mini|Büste des Zosimos, 3. Jahrhundert Zosimos aus Panopolis war ein antiker griechischer Alchemist. Er lebte wohl im späten 3. und vielleicht noch im frühen 4. Jahrhundert n. Chr. und war ein einflussreicher Vertreter der mystischen oder symbolischen Alchemie.

Leben Zosimos wurde in Panopolis, dem heutigen Achmim in Oberägypten geboren. Er lehrte in Alexandria und verfasste ein umfangreiches Corpus von Büchern über die Alchemie (Chemeutika), die nur teilweise erhalten sind und auch spätere Zusätze enthalten.

Eine ungefähre Bestimmung seiner Lebenszeit ergibt sich aus seiner Erwähnung von Sextus Iulius Africanus, dessen im Zeitraum von 228 bis 231 verfasstes Werk Cesti er anscheinend zitiert, und seiner Angabe, er habe Schriften in der 390/91 zerstörten Bibliothek des Serapeums in Alexandria konsultiert. Wenn eine Person, auf die er polemisch Bezug nimmt, mit dem Religionsstifter Mani identifiziert werden kann, lässt sich der Zeitraum weiter einengen; dann schrieb Zosimos zwischen der Einführung des Manichäismus in Ägypten im Jahr 268 und der Manichäerverfolgung Kaiser Diokletians zu Beginn des 4. Jahrhunderts.Siehe zur Datierung Matteo Martelli: Zosime l'Alchimiste. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Band 7, Paris 2018, S. 447–450, hier: 448 mit Übersicht über die ältere Literatur zur Datierungsfrage.

Die Suda gibt an, er stamme aus dem damals kosmopolitischen Alexandria, alle anderen Quellen geben ihm den Zusatz Thebaner (nach der ägyptischen Stadt Theben und ihrer Region Thebais, wo auch Panopolis liegt) oder Panopolitaner.

Werke und Lehre Die Werke sind ursprünglich in Griechisch verfasst und darunter sind Lehrbriefe, die an eine gelehrte Frau – Theosebeia, seine „Schwester im Geiste“ (lateinisch soror mystica) – gerichtet sind, und eine Schrift peri aretes, auch als Visionen bekannt, die Traumgesichte des Autors in Alexandria wiedergibt. Zosimos hielt seine Visionen, nachdem er eine Reihe von Visionen hatte, in denen er Menschen gesehen habe, die lebendig gekocht, auseinandergerissen und verbrannt wurden, und der Priester Ion ihm vom Überleben unerträglicher Gewalttaten berichtet habe, für göttliche Offenbarungen. Die Visionen enden mit den Worten „Die sieben unteren Stufen hast du erstiegen ... Die Arbeit ist getan“.Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 115–118-

Im Text wird die (ägyptische bzw. hellenistische) Alchemie als (ursprünglich von Riesen, die aus der Verbindung von himmlischen Dämonen mit irdischen Frauen stammen, ausgeübte)Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 92, 122 und 177–178. Geheimlehre von ausgewählten Priestern dargestellt. In seinen Werken zitiert Zosimos Aussagen früherer Alchemisten (den „Weisen“ oder „Philosophen“), um durch deren gegenseitige Erklärung das alchemistische Werk verständlich zu machen, gemäß dem alchemistischen Motto „ein Buch öffnet das andere“.Johann-Joachim Becher: Chymisches Laboratorium, oder untererdische Naturkündigung, Band 2. Philipp Fieret, 1680, S. 170. In den Visionen, im Buch der Bilder und Buch der Schlüssel zum Werk ergänzt er diese Zitate und Kommentare ausführlich mit eigenen Träumen und Erfahrungen,Theodor Abt: Introduction to the Translation. In: ders. (Hrsg.): Book of Pictures. Muṣḥaf aṣ-ṣuwar by Zosimos of Panopolis. Übersetzt von Salwa Fuad und Theodor Abt, Corpus Alchemicum Arabicum (CALA) II.2, Living Human Heritage, Zürich 2011. ISBN 978-3-9522608-7-6, S. 137–138. und erklärt, er gebe (seiner Schülerin Theosebeia) so einen einfachen, kurzen Pfad zum alchemistischen Werk.in: Book of the Keys of the Work, fol. 52a 10, 13-16: "Make use of this path, because in it I made things clear for you [Theosebeia][…]. And know that I made the path easy and short for you, […]. Take that path from me, with the blessing of God, till he leads you to the sources of gold." In: Zosimos of Panopolis: Book of the Keys of the Work. Kitāb Mafatiḥ aṣ-ṣana'a by Zosimos of Panopolis. Arabisches Faksimile und Englische Übersetzung, mit einer Einleitung herausgegeben von Theodor Abt. Übersetzt von Salwa Fuad und Theodor Abt, Corpus Alchemicum Arabicum (CALA) III, Living Human Heritage, Zürich 2016. ISBN 978-39523880-6-8.

