Die Krim-Pfingstrose (Paeonia daurica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Pfingstrosen (Paeonia) in der Familie der Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae). Sie kommt mit sechs Unterarten in Gebirgen vom Westbalkan bis in den Nord-Iran vor. Die größten Blätter aller Pfingstrosen hat dabei Paeonia daurica subsp. macrophylla aus dem Transkaukasus. Die Krim-Pfingstrose ist mit der Korallen-Pfingstrose (Paeonia mascula) nah verwandt.

Beschreibung mini|Paeonia daurica am Wildstandort mini|Typ von Paeonia daurica mit fast kreisrunden, gewellten Blättern Vegetative Merkmale Die Krim-Pfingstrose ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Zu den Merkmalen der Art Paeonia daurica gehören die leicht verdickten, rübenförmigen Wurzeln. Sie hat zweifach geteilte Laubblätter mit neun Blattsegmenten (bei P. mascula 10 bis 13), selten dreifach geteilte Blätter mit dann bis zu 19 Blattsegmenten; die Blätter sind eiförmig, länglich oder verkehrt-eiförmig und mehr als 3 cm breit. Die Blätter können glatt oder stark behaart sein und variieren in der Größe beträchtlich.

Generative Merkmale Die Blüten stehen einzeln ohne oder über bis zwei zu Hochblättern. Die Blüten enthalten zwei bis drei Sepalen, fünf bis acht Petalen und zahlreiche Staubblätter. Der Art-Komplex Paeonia daurica variiert in der Farbe der Petalen, Form und Größe der Blätter und dem Indumentum der Blätter und der Karpelle. Es gibt Formen mit rosa, gelben, weißen und roten Blüten.

Evolution und Ökologie Während der quartären Eiszeit ist es durch geographische Isolation einzelner Populationen von Paeonia zur genetischen Einengung der Ursprungssippe von Paeonia daurica gekommen. Ein Hybridisierungsprozess durch Kreuzung verwandter Arten hat so zum noch immer nicht abgeschlossenen Artbildungsprozess geführt. Die Unterarten von Paeonia daurica sind daher auch zu variabel, um sie anhand eindeutiger diakritischer Merkmale in den Rang von Arten zu heben. Die im Mittelmeerraum große Fülle beschriebener Pfingstrosen (Paeonia mascula, Paeonia officinalis, Paeonia cambessedessi, Paeonia corsica, Paeonia daurica, Paeonia peregrina, Paeonia clusii, Paeonia saueri, Paeonia broteroi, Paeonia banatica, Paeonia arietina), deren Radiation durch Hybridisierungsprozesse rezent weitergeht, macht eine Grenzziehung von Art und Unterart schwierig. Erst molekularbiologische Methoden lassen heute eine bessere Unterscheidung zu. Dabei ist der hybride Ursprung der mediterranen Päonien klar belegt worden.

P. daurica ist nicht typisch mediterran, da sie humide Gebirge besiedelt (Orjen, Kaukasus). Die sehr großen Blätter (subsp. wittmanniana, subsp. macrophylla, subsp. tomentosa) wären für Trockenklimate ungünstig. Mittelmeer-Pfingstrosen haben meist schmale Blätter entwickelt (Paeonia clusii, Paeonia peregrina). Stärker behaarte Formen der Krim-Pfingstrose wie Paeonia mlokosewitschii und Paeonia tomentosa haben allerdings einen stärkeren Schutz vor Austrocknung entwickelt. Sie sollten im Garten daher auch in voller Sonne stehen.

Verbreitung mini|Paeonia daurica ist mit 6 Unterarten vom Balkan bis in den Nordiran verbreitet. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Paeonia daurica (inklusive aller ihrer Unterarten) sind subtropische Gebirge der Balkanhalbinsel, des Kaukasus und Transkaukasus sowie Nordirans (Elburs-Gebirge).

Standorte sind zumeist subalpine und alpine Höhenstufen (subsp. mlokosewitschii, subsp. wittmanniana, subsp. tomentosa, subsp. macrophylla), aber oft auch montan innerhalb von Eichen-Laubmischwäldern sowie Tannen-Buchen-Mischwäldern (subsp. coriifolia, subsp. mlokosewitschii, daurica s. s.). Paeonia daurica subsp. wittmanniana und Paeonia daurica sensu stricto finden sich zumeist auf Kalkgestein. Daher ist Paeonia daurica sensu stricto in Karstbergen der Krim und des Balkans ein Element submediterraner Strauch- und Garigue-Gesellschaften im Orjen wie auch im Dinarischen Karst-Blockhalden-Tannenwald.

Populationen sind zumeist kleinräumig verteilt und können aus mehreren hundert Individuen zusammengesetzt sein. Einzelne Unterarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Die Population der Krim steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Ukraine. Die Verbreitung ist insgesamt noch ungenügend dokumentiert, da es historisch oft zu Fehlinterpretationen von Paeonia mascula und Paeonia daurica kam.

