Der Hakone Ekiden (; offiziell , deutsch „Universitäts-Ekiden zwischen Tokio und Hakone“) ist ein Staffelrennen (Ekiden) zwischen japanischen Universitätsteams, das jährlich am 2. und 3. Januar ausgetragen wird. Zehn Läufer pro Universität legen eine Strecke von insgesamt 217,1 Kilometern zurück, wobei sie am ersten Tag vom Startpunkt in Tokio nach Hakone laufen und am nächsten Tag auf größtenteils gleicher Strecke zurück nach Tokio. Der Hakone Ekiden wurde erstmals 1920 ausgetragen und genießt in Japan eine hohe Popularität, so erreicht die Liveübertragung des vollständigen Rennens bei Nippon TV regelmäßig Einschaltquoten von etwa 30 %.

Modus Überblick mini|Läufer beim Hakone Ekiden 2023 Die Universitätsteams absolvieren auf zwei Tage verteilt eine insgesamt 217,1 Kilometer lange Strecke, wobei zehn aufgestellte Läufer einer Universität – fünf pro Tag – jeweils Distanzen im Bereich eines Halbmarathons (21,0975 km) bewältigen. Der Start erfolgt jährlich am 2. Januar im Zentrum von Tokio in der Nähe des Kaiserpalasts, Ziel am ersten Tag ist der Ashi-See in Hakone. Am 3. Januar wird auf größtenteils gleicher Strecke zurück nach Tokio gelaufen. Es treten meist 20 Universitäten an, von denen 10 auf Grund ihrer Top-10-Platzierung aus dem Vorjahr gesetzt sind und weitere 10 sich bei einem Qualifikationsrennen qualifiziert haben. Hinzu kommt ein Auswahlteam von Studenten, deren Universitäten sich nicht qualifizieren konnten.

Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Universitäten aus der Kanto-Region, die der ausrichtenden Inter-University Athletic Union of Kanto (, kurz KGRR) angehören. Der Hakone Ekiden hat somit einen kleineren Einzugsbereich als die zwei weiteren großen Universitäts-Ekiden, der Izumo Ekiden und der All Japan University Men’s Ekiden, überragt aber beide an Bedeutung. Zudem werden die zwei genannten Ekiden ebenfalls von den Universitäten aus Kanto dominiert.

Wertung Der Sieg geht an die nach zwei Tagen schnellste Universität; die Top 10 qualifizieren sich automatisch für das folgende Jahr. Die Läufer können sich durch Streckenrekorde auf einer der zehn Etappen auszeichnen, außerdem wird eine Trophäe an den „Most Valuable Player“ verliehen. Das Auswahlteam nimmt außerhalb der Wertung teil, es zählt also weder für die Endwertung, noch können die Mitglieder Streckenrekorde aufstellen.

Tasuki und vorgezogener Start Anstelle eines Staffelstabes tragen die Läufer wie bei Ekiden üblich einen Tasuki – eine schmale Schärpe, die während des Laufs über einer Schulter und unter dem gegenüberliegenden Arm getragen wird. Zusätzlich zur Funktion als Staffelstab hat der Tasuki eine hohe emotionale Bedeutung, so wird ihm neben der Verkörperung des Teamgedankens auch zugeschrieben, die Aufwendungen jedes einzelnen Läufers zu symbolisieren. Generell hat jede Universität einen Tasuki in ihren eigenen Farben, erfolgt ein Wechsel aber nicht innerhalb einer bestimmten Richtzeit, wird der nächste Läufer mit einem vom Veranstalter bereitgestellten weiß-gelb gestreiften Tasuki losgeschickt und die verbleibende Zeit des vorherigen Läufers am Ende auf die Gesamtzeit addiert. Das ist bis zum zweiten Wechsel bei 10 Minuten Rückstand, bei Wechsel drei und vier bei 15 Minuten und bei allen Wechseln am zweiten Tag bei 20 Minuten Rückstand der Fall. Nur die Schlussläufer eines jeden Tages dürfen im Falle eines vorgezogenen Starts mit einem Tasuki in ihren Universitätsfarben loslaufen. Generell gilt es als Schmach, den Tasuki nicht rechtzeitig an den nächsten Läufer zu übergeben, so brechen zu spät ankommende Läufer in der Wechselzone oft in Tränen aus.

Auch beim Start des zweiten Tages erfolgt ein vorgezogener Start, Teams mit mehr als 10 Minuten Rückstand laufen gemeinsam los und bekommen die verbleibende Zeit auf ihr Endergebnis addiert. Zusammen mit den weiteren vorgezogenen Starts führt das dazu, dass sich die Reihenfolge des Zieleinlaufs im hinteren Feld von dem tatsächlichen Endergebnis unterscheiden kann.

