Wildhexe (Originaltitel: Vildheks) ist ein dänischer Kinder- und Fantasyfilm von Kaspar Munk aus dem Jahr 2018. Er basiert hauptsächlich auf dem ersten Band der Buchreihe Vildheks (auf Deutsch erschienen unter dem Titel Wildhexe – Die Feuerprobe) der dänischen Kinderbuchautorin Lene Kaaberbøl, greift aber auch Elemente aus den Folgebänden auf. Das Drehbuch schrieben Poul Berg und Kaspar Munk.

Der Film hatte am 25. Oktober 2018 in Hamburg Kinopremiere und wurde neben dem Tallinn Black Nights Film Festival auf mehreren internationalen Kinder- und Jugendfilmfestivals gezeigt. 2019 wurde Flemming Nordkrog für die Filmmusik zu „Wildhexe“ mit dem dänischen Filmpreis Robert der Dänischen Filmakademie (Danmarks Film Akademi) in der Kategorie Beste Filmmusik ausgezeichnet.

Eingebettet in die fantastische Handlung beschäftigt der Film sich mit den Themen Außenseiter, Identität und dem Umgang mit der Natur.MFA+ FilmDistribution e.K: Filmpädagogische Begleitmaterialien: WILDHEXE. Abgerufen am 21. Oktober 2020. Die zwölfjährige Clara entdeckt, dass sie eine Wildhexe ist, die mit Tieren sprechen kann. Nach anfänglichem Widerstreben tritt sie ihre Zauberinnenlehre im Wald bei ihrer Hexentante an und kämpft mit zwei Freunden gegen die böse Hexe Chimära, die mit dem Blut der „Auserwählten“ Clara die mächtige und finstere Oberhexe Bravita zum Leben erwecken will, die darauf aus ist, die „wilde Welt“ zu unterwerfen.Det Danske Filminstitut: Vildheks. Abgerufen am 21. Oktober 2020 (dänisch).MFA+ FilmDistribution e.K: Wildhexe. Abgerufen am 21. Oktober 2020.Benno Seelhöfer: Im neuen Film Wildhexe muss Clara die Wilde Welt retten. In: Neue Ruhr Zeitung vom 24. Oktober 2018. Abgerufen am 24. Oktober 2020.

Handlung Die zwölfjährige Clara lebt mit ihrer Mutter, einer Journalistin, in einer dänischen Stadt. Plötzlich häufen sich merkwürdige Begebenheiten: eine schwarze Katze folgt ihr überallhin, und ihr Geruchssinn wird unnatürlich scharf. In der Schule bewahrt sie so ihre eingebildete Mitschülerin Josefine davor, verdorbenen Fisch zu essen. Diese ist Anführerin einer angesagten Mädchenclique, zu der auch Clara gehören möchte. Ihre Freundschaft mit Oscar, der als Außenseiter zur Zielscheibe des Spotts wird, hält sie vor ihnen geheim. Im Gegensatz zu Clara findet er es überhaupt nicht wichtig, Teil einer Gruppe zu sein.Stefan Stiletto: Wildhexe. In: Kinder- und Jugend-Filmportal des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums (KJF). Abgerufen am 24. Oktober 2020. Nach der Schule geraten Clara und Oscar in einen undurchdringlichen Nebel, in dem eine unheimliche Gestalt, die böse Hexe Chimära, ihr „Hexenkind, komm mit mir!“ zuruft. Als der Nebel sich lichtet, sagt Oskar ihren ersten Besuch bei ihm daheim unter Ausflüchten ab, aber Clara kann riechen, dass er lügt. Zuhause wird sie krank, nachdem sie im Fahrradkeller von der schwarzen Katze angegriffen wurde, die ihr den Weg versperrte und sich zwischen sie und die erneut auftauchende dunkle Gestalt stellte. In ihren Fieberträumen hört sie eine Stimme „Du bist die Auserwählte! Die Wilde Welt ruft nach dir.“ sagen. Am Morgen braut Isa, die Schwester ihrer Mutter, von der sie bis dahin nichts wusste, ihr einen fiebersenkenden Trank. Unterdessen wird an einem eisigen, unwirtlichen Ort die böse Chimära von einer im Eis gefangenen Kreatur beauftragt, Clara zu entführen, um sich mit deren Blut zu befreien und zu neuer Macht zu gelangen. Am Tag, als Clara wieder zur Schule gehen kann, dürfen die Schüler und Schülerinnen ihre Haustiere mitbringen. Sie kann mentalen Kontakt zu Josefines Chinchilla aufnehmen und lässt es auf seinen Wunsch auf dem Schulhof frei. Auf dem Heimweg klagt sie Oscar, dass sie sich wie ein Freak fühle, weil das Chinchilla mit ihr gesprochen und Josefine ihr die Freundschaft gekündigt habe.

