Oppenheim ist eine Stadt am Oberrhein im Landkreis Mainz-Bingen, Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Rhein-Selz, der sie auch angehört. Oppenheim ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Im Hoch- und im Spätmittelalter war Oppenheim Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.
Bekannt ist Oppenheim als Stadt des Weines, Sitz des Deutschen Weinbaumuseums und durch die Weine der Großlage Oppenheimer Krötenbrunnen.
Geographie Oppenheim liegt links des Rheins in Rheinhessen, etwa mittig zwischen Mainz im Norden und Worms im Süden.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 545 Millimeter.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Römische Zeit Bei Bauarbeiten in den 1950er Jahren auf dem Gelände der 1837 abgerissenen Sebastianskirche stieß man auf Mauerreste, Ziegelsteine als Bodenbelag, ein Wasserbecken und einen gemauerten Kanal. Diese Funde weisen darauf hin, dass an dieser Stelle römische Bauten gestanden haben. In den Nachbarorten Dienheim und Nierstein wurden lediglich Grabstellen entdeckt, die nach römischer Sitte nur außerhalb von Siedlungen angelegt wurden. Der ehemalige rheinland-pfälzische Landesarchäologe Gerd Rupprecht lokalisierte an dieser Stelle das Römische Militärlager Buconica.Militärstation Buconica in Oppenheim. In: Allgemeine Zeitung, 30. November 2008 ()
Mittelalter (500–1500) Vom 20. Juli 765 und aus dem Lorscher Codex stammen die ältesten erhaltenen Erwähnungen von Oppenheim. Hierin wird von zwei Schenkungen über je einen Weinberg durch Folrad(Urkunde 1560) = und Bertrich(Urkunde 1578) = an das Kloster Lorsch berichtet. 774 schenkte Karl der Große Oppenheim dem Kloster Lorsch.
1008 erhielt Oppenheim Marktrechte. Im Oktober 1076 erlangte Oppenheim besondere Bedeutung im Investiturstreit. Auf dem Reichstag von Tribur und Oppenheim forderten die Fürsten König Heinrich IV. auf, sich vom päpstlichen Bann zu lösen. Dies war der Auslöser für Heinrichs Gang nach Canossa. Als Oppenheim später in Interessenskonflikte zwischen dem Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken und dem Stauferherzog Friedrich II. geraten war, wurde Oppenheim von ersterem 1118 zerstört. Als das Kloster Lorsch in den 1140er Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geriet, gab es Oppenheim an den König des Heiligen Römischen Reiches zurück.Stefan Grathoff u. a.: Zur Geschichte Oppenheims auf der Homepage Regionalgeschichte.net des Instituts geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz vom 24. Juni 2016. Damit begann Oppenheims Geschichte im Reich. Zur Zeit des Stauferkaisers Friedrichs II. wurde Oppenheim 1226 Freie Reichsstadt.Gerold Bönnen: Staufer und Stadt – Die Privilegien Kaiser Friedrichs II. für Oppenheim ab 1225/1226 und die frühe Entwicklung der Reichsstadt. In: Der Wormsgau 40 (2025), S. 7–39; Daniela Bachi, Daniela Schomisch: Burg Landskron in Oppenheim auf der Homepage Regionalgeschichte.net des Instituts geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz vom 31. Oktober 2014. Die Stadt war zu dieser Zeit wegen ihrer Reichsburg und den dort ansässigen Burgmannen bedeutsam. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert. Es besaß hier Häuser, eine Gülte und einen Wirtschaftshof am Dienheimer Tor.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden. Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540). 1254 schloss sich die Stadt dem Rheinischen Städtebund an, der sich verpflichtete Frieden und Recht für alle Personen zu gewährleisten. Damit waren explizit auch Angehörige jüdischer Religion gemeint. Seit dieser Zeit hatten auch die Juden, die seit etwa 1225 in Oppenheim wohnten, Rechtsschutz.; Artikel auf https://www.regionalgeschichte.net/
In Oppenheim fanden bis auf die Zeit zwischen 1315 und 1353 weniger Pogrome an der jüdischen Bevölkerung statt als in den Nachbarstädten Mainz und Worms. Die Juden erhielten das Niederlassungsrecht aber nur gegen relativ hohe Sondersteuern. In Oppenheim wurde den Burgherren der Burg Landskron unter anderem durch den König Rudolf von Habsburg das Recht zum Genuss der Steuern der Juden zugesprochen.