Synsoziologie mini|Artenreicher Mischwald warmer Standorte im Orjen Montenegro, mit Weißtanne, Sommerlinde und Baumhasel. Paeonia daurica ist hier fälschlicherweise noch als Paeonia mascula eingetragen. mini|Paeonia daurica mit runden gewellten Blätter ist eine relativ seltene Pflanze Ost- und Südosteuropas. Darstellung aus dem Gartenbuch der Kaiserin Josephine von Bonpland (1813). mini|Paeonia daurica aus dem Herbar der Bayerischen Staatssammlung München.

Die mediterrane Population von Paeonia daurica im Orjen ist näher untersucht. Kennzeichnend ist die montane Verbreitung innerhalb thermophiler Buchenwälder mit strukturlabiler Ausprägung auf stark verkarsteten und blockreichen Schichttreppen. Luv-Hang und Schutz vor Borastürmen sind für die ökologische Einnischung Voraussetzung. Die begleitenden Arten sind zumeist den Hochstaudenfluren zuzurechnen mit bedeutendem Anteil lokal endemischer Formen (Cattani-Lilie, Bleiche Schwertlilie und Orjen-Schwertlilie). Paeonia daurica kommt im Orjen sowohl innerhalb von Wäldern als auch auf offenen Flächen in Kalkfelsspalten vor. Eher feuchtere und halbschattige Lagen sind bevorzugte Standorte. Die artenreichen Mischwälder mit hohem Anteil an tertiären Relikten sind zudem herausragende Biozönosen, die auf ein hohes Alter schließen lassen. Diese Art der offenen Felswälder ist sicher schon eine tertiär bekannte Waldform, die den höheren Artenreichtum gegenüber geschlossenen strukturstabilen Buchenwäldern bis heute bewahrt. Die Dendroflora der Pfingstrosen-Wälder zeigt zudem mit Sommerlinde, Baumhasel, Schlangenhaut-Kiefer, Weißtanne, Berg-Ahorn und vielen Sträuchern eine subtropisch humide und thermophile Form europäischer montaner Waldtypen.

Lianen sind innerhalb der Pfingstrosenwälder aufgrund ihrer starken Konkurrenzfähigkeit sehr kennzeichnend. Selbst die größeren Hochstauden werden von ihnen als Träger genutzt und überwachsen.

+ Pfingstrosen-Wald im Orjen Syntaxonomische Tabelle supramediterraner Felswälder aus dem Orjen mit Krim-Pfingstrose Art Plot 1 Plot 2Paeonia daurica – Krim-Pfingstrose43Abies alba – Weißtanne43Fagus sylvatica – Rotbuche45Corylus colurna – Baumhasel30Ostrya carpinifolia – Europäische Hopfenbuche04Acer pseudoplatanus – Berg-Ahorn33Acer intermedium02Fraxinus excelsior – Gemeine Esche32Sorbus aria – Mehlbeere20Euonymus europaea – Pfaffenhütchen02Crataegus montanus20Prunus prostrata02Lonicera glutinosa – Klebrige Heckenkirsche30Rosa pendulina – Gebirgs-Rose02Sesleria autumnalis – Herbst-Blaugras54Aremonia agremonoides – Aremonie22Heracleum sphondylium – Wiesen-Bärenklau30Asphodelus albus – Weißer Affodill22Lilium martagon var. cattaniae – Lilium martagon var. cattaniae,22Iris orjenii – Orjen-Schwertlilie02Bryonia dioica – Rotfrüchtige Zaunrübe22Dentaria enneaphyllos – Quirlblättrige Zahnwurz20Hedera helix – Efeu30Dioscorea communis – Gemeine Schmerwurz30Sedum maximum – Große Fetthenne (Hylotelephium telephium subsp. maximum)22Dryopteris filix-mas – Echter Wurmfarn20Hieracium murorum – Wald-Habichtskraut02Pteridium aquilinum – Adlerfarn20Lamium spec . Taubnesseln02Anemone nemorosa – Buschwindröschen20Frangula rupestris – Rhamnus rupestris02Viola riviniana – Hainveilchen22Prenanthes purpurea – Hasenlattich20Polygonatum odoratum – Echtes Salomonssiegel02Dentaria bulbifera – Zwiebel-Zahnwurz22Melica nutans – Nickendes Perlgras22Thalictrum minus – Kleine Wiesenraute02Crocus dalmaticus 02Cirsium erisithales – Kleb-Kratzdistel20Sesleria robusta30Sedum ochroleucum – Ockergelbe Fetthenne22Rubus idaeus – Himbeere20Cicerbita alpina – Alpen-Milchlattich20Rosa spec – Rosen02Vicia cracca – Vogel-Wicke02Convallaria majalis – Maiglöckchen20Festuca ovina – Echter Schaf-Schwingel03Fragaria vesca – Walderdbeere20Myrrhis odorata – Süßdolde50Asyneuma pichleri 20Geranium robertianum – Ruprechtskraut20Galium lucidum – Glanz-Labkraut05Thalictrum aquilegifolium – Akeleiblättrige Wiesenraute02

