mini|Boris Beresowski (o. J.) Boris Abramowitsch Beresowski (; * 23. Januar 1946 in Moskau, Russische SFSR, Sowjetunion; † 23. März 2013 in Ascot, England, Vereinigtes Königreich)Boris Berezovsky death: chemical hazard police gives house the all-clear BBC News vom 24. März 2013, abgerufen am 24. März 2013 war ein russischer Unternehmer, Oligarch und Politiker. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinem ehemaligen Protegé Wladimir Putin emigrierte er nach Großbritannien. Später wurde ihm in Russland Korruption und Geldwäsche vorgeworfen, im Vereinigten Königreich bekam er politisches Asyl. Seine Familie lebt in Israel. Ab 2003 verwendete er den Namen Platon Elenin.
Leben In Russland Beresowski wurde als Sohn eines jüdisch-russischen Akademikerehepaars in Moskau geboren. Er studierte Elektrotechnik und mathematische Mechanik und schloss sein Studium 1973 an der Lomonossow-Universität Moskau ab. Anschließend absolvierte er am Institut für Steuertechnik der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften seine Aspirantur. Seine Habilitation schrieb er 1983 zum Thema Entscheidungstheorie. Seit 1991 war er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften.Liste der Akademiemitglieder auf der Website der russischen Akademie der Wissenschaften, Stand vom 20. Februar 2001 (russisch)Kurzbiographie auf der Website des Senders Echo Moskwy, Stand: 12. September 2012 (russisch)
Nach seinem Studium arbeitete Beresowski bis 1987 an verschiedenen Forschungsinstituten im Bereich Steuerung, Automatisierung und Managementsysteme. Seit 1973 arbeitete er mit dem Automobilkonzern AwtoWAS (Schiguli/Lada) zusammen, für den er in seinem Institut eine Software entwickelt hatte. Mit Beginn der Perestroika in der Sowjetunion stieg er in die Privatwirtschaft ein und gründete gemeinsam mit AwtoWAS die Autohandelsfirma LogoWAS (russisch ЛогоВАЗ). In den Zeiten der Hyperinflation in Russland baute er das größte Autohandelsnetz des Landes auf.
Im Oktober 1993 gründete er zusammen mit einigen AwtoWAS-Managern die Allrussische Automobil-Allianz (russisch Автомобильный всероссийский альянс (AVVA)), mit deren Investorengeldern er wiederum bei der Privatisierung große Anteile von AwtoWAS für sich erwarb. Beresowski verdiente viel Geld mit dem Import von Mercedes-Fahrzeugen nach Russland und als ein Mittelsmann für Autos des AwtoWAS-Konzerns.Obituary Boris Beresowski BBC News vom 23. März 2013, abgerufen am 24. März 2013
Seit 1994 beteiligte sich Beresowski als Hauptaktionär an der Fernsehgesellschaft ORTV, die den größten und flächendeckenden Sender Russlands ORT unterhielt. Im selben Jahr überlebte er in seinem Auto einen Bombenanschlag. Im darauf folgenden Jahr wurden im Zusammenhang mit der Ermordung des populären ORT-Direktors Wladislaw Listjew, der mit Beresowski einen Konflikt über die Sendepolitik von ORT hatte, Ermittlungen gegen Beresowski angestellt, die jedoch eingestellt wurden.
Im Wahlkampf 1996 unterstützte Boris Beresowski – der inzwischen auch über Beteiligungen am Ölkonzern Sibneft und an der Fluggesellschaft Aeroflot verfügte – mit seinem Sender ORT und finanziellen Beiträgen maßgeblich die Wiederwahl von Boris Jelzin zum Präsidenten Russlands. Er initiierte zu diesem Zweck die sogenannte „Sieben-Bankiers-Bande“ („Semibankirschtschina“), einen Zusammenschluss reicher Oligarchen, die mit Geld und „administrativen Maßnahmen“ den in Umfragen bei 4 Prozent liegenden Jelzin im zweiten Wahlgang noch einmal ins Präsidentenamt bekamen. In der Folge hatte Beresowski während der zweiten Amtszeit des geschwächten Jelzin großen Einfluss auf den Präsidenten. Er war eine der ganz wenigen Personen, die jederzeit Zugang zu ihm hatten, und er war mit Jelzins Tochter Tatjana befreundet. Westliche Medien bezeichneten Beresowski auch als „Graue Eminenz“ hinter Jelzin. Beresowski verklagte das Magazin Forbes, weil es ihn als den Paten („The Godfather“) des Kreml bezeichnete. In einer außergerichtlichen Einigung gab Forbes zu, dass diese Bezeichnung falsch sei, und das Gerichtsverfahren wurde eingestellt.