Clara ahnt, dass ihre Mutter mehr über die seltsamen Vorkommnisse weiß. Sie drängt darauf, zu ihrer Tante Isa zu fahren, die mit ihrem Hund Tumpe in einem abgeschiedenen Haus im Wald lebt und angehende Wildhexen ausbildet, wie auch Clara eine sei, aber diese möchte „nur normal“ sein. Ihre Mutter und Tante beschließen, dass sie vorerst dort bleiben und lernen soll. Aus dem Wald heraus werden sie von Chimära beobachtet. Am nächsten Morgen erkundet Clara Haus und Garten, in dem verschiedene Waldtiere ein und aus gehen. Sie lernt Kahla kennen, eine Wildhexe in Ausbildung, und erfährt, dass Wildhexen „die Wächter der wilden Natur“ sind und jede Wildhexe ein Tier als Wildfreund und Helfer hat. Isa unterrichtet die Mädchen in ihrer Aufgabe, den Tieren zu helfen, lässt sie mit verbundenen Augen verletzte Tiere erspüren und unterweist sie im Wildgesang, der den Kontakt zur wilden Welt herstellt und Tiere herbeirufen kann. Isa glaubt, dass Claras Wildfreund die Katze sei, der sie im Fahrradkeller eigentlich beschützen wollte. Kahla wird später von ihrem Vater Meister Millaconda abgeholt, der auch Claras Mutter kennt. Die beiden verschwinden im Nebel, der einen magischen Weg für sie öffnet.

In den folgenden Tagen üben Clara und die gleichaltrige Kahla, die ihr eine gute Freundin wird, verschiedene Techniken und Clara erfährt mehr über ihre Familiengeschichte, so auch, dass ihre Großmutter im Kampf gegen die dunklen Kräfte gestorben ist und dass auch ihre Mutter in diesem Haus aufgewachsen ist, aber der Hexerei den Rücken gekehrt hat. Abends taucht auch wieder die schwarze Katze auf. Als Clara am nächsten Morgen allein im Haus ist, hört sie draußen Tumpe jaulen, verlässt den schützenden Hag, der Haus und Garten umgibt, und wird von der dunklen Hexe Chimära an einen finsteren Ort verschleppt. Chimära, die von der wilden Welt verbannt wurde, will Clara töten, um mit ihrem Blut die Oberhexe Bravita wiederzubeleben, wird aber von der auftauchenden schwarzen Katze aufgehalten und kann fliehen. Aufgrund des Ernstes der Lage werden Clara, ihre Mutter, Isa, Kahla und der überraschend aufgetauchte Oscar zu einem Treffen der Rabenmütter, des höchsten Rates der Wildhexen, gerufen. Die Rabenmütter kennen die Geschichte von Bravita und wissen, dass Clara auserwählt wurde, um die Wilde Welt zu retten. Sie soll Chimära töten, was sie entsetzt ablehnt. Zurück am Haus erkennt Clara, dass Oscar in Wirklichkeit ihr Wildfreund die Katze ist. Enttäuscht über die sie umgebenden Heimlichkeiten schickt sie ihn weg. Nachts erwacht sie vom Fauchen einer Katze und macht sich auf den Weg, um den entführten Oscar zu retten.

Sie sucht Hilfe bei den Rabenmüttern, schwört den Wildhexeneid und kann fürderhin auf deren Kräfte und Wissen zurückgreifen. Zusammen mit Kahla, die ebenfalls weggelaufen ist, erschafft sie einen magischen Pfad durch den Nebel. Clara muss sich ihrer Aufgabe stellen und geht allein in den Nebel. Sie trifft auf Chimära, die sie mit einem Bann belegt und ihr vor Bravitas Grab in die Hand schneidet. Schwarzer Nebel beginnt aus dem Grab zu steigen, als Claras Blut darauftropft. Als Clara den Bann abschüttelt, ergreift der Nebel Besitz von Chimäras Körper. Mit einem Wildgesang wehrt Clara die dunklen Mächte ab, zwingt Chimära zu verschwinden und Bravita wieder in ihr Grab. Am nächsten Tag verabschiedet sie sich von ihrem Wildfreund Oscar, Kahla und ihrer Tante, verspricht aber bald zurückkehren. Zurück in der Schule teilt sie der hochmütigen Josefine auf deren Worte „Du bist ja nicht normal, Clara“ mit: „Stimmt, ich bin eine Wildhexe“. Danach setzt sie sich zu einer Schülerin, die als Außenseiterin gilt und beginnt freundlich ein Gespräch.Rochus Wolff: Wildhexe (2018). Im Wald, wo die Wildhexen zaubern. In: kino-zeit.de. Abgerufen am 21. Oktober 2020.spielfilm.de: Wildhexe (2018). Abgerufen am 21. Oktober 2020.