Systematik mini|Paeonia daurica subsp. mlokosewitschii im Botanischen Garten München Während der pleistozänen Eiszeit kam es durch klimatische Fluktuationen im Mittelmeerraum zur intensiven horizontalen und vertikalen Wanderung vieler Pflanzensippen. Die heute überwiegend tetraploiden Päonien in den Gebirgen im Mittelmeerraum sind damit meist hybriden Ursprungs. Die Schwierigkeit, die Fülle der durch Hybridisierung entstanden einzelnen Formen der Päonien zu differenzieren, hat zu taxonomischer Synonymie und kontroverser Klassifikationen der Gattung beigetragen.Paeonia (Paeoniaceae) in the Caucasus. Revision von D.Y Hong.

So wurde die Krim-Pfingstrose 1807 von Henry Charles Andrews als Paeonia daurica beschrieben, allerdings existiert auch das Artsynonym Paeonia triternata ; daneben wurde sie auch als Unterart der Großblättrigen Pfingstrose unter dem Namen Paeonia mascula subsp. triternata angesehen. Dieser immer noch gebräuchliche Name ist wissenschaftlich noch ein Synonym. Paeonia daurica ist zwar mit Paeonia mascula eng verwandt, hat aber genug Eigenständigkeit, einen eigenen Artstatus zu tragen. Unterschiede in der Chromosomenzahl (2n = 10 bei Paeonia daurica, dagegen 2n = 20 bei Paeonia mascula) und eine Reihe morphologisch eindeutig diakritischer Merkmale erhärten diese Vorstellung.

Schwierig sind die Verhältnisse im Komplex der vielfältigen kaukasisch-vorderasiatischen Päonien. Bei ihnen wurde der taxonomische Artbegriff in der Vergangenheit oft weit gefasst. Fast jede individuelle Population wurde schon als eigene Art beschrieben. Durch instabile Merkmalsvariation (Polymorphismus) sind ehemals eigenständige Arten nach eingehender Revision der Gruppe nur mehr als Unterarten von Paeonia daurica aufzufassen.

Die kontroverse Diskussion des Unterarten-Komplexes der Paeonia daurica hat eine Vielfalt der unterschiedlichen Behandlung der Art gebracht. Während selbst Paeonia daurica sensu stricto lange nur als Unterart von Paeonia mascula angesehen wurde (Paeonia mascula subsp. triternata), sind die kaukasischen Vertreter des Komplexes oft aufgrund minimaler Unterschiede als völlig eigenständige Arten beschrieben. So wurde praktisch jede individuelle Population in den Artstatus gehoben. So kam Kemularia-Nathadze 1961 in einer Revision des Komplexes Paeonia daurica auf 9 Arten. Nach neueren Erkenntnissen und einem anderen taxonomischen Verständnis, das dem erheblichen Polymorphismus der Gruppe Rechnung trägt, ist nur eine einzige Spezies zu verteidigen. Damit ist Paeonia daurica eine Art mit sechs und mehr anerkannten geographischen Unterarten:

Paeonia daurica subsp. daurica – Die Nominatform „Krim-Pfingstrose“ Paeonia daurica subsp. mlokosewitschii – „Mlokosewitschs Pfingstrose“ Paeonia daurica subsp. coriifolia – „Kaukasus-Pfingstrose“ Paeonia daurica subsp. macrophylla Paeonia daurica subsp. tomentosa Paeonia daurica subsp. velebitensis Paeonia daurica subsp. wittmanniana – „Wittmanns Pfingstrose“ Paeonia daurica nothosubsp. lagodechiana (Kem.-Nath.) Halda ist die Hybride zwischen Paeonia daurica subsp. coriifolia × Paeonia daurica subsp. mlokosewitschii.

Paeonia daurica subsp. daurica: Krim-Pfingstrose Dies ist die Nominatform; Synonyme sind Paeonia triternata, Paeonia mascula subsp. triternata , Paeonia corallina subsp. triternata.

Die Blätter sind oblong (rund), am Rand unduliert (gewellt); der Apex ist rund, die Blütenfarbe pink. Die Nominatform ist auf Kalk in Mischwäldern der Krim, den Karpaten in Südrumänien, den Südost-Dinariden Orjen sowie im Pindus in Nordgriechenland in Höhen von 1000 bis verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Kroatien bis zur Krim und von der nördlichen und südlichen Türkei bis zum Libanon. Sie ist diploid mit 2n = 10.