Jakarta [] (bis zur indonesischen Rechtschreibreform von 1972 Djakarta geschrieben; bis 1942 Batavia) ist die Hauptstadt von Indonesien. Mit 10,56 Millionen Einwohnern (2020) in der eigentlichen Stadt ist sie die größte Stadt Südostasiens und mit etwa 42 Millionen Einwohnern (2025) in der Metropolregion Jabodetabek der größte Ballungsraum weltweit. Die Stadt hat den Status einer Provinz und wird von einem Gouverneur regiert. Offiziell wird die Stadt unter Daerah Khusus Ibukota Jakarta (Besondere Hauptstadtregion Jakarta) aufgeführt.
Jakarta ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes sowie Verkehrsknotenpunkt mit Universitäten, Hochschulen, Theatern und Museen. Die Bevölkerung der Stadt ist historisch und kosmopolitisch geprägt; neben den einheimischen Betawi, Javanern und Sundanesen bilden Menschen malaiischer, arabischer, indischer, niederländischer und chinesischer Abstammung die traditionellen Säulen der Gesellschaft von Jakarta, die heute durch eine wachsende Zahl internationaler Migranten ergänzt wird.
Geographie Lage mini|Zentrum von Jakarta
Die Stadt liegt in der Bucht von Jakarta (indonesisch Teluk Jakarta) an der Nordwestküste der Insel Java an der Mündung des Ciliwung, durchschnittlich acht Meter über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet ist flach und hat eine Fläche von 661,52 km². Die Umgebung wird landwirtschaftlich genutzt, an günstigen Stellen ist tropischer Regenwald zu finden.
In der Bucht von Jakarta befindet sich die zum Stadtgebiet gehörende Inselgruppe Kepulauan Seribu (deutsch „Tausend Inseln“). Die 105 Inseln, 45 km nördlich der Stadt gelegen, haben eine Fläche von 11,8 km². Die Bevölkerung nutzt den dortigen Meeresnationalpark zur Erholung.
Die Metropolregion Jabodetabek hat eine Fläche von 7315 km² und umfasst neben der Hauptstadt Jakarta die Städte Bekasi, Bogor, Depok und Tangerang sowie die Regierungsbezirke Bekasi, Bogor und Tangerang.
Geologie Der geologische Aufbau der Insel Java, auf der Jakarta liegt, ist hauptsächlich durch vulkanisches Material bestimmt. Nur ein geringer Teil der Fläche besteht aus älteren Gesteinen, mehr als zwei Drittel sind von vulkanischen Ablagerungen bedeckt: Aschen, Tuffen und Lava jüngerer und älterer Ausbrüche. Der übrige Teil besteht aus tertiären Sedimenten.
Die Insel liegt an der Stelle des Sundabogens, wo die Zertrümmerung der Erdkruste am intensivsten, der alte Untergrund am meisten zerstört war und heute zum großen Teil unter den Meeresspiegel der Javasee versenkt ist. Auch gegenwärtig sind noch zahlreiche Vulkane aktiv. Ihre Aschen werden weit über das Land verweht und bilden eine stetig wirksame mineralische Düngung. Entweder ist direkter Aschenfall zu verzeichnen, oder die vulkanischen Lockermassen werden durch die Flüsse verfrachtet und abgelagert.
Zur Zeit der niederländischen Kolonie lag Jakarta weit über dem Meeresspiegel, ist seitdem jedoch deutlich abgesunken. Vierzig Prozent des Stadtgebiets liegen mittlerweile unter dem Meeresspiegel.Nick Reimer: Eine Stadt geht unter. In: taz vom 19. April 2024, S. 4. Heute muss Meerwasser aus der Stadt gepumpt werden. Der „Nationale Hauptstadt- und Integrierte Küsten-Entwicklungs-Masterplan“ wurde entwickelt, um Jakarta vor dem drohenden Versinken zu bewahren. Im Januar 2022 beschlossen Regierung und Parlament, eine neue Hauptstadt auf der Insel Borneo zu errichten, die den Namen Nusantara tragen soll.
Stadtgliederung mini|Stadtbezirke mini|Hochwasser in Nordjakarta im Februar 2002 mini|Gambir Station in Zentraljakarta
Offiziell hat Jakarta nicht den Status einer Stadt, sondern einer Provinz mit dem besonderen Status der Hauptstadt von Indonesien. Daher regiert anstelle eines Bürgermeisters ein Gouverneur.
Die Provinz Jakarta unterteilt sich in die fünf Verwaltungseinheiten (Kota Administrasi): Nordjakarta (Jakarta Utara), Ostjakarta (Jakarta Timur), Südjakarta (Jakarta Selatan), Westjakarta (Jakarta Barat) und Zentraljakarta (Jakarta Pusat) mit je einem Bürgermeister an der Spitze sowie ein Regierungsbezirk (Kabupaten) für die in der Bucht von Jakarta liegende Inselgruppe Kepulauan Seribu mit einem Regenten (Bupati) als Führer.
