Vechta [] (plattdeutsch Vechte) ist eine Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis Vechta in Niedersachsen und liegt im Oldenburger Münsterland.

Vechta ist eine Universitätsstadt und gehört seit 1994 dem Städtequartett an, zu dem sich die Städte Damme, Diepholz, Lohne und Vechta zusammengeschlossen haben. Seit 2006 gehört Vechta zur Metropolregion Nordwest.

Geografie Lage Vechta liegt im Zentrum des Städtedreiecks Bremen, Oldenburg und Osnabrück.

Im äußersten südöstlichen Bereich des Stadtgebietes liegt das Große Moor, eines der wenigen verbliebenen Hochmoore. Ein Teil dieses Moores wird in Richtung Westen über den Vechtaer Moorbach entwässert, der in Richtung Hase weiterfließt und die höher gelegene Ems-Hunte-Geest im Norden von den Ausläufern der Dammer Berge im Süden trennt.

Stadtgliederung Vechta gliedert sich in 15 Stadtteile: Kernstadt Bergstrup Calveslage Deindrup Hagen I Hagen II Holtrup Holzhausen Langförden Oythe Spreda Stoppelmarkt Stukenborg Telbrake Vardel

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind, beginnend von Norden im Uhrzeigersinn, die Gemeinden Visbek, Goldenstedt und Barnstorf, die Städte Diepholz, Lohne und Dinklage sowie die Gemeinden Bakum, Cappeln und Emstek. Emstek (15 km)Cappeln (15 km) Visbek (12 km) Goldenstedt (12 km) Bakum (6 km) zentriert|90px Barnstorf (15 km) Dinklage (13 km) Lohne (8 km) Diepholz (15 km) Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung in Luftlinie zwischen den jeweiligen Ortszentren.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Vechta gehört zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.

Der Vechtaer Moorbach ist das zentrale Fließgewässer des Stadtgebiets und entwässert über den Fladderkanal, die Lager Hase und die Hase in die Ems. Zudem sind Nebenbäche wie die Schlochter Bäke, der Hagener Bach, der Stukenborger Bach und der Spredaer Bach zu nennen, die den Vechtaer Moorbach speisen.

Zahlreiche Bäche und Entwässerungskanäle dienen der Ableitung von Wasser aus landwirtschaftlich genutzten Flächen und aus dem Siedlungsbereich und tragen zur Verringerung von Abflussspitzen bei Starkregen bei. Im Stadtgebiet und im Landkreis Vechta werden Maßnahmen zur Renaturierung von Fließgewässern umgesetzt, unter anderem an der Schlochter Bäke. Ziel dieser Projekte ist die Entwicklung naturnaher Gewässerstrukturen, die Verbesserung der Uferzonen, der Erhalt und die Wiederherstellung von Auen sowie die Förderung der Biodiversität.

Am südöstlichen Stadtrand im Ortsteil Langförden liegen Randbereiche des Großen Moores, bestehend aus Moorwiesen, Feuchtgrünland, Entwässerungsgräben und torfhaltigen Böden.https://mooris-niedersachsen.de/?pgId=1419 Die Flächen sind von Bedeutung für Wiesenvögel, Amphibien und Insekten; der überwiegende Teil des Großen Moores liegt jedoch außerhalb des Stadtgebiets. Entlang des Vechtaer Moorbachs sowie in kleineren Niederungsbereichen bestehen weitere Feuchtgebiete mit Wiesen, Gräben und kleinen Stillgewässern, die Lebensräume für Wasservögel und Amphibien bieten und zur ökologischen Regenwasserbewirtschaftung beitragen.

Vechta steht vor hydrologischen und ökologischen Herausforderungen, die vor allem auf intensive landwirtschaftliche Nutzung, historische Entwässerungsmaßnahmen und die Versiegelung von Flächen zurückzuführen sind.https://www.landkreis-vechta.de/bauen-und-umwelt/natur-und-umwelt/arten-und-biotopschutz.html Viele Fließgewässer gelten als erheblich verändert, weisen eingeschränkte ökologische Funktionen auf und sind durch Nährstoffeinträge belastet, wodurch die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie oft nicht erreicht werden. Renaturierungsmaßnahmen an Bächen sowie die Wiedervernässung von Mooren sollen die Gewässerstruktur verbessern, die Biodiversität fördern und zugleich Hochwasser- und Klimaschutz unterstützen.