Popularität mini|Übertragungswagen (2004) Der Hakone Ekiden wird live und in voller Länge bei Nippon TV übertragen. Die Einschaltquoten bewegen sich jährlich im Bereich von 25–30 %, womit das Rennen zu den meistangeschauten Sportereignissen in Japan gehört. Die Liveübertragung existiert seit 1987 und führte zu einem Popularitätsschub der Veranstaltung, vorher gab es seit 1953 bereits eine Radioübertragung und von 1979 bis 1986 eine Kombination aus Zusammenfassung und Liveausschnitten im TV Tokyo. Die Übertragung ist mit dem Einsatz von Übertragungswagen, Motorrädern und Helikoptern aufwendig inszeniert, Nippon TV nannte 2013 eine Gesamtzahl von 1000 an der Übertragung beteiligten Personen. Abseits des Fernsehbildschirms wird die Zahl der jährlich am Streckenrand versammelten Zuschauer mit über einer Million geschätzt, für Stimmung sorgen zusätzlich Cheerleader und Bands der Universitäten.

Teilnehmerfeld System in Japan Ähnlich dem US-amerikanischen Sportssystem mit High School und College findet leistungsambitionierter Laufsport in Japan im entsprechenden Alter an den Schulen und Universitäten statt. Nach dem Universitätsabschluss haben leistungsstarke Läufer die Möglichkeit, einem der zahlreichen Firmenteams beizutreten, bei deren Sponsor – Firmenteams unterhalten etwa Honda, Toyota oder Fujitsu – sie typischerweise für einige Arbeitsstunden einer belastungsarmen Tätigkeit nachgehen, sonst aber als Laufprofis bezahlt werden. Während auf allen Ebenen auch Wettkämpfe und Meisterschaften in den international üblichen Disziplinen Bahn-, Cross- und Straßenlauf stattfinden, haben zusätzlich die von Oktober bis Januar ausgetragenen Ekiden einen hohen Stellenwert. Bereits auf Oberschulebene gibt es eine live im TV übertragene nationale Ekiden-Meisterschaft. Der Hakone Ekiden ist der Höhepunkt der Ekiden-Saison und hat höhere Einschaltquoten als der New Year Ekiden, die nationale Meisterschaft zwischen den Firmenteams der Männer, am Vortag. Dieser Schwerpunkt auf Ekiden und besonders den Hakone Ekiden wird zuweilen als Grund für den verloren gegangenen Anschluss der japanischen Langstrecken- und Marathonläufer an die Weltspitze genannt.

Universitäten Die Universitäten mit Ekiden-Ambitionen unterhalten Leichtathletik-Clubs, zu denen neben einer Vielzahl von Läufern auch ein Mitarbeiterstab gehört. Üblich sind 40 bis 60 Athleten, ein Cheftrainer nebst weiteren Trainern und sogenannte Manager, die selbst Studenten sind und das Team in verschiedenen Angelegenheiten während Training, Wettkampf und in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Während in der zweiten Jahreshälfte die Ekiden-Saison mit dem Izumo Ekiden im Oktober, dem All Japan University Men’s Ekiden im November und schließlich dem Hakone Ekiden im Januar stattfindet, nehmen die Teams in der verbleibenden Zeit neben dem Training an verschiedenen Bahn- und Straßenläufen teil, wie etwa bei den Universitätsmeisterschaften auf der Bahn. Im Sommer sind Trainingslager in ländlich-bergigen Regionen wie Hokkaido oder Tohoku üblich, allgemein sind japanische Universitäten für hohe Trainingsumfänge bekannt.

Ausländische Studenten Nachdem 1983 Douglas Wakiihuri als erster Kenianer einem Firmenteam beitrat, nahm mit der Yamanashi-Gakuin-Universität 1988 auch erstmals eine Universität zwei kenianische Läufer in ihr Team auf. Seitdem emigrieren immer wieder Läufer aus vor allem ostafrikanischen Ländern nach Japan, um für Oberschulen, Universitäten oder Firmenteams anzutreten, wobei der Großteil aus Kenia kommt und bei Firmenteams unter Vertrag steht. Beim Hakone Ekiden darf seit einer Regeländerung 2006 nur ein ausländischer Läufer eingesetzt werden, wobei nach drei Erfolgen der Yamanashi-Gakuin-Universität von 1992 bis 1995 kein Team mit nicht-japanischer Unterstützung mehr siegreich war.