Die Städte gliedern sich in Distrikte (Kecamatan), Gemeinden (Kelurahan), Wohnviertel (Rukun Warga) und Nachbarschaften (Rukun Tetangga).
Nordjakarta Nordjakarta liegt direkt an der Javasee und unterteilt sich in 6979,4 km² Seegebiet und 154,11 km² Landfläche auf einer Länge von 35 km. Im Hafen Tanjung Priok und anderen Industrieansiedlungen arbeiten zahlreiche Menschen. Nordjakarta grenzt im Norden an die Javasee, im Osten an Bekasi, im Süden an Ost-, West- und Zentraljakarta sowie im Westen an Tangerang. Die sechs Unterbezirke von Nordjakarta sind Cilincing, Kelapa Gading, Koja, Pademangan, Penjaringan und Tanjung Priok.
Ostjakarta Mit 187,73 km² hat Ostjakarta die größte Landfläche der fünf Stadtteile. Sie unterteilt sich in 95 % Land, der Rest ist mit einer Höhe von 50 Metern über dem Meeresspiegel mit Sumpf oder Reisfeldern bedeckt. Seit der Errichtung von fünf Gewerbegebieten hat Ostjakarta an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen.
Ostjakarta grenzt im Norden an Nordjakarta, im Osten an Bekasi, im Süden an Depok und im Westen an Südjakarta sowie Zentraljakarta. Die zehn Unterbezirke von Ostjakarta sind Cakung, Cipayung, Ciracas, Duren Sawit, Jatinegara, Kramat Jati, Makasar, Pasar Rebo, Matraman und Pulo Gadung.
Südjakarta Südjakarta hat eine Fläche von 145,73 km². Südjakarta grenzt im Norden an Zentraljakarta, im Osten an Ostjakarta, im Süden an Depok, im Nordwesten an Westjakarta und im Westen an Tangerang. Der Stadtteil untergliedert sich in zehn Unterbezirke – Cilandak, Jagakarsa, Kebayoran Baru, Kebayoran Lama, Mampang Prapatan, Pancoran, Pasar Minggu, Pesanggrahan, Setiabudi und Tebet – mit insgesamt 65 Gemeinden.
Westjakarta Die Landfläche von Westjakarta beträgt 127,11 km². Der Stadtteil grenzt im Norden an Nordjakarta, im Osten an Zentraljakarta, im Süden an Südjakarta und im Westen an Tangerang. Westjakarta untergliedert sich in acht Unterbezirke: Cengkareng, Grogol Petamburan, Kalideres, Kebon Jeruk, Kembangan, Palmerah, Taman Sari und Tambora – mit insgesamt 56 Gemeinden.
Zentraljakarta
Zentraljakarta ist der kleinste der fünf Stadtteile. Er hat eine Landfläche von 48,17 km², ist von ebener Topografie und grenzt an alle vier anderen Stadtteile an. Er untergliedert sich in acht Unterbezirke – Cempaka Putih, Gambir, Johar Baru, Kemayoran, Menteng, Sawah Besar, Senen und Tanah Abang – mit insgesamt 44 Gemeinden, welche wiederum in 388 Wohnviertel mit 4784 Nachbarschaften aufgeteilt sind.
Klima Die Stadt befindet sich in der tropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 26,2 °C, die jährliche Niederschlagsmenge 1.799 Millimeter im Mittel. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen betragen in Jakarta zwischen 28,9 und 31,1 °C. Auch die Tagesdurchschnittstemperaturen liegen ganzjährig zwischen 25,6 und 26,7 °C, wobei die höchste Temperatur im Oktober bei 26,7 °C und die niedrigste im Februar bei 25,6 °C im langjährigen Mittel liegt.
Hauptregenzeit ist zwischen Dezember und März. Der meiste Niederschlag fällt im Januar und Februar mit durchschnittlich 300 Millimeter, der wenigste im September mit 29 Millimetern im Mittel. Aufgrund des hohen Niederschlags und der Luftverschmutzung ist es in Jakarta überwiegend dunstig.
Schwere Regenfälle führen während des Monsuns immer wieder zu Überschwemmungen in Jakarta. Anfang Februar 2007 standen dreiviertel der Millionenstadt unter Wasser, Hunderttausende Menschen wurden obdachlos, es wurden 80 Todesopfer gezählt.. In: dartmouth.edu. Abgerufen am 3. Januar 2020 (englisch). Damit übertraf das Hochwasser die Flutkatastrophe von 2002, bei der 21 Menschen starben und mehr als 300.000 obdachlos wurden. Tagesschau vom 5. Februar 2007. Auch 2013 und 2020 ereigneten sich katastrophale Überschwemmungen.Niniek Karmini: Rescuers find more bodies in Jakarta floodwaters. smh.com.au, 3. Januar 2020 (englisch); abgerufen am 3. Januar 2020.
