mini|hochkant=1.9|Schloss Neugebäude von Norden aus gesehen mini|hochkant=1.9|Schloss Neugebäude vor 1680, Handzeichnung von Wolfgang Wilhelm Prämer Schloss Neugebäude ist ein von Kaiser Maximilian II. in Auftrag gegebenes manieristisches Schloss im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering. Der Legende nach wurde es an jener Stelle errichtet, an der während der Ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 die Zeltburg Sultan Süleymans stand.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden Teile der Anlage abgebaut oder verlegt; das ab 1744 als Munitionsdepot genutzte Schloss und die Gärten verkamen.

Nach 1945 wurde es verschiedentlich als Lager und Fabrikhalle genutzt, in den 1970er Jahren unter Denkmalschutz gestellt und erst ab 2000 teilsaniert. Das Hauptgebäude wird mittlerweile für verschiedene Veranstaltungen verwendet.

Trotz des teilweise noch desolaten Zustandes zählt Schloss Neugebäude zu den größten und bedeutendsten Residenzen des Manierismus in und nördlich von Österreich.Stadt Wien saniert Neugebäude. In: Wiener Geschichtsblätter, Jg. 29, 1974, Beilage XXVII. (Digitalisat)Peter Noever (Hrsg.): Wiener Bauplätze, Verschollene Träume – Angewandte Bauplätze. Wien 1986, S. 115.

Geschichte mini|Kaiserlicher Waldspaziergang mit Schloss Neugebäude im Hintergrund (Lucas van Valckenborch, 1590/92) mini|Ansicht von Schloss Neugebäude mit seinen Gartenanlagen von Norden nach Süden (Matthäus Merian der Ältere, 1649) mini|Fehlerhafte Ansicht vom Neugebäude um 1672 von Westen aus betrachtet (Stich nach Georg Matthäus Vischer) mini|Kupferstich von Johann Adam Delsenbach, 1715, nach einer Zeichnung von Joseph Emanuel Fischer von Erlach

Das Projekt der Schlossanlage war ein Lieblingsprojekt von Kaiser Maximilian II. Das Schloss und seine Gärten wurden als Gesamtkunstwerk konzipiert. Der Bauplatz wurde bewusst zur Vergrößerung des Ruhmes des Kaisers gewählt, der mit dieser repräsentativen Anlage seinen Machtanspruch kundtat.

Die kaiserlichen Residenzen in der Umgebung waren das Schloss Kaiserebersdorf, welches ein ordentliches Wohnschloss war, das Grüne Lusthaus im Prater sowie das Schloss Neugebäude, welches wahrscheinlich eher als reines Lustschloss und Belvedere, also Aussichtspunkt, nach der Jagd und für Feste gedacht war.

Im Gegensatz zum „alten“ Schloss Kaiserebersdorf ist auch der Name „Neugebäude“ zu verstehen, der urkundlich erstmals im Oktober 1573 als das „neue Gepews“ auftaucht.

Am 1. November 1566 schrieb Maximilian II. in sein Tagebuch … man sich umb Personen bewerb, die bauverständig seien … Es war sein großer Wunsch, ein Lustschloss in Simmering bei Wien, das Fasangartengebäude, das Neugebäude zu errichten. Als einer der vielen Architekten wird Jacopo Strada, Baumeister des Kaisers, vermutet.Hilda Lietzmann: Das Neugebäude in Wien, Sultan Süleymans Zelt – Maximilian II. Lustschloss. Deutscher Kunstverlag, München 1987. ISBN 3-422-06008-1. 1569 wurde mit dem Bau des Schlosses begonnen bei Pietro Ferrabosco. Im neuen Steinbruch am Leithaberg fanden erste Steinmetzarbeiten statt, die Meister Bartholomäus Pethan und Antonius Pozzo arbeiteten an den monumentalen Säulen für die westliche Galerie. 1572 ist Hans Bürger als Baumeister dokumentiert. Die Hofkammer forderte am 17. April 1576 von der Herrschaft Trautmannsdorf, eine Brücke über die Leitha auszubessern, damit die Fuhrleute mit ihren für das Neugebäude bestimmten Steinfuhren nicht behindert würden.Hofkammerarchiv Wien: Niederösterreichische Herrschaftsakten 1576, Erstnennung Steinbruch am Leythaberg, Steinlieferungen. Am 13. Juni 1576 erging an die Gemeinden Sommerein, Sarasdorf und Wilfleinsdorf die Verordnung, mit ihren Fuhrwerken große Steinblöcke aus dem Steinbruch des Leithagebirges zum neuen Fasangartengebäu zu transportieren. Sollten deren Wagen zu schwach sein, so würde verfügt werden, dass die Herrschaften die Wagen und die Gemeinden Pferde und Ochsen stellten. Es musste eine weitere Verordnung am 5. Oktober 1576 erfolgen, sie sollten die steinernen Säulen, die man für den kaiserlichen Bau gehauen habe, alsbald gegen gebührliche Bezahlung anliefern, damit Ihrer Majestät Arbeiter nicht feiern müssten. Am 12. Oktober kam die eindringliche Forderung, es sey doch der ganze handl nit mer denn das sy sieben oder acht steinerne seylen (Säulenpaare) herauf zum gepew furen und dagegen in gullt sollen einnehmen.Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Band 2, 2002–2004, ISBN 978-3-9504555-8-8, S. 325–328. Obwohl die Namen mehrerer Künstler, Steinmetze und anderer beteiligten Personen urkundlich bekannt sind, ist nichts über den ursprünglichen Architekten bekannt. Dies lässt vermuten, dass der Entwurf von niemand anderem als dem Kaiser höchstpersönlich kam.