Untergrundverhältnisse Die Stadt liegt in der Norddeutschen Tiefebene. Das Gebiet um Vechta besteht hauptsächlich aus glazio-fluviatilen Ablagerungen, in erster Linie lehmige und sandige Ablagerungen des Pleistozäns.

Bohrungen zeigten, dass die obersten Sedimentschichten eine Mächtigkeit von etwa fünf bis sieben Meter haben. Dieser Schicht unterlagert ist eine zehn Meter starke, lehmige und marlige Sedimentschicht.

Der oberste Grundwasserleiter befindet sich in einer Tiefe von 2–6 m. Sandige Schichten in einer Tiefe von 25–30 m bilden einen ertragreichen Aquifer (Grundwasserleiter) für die Grundwasserförderung.

Im Nordwesten der Stadt Vechta in der Nähe von Holzhausen wurde ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen (Vechta-Holzhausen, Gebietsnummer 03460009101), um das Grundwasser für die Trinkwasserversorgung zu schützen. Dieses Schutzgebiet liegt im Einzugsbereich des Wasserwerks Vechta und schützt die Brunnenanlagen sowie das Grundwasser vor Verunreinigungen. Das Wasserschutzgebiet erstreckt sich in einem größeren Gebiet (35 km²) nördlich der Brunnen (Vechta-Langförden-Visbek-Wöstendöllen-Lutten-Oythe). Das Grundwasser wird aus 6 Entnahmebrunnen gewonnen.

Klima In Vechta herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.

Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.

Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.

In dem Zeitraum 2012–2021 betrug die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 528 mm.https://www.timeanddate.de/wetter/deutschland/vechta/klima

Geschichte Chronik der Zugehörigkeit:

von 1070 (erste urkundliche Erwähnung) bis 1252 Grafschaft Ravensberg von 1252 bis 1647 Hochstift Münster von 1647 bis 1654 Besatzung durch Schweden von 1654 bis 1803 Hochstift Münster von 1803 bis 1806 Herzogtum Oldenburg von 1806 bis 1810 Herzogtum Oldenburg im Rheinbund von 1810 bis 1814 Kaiserreich Frankreich, Département de l’Ems-Supérieur von 1814 bis 1867 (bzw. als Teilstaat bis 1918) Großherzogtum Oldenburg von 1867 bis 1871 Norddeutscher Bund von 1871 bis 1945 Deutsches Reich von 1918 bis 1945 Freistaat Oldenburg (als Teilstaat des Deutschen Reichs, ab 1933 Teil des NS-Staates) von 1945 bis 1949 Britische Besatzungszone Deutschlands seit 1946 Land Niedersachsen (ab 1949 als Teilstaat der Bundesrepublik Deutschland) seit 1949 Bundesrepublik Deutschland

Die Rheinische Straße als Handelsweg verlief im Mittelalter von Osnabrück kommend in nördlicher Richtung ab Lohne westlich am Fuße der Dammer Berge und überquerte die Niederung beiderseits des Vechtaer Moorbachs zwischen dem Stauchendmoränenzug der Dammer Berge im Süden und der Cloppenburger Geestplatte im Norden an der schmalsten und damals einzig passierbaren Stelle. Dieser wichtige Übergang über den sumpfigen Vechtaer Moorbach ist schon für 851 urkundlich erwähnt.Werner Klohn: Stadtgeographie Vechta und Agrarwirtschaft in Südoldenburg (PDF; 4,29 MB). Der Handelsweg führte über die Hafenstädte Bremen und Hamburg zur Ostseestadt Lübeck.

Der Bischof Benno I. von Osnabrück sorgte ab 1060 für einen Ausbau der Straße, so dass die Rheinische Straße an Bedeutung zunahm. Stadt Vechta, 2005.

In den Jahren 1076 und 1077 kam es zum so genannten Osnabrücker Zehntstreit zwischen Osnabrück und den Klöstern Corvey und Herford. Bischof Benno II. von Osnabrück entschied den Streit für sich und erhielt dabei auch den Zehnten von Vechta sowie die damit verbundene Judikative. An der Furt baute er um 1080 die erste Burg Vechtas. Stadt Vechta, abgerufen am 24. September 2011. Im Schutze der Burg wuchs die ursprüngliche Siedlung und erhielt das Osnabrücker Stadtrecht sowie das damit verbundene Zoll-, Münz- und Marktrecht.