Geschichte Erste Besiedlung und Königreich Pajajaran Das Gebiet des heutigen Jakarta war seit Ende des 12. Jahrhunderts Teil des hinduistischen Königreichs Pajajaran, das sich dauerhaft gegenüber dem weite Teile der Malaiischen Halbinsel, Sumatras und Borneos beherrschenden, ebenfalls hinduistischen Königreich Majapahit seine Unabhängigkeit bewahren konnte und sich zu einem hervorragend organisierten und durch den Pfefferhandel blühenden Staatswesen entwickelt hatte. Die Hauptstadt Pakuwan lag in der Nähe des heutigen Bogor, 60 Kilometer südlich von Jakarta.
Ende des 15. Jahrhunderts entstand an der Mündung des Ciliwung der Haupthafen des Pajajaran-Reichs, genannt Sunda Kelapa. Die Portugiesen landeten dort 1522 und errichteten mit dem Einverständnis des Herrschers ein Fort zum Schutz des Hafens für den Gewürzhandel. Der muslimische Prinz Fatahillah aus dem Königreich Demak ließ die Stadt am 22. Juni 1527 durch seine Truppen zerstören und errichtete an gleicher Stelle eine neue Stadt, die in Anspielung an den doppelten Sieg über die Streitkräfte der Portugiesen und des Königreiches Pajajaran den Namen Jayakarta (deutsch: Großer Sieg) erhielt.
Niederländische Kolonialzeit
mini|Karte von Batavia 1681
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts legten immer mehr niederländische Handelsschiffe dort an. 1613 errichtete die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) vor der Stadt den ersten Handelsplatz, der in den folgenden Jahren zu einem Fort ausgebaut wurde. Am 30. Mai 1619 wurde Jayakarta von Truppen unter Leitung von Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen (1587–1629) erobert und niedergebrannt. Auf ihren Ruinen gründete Coen die Stadt Batavia, die Sitz der VOC in Asien und Hauptstadt der Kolonie Niederländisch-Indien wurde.Amrita Moehring-Sen: Der Vergleich zweier Städte unter der Herrschaft der VOC im 16. und 17. Jahrhundert: Batavia und Malakka. GRIN Verlag, München 2007, S. 8, ISBN 3-638-83160-4
Der Ausbruch des Vulkans Salak am 5. Januar 1699, verbunden mit einem vertikalen und horizontalen Erdbeben, zerstörte viele Gebäude der Stadt. Das Naturereignis löste große Erdbewegungen in der javanischen Küstenregion aus, durch die sich der Lauf des Ciliwung-Flusses änderte, an dem Batavia lag. Die Kanäle der Stadt füllten sich mit Schlamm, wodurch sich die hygienische Situation der Bevölkerung verschlechterte.Thomas Schleich, Thomas Beck: Europa und die aussereuropäische Welt. Schriften der Universitätsbibliothek Bamberg, Bamberg 1988, Bd. 6, S. 31, ISBN 3-7661-4565-7
Mit der Zeit lockte Batavia immer mehr unternehmungslustige Auslandschinesen an, die sich als Bankiers, Kaufleute, Konstrukteure und Schiffbauer hier niederließen und von denen viele zu Wohlstand kamen. Dies fand mit dem Massaker von Batavia im Jahre 1740 ein abruptes Ende, als zehntausend Chinesen von den Javanern unter Mitwirkung der niederländischen Kolonialarmee umgebracht wurden.
Von Batavia aus kontrollierten die Niederlande Anfang des 18. Jahrhunderts bereits ganz Java, Teile Sumatras und die Gewürzinseln (Molukken). Allerdings breiteten sich in der rasch wachsenden tropischen Hafenstadt auch Krankheiten und Seuchen aus. Am 3. Juni 1768 erreichte der britische Seefahrer Philipp Carteret Batavia. Ein Mitreisender auf der Weltumsegelung des britischen Seefahrers James Cook (1728–1779) beschreibt das niederländische Batavia 1770:
mini|Karte von Batavia 1897
Die Bewohner, die es sich leisten konnten, siedelten sich außerhalb der Stadtmauern weiter im Süden an, wo das neue Batavia entstand. 1778 wurde die Königlich Batavische Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Jakarta gegründet. Nach der Insolvenz der Ostindien-Kompanie Ende Dezember 1799 übernahm der niederländische Staat die gesamte Kolonie.