Jelzin ernannte Beresowski nach dem erfolgreichen Wahlkampf zum Vizepräsidenten des Nationalen Sicherheitsrates. Diese Funktion musste er jedoch wieder aufgeben, als er 1997 in den Verdacht geriet, illegale Bankgeschäfte in Tschetschenien zu tätigen. Ein neues Amt erhielt er 1998 als Exekutivsekretär der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Auch diesen Posten musste er wieder verlassen, als 1999 die russische Staatsanwaltschaft gegen ihn im „Fall Aeroflot“„Fall Aeroflot“: Russischer Sonderermittler Wolkow demnächst in der Schweiz; swissinfo.ch, 15. Juli 2000 wegen illegaler Geschäftstätigkeiten und Geldwäsche ermittelte. Bei der Parlamentswahl 1999 erlangte er aber einen Sitz in der Duma als Abgeordneter der Kaukasus-Republik Karatschai-Tscherkessien und somit politische Immunität.
Während seiner Tätigkeit im Sicherheitsrat der Russischen Föderation wurde Beresowski in den Rang eines Wirklichen Staatsrats 1. Klasse der Russischen Föderation befördert.
Laut eigener Aussage war es Beresowski, der den vermeintlich leicht manipulierbaren Wladimir Putin 1999 ins Amt des Ministerpräsidenten gehievt und somit als Nachfolger für Jelzin installiert hat. Nachdem aber Putin Ende 1999 das Präsidentenamt für den zurückgetretenen Jelzin übernommen hatte, stellten sich für Beresowski Probleme ein – wie für alle Oligarchen, die sich unter Präsident Putin nicht aus der Politik heraushielten. Zu Beresowskis Firmenimperium gehörten inzwischen, nebst ORT, auch drei Tageszeitungen (darunter die Nesawissimaja gaseta und der Kommersant) und der Fernsehkanal TW-6. In Konflikt zu Putin trat Beresowski unter anderem wegen der Reform des Föderationsrats, wegen des Zweiten Tschetschenienkriegs und wegen des ungenügenden Krisenmanagements nach dem Untergang des U-Bootes Kursk im August 2000 zurück. Noch im selben Jahr ging Beresowski ins Exil. Einige seiner Firmenbeteiligungen (darunter die Anteile an ORT, Aeroflot und Sibneft) verkaufte er an Roman Abramowitsch.
Exil in Großbritannien In London, wo Beresowski seit November 2000 lebte, erhielt er im September 2003 politisches Asyl. In seinen Flüchtlingspass ließ er den Namen Platon Elenin eintragen.UK gives Russian tycoon new name; BBC News vom 23. Januar 2004 (Als „Platon“ tritt auch der Hauptdarsteller in Pawel Lungins Spielfilm Ein neuer Russe (russisch Олигарх) aus dem Jahr 2002 auf, der von Beresowski handelt.)
Von London aus versuchte Beresowski, Einfluss auf die Innenpolitik Russlands zu nehmen. Er stellte sich nach dessen Verhaftung im Oktober 2003 hinter den Putin-Kritiker und Oligarchen Michail Chodorkowski. Er unterstützte Iwan Rybkin bei der Präsidentschaftswahl 2004.
Im Gegenzug wurde Beresowski in Russland zum Staatsfeind Nummer einsDirk Sager: Pulverfass Russland: Wohin steuert die Großmacht?, Rowohlt Verlag GmbH, 2009, ISBN 978-3-644-10011-4, n-tv, 23. März 2013 und als solchem machte die russische Regierung unter Präsident Putin ihm den Vorwurf, dass er für den Tod des im November 2006 vergifteten Putin-Gegners Alexander Litwinenko verantwortlich sei. Diesen Vorwurf bestritt Beresowski jedoch. Er hatte Litwinenko unter anderem ein Haus gekauft und ihm geholfen, seine Vorwürfe gegen die russische Regierung zu veröffentlichen. Auch für den Tod der Journalistin Anna Politkowskaja machte die russische Regierung Beresowski verantwortlich.
Beresowski machte seinen Einfluss auch gegen die Putin-treuen Regierungen in ehemaligen Sowjetrepubliken geltend. Im Frühjahr 2003 traf er sich in London auf Vermittlung seines früheren Geschäftspartners Badri Patarkazischwili mit dem georgischen Oppositionspolitiker und späteren Premierminister Surab Schwania. Schwania wiederum vermittelte finanzielle Mittel Beresowskis in die Ukraine, namentlich für den Präsidentschaftskandidaten Wiktor Juschtschenko. Nach dem Wahlsieg Juschtschenkos Ende 2004 spielte Beresowski mit dem Gedanken, nach Kiew zu ziehen, setzte ihn aber nicht um, weil er unter Umständen nach Russland hätte ausgeliefert werden können.
