Dourtenga ist ein Departement () und eine Gemeinde ( „Landgemeinde“) sowie deren Hauptort im Südosten des westafrikanischen Staates Burkina Faso. Beide Verwaltungseinheiten umfassen dasselbe Gebiet mit zwölf Dörfern und unterscheiden sich nur in administrativen Aufgaben. Dourtenga liegt in der zur Region Centre-Est zählenden Provinz Koulpélogo und ist geprägt von Klima und Vegetation des sudanesischen Savannengürtels. Von der Gründung im 15. Jahrhundert bis zur Eroberung durch die Franzosen um 1900 war Dourtenga ein unabhängiges Häuptlingstum (), zwischen den Königreichen Lalgaye und Ouargaye in der Landschaft Yanga gelegen, dem Land der mit den Mossi eng verwandten Yaama. Diese stellen die Mehrheit der rund 9500 Einwohner Dourtengas und leben vorwiegend als Subsistenzbauern von der Landwirtschaft.
Geographie Lage mini|Die Gemeinden der Provinz Koulpélogo Dourtenga liegt in der Großlandschaft Sudan im Südosten von Burkina Faso und im Westen der Provinz Koulpélogo, die zur administrativen Region Centre-Est gehört. Nachbargemeinden sind im Norden und Westen Lalgaye, im Nordosten Comin-Yanga, im Osten Yondé und im Süden Ouargaye. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 112,77 km² oder 2,13 % der Gesamtfläche Koulpélogos; damit ist Dourtenga die kleinste Gemeinde der Provinz.. Abgerufen am 3. April 2015. Die Nachbarorte Lalgaye und Ouargaye sind beide jeweils etwa 10 km von Dourtenga entfernt.
Relief und Gewässer Dourtenga liegt auf dem vor mehr als zwei Milliarden Jahren entstandenen präkambrischen Granitsockel, der drei Viertel der Landesfläche ausmacht und einen Teil des Mittelabschnitts der Oberguineaschwelle darstellt. Das Relief dieser flachwelligen Hochebene ist durch Senken, Kuppen, Hügel und vereinzelte Inselberge geprägt, die im Birrimien entstanden sind, zumeist von Lateritpanzern bedeckt sind und Granitintrusionen aufweisen. Das Gebiet Dourtengas erreicht an den Flussläufen seine niedrigsten Höhen. Vorherrschend sind Lateritböden, die arm an mineralischen Elementen und organischem Material sind, während in den Niederungen schlammige Tonböden existieren. Die Wasserläufe auf dem Gemeindegebiet Dourtengas führen nur in der Regenzeit Wasser und fließen dem Koulpélogo sowie dem Nouaho, Nebenflüssen des Nakambé (Weißer Volta), zu. In der Regenzeit sind sie Ursache der Unpassierbarkeit der Pisten, liegen im Januar und Februar aber trocken und haben zahlreiche tote Flussarme.
Klima und Vegetation mini|Während der Regenzeit ist der sonst karge Boden von grüner Vegetation bedeckt Dourtenga unterliegt dem Einfluss des Tropischen Wechselklimas mit sudanosahelischem Charakter, gekennzeichnet durch einen Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Die relativ kurze Regenzeit dauert von Mai bis September, im Durchschnitt gibt es 51,5 Regentage mit einem Niederschlagswert von 868 mm pro Jahr. Da Dourtenga selbst über keine Wetterstation verfügt, werden die Daten aus Ouargaye herangezogen, wo seit dem Jahr 2000 Wetterdaten aufgezeichnet werden. Dourtenga liegt in der zum sudanosambesischen Savannengürtel zählenden phytogeographischen Zone des Sudan. Charakteristisch ist die typische Vegetation der Trockensavanne mit dichtem Grasbewuchs (darunter Lampenputzergräser) und vereinzeltem Baumwuchs, zu dem einheimische Arten wie Tamarindenbaum, Afrikanischer Affenbrotbaum (Baobab), Karitébaum, Seyal-Akazie, Wüstendattel und Diospyros mespiliformis zählen. In Dourtenga findet sich praktisch keine ursprüngliche dichte Vegetation mehr, Grund sind anthropogene und klimatische Einflüsse. In der Vergangenheit kam es zu Pflanzungen von Mango, Rotem Eukalyptus und Niembaum.