Ursprung mini|Höhere Normalschule Tokio, Sieger des 1. Hakone-Ekiden. Als erster Ekiden-Wettbewerb gilt ein 1917 von der Zeitung Yomiuri Shinbun gesponserter Lauf über drei Tage und 516 Kilometer von Kyoto nach Tokio. Einer der Teilnehmer, Shiso Kanaguri, der selbst drei Mal an Olympischen Spielen teilnahm und sich in der Taishō-Zeit als Förderer des einheimischen Laufsports hervortat, soll daraufhin auf einen Ekidenlauf zwischen den 13 Universitäten, die der 1919 gegründeten Inter-University Athletic Union of Kanto (KGRR) angehörten, hingearbeitet und schließlich die Zeitung Hochi (später mit der Yomiuri Shinbun vereint) überzeugt haben, die Kosten von 50.000 Yen vorzuschießen. So fand 1920 mit vier teilnehmenden Universitäten, denen es gelang, ein zehnköpfiges Team zusammenzustellen (Höhere Normalschule Tokio, Meiji, Waseda, Keio), der erste Hakone Ekiden zwischen Tokio und Hakone statt.

In den Folgejahren entwickelte sich der Hakone Ekiden zu einem jährlich stattfindenden Ereignis; Ausnahmen waren nur die Jahre 1941 und 1942 sowie 1944 bis 1946, in denen der Hakone Ekiden wegen des Zweiten Weltkrieges abgesagt wurde. Seit 1955 findet der Lauf am 2. und 3. Januar statt; mit Ausnahme der im Februar abgehaltenen Erstaustragung wurde er auch bis dahin schon jährlich an den ersten Januartagen veranstaltet.

Qualifikation Überblick mini|Video vom Yosenkai 2018 (5-km-Marke)

Leistungsdichte YosenkaiZeitJahr201820192020< 1:01:00 h104< 1:02:00 h6213< 1:03:00 h15560< 1:04:00 h6217173< 1:05:00 h12949246< 1:06:00 h202120308< 1:07:00 h248193360< 1:08:00 h284248385< 1:09:00 h318281404< 1:10:00 h344311421Tln.-Zahl457506547

Während die 10 bestplatzierten Universitäten aus dem Vorjahr gesetzt sind, können sich die weiteren Universitäten die Teilnahme bei einem im Oktober ausgetragenen Qualifikationsrennen, dem Hakone Ekiden Yosenkai, erlaufen. Bei dem Rennen über die Halbmarathondistanz (bis 2017 langjährig 20 Kilometer) nehmen jährlich um die 50 Universitäten mit je 10 bis maximal erlaubten 12 Läufern teil, Austragungsort ist das westlich von Tokio gelegene Tachikawa mit Start und Ziel am Militärflugplatz und dem innenliegenden Showa-Kinen-Park. Für den Hakone Ekiden qualifizieren sich die Universitäten, die nach Addition der 10 besten Einzelzeiten auch zu den 10 besten Teams gehören. Ein weiteres Team, die Kanto Student Union () wird aus topplatzierten Studenten von Universitäten, denen die Qualifikation nicht gelingt, zusammengestellt. Zusätzliche Voraussetzungen hierfür sind allerdings, dass nur ein Athlet pro Universität erlaubt ist und ein infrage kommender Läufer noch nie am Hakone Ekiden teilgenommen hatte.

Auch ohne die bereits gesetzten 10 bestplatzierten Universitäten aus dem Vorjahr gilt der Yosenkai besonders von der Leistungstiefe her als einer der bestbesetzten Halbmarathonläufe der Welt. So erzielte die 2020 siegreiche Juntendo-Universität eine Gesamtzeit von 10:23:34 h, was einem Durchschnitt von 1:02:21 h pro Läufer entspricht, während den Läufern der zehntplatzierten Senshu-Universität mit 10:33:59 h und damit im Schnitt 1:03:24 h als letzte Universität noch die Qualifikation gelang. Für Universitäten ohne groß aufgezogenes Langstreckenteam kann es derweil aber bereits eine Motivation darstellen, überhaupt ein Team aus genügend teilnahmeberechtigten Studenten für den Yosenkai zusammenstellen zu können. Kriterium hierfür ist eine Zeit von 34:00 min über 10.000 Meter oder 16:30 min über 5000 Meter auf der Bahn, die ein Läufer seit dem 1. Januar des Vorjahres unterboten haben muss. Das bei 46 gewerteten Universitäten letztplatzierte Team im Jahr 2020 benötigte 12:32:37 h oder im Schnitt 1:15:16 h.

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