Das als Reichslehen an die Herrschaft Vechta vergebene Zoll-, Münz- und Marktrecht ging im 12. Jahrhundert vom Bischof von Osnabrück an die Grafen von Calvelage über, die sich ab 1140 die Grafen von Ravensberg nannten.

Im Jahre 1252 verkauften die Gräfin Sophie und ihre Tochter Jutta das Reichslehen an das Hochstift Münster für 40.000 Mark, heutiger geschätzter Geldwert rund 20 Millionen Euro. In: Land & Forst. Abgerufen am 24. September 2011. Es wurde Sitz eines münsterschen Amtmanns.

Infolge einer Fehde zwischen dem Bischof von Münster und dem Grafen von Oldenburg wurden die Stadt und die Burg Vechta 1538 von oldenburgischen Truppen durch Feuer weitgehend zerstört.

Zur Zeit der Reformation war unter Bischof Franz von Waldeck Vechta rund 70 Jahre von 1543 bis 1613 lutherisch geprägt. In jener Zeit wirkte in dieser Region der evangelische Reformator Hermann Bonnus. Im Zuge der Gegenreformation unter Bischof Ferdinand von Bayern wurde die Region rekatholisiert.

Im Dreißigjährigen Krieg litt Vechta schwer. Bis 1654 dauerte die schwedische Besatzung,Friederich Matthias Driver: Beschreibung und Geschichte der ehemaligen Grafschaft, nun des Amtes Vechte im Niederstift Münster. Verlag Peter Waldeck. Münster 1803, S. 68 f. (PDF-Datei; 61,4 MB). deren Ende durch eine Prozession zu Christi Himmelfahrt bis heute in der Stadt gedacht wird. Ferner zeugen zwei gut sichtbare Kanonenkugeln an der Nordseite des Kirchenschiffes der Propsteikirche davon. Ab 1640 bauten die Franziskaner in Vechta eine Klosteranlage und gründeten eine Lateinschule. Aus dieser ging 1719 das Gymnasium Antonianum hervor. 1684 zerstörte ein Großbrand große Teile Vechtas.Karl Willoh: Der Wiederaufbau der Stadt Vechta nach dem Brande 1684. In: Jahrbuch für die Geschichte des Herzogtums Oldenburg. Jg. 7. 1898, S. 93–146. Auf den darauf folgenden Neuaufbau geht der heutige Grundriss der Stadt zurück. Der Brand bot einen Anlass, die Burg endgültig aufzugeben; sie wurde 1689 abgerissen.Friederich Matthias Driver: Beschreibung und Geschichte der ehemaligen Grafschaft, nun des Amtes Vechte im Niederstift Münster. Verlag Peter Waldeck. Münster 1803, S. 82 (PDF-Datei; 61,4 MB) Die Funktion der Burg als Wehranlage nahm die Zitadelle ein. Im Zuge des Siebenjährigen Krieges erwies sich jedoch ihre Nutzlosigkeit: ohne Schwertstreich wurde sie am 1. April 1758 an die feindlichen Hannoveraner übergeben.P. Willoh: Die Stadt Vechta im Siebenjährigen Kriege. In: Jahrbuch für die Geschichte des Herzogtums Oldenburg. Jg. 6. 1897, S. 113. Auch die Zitadelle wurde 1769 geschleift.

mini|Jüdischer Friedhof mini|Landmaschinenschau am Tag des offenen Hofes in Holtrup 1803 kam das Amt Vechta an das Herzogtum Oldenburg. Zwar gab es von 1811 bis 1813 ein Intermezzo in Gestalt der Franzosenherrschaft über Nordwestdeutschland und damit auch über Vechta, während der das Franziskanerkloster aufgehoben wurde; unmittelbar nach der Zeit wurde allerdings die Herrschaft Oldenburgs über Vechta bestätigt. Bis zum Ende der Monarchie 1918 blieb Vechta Teil des Großherzogtums, wurde anschließend Teil des Freistaates Oldenburg und kam 1946 zum neugebildeten Land Niedersachsen.