Zosimos ist in alchemistischen Texten auch unter Rosinus, Rosinos, Rubinus u. ä. bekannt.Unter Rosinus wurden Texte von ihm in der Sammlung Artis auriferae, Basel 1571 (bei Pietro Perna) gedruckt, in der auch der Erstdruck des Turba Philosophorum erschien.

Zosimos ist der älteste Autor der Alchemie, der einer historischen Person zugeordnet werden kann. Ältere Texte sind aber bekannt (wie der Pseudo-Demokrit oder legendären Figuren wie Hermes Trismegistos und Maria die Jüdin zugeschriebene Schriften), welche Zosimos auch zitiert.

Zosimos’ Ideen waren vom Hermetismus und der christlichen Gnosis beeinflusst. In seinen Schriften finden sich Hinweise zum Corpus HermeticumGarth Fowden, Zosimos of Panopolis. In: ders.: The Egyptian Hermes. A Historical Approach to the Late Pagan Mind. Cambridge University Press, Cambridge, New York, Melbourne 1986, ISBN 0-521-32583-8, S. 120–126. und Parallelen zu den gnostischen Texten von Nag Hammadi,Michèle Mertens: Zosimos of Panopolis. In: Dictionary of Scientific Biography. 2008, S. 407; Beispiele bei Theodor Abt (Hrsg.): Book of Pictures. Muṣḥaf aṣ-ṣuwar by Zosimos of Panopolis. Übersetzt von Salwa Fuad und Theodor Abt, Living Human Heritage, Zürich 2011, ISBN 978-3-9522608-7-6, S. 121–123. ebenso wie wesentliche Motive (beispielsweise Einbalsamierung, Tod und Auferstehung) aus den – zu Zosimos’ Zeit teils noch bekannten – altägyptischen Unterweltsbüchern.Theodor Abt (Hrsg.): Book of Pictures. Muṣḥaf aṣ-ṣuwar by Zosimos of Panopolis. Übersetzt von Salwa Fuad und Theodor Abt, Living Human Heritage, Zürich 2011, ISBN 978-3-9522608-7-6, S. 39–40, 45, 108–110.

Textaufteilung und -überlieferung Die Textaufteilung und -überlieferung ist komplex und nur teilweise geklärt (Michèle Mertens),Dictionary of Scientific Biography 2007. es gibt neben griechischen Texten auch arabische, lateinische und syrische Übersetzungen.Einen guten Überblick über die verschiedenen Traditionen und Manuskripte gibt Michèle Mertens (Herausgeberin und Übersetzerin): Zosime de Panopolis, Mémoires authentiques, Les alchimistes grecs, Band 4, Teil 1, Les belles lettres, Paris 1995, S. LXX–LXXXVI. Über Parallelen zwischen dem arabischen Buch der Bilder und lateinischen Werken der Alchemie siehe Theodor Abt (Hrsg.): Book of Pictures. Muṣḥaf aṣ-ṣuwar by Zosimos of Panopolis. Übersetzt von Salwa Fuad und Theodor Abt, Living Human Heritage, Zürich 2011, ISBN 978-3-9522608-7-6, S. 52–67.

Die wichtigsten griechischen Handschriften sind der Marcianus graecus 299 (10. oder 11. Jahrhundert), der Parisinus graecus 2325 (13. Jahrhundert) und der Parisinus graecus 2327 (15. Jahrhundert). In den Handschriften sind auch Zeichnungen alchemistischer Geräte. Mertens teilt das griechische Corpus der Haupthandschriften in vier Teile: Die authentischen Memoiren (auch Über Apparate und Öfen), 13 Schriften einschließlich des bekannten Über den Buchstaben Omega, Über die Einzigartigkeit, Über die Zusammensetzung von Wassern. Darin sind auch seine Visionen. Die Kapitel an Eusebia Die Kapitel an Theodor Die abschließende Zählung

Zosimos selbst und Kommentatoren verweisen außerdem auf ein nicht direkt erhaltenes Corpus Cheirokmeta (Durch Hand gefertigte Dinge) und einige andere Schriften wie Der Buchstabe Kappa, Das Buch der Schlüssel. Die Suda spricht von 28 Büchern, die Zuordnung ist aber nach Mertens schwierig.

