Der Haku-san () ist ein Schichtvulkan im japanischen Ryōhaku-Gebirge mit einer Höhe von . Der Haku-san ist der westlichste Zweitausender Japans. Er ist von der nahe gelegenen Küste aus sehr gut sichtbar und erscheint selbst nachdem die umliegenden Berge ihren Schnee verloren haben immer noch weiß. Daraus leitet sich vermutlich die Bezeichnung des Berges als „weißer Berg“ ab. Er ist einer der drei heiligen Berge Japans und ist zudem in den 100 berühmten japanischen Bergen () aufgelistet. Der Haku-san liegt innerhalb des Hakusan-Nationalparks auf der Grenze zwischen den Präfekturen Ishikawa im Nordwesten und Gifu im Südosten.
Religiöse Bedeutung mini|links|Shirayama-Hime-Schrein in Murodō Zusammen mit dem Fuji-san und dem Tateyama gilt der Haku-san als einer der drei heiligen Berge Japans (). Als solcher ist er schon seit dem 8. Jahrhundert Ziel von Pilgerreisen. Die Erstbesteigung des Haku-san wird Taichō, einem Shugendō-Mönch, im Jahr 717 zugeschrieben. Der Haku-san bekam zu dieser Zeit ein Zentrum für den synkretistischen Shintoismus und Buddhismus, sowie ein Ort für das Praktizieren von Shugendō. Die Vergötterung und Verehrung als heiliger Berg wird als Hakusan-Glaube () bezeichnet. Okunomiya, ein Nebenschrein des Shirayama-Hime-Schreins (), befindet sich auf Gozengamine. Der Shirayama-Hime-Schrein ist der Hauptschrein (, sō-honsha) des Hakusan-Glaubens. Japanweit gibt es über 3000 Hakusan-Shinkō-Schreine.
Im Jahr 832 wurden drei Pilgerwege (Zenjōdō ) ausgehend von den Ortschaften Kaga, Echizen und Mino zum Haku-san etabliert. Auch heute werden diese noch oft als Wanderwege zum Haku-san genutzt. Kaga-Zenjōdō () – Diese Route führt vom Shirayama-Hime-Schrein in Hakusan in der Präfektur Ishikawa zum Gipfel des Haku-san über die Hinokishingu, den Nagakura-yama, Amaikemuro, Yotsuka-yama und dem Gipfel Ōnanjimine. Sie gilt als die Hauptroute. Echizen-Zenjōdō () – Diese Route führt vom Heisenji-Hakusan-Schrein in Katsuyama in der Präfektur Fukui über Hōonji-yama, Ichinose, Shio-yama und Murodō nach Gozengamine, dem Gipfel des Haku-san. Mino-Zenjōdō () – Diese Route führt vom Nagataki-Hakusan-Schrein () in Gujō in der Präfektur Gifu über den Hakusan-Chuukyo-Schrein (), an der Itoshiro-Riesenzeder, den Ruinen des Kamibato-Schreins und Mizuno-Gongen-Schreins vorbei zum Gipfel Sannomine und von dort über den Mitarai-Teich und Murodō zum Gipfel des Haku-san.
Geologie mini|Relief des Haku-san Vulkanische Aktivität Der Haku-san ist ein aktiver, jedoch ruhender Schichtvulkan. Auf dem Gipfel des Berges befinden sich etwa 15 durch frühere Ausbrüche entstandene Krater, worin sich einige Teiche, wie Midoriga-ike, gebildet haben. Es wird angenommen, dass der „Schmiedehöllen-Krater“ () südlich des Midoriga-ike durch den neuesten Ausbruch von 1659 entstanden ist. Aufgrund der vulkanischen Aktivität gibt es in der Umgebung zahlreiche Onsen.
