mini|Filmplakat mit dem Originaltitel Our Gang von 1936
Die kleinen Strolche (im Original Our Gang, auch bekannt als The Little Rascals oder Hal Roach’s Rascals) ist eine zwischen 1922 und 1944 produzierte US-amerikanische Kurzfilmserie über die Abenteuer einer Gruppe von Kindern.
Die vom Komödien-Filmproduzenten Hal Roach kreierte Serie wurde in dessen Studios ab 1922 unter Regie von Robert F. McGowan produziert, zunächst in Form stummer Kurzfilme, ab 1929 mit Ton. Bis 1927 wurden die Filme von Pathé vertrieben, anschließend von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). 1938 kaufte MGM die Rechte an der Serie und führte sie bis zu ihrem Ende 1944 weiter. Insgesamt wurden über 220 Kurzfilme mit zahlreichen Kinderdarstellern hergestellt. Außerdem entstand 1936 der Spielfilm General Spanky. Im amerikanischen Fernsehen wurden die 80 Tonfilme von Roach unter dem Titel The Little Rascals gesendet, da der Titel Our Gang unter dem Copyright von MGM steht. Im deutschen Fernsehen laufen Die kleinen Strolche seit 1967, wofür die Stummfilme teilweise neu zusammengeschnitten wurden.
Allgemeines Die Serie ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Filmserien der Kinogeschichte. Bereits Ende der 1920er Jahre fanden sich die Darsteller aus Our Gang auf vielen Zusatzprodukten abgebildet (ein frühes Merchandising). Während Kinder in Filmrollen häufig eingesetzt werden, um „schlaue“ oder altkluge Bemerkungen von sich zu geben, gelang es Hal Roach und seinem Regisseur Robert F. McGowan, ein natürlicheres Verhalten der Kinder einzufangen. Der Filmhistoriker Leonard Maltin hebt hervor, dass Our Gang die erste Serie war, in der Jungen, Mädchen, Schwarze und Weiße in einer Gruppe unter Gleichen agierten.
Während viele andere Serien mit und über Kinder in einer Fantasiewelt spielen – beispielsweise war bereits ab 1917 ein Kinder-Ensemble namens Sunset Kiddies in einer Serie von abendfüllenden Kinderbuch-Verfilmungen der Fox Studios aufgetreten –, orientierte sich der Produzent und Regisseur Hal Roach am Alltagsleben: Viele der Kinder sind in den Filmen arm und müssen sich oft mit verwöhnten reichen Kindern, deren Eltern, rechthaberischen Erwachsenen und anderen Widrigkeiten auseinandersetzen.
Bis 1933 war Chef-Regisseur Robert F. McGowan für die Dreharbeiten zuständig. Unterstützt wurde er dabei von seinem Neffen Anthony Mack. McGowans Erfolg lag darin, einen Stil zu entwickeln, der die kindlichen Darsteller nicht den Arbeitsgewohnheiten der Filmbranche unterordnete, wodurch ihre Natürlichkeit nicht unterdrückt wurde. Die Geschichten wurden von der Comedy-Abteilung des Hal-Roach-Studios geschrieben, zu der auch Frank Capra, Leo McCarey, Walter Lantz und Frank Tashlin gehörten. Die Kinder waren oftmals noch zu jung, um schon Drehbücher lesen zu können, und wurden daher manchmal per Megafon in ihren teils improvisierten Handlungen dirigiert. Dies änderte sich mit Aufkommen des Tonfilms: Die Nachfolge-Regisseure Gus Meins und Gordon Douglas gingen geradliniger und mit weit weniger Improvisation an die Verfilmungen, erst recht, als Hal Roach gezwungen war, die Geschichten von 20-Minuten- (Zweiakter, bestehend aus zwei Filmrollen) auf 10-Minuten-Vorfilme (Einakter, eine Filmrolle) zu kürzen.
Die Darsteller wurden, wenn sie zu alt geworden waren, gegen neue Gesichter ausgetauscht, die unter den Kindern aus dem Großraum Los Angeles ausgewählt wurden. Talent-Scouts veranstalteten teilweise nationale Wettbewerbe, an denen Tausende von Kindern für nur eine einzige freie Rolle teilnahmen, oft angetrieben von den Eltern. Norman „Chubby“ Chaney, der Joe Cobb ersetzte, Matthew „Stymie“ Beard, der nach und nach Allen „Farina“ Hoskins ersetzte, und Billie „Buckwheat“ Thomas, der wiederum Matthew Beard ersetzte, waren Gewinner größerer Wettbewerbe. Das Studio wurde auch außerhalb der Wettbewerbe mit Anfragen von Eltern bombardiert, die ihre Kinder in den Filmen sehen wollten.
