Dong Fang Hong (Abkürzung DFH; ) bezeichnet einen Typ chinesischer Kommunikationssatelliten. Satelliten dieser Serie wurden sowohl in eine niedrige Erdumlaufbahn wie auch (ab Dong Fang Hong 2-2) in eine geostationäre Bahn transportiert. Sie dienten als Testsatellit (Dong Fang Hong I) und der Telekommunikation.

Geschichte Als am 4. Oktober 1957 der sowjetische Satellit Sputnik 1 ins Weltall startete, wurde dies von der chinesischen Führung mit großem Interesse zur Kenntnis genommen. Mao Zedong sagte am 17. Mai 1958 in seiner berühmten Rede auf der Zweiten Sitzung des VIII. Parteitags der KPCh (5. – 23. Mai 1958),Stephen Uhalley Jr.: A History of the Chinese Communist Party. Hoover Institution Press, Stanford 1988, S. 117f. dass „wir jetzt auch bei den Satelliten mitmachen werden“ (我们也要搞人造卫星). Die Chinesische Akademie der Wissenschaften wurde angewiesen, unter strengster Geheimhaltung die Möglichkeiten für einen chinesischen Satelliten auszuloten. Nachdem sich Qian Xuesen und Zhao Jiuzhang bereits Anfang des Jahres für den Bau eines Satelliten ausgesprochen hatten, nahm die Akademie den Auftrag gerne an: die Entwicklung eines Satelliten wurde zu einem der wichtigsten Projekte des Jahres 1958 erklärt und erhielt die interne Bezeichnung „Projekt 581“. Damals befand man sich gerade im „Großen Sprung nach vorn“. Das ganze Land wurde von einer Welle der Euphorie getragen, die mit den ökonomischen Realitäten nichts zu tun hatte. Der chinesischen Führung wurde das relativ schnell klar, und am 21. Januar 1959 übermittelte Zhang Jingfu, der Vizepräsident der Akademie, den Wissenschaftlern die Anweisung von Deng Xiaoping (damals Generalsekretär des Politbüros der KPCh), das Satellitenprojekt zunächst zurückzustellen, da es mit der Wirtschaftskraft des Landes nicht vereinbar wäre.

mini|Nationaler Volkskongress, erste Sitzung der dritten Legislaturperiode (21. Dez. 1964 – 4. Jan. 1965) Als am 21. Dezember 1964 der Nationale Volkskongress zur ersten Sitzung der dritten Legislaturperiode zusammengekommen war, nutzte Zhao Jiuzhang, gerade für die Gesellschaft des 3. September frisch ins Parlament gewählt, die Gelegenheit, um am 27. Dezember an Premierminister Zhou Enlai zu schreiben und erneut die Entwicklung eines chinesischen Satelliten vorzuschlagen. Enthält Foto und ausführliche Inhaltsangabe des Briefes von Zhao Jiuzhang. Kurz darauf, am 8. Januar 1965, schrieb Qian Xuesen einen ähnlichen Brief an die Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee. S. 23. Kommissionsvorsitzender Nie Rongzhen sowie Premierminister Zhou Enlai billigten den Plan der Wissenschaftler, dem die Bezeichnung „Projekt 651“ (651工程, Pinyin 651 Gōngchéng) gegeben wurde, also „Das im Januar 1965 begonnene Projekt“. Die Entwicklung des Satelliten oblag zunächst dem am 4. Januar 1965 per Beschluss des Volkskongresses aus dem 5. Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums hervorgegangenen Siebten Ministerium für Maschinenbau und dem Projektierungsinstitut 651 der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, dann der am 20. Februar 1968 aus mehreren mit Raumfahrtfragen befassten Instituten der Akademie der Wissenschaften sowie einigen feinmechanischen Fabriken gebildeten Chinesischen Akademie für Weltraumtechnologie, die, zum Teil über Tochtergesellschaften, bis heute alle größeren Satelliten und Raumsonden der Volksrepublik China herstellt.

Neben dem Satelliten selbst begann man in der zweiten Jahreshälfte 1965 auf der Basis der Dongfeng 2A, der ersten vollständig selbst entwickelten Mittelstreckenrakete der Volksrepublik China, zunächst unter Federführung des 8. Ingenieurbüros, ab 1968 der 1. Akademie des Siebten Ministeriums für Maschinenbauindustrie, mit der Arbeit an einer dreistufigen Trägerrakete, der Changzheng 1, die dazu in der Lage sein sollte, den Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn zu bringen. Nach einem ersten Fehlstart einer Testversion der Rakete am 16. November 1969 und einem erfolgreichen Flugtest im Januar 1970 wurde schließlich am 24. April 1970 Chinas erster Satellit, Dong Fang Hong 1 (东方红, also „Der Osten ist rot“), vom Kosmodrom Jiuquan aus ins Weltall befördert.Mark Wade:

Bisher gestartete Satelliten der Serie mini|Dong Fang Hong 1 24. April 1970 Dong Fang Hong 1

29. Januar 1984 Dong Fang Hong 2-1 (geostationäre Umlaufbahn nicht erreicht) 8. April 1984 Dong Fang Hong 2-2

1. Februar 1986 Dong Fang Hong 2-3

7. März 1988 Dong Fang Hong 2A-1 22. Dezember 1988 Dong Fang Hong 2A-2

4. Februar 1990 Dong Fang Hong 2A-3

28. Dezember 1991 Dong Fang Hong 2A-4 (Fehlstart)

30. November 1994 Dong Fang Hong 3-1 (geostationäre Umlaufbahn nicht erreicht)

12. Mai 1997 Dong Fang Hong 3-2

DFH-3-Bus DFH-3 Neben den eigentlichen Dong-Fang-Hong-Satelliten wurde das 2,2 × 1,72 × 2,0 m große, dreiachsenstabilisierte Gehäuse des Raumflugkörpers mit seinem Antriebssystem, der Energieversorgung mit Akkumulator und zwei ausklappbaren Solarzellenflügeln mit jeweils drei Solarmodulen, Telemetrie, Wärmeregelung etc., also der sogenannte „Satellitenbus“, ab dem Jahr 2000 auch als Grundlage für die Beidou-Navigationssatelliten sowie die militärischen Kommunikationssatelliten der Fenghuo- und Shentong-Serien (神通, „Magische Fähigkeit“) verwendet. Der Name des Satelliten ist ein Wortspiel mit der chinesischen Bezeichnung für das staatliche Telekommunikationsunternehmen China Unicom (联通). Er könnte auch als „Geisterhafte Kommunikation“ übersetzt werden. Der DFH-3-Bus besitzt eine Lebensdauer von 8 Jahren und ist primär für Satelliten in geostationären Umlaufbahnen gedacht, wo er seine Position mit einer Genauigkeit von ±0,1° beibehält; die Parabolantenne kann mit einer Präzision von 0,15° für Querachse und Längsachse sowie 0,5° für die Gierachse ausgerichtet werden.

DFH-3A Im Rahmen des Mondprogramms der Volksrepublik China wurde der DFH-3-Bus, etwas modifiziert und nun unter dem Namen DFH-3A, die Basis für die Orbiter Chang’e 1 (2007) und Chang’e 2 (2010). Auch fünf der ab 2008 für die Kommunikation mit den bemannten Shenzhou-Raumschiffen eingesetzten Tianlian-Relaissatelliten beruhen auf dem DFH-3A-Bus. Das Gehäuse des DFH-3A-Busses ist 2,4 × 1,72 × 2,0 m groß. Er ist mit einer Startmasse von 2740 kg etwas schwerer als der ursprüngliche DFH-3-Bus (2320 kg), kann aber mit 360 kg gut 50 % mehr Nutzlast tragen als sein Vorgänger (230 kg). Die Tianlian-Relaissatelliten befinden sich in geostationären Umlaufbahnen, wo der Bus seine Position ebenfalls mit einer Genauigkeit von ±0,1° beibehält.

DFH-3B Ab 2008 wurde zunächst für das den Asien-Pazifik-Raum abdeckende Beidou-2-System die verbesserte Version DFH-3B entwickelt, die später auch für die in einer geneigten geosynchronen Umlaufbahn (IGSO) positionierten Satelliten des weltweiten Beidou-3-Systems verwendet wurde. Dieser Bus mit den Abmessungen 2,3 × 2,0 × 3,1 m hält einen einmal eingenommenen Orbit mit einer Präzision von ±0,05°, also doppelt so genau wie die Vorgängermodelle DFH-3 und DFH-3A. Außerdem bleiben beim DFH-3B-Bus die Antennen mit einer Toleranz von 0,06° für Querachse und Längsachse sowie 0,2° für die Gierachse mehr als doppelt so genau ausgerichtet wie bei den Vorgängermodellen. Mit bis zu 4 kW kann diese Variante deutlich mehr Strom für die Nutzlasten zur Verfügung stellen und sie hat mit 12 – 15 Jahren auch eine längere Lebensdauer.Mark Wade:

