht Koblenz am 1. bzw. 18. Brumaire an XI (23. Oktober bzw. 9. November 1802) einem Gläubiger des minderjährigen Friedrich IV. von Salm-Kyrburg, Christian Joseph Linz (1745–1813),Ab 1773 bis in die 1780er Jahre Kirner Land- und Oberamtsschreiber und Finanzrat, dann Kurtrierer Geheimrat und Hofkammerpräsident, später Notar in Koblenz. der es für 1050 Gulden verkaufte.

„Adam Griesner, Intimus (= Geheimrat) d[er] H[erren] von Salm Kyrburg“, starb am 20. August 1784 ledig in Kirn. Grüsners Nachfolger als Kanzleidirektor wurde zunächst 1784 der Hofrat Johann Philipp Manz,Helmut Prößler: Kirn unter dem Bürgermeister Johann Aloys Cadenbach in den Jahren 1806–1826. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst des Mittelrheins und seiner Nachbargebiete 14 (1962), S. 98–112, bes. S. 106f. zweiter Nachfolger 1787 Franz Xaver von Zwackh, ab 1789 kommissarisch wieder der inzwischen schon pensionierte Hofrat Manz.Arthur Kleinschmidt: Karl Theodor, Friedrich zu Salm und F. X. von Zwackh. In: Neue Heidelberger Jahrbücher 7 (1897), S. 199–216, bes. S. 212 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg); Hans Wibel: Die Urkundenfälschungen Georg Friedrich Schotts. In: Neues Archiv der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtskunde 29 (1904), S. 666–765, bes. S. 660f Anm. 2 (Digitalisat der Monumenta Germaniae Historia). Johann Philipp Manz hatte 1752 in Kirn (Maria) Christina Grüsner (Griesnerin) († nach 1812) geheiratet,Kirchenbuch St. Pankratius Kirn; Rudi Jung, K. Herbert Küster: Katholische Einwohner in Kirn und Umgebung 1682–1889. (Heimatkundliche Schriftenreihe der Verbandsgemeinde Kirn-Land 3). Kirn 1992, S. 98 und 168 (PDF; abgerufen am 7. Januar 2021). wahrscheinlich eine Schwester des Johann Adam Grüsner. Einer der Taufpaten des ersten Kindes Johann Nepomuk Joseph Thomas (1755–1758) von Johann Philipp Manz und Christina Griesner war Johann Adam Griesner.

Veröffentlichungen als Historiker