Geschichte Entstehung mini|Hal Roach (1892–1992), Produzent der Kleinen Strolche, im Jahr 1920 Laut Hal Roach kam ihm die Idee zur Serie 1921, als er eine Kinderdarstellerin für einen seiner Filme begutachtete. Seiner Meinung nach war das Mädchen überschminkt und bei den Proben überansprucht worden. Nachdem das Mädchen und seine Mutter den Raum verlassen hatten, sah Roach aus dem Fenster und bemerkte in einem Holzhof auf der anderen Straßenseite einige Kinder, die in Streit geraten waren. Die Kinder hatten sich alle mit Holzstöcken aus dem Hof bewaffnet und das kleinste Kind hatte sich den größten Stock ausgesucht. Die großen Kinder versuchten es zu überreden, den Stock an den größten Jungen abzugeben. Nach etwa 15-minütiger Betrachtung der Szene dachte sich Roach, dass Kinder, die ganz wie sie selbst agieren, eine gute Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Filmserie abgeben könnten. Allerdings hatte sein Rivale Mack Sennett bereits einige Jahre zuvor mehrere Kurzfilme um die heute vergessenen Keystone Kids produziert, die sich ebenfalls den Erlebnissen einer Kinderbande gewidmet hatten.
Unter der Aufsicht des Komikers Charles Parrott – besser bekannt als Charley Chase – begann dann die Arbeit am ersten Zweiakter einer „Kids-and-Pets“-Serie (Kinder und Tiere), die später im selben Jahr in Hal Roach’s Rascals umbenannt wurde. Fred C. Newmeyer, der Regisseur Harold Lloyds, war zuständig für die erste Version des Pilotfilms mit dem Titel Our Gang, doch Roach verwarf dessen Umsetzung und wollte einen anderen Regisseur. Parrott schlug ihm den früheren Feuerwehrmann Robert F. McGowan vor, der von Roach mit den neuen Dreharbeiten beauftragt wurde. Der Kurzfilm wurde in verschiedenen Kinos in der Nähe von Hollywood getestet und erlebte große Zustimmung, auch bei der Presse, die mehr „Our-Gang-Komödien“ forderte. Die Bezeichnung Our Gang sollte sich schließlich zum bekannteren Titel für die Serie entwickeln, die auf den Eintrittskarten zunächst als „Our Gang Comedies: Hal Roach presents His Rascals in…“ angekündigt worden war. Bis 1932 waren offiziell beide Namen, Our Gang und Hal Roach’s Rascals, in Gebrauch, bevor die Serie unter Our Gang allein weitergeführt wurde.
Die erste Besetzung der Serie entsprang den Vorschlägen der Studio-Mitarbeiter: Ernie „Sunshine Sammy“ Morrison hatte bereits in Filmen anderer Roach-Komiker mitgewirkt und war der erste afroamerikanische Schauspieler in der Geschichte Hollywoods, der einen langfristigen Vertrag bekam; Mary Kornman war die Tochter von Roachs Standfotograf Gene Kornman, Mickey Daniels war der Neffe des ehemaligen Roach-Stars Bebe Daniels; Allen „Farina“ Hoskins, Jack Davis, Jackie Condon und Joe Cobb waren Kinder von Freunden. Die meisten der frühen Filmaufnahmen entstanden vor Ort im Außengelände, und auch einige Tiere nahmen an den Aufnahmen teil, so unter anderem das Maultier Dinah, das Jahre später noch mit Laurel und Hardy in Zwei ritten nach Texas spielen sollte.
Am 10. September 1922 veröffentlichte Roachs Verleiher Pathé als ersten Kurzfilm One Terrible Day, der als vierter gedreht worden war: Die Gang stellt hier die Wohltätigkeits-Party einer versnobten und bigotten alten Dame aus der High Society auf den Kopf.
Die „Ur-Gang“ Mittelpunkt der Serie war ursprünglich der schwarze Ernie (Ernest Morrison), um den herum sich die Geschichten entwickelten. In der Frühphase der Serie wechselten die Rollennamen der Kinder von Folge zu Folge, so agierte Ernie unter anderem unter dem Namen Booker T. Bacon. Später bekamen die Figuren feste Namen, häufig den echten Namen des Kinderdarstellers. Auch teilweise vermenschlichte Tiere standen noch weit mehr im Mittelpunkt als später, bekamen dann aber schnell eine eigene Kurzfilmreihe namens Dippy Doo Dads. Bereits Ende des ersten Jahres rückte der sommersprossige Mickey (Mickey Daniels) als Anführer der Gang in den Mittelpunkt und Morrison verließ die Serie Mitte 1924 mit zwölf Jahren. Weitere wichtige Mitglieder der Anfangszeit waren die liebreizende „Leading Lady“ Mary (Mary Kornman), der übergewichtige Joe (Joe Cobb), der eigenwillig frisierte Jackie (Jackie Condon) und das kleinste Kind im Bunde, der schwarze Farina (Allen Hoskins).
