mini|hochkant=0.8|Josef Meinrad Bisig, 2023 Josef Meinrad Bisig FSSP (* 2. September 1952 in Steinhausen, Schweiz) ist ein römisch-katholischer Priester, Mitbegründer und erster Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Petrus, einer Gemeinschaft traditionalistischer katholischer Priester, welche die Autorität des Papstes anerkennen und in voller Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche stehen, aber den 1962 geltenden liturgischen Büchern folgen.
Leben Bisig ist das vierte von sechs Kindern und studierte 1971 nach seinem Abitur ein Jahr Medizin in Zürich. Danach studierte er von 1972 bis 1977 am Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Ecône Theologie und Philosophie. Nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1977 durch Marcel Lefebvre wirkte Bisig von 1979 bis 1986 als Regens des Internationalen Priesterseminars Herz Jesu in Zaitzkofen. Im Juli 1988 verließ Bisig die Priesterbruderschaft St. Pius X., als deren Gründer Marcel Lefebvre 1988 vier Priester der Piusbruderschaft unerlaubt zu Bischöfen weihte und somit ausdrücklich gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. handelte.
Von 1988 bis 2000 war Bisig über zwei sechsjährige Amtsperioden hinweg Generaloberer der von ihm mitgegründeten Priesterbruderschaft St. Petrus und einer der führenden Akteure in ihrer frühen Geschichte. Bis 1990 war er zugleich Regens des Priesterseminars der Gruppierung in Wigratzbad. Der von Bisig initiierte Neubau des Wigratzbader Seminars wurde im Herbst 2000 fertiggestellt. Mit Erlaubnis des Bischofs von Scranton, James Clifford Timlin, gründete Bisig als zweite Priesterausbildungsstätte der Bruderschaft 1994 in den USA das Our Lady of Guadalupe Seminary in Elmhurst (Pennsylvania), welches er 1998 aufgrund der wachsenden Zahl von Seminaristen mit Zustimmung des damaligen Ortsbischofs von Lincoln, Fabian Wendelin Bruskewitz, nach Denton (Nebraska) verlegte. Bis zum Ende seiner Amtszeit entwickelte sich der 1994 errichtete nordamerikanische Distrikt zum zahlenmäßig stärksten Distrikt der Priesterbruderschaft. Im Oktober 1999 wurde Bisig von Papst Johannes Paul II. zum Auditor für die Europäische Bischofssynode bestimmt.
Die Ernennung seines Nachfolgers Arnaud Devillers, dem bisherigen Distriktoberen für Nordamerika, fand auf dem Generalkapitel vom 4. bis 14. Juli 2000 in Rom in einem innerhalb der Priesterbruderschaft angespannten Klima statt, in dem über die Frage gestritten wurde, ob ihre Priester auch die Liturgie des seit der Liturgiereform 1969/70 gültigen Missale Romanum zelebrieren dürften. Devillers wurde nicht vom Kapitel gewählt, sondern direkt vom Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Kardinal Darío Castrillón Hoyos, eingesetzt. Hoyos oblag zu dieser Zeit die Ausübung der kirchlichen Autorität über Gemeinschaften, die die Liturgie im damals nur beschränkt zugelassenen vorkonziliaren Ritus feiern. Das Kapitel setzte die bis heute geltende Regelung durch, dass die Priester der Bruderschaft nicht nur am Gründonnerstag die Chrisammesse im aktuellen Ritus mitfeiern sollen, sondern jederzeit auch heilige Messen in der aktuellen Form des Messritus zelebrieren dürfen, ohne dass die Gemeinschaft ihnen das verwehren kann. In der Praxis kommt dies allerdings kaum vor, da andererseits kein Priester der Gemeinschaft gezwungen ist, den aktuellen Ritus mitzufeiern. Neben Bisig setzte das Kapitel unter Kardinal Hoyos’ Leitung weitere Patres ab, darunter den Superior des Wigratzbader Seminars und den Rektor des nordamerikanischen Seminars, weil sie sich der Regelung widersetzten. Dagegen kursierte über Devillers das Gerücht, er habe den in traditionalistischen Anhängerkreisen strikt abgelehnten Novus ordo im Jahr vor seiner Ernennung einmal selbst gefeiert.
Nach seinem Generalat kehrte Bisig in die USA zurück und wurde 2005 zum Vizerektor und Theologieprofessor, 2006 zum Rektor (Regens) des Our Lady of Guadalupe Seminary in Denton ernannt. Dieses Amt übte er auch noch 20 Jahre später im Januar 2026 aus, als er zusammen mit dem amtierenden Generaloberen John Berg in Privataudienz von Papst Leo XIV. empfangen wurde.Audienz bei Papst Leo XIV. FSSP, 20. Januar 2026, abgerufen am 2. August 2026.
Bisig besitzt ein Lizenziat in Theologie. Er spricht Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch.
Einzelnachweise
Kategorie:Gründer einer katholischen Organisation Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (21. Jahrhundert) Kategorie:Generalsuperior Kategorie:Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus Kategorie:Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X. Kategorie:Schweizer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1952 Kategorie:Mann