1315 wurde die Stadt Oppenheim an den Erzbischof von Mainz verpfändet. Das dauerte bis 1353. In dieser Zeit fanden die einzigen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung im Mittelalter statt. Trotzdem wurde 1325 eine neu gebaute Synagoge eingeweiht. Diese wurde bei einem Pogrom 1349 wieder zerstört. Die Mehrheitsbevölkerung schob den Juden die Verantwortung für die Ausbreitung der Pest in Oppenheim zu.Wolfgang Kemp: Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933–1945. Korrigierte, ergänzte und wesentlich erweiterte Neuauflage. Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte, Alzey 2009, ISBN 978-3-87854-221-6. S. 15–20. Nach dieser Verfolgung siedelten sich erst nach einigen Jahren wieder Juden an. Ab 1375 gehörte Oppenheim zum Territorium des Kurfürsten der Pfalz. Es war zuvor von Kaiser Karl IV. an Kurfürst Ruprecht I verpfändet worden, der das Pfand einlöste.Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine. Dritter Teil, Frankfurt und Leipzig 1787, Seite 26. (gesamter Text online unter Google Books) 1444 lebten 4 jüdische Familien in Oppenheim. Später waren es so viele, dass die Gemeinde 4 Rabbiner beschäftigte.Beitrag Oppenheim – Jüdische Geschichte / Synagogen auf dem Geschichtsportal Alemannia Judaica. alemannia-judaica.de
Neuzeit (ab 1500) bis 1900 mini|Feldlager bei Oppenheim 1621
Oppenheim wurde am 14. September 1620 durch spanische Truppen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erobert. Im Juni 1631 überquerte König Gustav II. Adolf mit seinem Heer bei Oppenheim den Rhein und eroberte die Stadt. An diesen Rheinübergang erinnert die Schwedensäule bei dem rechtsrheinischen Erfelden im heutigen Hessen.
Oppenheim wurde 1688 durch französische Truppen im Zuge des Pfälzer Erbfolgekriegs (1688–1697) erobert. Am 31. Mai 1689 zerstörten französische Truppen unter General Ezéchiel de Mélac die Burg Landskron und die Stadt.
Auch im 17. und 18. Jahrhundert lebten Juden in Oppenheim. 1765 waren es 10 Familien.
Bis 1797 blieb Oppenheim kurpfälzischer Besitz. Nach der Französischen Revolution eroberten französische Truppen im Ersten Koalitionskrieg unter Napoleon die linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz und auch Oppenheim. Von 1798 bis 1814 waren Oppenheim und die linksrheinischen Gebiete in den französischen Staat eingegliedert. Sie gehörten überwiegend zum von Napoleon neugeschaffenen Département du Mont-Tonnerre (französisch für den Donnersberg). Nach dem Ende der napoleonischen Zeit kam Oppenheim 1816 mit einigen anderen linksrheinischen Städten und Gebieten zum Großherzogtum Hessen. Dieses Gebiet erhielt den Namen Rheinhessen. 1804 gab es in Oppenheim 74 Juden, 1824 waren es 162 und 1861 184. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ging die Zahl leicht zurück.Beitrag Oppenheim – Jüdische Geschichte / Synagogen auf dem Geschichtsportal Alemannia Judaica. alemannia-judaica.de 1900 wohnten 129 Juden in Oppenheim. Die Kultusgemeinde, zu der auch die Nachbarorte gehörten, hatte 219 Mitglieder.Eintrag Oppenheim in Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7, (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland 2), S. 305ff.