Farina, über dessen tatsächliches Geschlecht in den Stummfilmen Unklarheit herrschte, entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling und Darsteller Allen Hoskins zum populärsten schwarzen Kinderstar der 1920er Jahre überhaupt. Dies schlug sich auch in seiner Gage nieder, die höher als die der anderen Kinder war. Hoskins blieb der Serie bis Anfang der 1930er Jahre verbunden und spielte in über 100 Our-Gang-Filmen, mehr als jeder andere Darsteller. Die beiden ältesten Kinder, Mickey und Mary, wurden oftmals als „romantisches Pärchen“ zusammen eingesetzt. In der ebenfalls von Roach produzierten Teenager-Serie The Boy Friends spielten Mickey Daniels und Mary Kornman Anfang der 1930er Jahre abermals zusammen.
Übergangsphase und Verleihwechsel Nachdem Daniels und Kornman zu groß geworden waren und die Serie kurz hintereinander verlassen hatten, gab es von Ende 1926 bis in die frühe Tonfilmzeit Schwierigkeiten, an den bisherigen Qualitätsstandard anzuknüpfen. Es fehlte ein überzeugender Anführer der Gang, Ideen wiederholten sich, zudem litt Regisseur Robert F. McGowan unter einer langwierigen Erkrankung. Er übergab den Regiestuhl zeitweise an seinen Neffen Robert A. McGowan, der in den Film-Credits als Anthony Mack auftauchte und dessen Regiearbeiten allgemein als schlechter im Vergleich zu denen seines Onkels angesehen werden.
Zu den neuen Gesichtern der Serie im Jahr 1927 gehörten der erst zweijährige Bobby „Wheezer“ Hutchins und Jean Darling als Mary Kornmans Nachfolgerin. Für Mickey Daniels gab es mit Jay R. Smith (bereits seit 1926 dabei) und dem eher rüpeligen Harry Spear gleich doppelten sommersprossigen Ersatz. 1928 kam mit der draufgängerischen Mary Ann Jackson weitere Verstärkung hinzu, die einen starken Kontrast zu Jean Darling bzw. zu den eher puppenhaften Heldinnen der Serie insgesamt bildete. Mit ihrem komödiantischen Talent war sie Mittelpunkt mehrerer Folgen der ausgehenden Stummfilmzeit.
Zudem wurde eine neue Figur auf vier Pfoten eingeführt: Nachdem in der Serie zuvor verschiedene Hunde mitgewirkt hatten, legten sich die Our-Gang-Kinder 1927 Petey the Pit bzw. Pete the Pup zu. Dieser Hund mit seinem mal ums linke, mal ums rechte Auge geschminkten schwarzen Ring wurde berühmt. Er war der erste Hund der neuen amerikanischen Hunderasse Staffordshire Terrier, der beim American Kennel Club registriert wurde.Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ – Eine Literaturstudie - (PDF; 6,2 MB), Diss. Hannover 2002 S. 83 In späteren Jahren kamen seine Kinder und Enkelkinder in der Rolle des Pete zum Einsatz.
In dieser Phase beendete Roach auch die Zusammenarbeit mit seinem Verleiher Pathé und wechselte zur neu gegründeten Metro-Goldwyn-Mayer, die im September 1927 ihren ersten Film der Serie veröffentlichte. Der Wechsel zu MGM bot Roach ein größeres Budget für seine Produktionen und vor allem die Möglichkeit, seine Kurzfilme zusammen mit den großen Studioproduktionen aufgeführt zu sehen.
Erste Jahre im Tonfilm Bereits 1928 wurden einige Kurzfilme im Nadeltonverfahren produziert, ausgeliefert mit Schallplatten, die eine annähernd synchronisierte Ton- und Musikuntermalung ermöglichten. Im Frühling 1929 wurden die Bühnen der Roach-Studios auf Tonproduktionen umgestellt und im April 1929 erschien der erste Our-Gang-Tonfilm mit dem passenden Titel Small Talk. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis sich sowohl der Stab als auch die Kinder an die neue Produktionsweise gewöhnt hatten. In den Jahren 1929/1930 sprangen aus der Riege die bedeutenden Kinder Joe Cobb, Jackie Condon, Jean Darling, Jay R. Smith und Harry Spear ab; teilweise weil diese nicht mit dem neuen Medium Tonfilm arbeiten konnten oder wollten.