mini|Nikomedeskirche (Hildrizhausen) Die evangelische Nikomedeskirche ist ein Kirchengebäude in Hildrizhausen im Landkreis Böblingen, Baden-Württemberg. Um 1050 wurde die Kirche im romanischen Stil als dreischiffige Pfeilerbasilika mit eingezogenem Querschiff errichtet.

Geschichte Durch die Gründung eines Kollegiatstiftes an der Pfarrkirche St. Nikomedes im 11. Jahrhundert wurde der Bau der Kirche von den Grafen von Hildrizhausen in Auftrag gegeben. Die heutige Kirche ist als dreischiffige romanische Basilika etwa zur gleichen Zeit wie die Sindelfinger Stiftskirche St. Martin errichtet worden. Die Dachkonstruktion wurde nach einer dendrochronologischen Untersuchung auf 1365/68 datiert. Der Kirchturm stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Das Chorherrenstift von Hildrizhausen wurde 1439 dem Stift Herrenberg eingegliedert.

1515 stellte Jakob Haltmayer den gotischen Chor fertig. Das Chorherrenstift von Hildrizhausen wurde 1439 dem Stift Herrenberg eingegliedert. Die Reformation beendete das Stiftsleben. Die Kirche wurde häufig ausgebessert, jedoch blieb das Erscheinungsbild mit dem romanischen Kirchenschiff, dem wuchtigen Turm und dem gotischen Chor unverändert.Die Entstehung von Hildrizhausen

Architektur und Ausstattung

Nikomedesstein mini|Tympanon Detail Das Tympanon, der sogenannte Nikomedesstein, (mit Umschrift) auf der Südseite als Türsturz angebracht und ein Stein mit Radrelief in der Turmkapelle eingemauert stammen aus der Zeit vor 1200. Das Tympanon war zuvor über dem ehemaligen romanischen Hauptportal der Kirche vermauert. Der Stein zeigt in einem halbrunden Bogenfeld, das von einem Doppelwulst unterteilt wird, links im Viertelkreis eine neunblättrige Rosette und rechts eine achtblättrige. Die Umschrift auf dem Stein nennt den Heiligen Nikomedes als Namenspatron der Kirche. Die lateinische Inschrift war ursprünglich dreizeilig, ist aber nur noch zweizeilig erhalten. Sie lautet: Hic lapis ornatus templum Nicomedis honorat, Illum quivis homo rogitet sua pectore prono. Die dritte Zeile lautete: Quod delicta sibi demat pro Nomine Christi. Deutsch: Dieser geschmückte Stein ehrt das Gotteshaus des Nikomedes. Zu ihm fleht ein jeder Mensch offenen Herzens, weil Verfehlungen er tilgt im Namen Christi.

Die Inschrift ist die älteste des Landkreises Böblingen.

Chor mini|Netzgewölbe Chor Im Chor finden sich sechs Schlusssteine im gotischen Netzrippengewölbe. Der Schlussteine zeigen:

Maria mit dem Jesuskind das Wappen des Herzogtums Württemberg den Kirchenheiligen Nikomedes mit einer mehrschlingigen Geißel das Wappen Herzog Ulrichs und seiner Gemahlin, Sabina von Bayern den heiligen Blasius mit Kerze (es gab einen Blasius-Altar mit Kaplanei) das Wappenschild der Pfalzgrafen von Tübingen

An der Nordwand stehen drei Epitaphe aus der Zeit um 1600. Das spätgotische Chorgestühl stammt aus der Werkstatt Heinrich Schickhardts des Älteren aus Herrenberg und wurde 1529 vollendet.

Portal Norbert Malek gestaltete 1970 das Türblatt des Südportals mit dem in Kupfer getriebenen Relief der Auferstehung Christi.

Turmkapelle mini|Turmgewölbe mit Evangelisten mini|Radstein in der TurmkapelleIn der Turmkapelle, die vom südlichen Seitenschiff aus zugänglich ist, sind im gotischen Kreuzrippengewölbe Fresken aus dem 14. Jahrhundert erhalten, die die Symbole der vier Evangelisten und in der Mitte auf dem Schlussstein Christus als das Lamm Gottes darstellen.

Ein romanischer Ornamentstein mit einem Radrelief ist in die Ostwand der Turmkapelle eingemauert. Er zeigt eine kreuzförmige Blattrosette, die von neun Kreisen mit kleinen Kreuzen eingerahmt wird. Der Stein war vermutlich ein Teil der Chorschranke.

Kanzel Die Kanzel wurde 1900 von der Baseler Familie La Roche zu Ehren ihres Stammvaters Michael Hebdenstreit gestiftet, der im 16. Jahrhundert von Hildrizhausen nach Basel auswanderte.

Orgel mini|Orgel im historischen Gehäuse von Johannes Weinmar Die Orgel wurde 1781 von Johannes Weinmar aus Bondorf mit 10 Registern und einem spätbarocken Orgelprospekt erbaut. 1871 wurde ein Pedal mit 1 ½ Oktaven angehängt. Im Ersten Weltkrieg wurden die zinnernen Prospektpfeifen abgenommen.

1967 erweitere die Orgelbaufirma Weigle das Instrument um ein zweites Manual und erweitere das Pedal wird auf die üblichen 2 ½ Oktaven. 2004 fand eine Ausreinigung und Instandsetzung statt; dabei baute die ausführende Firma Mühleisen zwei zusätzliche Zungenregister sowie Vorabzüge ein. Heute besitzt die Orgel 18 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Glocken Seit wann in dem um 1368 erbauten Kirchturm Glocken läuten, ist nicht bekannt. Die älteste der heutigen Glocken wurde 1806 gegossen. Alle älteren Glocken, die es sicher gegeben hat, sind irgendwann zersprungen oder mussten im Krieg als Metallspende abgegeben werden, um für Rüstungsgütern eingeschmolzen zu werden. So war nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch eine Glocke vorhanden. 1950 schaffte man zwei neue Glocken an, bis man 1960 das Geläut mit einer vierte Glocke komplettierte. GlockeNameGlockengießerGussortGussjahrDurchmesserGewichtSchlagtonInschriftI.TaufglockeChristian Gottlieb NeubertLudwigsburg180666 cm180 kgd′′Gegossen von C. G. Neubert in Ludwigsburg anno 1806. Damals ware Herr M. Schuz Pfarrer, Herr I.F. Brodbeck Schultheiß, Herr G.F. Mack Burgmeister, Herr I.G. Lindenmeyer HeiligenpflegerII.ZeichenglockeKurtzStuttgart195081 cm330 kghAlles, was Odem hat, lobe den Herrn.III.Kreuzglocke92 cm500 kga′In dieser letzten, bösen Zeit gib uns des Glaubens BeständigkeitIV.Betglocke1960109 cm800 kgfisVerleih uns Frieden gnädiglich

Literatur Wolfgang Zimmermann, Nicole Priesching (Hrsg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 277

Weblinks

Homepage der Kirchengemeinde Kollegiatstift St. Nikomedes Hildrizhausen – Geschichte Informationen zur Orgel auf OrganIndex Geläut der Nikomedeskirche auf YouTube

Einzelnachweise

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