Der Bahnhof Oppenheim wurde am 22. März 1853 in Betrieb genommen, als der erste Abschnitt der damals noch eingleisigen Bahnstrecke Mainz–Worms bis Oppenheim eröffnet wurde.
1864 hatte die jüdische Gemeinde in der Rathofstraße 19 eine neue Synagoge erbaut; sie wurde im August 1864 eingeweiht.Nach Eintrag Oppenheim in Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7, (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland 2), S. 307.
Verfolgung der Juden in Oppenheim (1933–1945) Gleich nach der Machtergreifung des NS-Regimes am 30. Januar 1933 begann die Diskriminierung von Juden. Sie erlitten Ausgrenzung, Verlust von Freunden, Boykott von Geschäften, Verlust des Arbeitsplatzes und Rechtlosigkeit. 1934 wurde der jüdische Friedhof an der heutigen Amselstraße geschändet. Bis zum 9. November 1938, dem Tag der reichsweiten Ausschreitungen gegen Synagogen und viele Juden, waren 108 Juden weggezogen. 25 waren verstorben, einige vor 1933, einige nach schweren Drangsalen später. Von den Weggezogenen konnte sich ein Teil ins Ausland retten. Ein Teil von ihnen kam bei der Expansion Deutschlands nach 1939 wieder in den Machtbereich der Deutschen. Die meisten von ihnen wurden dann in Vernichtungslager deportiert.
In Oppenheim erlebten die 40 dort noch lebenden Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November und auch tagsüber am 10. November 1938 die Ausschreitungen in der von der NS-Führung angeordneten Novemberpogrome. In der Nacht wurden in Oppenheim die jüdische Bewohner in dreizehn Wohnungen durch mit Knüppeln und Eisenstangen ausgerüstete auswärtige SA-Trupps aus ihrem Schlaf gerissen und überfallen. Die Bewohner wurden teils misshandelt und ihre Wohnungen zum großen Teil demoliert. Dabei wurde größtenteils wie in fast allen Städten das Inventar kurz und klein geschlagen. Zum Teil wurden die Betten aufgeschlitzt und die Federn auf die Straße geschüttet. Bei der Demolierung und teilweise auch Plünderung der Wohnungen beteiligten sich nach Schilderungen von Augenzeugen in dem 2009 erschienenen Buch von Wolfgang Kemp neben SA-Leuten und SS-Leuten auch Oppenheimer „Rowdies, Arbeitslose und im Sold der NSDAP stehende“ Bewohner Oppenheims.Wolfgang Kemp: Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933–1945. 2009, S. 227 topoff. Frühmorgens wurden alle jüdischen männlichen Personen festgenommen. Sie mussten die Schuhe an den Schnürsenkeln um den Hals tragen und wurden so barfuß unter schweren Misshandlungen über den Viehweg zum Rhein getrieben. Fünf von ihnen wurden zur Gestapo nach Darmstadt abgeführt und dann für mehrere Monate ins KZ Buchenwald eingeliefert. Dazu gehörten die beiden gerade erst 16 Jahre alt gewordenen Jugendlichen Edmund Hirsch und Julius Mannheimer. Edmund Hirsch kam etwa am 23. Dezember wieder frei und zurück nach Oppenheim. Er wurde um den 27. Dezember bei Verladearbeiten in Frankfurt, zu denen er gezwungen worden war, totgeschlagen.Wolfgang Kemp: Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933–1945. 2009, S. 97. Julius Mannheimer kam schwerkrank kurze Zeit später frei. Er gelangte auf Betreiben seiner Eltern auf einem Transport von jugendlichen Juden nach Großbritannien. Dort wurde er zuerst als feindlicher Ausländer interniert und dann nach Australien gebracht. Er besuchte in Sydney die Universität. Auf der Rückreise von Australien wurde sein Schiff von einem deutschen Schiff torpediert und Julius Mannheimer ging mit dem Schiff unter.Wolfgang Kemp: Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933–1945. 2009, S. 73.