Eine weitere wichtige Quelle zu Zosimos’ Werk bilden arabische Übersetzungen griechischer Texte, die später teilweise ins Lateinische Eingang fanden. Diese arabischen Texte können nach HallumBink Hallum: Zosimos of Panopolis. In: Paul T. Keyser and Georgia L. Irby-Massie (Hrsg.): The biographical Encyclopedia of Ancient Natural Sciences. Routledge, London, New York 2007. als unterschiedlich authentisch angesehen und dahingehend gegliedert werden. Neuere Forschung führt zu folgender Unterteilung (nach Abt):Theodor Abt: Introduction to the Translation. In: ders. (Hrsg.): Book of Pictures.Muṣḥaf aṣ-ṣuwar by Zosimos of Panopolis. Übersetzt von Salwa Fuad und Theodor Abt, Living Human Heritage, Zürich 2011. Insbes, S. 132–134 und S. 137. Handwerkliche Texte, eher extrovertierten Inhaltes. Dazu gehören unter anderem Sieben Briefe, 25ster und 29ster Brief, Über die Sulfur(arten) (engl: The Sulphurs). In diesen Texten werden vor allem Rezepte erwähnt, es kommen keine Visionen oder Träume vor, keine Verweise auf alte Alchemisten. Texte in der Tradition der symbolischen Alchemie von eher introvertierter Natur. Dazu gehören unter anderem Das Buch der Schlüssel zum Werk/zur Kunst und das Buch der Bilder. In beiden berichtet Zosimos von eigenen Gefühlen, Erlebnissen und Träumen oder Visionen. Sie sind an seine Studentin Theosebeia gerichtet und Zosimos zitiert seinen Lehrer Democritus und andere alchemistische Weise. Fälschungen/fälschlicherweise Zosimos zugeschriebene Texte

Peri aretes/Visionen des Zosimos Im als Visionen bezeichneten Werk Peri aretes (nach Mertens aus dem Griechischen übersetzbar mit Von der Tugend, Exzellenz, Vortrefflichkeit, PerfektionMichèle Mertens (Herausgeberin und Übersetzerin): Zosime de Panopolis, Mémoires authentiques. In: Les alchimistes grecs. Band 4, Teil 1, Les belles lettres, Paris 1995, S. 213–214. oder von der (alchemistischen) KunstC.G. Jung: Die Visionen des Zosimos. In: Studien über alchemistische Vorstellungen. Gesammelte Werke 13. (Geschrieben 1937, überarbeitet u. erweitert 1954). Par. 86.) schildert Zosimos verschiedene Traumgesichte und kommentiert diese.

Das X. Kapitel der Mémoires Authentiques beginnt mit der Nennung verschiedener Verfahren und Vorgänge der Alchemie: „Herstellung der Wässer; Bewegung und Vermehrung, Entkörperung und Verkörperung, Abziehen des Geistes vom Körper und Verbinden des Geistes mit dem Körper.“ Er weist darauf hin, dass die Natur sich aus eigenen Kräften verwandelt und dem Mond und dem Lauf der Zeiten unterworfen sei.In diesen und den folgenden Abschnitten nach Michèle Mertens, Mémoires authentiques. In: Les alchimistes grecs. Band 4, Teil 1, Les belles lettres, Paris 1995, S. 34–42 (chapitre X) zusammengefasst.

Im ersten Traumgesicht (zweiter Abschnitt) sieht Zosimos auf einem Schalenaltar den Priester Ion, der am frühen Morgen zerstückelt und verbrannt wird. Dabei wird – unter qualvollen Schmerzen – der Körper durch Feuer in Rauch und Geist umgewandelt. Im Gespräch mit dem ihn fragenden Zosimos verwandelt sich Ion in ein kleines Menschlein (Homunkulus), das sich mit den eigenen Zähnen zerfleischt.

Erwachend fragt sich Zosimos (dritter Abschnitt), ob das die Herstellung der Wässer sei. Wieder eingeschlafen sieht er denselben Schalenaltar mit kochendem (und verdampfenden) Wasser, diesmal allerdings mit einer Gruppe unzähliger Menschen darin. Ein graues Männlein erklärt auf Zosimos’ Frage, das Gesehene sei die Wandlung und der Ort der Läuterung. Dann taucht ein Kupfermännlein auf, mit einer bleiernen Schreibtafel in der Hand, und gibt eine Anweisung. Das graue Männlein erklärt die Rolle dieses Mannes, der mit Ion, dem Priester, der opfert und geopfert werde, identisch sei.