Ausbruchsgeschichte Vor ungefähr 4400 Jahren – Die Vulkane in Gozengamine und Kengamine stürzen ein und verursachen Trümmer am Shiramizu-See Vor ungefähr 2000 Jahren – Die Lavakuppel von Kengamine wird gebildet. 706 – In der Chronik „Shoku Nihongi“ () wird festgehalten, dass in den Bergen ein Waldbrand aufgrund eines Ausbruchs des Haku-san auffacht 1042 – Es wird angenommen, dass der Ausbruch den Kratersee Midoriga-ike bildete. Ein schriftliches Zeugnis der vulkanische Aktivität findet sich in den „Hakusan-Aufzeichnungen“ () 1554 – Die vulkanische Aktivität setzt sich im Folgejahr fort. Detaillierte Informationen zur vulkanischen Aktivität finden sich in den „Hakusan-Sougon-Koujuu-Aufzeichnungen“ () 1659 – Letzter Ausbruch des Haku-san, bei dem vermutlich der „Schmiedehöllen-Krater“ entsteht
Krater-Teiche BildName und BedeutungJapanischAnmerkungen80px Midoriga-ike („Grün-Teich“)Krater, der durch den Ausbruch im Jahr 1042 entstanden ist und der größte Teich auf der Seite der Präfektur Gifu80pxKonyaga-ike („Färber-Teich“)Teich direkt unterhalb von Kengamine80px Aburaga-ike („Öl-Teich“)Nördlich von Gozenmine80pxChi-no-ike („Blut-Teich“)Zwischen Gozenmine und Ōnanjimine80pxSenjaga-ike („Tausendschlangen-Teich“)Der Teich erscheint erst nach der Schneeschmelze80pxHyakushō-ike („Bauern-Teich“)Alpenpflanzen wachsen in Gruppen um den Teich80pxGoshiki-ike („Fünffarben-Teich“)Nördlich von Hyakushō-ike
Seismische Aktivität Aufgrund der vulkanischen Aktivität des Haku-san werden zur Überwachung durch die Japan Meteorological Agency (JMA) unter anderem kontinuierlich seismische Messungen durchgeführt. 2005 – Massive seismische Aktivität direkt unterhalb des Gipfels im Februar, April, August und Oktober. Das größte Erdbeben ereignete sich am 3. Oktober um 13:59 Uhr mit einer Stärke von 4,5 (M4,2 nach Angaben der Universität Kyōto), und in der Stadt Hakusan wurde eine maximale seismische Intensität von 2 beobachtet. 2011 – März. Seit dem Erdbeben im Pazifischen Ozean in der Region Tōhoku (11. März 2011) ist die mikroseismische Aktivität direkt unterhalb des Gipfels gestiegen. 2014 – Massive seismische Aktivität auf der Südseite in der Nähe des Gipfels am 16. Dezember. Das größte Erdbeben war ein Erdbeben der Stärke 3,4, das um 01:32 Uhr auftrat. Eine seismische Intensität von 1 wurde in den Städten Hakusan, Ōno und Takayama beobachtet. 2017 – Massive seismische Aktivität direkt unter dem Gipfel am 29. November. Das größte Erdbeben war ein Erdbeben der Stärke 2,8, das um 05:06 Uhr auftrat. In der Stadt Hakusan wurde eine seismische Intensität von 1 beobachtet. 2020 – Vom 19. bis 20. Juni gab es auf der Nordseite in der Nähe des Gipfels eine Reihe seismischer Aktivitäten. Das größte Erdbeben ereignete sich am 19. Juni um 05:08 Uhr mit einer Stärke von 2,0.
Fossilien Die Umgebung des Haku-san ist eine der wenigen in Japan, die Aufschlüsse aus der Jurazeit des Mesozoikums enthält. Viele typische Funde von Dinosaurierfossilien Japans stammen aus diesem Gebiet. 1874 sammelte der deutsche Geograph Johannes Justus Rein rund um den Haku-san Pflanzenfossilien. Einer der größten Aufschlüsse befindet sich in der Region Kuwashima und ist als "Kuwashima-Fossil-Wand" () bekannt. Diese wurde am 10. Juli 1957 als nationales Naturdenkmal ausgewiesen. Dort fanden sich zahlreiche Fossilien von Farnen, aufrechten Baumstämmen, Schalentieren, Schildkröten, Insekten und Dinosauriern. 1986 wurde dort ein fossiler Zahn eines Dinosauriers aus einer eng verwandten Art der Megalosaurus-Familie entdeckt, der zu dieser Zeit als der älteste Fund in Japan galt.
Geographie Berge in der Umgebung mini|Gipfel Gozengamine (Haku-san) und Ōnanjimine Der höchste Gipfel des Berges ist Gozengamine () mit einer Höhe von 2702 m. Zusammen mit den Gipfeln Kengamine (, 2677 m) und Ōnanjimine (大峰, 2648 m) gelten die drei Gipfel als „Drei Gipfel des Haku-san“ (). Bessan und Sannomine werden manchmal miteinbezogen und zusammen dann als „Fünf Gipfel des Haku-san“ () bezeichnet.
NameJapanischer NameHöhe (m)ab Haku-san Distanz (km) und RichtungAnmerkungenOkunagakura-yama17117,1 nach NNWNanakura-yama25572,1 nach NNWŌnanjimine26840,9 nach NNWOkuninushi-Schrein am GipfelKengamine26770,3 nach NNEohne WanderwegHakusan (Gozengamine)()27020höchster Gipfel der Präfektur Ishikawa höchster Gipfel des Ryōhaku-Gebirge in der Liste der 100 berühmten japanischen BergeHakusan-Shakadake20533,2 nach WBessan23995,6 nach SSannomine21287,5 nach S
Quellflüsse mini|Hyakuyojō-Wasserfall Folgende Flüsse entspringen am Haku-san und fließen ins Japanische Meer: Ōshira (jap. ): Zufluss des Shō (jap. ) Nakanokawa (jap. ): Zufluss des Ozo (jap. ) über das Maruishi-Tal (jap. ), den Hyakuyojō-Wasserfall (jap. ) und das Hizuke-Tal (jap. ) Yagitani (jap. ): Zufluss des Ushikubi (jap. )
Natur Flora Der Haku-san bietet Raum für zahlreiche Pflanzenarten wie die Schatten-Schachblume. Einige der Namen der alpine Pflanzenarten beinhalten im Japanischen das Wort Hakusan, da sie auf den alten Wanderrouten zum Hakusan-Schrein entdeckt wurden. Diese Pflanzen finden sich jedoch auch auf vielen anderen Bergen in Japan. So beispielsweise Primula cuneifolia (), Anemone narcissiflora (), Dactylorhiza (), Geranium yesoemse () und Rhododendron brachycarpum (). Die Blütezeit ist im Juli bis August. An den Hängen des Haku-san wachsen zudem ausgedehnte Laubwälder, die hauptsächlich aus Japanischer Buche bestehen. Andere verbreitete Baumarten sind Eichen der Art Quercus crispula, Japanische Rosskastanien und andere Rosskastanien-Arten.
