mini|Illustrierte Ketubba (18. Jhdt.) Die Ketubba () ist der schriftlich niedergelegte jüdische Ehevertrag. Er wird in aramäischer Sprache verfasst und von zwei Zeugen unterschrieben.
Im orthodoxen Judentum definiert die Ketubba die Verpflichtung des Ehemanns gegenüber seiner Gattin. Er verpflichtet sich damit, ihr Unterstützung, Ernährung, gesundes Leben und Freude zu sichern. Im engeren Sinne sichert die Ketubba die Rechte der Frau, zu denen sich der Ehemann verpflichtet (drei Rechte): 1. Unterhalt (Sch´era), 2. Bekleidung (Kesuta), 3. Geschlechtsverkehr (Onata). Die Ketubba regelt auch die finanzielle Absicherung der Frau im Falle einer Scheidung oder des Todes des Mannes. Für die Frau sind in der Ketubba keine Pflichten festgelegt.
Der Text einer orthodoxen Ketubba, aus dem Aramäischen übersetzt, lautet in etwa:
In einigen Gegenden fügen auch Bräutigam und Braut ihre Unterschriften bei.
Diese Form der Ketubba wird jedoch nur im orthodoxen Judentum verwendet. Die Mehrheit der Juden in Nordamerika und eine bedeutende Minderheit der Juden in Europa und Israel praktizieren Formen des Konservativen oder Reformjudentums. In diesen Denominationen dient die Ketubba den Partnern vor allem als feierliche Erklärung ihrer Liebe füreinander und ihrer gegenseitigen Versprechen und Verpflichtungen. Dies schließt in der Regel auch einen angemessenen Beitrag zum Lebensunterhalt ein, doch nehmen beide Partner gleichermaßen diese Verpflichtung auf sich. Morgengabe und Mitgift kommen dabei nicht vor. Viele nicht-orthodoxe Ketubbot schließen auch einen Passus ein, in dem sich der Bräutigam verpflichtet, seiner Frau auf Verlangen die Scheidung zu gewähren. Weil manche Juden Angehörige anderer Religionen heiraten, gibt es auch Ketubba-Texte für solche gemischtreligiösen Eheschließungen. Dasselbe gilt für die wachsende Zahl gleichgeschlechtlicher jüdischer Partnerschaften, die in einer religiösen Zeremonie besiegelt werden und für die es ebenfalls Ketubbot gibt. Nicht-orthodoxe Ketubbot sind nicht einfach eine Formalität, sondern dienen dem Paar als eine Art feierliches „mission statement“ ihrer Ehe. Entsprechend viel Sorgfalt wird auf die Formulierung verwendet. Dass die Ketubba von Kalligraphen geschrieben und von darauf spezialisierten Künstlern aufwendig gestaltet wird, gehört zu der jüdischen Tradition des chidur mizvah, also der „Verschönerung“ einer religiösen Verpflichtung. Viele Paare lassen ihre Ketubba rahmen und hängen sie zu Hause an einem Ehrenplatz auf.Siehe auch Anita Diamant: The New Jewish Wedding. 2. Auflage, Fireside, New York 2001.
Die Ketuba hat nicht nur eine weltliche Dimension: In einer mystischen Ketuba ist die symbolische Verbindung zwischen dem Volk Israel und Gott niedergelegt. In sephardischen Synagogen wurde der Text üblicherweise zu Schawuot vorgelesen, wenn man den neuerlichen Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai feierte.
Einzelnachweise
Weblinks
Ketubbot collection, National Library of Israel Beschreibung des Lieberman Clause S. Abschnitt „Jüdische Hochzeit“ Ketubbot im Bestand des Jüdischen Museums Berlin
Kategorie:Feste und Brauchtum (Judentum) Kategorie:Ehe im Judentum