Umwelt mini|Bei den Unwettern 2007 zerstörter Damm eines Regenrückhaltebeckens Durch die schweren Unwetter in Teilen Westafrikas im Sommer 2007 kam es auch in Dourtenga zu Schäden. So wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und Blechdächer fortgeweht. Die Regenfälle vernichteten einen Teil der Ernte, zerstörten den vorgeschädigten Damm eines Regenrückhaltebeckens vollständig und brachten viele der in traditioneller Lehmbauweise errichteten Rundhütten zum Einsturz.Wiederaufbau nach Verwüstung. In: Schwetzinger Zeitung, 8. März 2008. Abgerufen am 3. April 2015. Im April 2008 kam es erneut zu Unwettern, die erhebliche Schäden anrichteten und Menschen verletzten.Website des Förderkreises Dritte Welt Brühl
Bevölkerung mini|links|Mehr als die Hälfte der Bewohner Dourtengas sind Kinder und Jugendliche Den Ergebnissen der Volkszählung von 2006 zufolge leben in Dourtenga 9517 Menschen. Die Bevölkerung verteilt sich auf 1582 Haushalte . 5020 Frauen stehen 4497 Männer gegenüber, auf 100 Frauen kommen demnach 90 Männer. Beim Zensus von 1996 hatte Dourtenga 6949 Einwohner, und 53 % der Bewohner Dourtengas waren jünger als 20 Jahre. Die Bevölkerungsdichte beträgt 84,6 Einwohner pro km², das Bevölkerungswachstum wurde für 1996 mit 2,5 % beziffert.
Recht gering ausgeprägt unter den jungen Bewohnern von Dourtenga ist die Landflucht. Für diejenigen, die den Ort verlassen, sind die Hauptstadt Ouagadougou, Fada N’Gourma oder die nahen Nachbarländer das Ziel. Dourtenga gilt als Transitort für Kinderhandel.
Sprache Offizielle Amtssprache ist wie in ganz Burkina Faso Französisch, die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht.
Die Yaama sprechen mit dem Yaana einen Dialekt des Mòoré, der zu den Niger-Kongo-Sprachen zählenden Gur-Sprache der Mossi. Mòoré und Yaana weisen eine hohe lexikalische Ähnlichkeit auf und die gegenseitige Verständlichkeit liegt bei 90 %. Die Kinder wachsen mit beiden Varianten auf und vermischen sie im Alltag, wobei die Jüngsten die meisten Probleme haben, Mòoré zu verstehen. Die in Dourtenga sowie in Comin-Yanga und Yondé gesprochene Variante des Yaana weist Unterschiede zum weiter südlich gesprochenen Yaana in Sanga und Soudougui auf. Die Sprache der Fulbe ist das Fulfulde, eine weitläufig mit dem Mòoré verwandte Niger-Kongo-Sprache.
Religion Die traditionelle Religion der Yaama von Dourtenga definiert sich primär über das Darbieten von Opfergaben. In ihrer Konzeption existiert ein Großer Gott, genannt Naaba Wẽnde. Dieser ist ihrem Glauben zufolge so groß, dass er für Menschen unerreichbar ist. Zahlreiche Gottheiten, die zu den beiden Gruppen der tangama und kinkirsi (Singular: kinkirga) zählen, dienen daher als Mittler. Die tangama stehen Gott aufgrund ihrer Macht nahe und sind zum Teil mit den Ahnen der Menschen assimiliert. Leben, Fruchtbarkeit, Gesundheit und Regen gehören den tangama, die häufig Hügel, Flüsse oder Felsen bewohnen. Die kinkirsi sind Geister, von denen die Guten Reichtum verschaffen und die Bösen Fehler zum Beispiel mit Krankheiten bestrafen können. Jeder Gottheit werden regelmäßig Opfer zuteil, etwa in Form von Tieren oder der Gabe von zom-koom (Hirsemehlwasser). Das Priesteramt ist nicht einzelnen Individuen oder Gruppen vorbehalten, jedes Familienoberhaupt zum Beispiel ist zugleich Priester. Ihre Religion hatte für die Yaama in der Vergangenheit große Bedeutung, war die Basis des menschlichen Lebens und schrieb das Verhalten des Einzelnen vor.Segda 1989, S. 45–48
Erst mit der Kolonisierung kam Dourtenga unter den Einfluss fremder Religionen. Das Gebiet der Yaama gehört zu den Regionen Burkina Fasos mit den wenigsten Anhängern des Islam. Katholische und Protestantische Missionstätigkeit setzte mit der Kolonisierung ein, heute sind die meisten Bewohner Dourtengas Katholiken. Doch viele der Christen in Dourtenga suchen aber weiterhin Weissager auf und bringen Opfergaben dar. Es gibt keine Probleme zwischen den einzelnen Religionsgruppen.