DFH-3E Der am 28. September 2021 erstmals öffentlich vorgestellte, rein elektrisch angetriebene DFH-3E wurde speziell für geostationäre Satelliten entwickelt. Der Satellitenbus besitzt sowohl einen klassischen Ionenantrieb als auch einen Hallantrieb, beide mit hoher Leistung. Dieser Bus mit einer Mindestlebensdauer von 15 Jahren kann etwa 25 Transponder mit einer Gesamtmasse von 300–400 kg tragen, für die eine Leistung von 3–5 kW zur Verfügung steht. Die Startmasse des Satelliten beträgt 1,8 t, er wird mit kleineren Trägerraketen vom Typ Langer Marsch 2C oder 2D zunächst in einen Ausgangsorbit gebracht. Die Anhebung der Bahn für einen geostationären Orbit erfolgt über einen Zeitraum von 10 Monaten durch ein abwerfbares Antriebsmodul mit konventionellen Triebwerken. Nach dem Start des Kommunikationssatelliten APStar 6E am 12. Januar 2023, dem ersten Einsatz des DFH-3E-Busses, konnte das Haupttriebwerk des Antriebsmoduls nicht gezündet werden. Stattdessen wurde die Bahnanhebung vom Ausgangsorbit (200 × 500 km) aus mit kleineren Lageregelungstriebwerken von 10 N Schubkraft durchgeführt, was die Zeit bis zum Erreichen der Zielposition um mehrere Wochen verlängerte. Am 23. Januar 2022 um 13:31 Uhr UTC wurde das chemische Antriebsmodul abgeworfen und der Satellit bewegte sich rein elektrisch zu seiner geostationären Zielposition bei 134° östlicher Länge.

DFH-4-Bus DFH-4 Da in den 1990er Jahren die Anforderungen an Kommunikationssatelliten ständig zunahmen, begann die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie mit den theoretischen Vorplanungen für einen Satellitenbus der nächsten Generation, der sowohl bei Ersatzsatelliten für Dong Fang Hong 3-1 und 3-2 als auch bei Kooperationsprojekten mit dem Ausland zum Einsatz kommen sollte. Im Dezember 1999 genehmigten die damalige Kommission für Wissenschaft, Technik und Industrie für Landesverteidigung und das Finanzministerium der Firma, mit den konkreten Entwicklungsarbeiten zu beginnen, gefördert mit Mitteln aus dem 9. Fünfjahresplan (1996–2000). Zunächst galt es einige grundlegende Probleme wie die Unterbringung eines großen Treibstofftanks und von Gasflaschen für die Kaltgas-Raketentriebwerke zur Lagestabilisierung zu lösen – die Plattform war für eine Lebensdauer von 15 Jahren ausgelegt – dann wurde im Oktober 2001 das Projekt offiziell gestartet. Damals dachte man, dass die Satellitenplattform in 4 Jahren zur Produktionsreife gebracht werden könnte.

Am Ende dauerte es jedoch ein Jahr länger, bis am 29. Oktober 2006 mit Sinosat 2 der erste auf dem DFH-4-Bus basierende Satellit vom Kosmodrom Xichang gestartet werden konnte. Sinosat 2 erreichte zwar den geplanten Orbit, dann entfalteten sich jedoch die vierteiligen Solarpaneele nicht. Versuche, dies von der Erde aus durch manuelle Steuerung zu bewirken, schlugen fehl, die Parabolantennen des Satelliten konnten nicht ausgeklappt werden, und als nach einem Monat die Bordbatterie erschöpft war, war der 2 Milliarden Yuan teure (zum Glück versicherte) Satellit nur noch Weltraummüll. Für den am 1. Juni 2007 gestarteten Nachfolgesatelliten Sinosat 3 wurde dann der bewährte DFH-3-Bus verwendet.Mark Wade:

Bei dem am 14. Mai 2007 im Auftrag der National Space Research and Development Agency Nigerias gestarteten Kommunikationssatelliten NigComSat-1 gab es nach knapp einem Jahr zufriedenstellender Arbeit wieder Schwierigkeiten mit den Solarpaneelen. Im April 2008 fiel der Antrieb des südlichen Solarmodulflügels aus, so dass sich dieser nicht mehr auf die Sonne ausrichten konnte und sich die Stromversorgung des Satelliten um die Hälfte verringerte. Am 11. November 2008 um 04:33 Peking-Zeit fiel dann auch noch der nördliche Flügel aus und der 256 Millionen Dollar teure Satellit musste als irreparabel in einen Friedhofsorbit manövriert werden. Bereits im November 2008 hatte die China Great Wall Industry Corporation (eine Tochterfirma der China Aerospace Science and Technology Corporation), die Bau und Start des Satelliten arrangiert hatte, Nigeria eine großzügige Schadensregulierung zugesagt. Am 24. März 2009 wurde dann ein Vertrag mit der Betreiberfirma NIGCOMSAT über die Bereitstellung eines kostenlosen und – bis auf die Solarmodulflügel – technisch identischen Ersatzsatelliten (NigComSat-1R) geschlossen, der schließlich am 20. Dezember 2011 gestartet wurde. Die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie hatte bereits nach dem Vorfall im April 2008 mit der Überarbeitung des Solarpaneel-Systems begonnen.