Der Kammer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass der Kaiser am selben Tag in Regensburg gestorben war. Die Anlage war zwar keineswegs vollendet, aber die Arbeiten waren weiter fortgeschritten, als man angenommen hatte. Kaiser Rudolf II. ließ aus Pietät dem Vater gegenüber den Bau weiterführen, tatsächlich hatte er aber nur geringes Interesse daran. 1579 wurden die Säulen der östlichen Galerie aus dem kaiserlichen Steinbruch geliefert.

Ladislaus von Zierotin, ein mährischer Adeliger, beschrieb im Juli 1590 das schöne Gebäude, den langen Innenhof, der mit hohen Säulen aus weißem Marmor (Kaiserstein) geschmückt sei, über Brunnenschalen aus englischem Alabaster und mit Kupfer gedeckte Türme verfüge sowie von Malereien und Statuen geziert werde. Um 1600 setzten bereits Verfallserscheinungen ein, von den Galerien fiel der Putz ab. mini|links|Ausschnitt aus dem Stich von Delsenbach mit Blick auf Schloss von Nordosten Am 22. Mai 1665 wurde altes Kupfer für die Wiener Hofburg abtransportiert, … zum neuen Burgbau das Kupfer vom einfallenden Turm auf dem Neygebauen engefolget. 1683 überstand das Schloss die Türken ohne Zerstörung. Der Kuruzeneinfall am 11. Juni 1704 unter Fürst Franz II. Rákóczy verursachte große Schäden. Auf ihrem Rückweg wurde das Neugebäude in Brand gesteckt. Es beherbergte damals die kaiserliche Menagerie, die meisten der seltenen Tiere wurden getötet.

Teile der ursprünglichen Anlage finden sich heute in Schönbrunn. Maria Theresia ließ wertvolle Elemente vor allem für den Bau der Gloriette dorthin transferieren. Es wird vermutet, dass vor allem die großen Säulen und die Bukranien wiederverwendet wurden, sowie zwei Brunnen von Alexander Colin.Manfred Wehdorn: Der Aufbau – Perspektiven Sondernummer 2004 – Das Neugebäude. Ein Renaissance-Schloss in Wien. N.J. Schmid Verlagsgesellschaft, Wien 2004.

Militärische Nutzung Seit 1744 wurde im Schloss Neugebäude Pulver gelagert, welches man zuvor auf den Basteien der Stadt aufbewahrt hatte. Ab 1779 wurden auch die Türme der äußeren Mauer als Depot genutzt.

1780 baute man das Schloss im Erdgeschoß um und richtete hier eine Pulver- und Salpetererzeugung ein.

Während der Revolution von 1848 musste das ehemalige Schloss besonders geschützt werden, da hier die gesamten Munitionsvorräte der Armee im Raum Wien lagerten. Der Garten war Stellplatz für Munitionswagen und Geschütze.

Ab 1869 wurde wegen des in der Nähe geplanten Zentralfriedhofs immer wieder ein Ende der Pulvererzeugung und Munitionslagerung diskutiert. Trotzdem wurde Schloss Neugebäude bis 1918 militärisch genutzt.

20. Jahrhundert 1922 kam die Anlage in den Besitz der Gemeinde Wien. Im südlichen Garten wurde die Feuerhalle Simmering nach Plänen von Clemens Holzmeister errichtet und ein Urnenhain angelegt.

Eine Zeitlang wurde die Anlage von verschiedenen Industrieunternehmen verwendet, darunter die Saurer-Werke. Während des Zweiten Weltkrieges stellten die Saurer-Werke Fahrzeuge für Kriegszwecke her. Dafür wurden Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern, darunter das KZ Mauthausen, eingesetzt.Herbert Exenberger: 2. April 1945 – Evakuierung des KZ-Nebenlagers Saurer-Werke. In: Simmeringer Museumsblätter, Heft 73/74, April 2005. Die Werke wurden als kriegswichtige Fabrik von den Alliierten bombardiert und schwer beschädigt, das Schloss blieb jedoch relativ unbehelligt. 1945 wurden die überlebenden Zwangsarbeiter von der sowjetischen Roten Armee befreit.