Geschichte mini|Gehöft aus Rundhütten in Lehmbauweise Ursprünge Dourtengas Die Ursprünge der Gründer Dourtengas werden – wie auch diejenigen der Mossireiche und des Reiches Gulmu der Gurma – in Gambaga, einem Ort im Norden des heutigen Ghana, vermutet. Von dort sollen sowohl die Prinzessin Yennenga, Begründerin der Mossi-Dynastien, als auch Diaba Lompo, Gründer des Reiches Gulmu, und sein Bruder Tarwêna nach Norden gezogen sein. Letzterer hatte mit Pihiga und Segda (Segueda) zwei Enkel, die in Pihitenga lebten, einem heute zu Lalgaye zugehörigen Dorf. Pihiga, Gründer des Dorfes und dessen Oberhaupt, war ein gewalttätiger Herrscher, was seinen Bruder zum Verlassen Pihitengas bewog. Er gründete auf der gegenüberliegenden Seite eines Hügels ein neues Dorf, Dourtenga, dessen erster Chef (naaba) er wurde. Durch eine große Zahl an Nachkommen, die in der Nachbarschaft neue Dörfer gründeten, konnte er seine Herrschaft sichern. Diese Ereignisse werden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vermutet, zwischen 1465 und 1480, womit Dourtenga älter wäre als die benachbarten Reiche Lalgaye und Ouargaye, die zwar im Land der Yaama liegen, aber von Mossi gegründet wurden und in deren Machtstrukturen eingebunden waren. Dourtenga war dagegen bis zur Eroberung durch die Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts stets ein unabhängiges Häuptlingstum () gewesen.
Traditionelle Herrschaft Die Herrschaft über das vorkoloniale Dourtenga wurde von einem naaba () ausgeübt, jeweils einem Nachfahren Segdas, des Dorfgründers und ersten Naabas. Politische Herrschaft war somit an die familiäre Herkunft geknüpft. In die herrschende Familie geboren zu werden, galt als Gottes Wille. Politische Macht, genannt naam, war dementsprechend ein Geschenk Gottes, das man sich nicht auf andere Weise aneignen konnte, ohne dadurch die Götter zu verärgern. Dies erklärt die Abwesenheit von Nachfolgekonflikten in Dourtenga; die Nachfolge wurde durch ein Rotationssystem verschiedener dynastischer Segmente der einzelnen Dörfer geregelt. Bis heute, auch zu Kolonialzeiten und nach der Unabhängigkeit, besteht das System der Naabas weiter, wobei diese über keine offiziellen Befugnisse mehr verfügen.
Nachfolger Segdas war Kulweogo, der das Dorf Niondin gründete. Die Chefs der von den folgenden Nachfahren gegründeten Dörfer zeigten ihre Verbundenheit zu Dourtenga unter anderem dadurch, dass sie sich dort begraben ließen. Allerdings zählten zum Gebiet Dourtengas auch Dörfer, die nicht von Nachfahren Segdas gegründet wurden, so Kobré und Tangoko. Das heutige Dourtenga umfasst in etwa das Gebiet des präkolonialen Häuptlingstums, wobei das Dorf Boussirabogo heute zu Yondé gehört. Dourtenga war nur selten in externe Konflikte verwickelt. Dies kann mit einer Selbstgenügsamkeit erklärt werden und der Tatsache, dass Dourtenga von verschwisterten Häuptlingstümern umgeben war. Eine Ausnahme stellt die Zeit des Naaba Guugu dar, der als blutrünstig und angriffslustig in die mündlich überlieferte Geschichte eingegangen ist.
Kolonisierung durch Frankreich Mit Ankunft der Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts endete die Autonomie Dourtengas. Der zu dieser Zeit herrschende Naaba Yussablega widersetzte sich den Franzosen, die aus Lalgaye kommend im Dorf einzogen, nicht. Dies geschah vermutlich im Bewusstsein der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens angesichts der französischen Übermacht, die zuvor den Naaba von Tenkodogo zur Flucht gezwungen hatte. Yussablega war zuvor noch nie Franzosen begegnet, hatte aber von deren Brutalität gehört. Dourtenga wurde ohne Zusammenstöße eingenommen, war für die Franzosen allerdings nur Durchgangsstation nach Ouargaye, das in Folge lokales Verwaltungszentrum wurde. Wie auch das restliche Gebiet des heutigen Burkina Faso, kam Dourtenga zunächst unter Militärverwaltung und wurde später Teil der neu gegründeten Kolonie Obersenegal und Niger und danach der aus diesem Gebiet abgetrennten Kolonie Obervolta. Als diese 1932 unter den Nachbarkolonien aufgeteilt wurde, kam Dourtenga bis zur Wiederherstellung Obervoltas 1947 zur Kolonie Elfenbeinküste.
Dourtenga im unabhängigen Obervolta (seit 1984 Burkina Faso)