Im Juni 2006 rief Beresowski zum Sturz der Regierung Putin auf. Damit handelte er sich eine Rüge des damaligen britischen Außenministers Jack Straw ein.Aufruf zur Revolution: Beresowski will Putin gewaltsam stürzen; Spiegel Online, 13. April 2007 Dennoch rief Beresowski im April 2007 in einem Interview mit dem Guardian erneut zu einem gewaltsamen Umsturz der russischen Regierung auf.Ian Cobain, Matthew Taylor, Luke Harding: “I am plotting a new Russian revolution”. London exile Berezovsky says force necessary to bring down President Putin; The Guardian vom 13. April 2007 Diese Aussagen relativierte er selbigentags mit einer Erklärung, er unterstütze keine blutigen Methoden, obwohl Veränderungen auf demokratische Weise nicht zu erreichen seien.Beresowski und die Revolution – Umsturz ja, aber unblutig; sueddeutsche.de, 17. Mai 2010
Vorwürfe der Justiz In Russland wurde Beresowski ab 2001 per Haftbefehl gesucht. Er soll bei seinen Finanztransaktionen mit Lada zum Nachteil der Investoren 2033 Autos im Wert von 13 Millionen US-Dollar unterschlagen haben. Eine entsprechende Anklage gegen Beresowski und seinen Geschäftspartner Badri Patarkazischwili wurde im September 2002 erhoben.Boris Abramowitsch Beresowski; Porträt aktuell.ru, zuletzt aktualisiert am 6. Mai 2010
In der Schweiz hatte die Bundesanwaltschaft nach dem Vorwurf der Geldwäsche im November 2003 Ermittlungen gegen Beresowski aufgenommen. Beresowski warf dem Bundesanwalt vor, er lasse sich in russische Verfahren mit politischem Hintergrund einspannen. Das Verfahren wurde 2010 eingestellt, da sich keine illegale Herkunft von Geldern hätte nachweisen lassen.Boris Beresowskis Spuren in der Schweiz, 20Minuten, 25. März 2013
2004 wurde Beresowski mit dem Mord am US-amerikanischen Journalisten Paul Klebnikov in Verbindung gebracht. Klebnikov hatte Bücher über die Macht der Oligarchen, im Speziellen über Beresowski und die Geldgeber des Ersten Tschetschenienkrieges, publiziert.
Im April 2007 erhob die russische Generalstaatsanwalt Anklage gegen Beresowski wegen illegaler Aneignung von 214 Millionen Rubel (6,2 Millionen Euro) der Fluggesellschaft Aeroflot Anfang der 1990er Jahre. In dem Verfahren galt der Milliardär bis dahin nur als Helfershelfer.Russland: Noch ein Haftbefehl gegen Kreml-Kritiker Beresowski; diepresse.com, 7. August 2007
In São Paulo, Brasilien, wurde gegen Beresowski wegen mutmaßlicher Verwicklung in einen Geldwäscheskandal im Zusammenhang mit dem SC Corinthians ermittelt. Diesbezüglich erließ ein brasilianisches Gericht im Juli 2007 einen Haftbefehl.
Im August 2007 erging von einem Moskauer Gericht ein weiterer Haftbefehl. Beresowski habe sich 1997 bei der russischen Bank SBS-Agro einen Kredit über umgerechnet 9,4 Millionen Euro zum Kauf eines Hauses an der Côte d’Azur erschlichen.
Letzte Lebensmonate und Tod 2012 verklagte er den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, weil er sich von ihm dazu gedrängt gefühlt habe, seine Anteile an der Ölfirma Sibneft weit unter ihrem eigentlichen Wert zu verkaufen. Diese Klage wurde vom Gericht als unbegründet abgewiesen, und Beresowski musste hohe Gerichtskosten zahlen. Nach Angaben der BBC fühlte sich Beresowski nach dieser Gerichtsentscheidung „niedergeschlagen“ und schloss sein Büro in London. Die Scheidung von seiner langjährigen Ehefrau führte zu einer Zahlung von 100 Millionen britischen Pfund. Tagesschau 24. März 2013, abgerufen am 25. März 2013 Anfang 2013 verklagte ihn seine Ex-Freundin Jelena Gorbunowa auch noch auf mehrere Millionen britische Pfund Schadensersatz aus dem Verkauf eines Hauses in Surrey. Die Zeitung The Times berichtete am 18. März 2013, er sei gezwungen gewesen, ein Lenin-Bild des Malers Andy Warhol zum Verkauf anzubieten.