Fauna Unter den größeren Säugetierarten finden sich Asiatische Schwarzbären, Japanische Serau, Japanmakaken und eine Hermelin-Art. Zudem leben Steinadler, Ishikawas Präfekturvogel, und Alpenschneehühner, Gifus Präfekturvogel, an den Hängen des Haku-san. Während der Meiji-Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) verschwand die gesamte Population von Schneehühnern auf dem Berg, jedoch wurden seit einiger Zeit von Anwohnern wieder Sichtungen gemeldet. Zudem leben neben Steinadlern dort viele weitere Vogel- und Raubvogelarten wie Schwarzmilane. An Insektenarten finden sich ungefähr 2000 verschiedene in der Umgebung des Berges, davon wurden 120–130 am Haku-san erstmals entdeckt. Eine nach dem Haku-san benannte Art ist beispielsweise die Bremsenart Haematopota hakusanensis.
Naturschutz mini|Holzweg über das Midagahara-Plateau Das Gebiet um den Haku-san wurde 1955 als Quasi-Nationalpark ausgewiesen, bevor es 1962 als Hakusan-Nationalpark aufgewertet wurde. Das japanische Umweltministerium ist für die Verwaltung zuständig. Als Nationalpark ist das Parkgebiet mit der IUCN-Schutzkategorie II klassifiziert. Die Schutzzonen werden in geschützte Zonen in den niedrigeren Höhenlagen und besonders geschützte Zonen in den höheren Lagen, die Lebensraum für seltenere alpinen Pflanzen- und Tierarten sind, unterteilt. 1980 wurde zudem über das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) eine Fläche von 48.000 ha als Biosphärenreservat ausgewiesen.
In Midagahara und anderen Gebieten wurden Holzwege eingerichtet um die durch die zunehmende Anzahl von Bergsteigern beschädigten alpinen Pflanzen zu schützen. Die Bergpfade von Murodō nach Gozengamine und die verfallenen Bergpfade rund um Murodō wurden restauriert, indem flache Steine verlegt wurden. Mit zunehmender Anzahl der Bergsteiger nahm auch die Anzahl der nichteinheimischen Arten aus dem Tiefland wie Plantago asiatica, Taraxacum officinale und Weißklee zu. Aktivitäten zur Untersuchung und Eindämmung dieser Pflanzen werden durchgeführt.
Tourismus mini|Blick auf den Bessan und das Hakusan-Murodō-Besucherzentrum unterhalb des Gipfels Bergsteigen Die Zahl der Bergsteiger betrug Anfang der 1960er Jahre etwa 15.000 pro Jahr. Nach dem Wiederaufbau des Murodō-Besucherzentrums im Jahr 1967 stieg auf sie auf mehr als 20.000 Bergsteiger pro Jahr. Von 1983 bis 1998 waren es etwa 30.000. Während der Erneuerungsarbeiten von 1999 ging die Zahl der Bergsteiger aufgrund der Aussetzung von Verpflegung auf rund 10.000 pro Jahr zurück. Im Jahr 2002 stieg die Zahl auf etwa 37.000. Mit zunehmender Anzahl an Bergsteigern wurden jedoch die alpinen Pflanzenkolonien beschädigt.
Wanderrouten – Kurze Route ausgehend von Hakusan, die häufig für Tagesausflüge verwendet wird. – Ausgangspunkt ist die Stadt Hakusan. Die Route bietet eine gute Aussicht und wird gerne für Abstiege genutzt. – Beginnt am Oshirakawa-Damm in Shirakawa in der Präfektur Gifu und bietet einen Blick auf die nördlichen Alpen. Sie wird manchmal für Tagesausflüge genutzt.
Berghütten Es gibt zahlreiche bemannte und unbemannte Berghütten in der Umgebung des Haku-san. Auf dem Haku-san selbst befinden sich zwei größere bemannte, reservierungspflichtige Berghütten.
Hakusan-Murodō-Besucherzentrum mini|Hakusan-Murodō-Besucherzentrum