Im „Denkmalschutzjahr“ 1975 wurde der Wunsch laut, das Neugebäude zu revitalisieren. Helmut Zilk gab damals den Anstoß, den einstigen Prachtbau nach alten Ansichten wieder instand zu setzen. Zwei Symposien zur Frage einer eventuellen Nutzung und adäquaten Denkmalpflege fanden statt. 1989 erfolgte eine Enquete über die Nutzungsmöglichkeiten von Schloss Neugebäude, diese jedoch blieben ohne weitere Folgen.

Heute mini|links|Gekuppelte Säulen und Gebälk mit Bukranien vom Neugebäude, als Spolien bei der Schönbrunner Gloriette wiederverwendet Bis zur Jahrtausendwende schien sich das Neugebäude allen Versuchen der Wiederbelebung entzogen zu haben. Im vollkommen ausgeräumten und entstellten Schlossbau sind noch viele Tür- und Fenstergewände aus Kaiserstein in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand. An einem Rundfenster ist das Steinmetzzeichen A zu sehen. In einem Wirtschaftshof ist ein Nutzbrunnen mit schöner Einfassung aus Kaiserstein erhalten. Der Stall für 50 Pferde ist im Inneren unverändert geblieben, weist auch noch den originalen Fußboden, einen ornamental verlegten Ziegelboden, auf. Zwölf toskanische, aus Kaiserstein ausgearbeitete Säulen mit hohen Sockeln tragen immer noch das drei Meter hohe Kreuzgratgewölbe.

Im Herbst 2001 erfolgte die Gründung des „Vereins zur Erhaltung und Revitalisierung des Schloss Neugebäude“. Dieser hat zwei grundlegende Zielsetzungen: Einerseits die Erhaltung und Revitalisierung der Gesamtanlage und andererseits die Erarbeitung von Vorschlägen für eine künftige Nutzung. Im März 2002 erfolgten die ersten Sicherungsmaßnahmen und die Rodung des Geländes. Im Mai 2002 wurden die nach 1945 errichteten Zubauten abgerissen. Bis Ende Juni 2002 wurde das Gelände für die Sommeraktivitäten vorbereitet. Im September 2002 begann die erste Phase der baulichen Bestandssicherung; knapp ein Jahr danach, im Juni 2003, erfolgte der Abschluss der ersten Sicherungsarbeiten. Bis zum Beginn des Jahres 2007 wurden die „Schönen Säle“ für Veranstaltungen renoviert und die technische Infrastruktur dafür eingebaut. Für die Planung und die Arbeiten war das Architekturbüro Manfred Wehdorn zuständig.

Mittlerweile wird das Schloss für eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen (Sommerkino, Theater, Märkte, Ausstellungen, Konzerte, Partys, Hochzeiten und andere Events) genutzt. Das Schloss kann auch vollständig oder teilweise für eigene Veranstaltungen gemietet werden. Es werden auch regelmäßig kunsthistorische Rundgänge durch das Schloss angeboten.

Der Bereich um das Schloss (mit den Gärten und dem anschließenden Urnenhain) wird von der Stadt Wien als bauliche Schutzzone definiert.Karte der Schutzzone

Restaurierung der Fassaden mini|Restaurierte Fassade des Westturms Das Restaurierziel war eine vorsichtige Freilegung der ursprünglichen und späteren Putz- und Färbelungsoberfläche des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Konservierung und Restaurierung aller Putz- und Steinoberflächen nach den Richtlinien des Bundesdenkmalamtes. Weiters erfolgte eine Behebung der Zeitschäden an der Fassade, hauptsächlich infolge Verschmutzung, Erosion, Wasserschäden, mangelhafter Instandsetzungsarbeiten und Frostabsprengungen.

Die Steingewände der Fensterkonstruktionen mit Blechläden wurden bereits in einer vorangegangenen Bauphase instand gesetzt und waren nicht Gegenstand der erneuten Fassadenrestaurierung.

Die unterschiedlichen Putzbestände sollten klar als solche erkennbar bleiben. Putzbestände des 16. bis 18. Jahrhunderts wurden konserviert, die Oberflächen durch adäquate Putzplomben geschlossen. Der Bestand blieb als solches sichtbar und sollte durch keinen homogenisierenden Anstrich überdeckt werden. Putzplomben des 19. und 20. Jahrhunderts wurden dabei vorsichtig abgenommen.