Festivals Der Film wurde auf mehreren internationalen Filmfestivals gezeigt: November 2019: Chicago International Children’s Film Festival, USA Juli 2019: Tel Aviv International Children’s Film Festival, Israel Mai 2019: Zlín International Film Festival for Children & Youth April 2019: Kristiansand International Children’s Film Festival, Norwegen März 2019: BUFF-Filmfestival, Malmö, Schweden Dezember 2018: Poznań Ale Kino! International Children’s Film Festival, Polen November 2018: Tallinn Black Nights Film Festival, Estland Oktober 2018: Cinekid, Amsterdam, Niederlande September 2018: MICHEL Kinder und Jugend FilmfestDet Danske Filminstitut: Vildheks. Festivals & awards. Abgerufen am 21. Oktober 2020 (dänisch).

Rezeption Besetzung und Charaktere Die böse Hexe Chimära wird von May Simón Lifschitz verkörpert. film.at, film-rezensionen.de und filmdienst.de urteilten, Chimära sei zwar schön anzusehen, aber für Kinder ab sechs Jahren zu furchteinflößend, da die Arbeit von Kostüm-, Masken- und Sound-Department zumindest optisch zum Gelingen der düsteren Szenen beigetragen hätten. Die Figur wirke widersprüchlich, da sie einerseits genug Macht zur Vernichtung der gesamten Wilden Welt habe, andererseits fast alle ihre Handlungen sie wie eine inkompetente aber ungefährliche Stümperin wirken ließen. Ihr fehlten zudem die Intriganz aus der Buchvorlage und die Tiefen einer bösen Gegenspielerin.Erwin Schotzger: Wildhexe: Populäres Kinderbuch als klassischer Märchenfilm. In: film.at vom 17. Oktober 2018. Abgerufen am 27. November 2020.Jaschar Marktanner: Wildhexe. In: film-rezensionen.de vom 5. März 2019. Abgerufen am 21. Oktober 2020.

Die Hauptrolle der Clara wurde mit Gerda Lie Kaas besetzt, die Tochter von Nikolaj Lie KaasLudwig Heinrich: Gerda Lie Kaas: Kleines Mädchen im großen Kinohit. In: Tiroler Tageszeitung vom 30. November 2018. Abgerufen am 27. Oktober 2020. und Enkelin von Preben Kaas. hanisauland.de, filmdienst.de und spielfilm.de befanden, sie spiele ihre Rolle „mit entwaffnender Unschuld und Natürlichkeit als Mädchen, das zwischen Staunen und Verwirrung schwankt“Bianka Piringer: Kritik: Wildhexe (2018). In: spielfilm.de. Abgerufen am 21. Oktober 2020. und habe ihre erste Rolle in einem Spielfilm großartig gemeistert:Thomas Werner: Wildhexe. In: hanisauland.de der Bundeszentrale für politische Bildung. Abgerufen am 24. Oktober 2020. die hervorragend besetzte Clara „verströmt einen spröden Charme und entzieht sich geschickt zwei gängigen Stereotypen in der Charakterisierung von Mädchenfiguren: Sie entspricht weder dem Klischee der rotzig-trotzigen, manchmal etwas penetrant aufsässigen Rothaarigen, noch ist sie das verschüchterte, unsichere graue Mäuschen, das erst mit viel Unterstützung seine eigene Stärke erkennt“.

Vera Mi Fernandez Bachmann verkörpert Kahla, die wie Clara auch bei einem Elternteil aufwächst, in der Ausbildung zur Wildhexe und im gleichen Alter ist, im Gegensatz zu Clara aber im Einklang mit ihrer Besonderheit. Albert Werner Rønhard spielt Claras Freund Oscar, den kinder-jugend-filmportal.de und mfa-film.de für eine der interessantesten Nebenfiguren hält, da er ein gutes Gegenbild zu vielen Charakteren in Kinder- und Jugendfilmen darstelle, der „selbstbewusst zu seiner Rolle als Einzelgänger“ steht und in seiner Außenseiterrolle kein Problem sieht. kino-zeit.de bemängelt die schwache Dynamik zwischen den Figuren der Kinder, die oft auf sehr platte Interaktionen reduziert sei, räumt aber ein, dass das nicht an den Darstellern liege, da vor allem Gerda Lie Kaas und Vera Mi Fernandez Bachmann überzeugend spielten. Albert Werner Rønhard als Oscar habe es schwerer, „weil er wohl vor allem den Auftrag hatte, mysteriös zu schauen. Das gelingt ihm freilich hervorragend“.