mini|SelbstporträtHans Nowak1962

Hans Nowak (Pseudonym Henry Cavon; * 15. Mai 1922 in Halle (Saale); † 15. Juli 1996 in Voigtholz-Ahlemissen, eigentlicher Name August Hans Nowak) war ein deutscher Künstler, der in Deutschland und Frankreich wirkte. Er setzte sich mit selbst angefertigten Ölfarben und deren Maltechniken auseinander. Er wurde als „Meister der Farbe“ tituliert.

Biografie Hans Nowak wuchs zusammen mit seinem älteren Bruder in einer kleinbürgerlichen Familie in Halle im Umkreis der Moritzkirche im Moritzkirchhof 3 auf, dem früheren Johanneshospital. Aus seinem kleinen Fenster dieses Hauses sah er auf die damals schon überbaute Gerbersaale, dem heutigen Hallorenring. Neben seinen Eltern prägte ihn anfangs seine Großmutter. Seine Mutter Bertha, geborene Edner, die am Stadttheater sang, nahm ihn des Öfteren mit zu den Proben, was ihn früh künstlerisch beeinflusste. Sein Vater August war Schneidermeister, jedoch farbenblind, und Hans Nowak malte früh dessen Schnittmuster aus.

Nach dem Schulabschluss wollte er nicht weiter zur Schule gehen, sondern nur noch malen. Dies war sein Traum, dies trieb ihn zeitlebens an. Sein Vater lehnte dies mit den Worten „brotlose Kunst“ ab und schickte ihn nach Bielefeld zu einem Onkel, der dort einen Gärtnereibetrieb hatte. Im 15. Lebensjahr riss Nowak sich von seinem Onkel los. Er fand in Bielefeld eine billige Unterkunft als Mieter einer Dachkammer und hielt sich mit Nebentätigkeiten über Wasser. Im selben Haus wohnte – in einer benachbarten Dachkammer – der Maler Franz Gerwing (* 12. Juli 1902 – † 28. Januar 1979) und nicht der Maler Franz Gerwin, wie nach bisherigen Literaturangaben angenommen wurde.

Schon die Kuratoren der Museumsausstellung in Peine wiesen darauf hin, dass Nowak 1937 nicht mit Gerwin im selben Haus in Bielefeld gewohnt haben konnte, da dieser seit 1936 „bereits als arrivierter Künstler in Dortmund lebte“ und dort das „Haus der Kunst“ leitete. Eine ÜberprüfungMeldekarten Stadtarchiv Bielefeld ergab, dass hingegen der Maler Franz Gerwing zur selben Zeit im selben Haus wie Nowaks Dachzimmervermieter wohnte, Gerwin jedoch in den 30er-Jahren nie in Bielefeld gemeldet war. mini|Der Markt in HalleHans Nowakum 1990

Gerwing erkannte das Talent des jungen Nowak und meldete diesen in der Werkkunstschule Bielefeld als Gasthörer an. Dort und von Gerwing lernte Nowak erstmals den Umgang mit klassischen Ölfarben, aber auch das Zeichnen und die Bildhauerei. Nach Kündigung des Dachkammer-Mietverhältnisses für beide Maler verließ Gerwing – weiterhin verarmt – Bielefeld in Richtung Sauerland, Nowak überstand den Winter in einer provisorischen Unterkunft und zog dann auf dem Fahrrad von Bielefeld Richtung München, wo er bei Malerkollegen unterkam. Im Raum München zählten zu seinen Kunstlehrern Sepp Hilz und Paul Mathias Padua, die Lieblingsmaler in der Zeit des Nationalsozialismus waren. Nowak war diese Ideologie fremd, er wollte nur lernen und malen anstatt sich wie andere politisch zu engagieren, um voranzukommen.

Im April 1939 wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen, wo er neben der üblichen Arbeit Porträts anwesender Größen malte. Für weitere Studienzwecke wurde er 1940 wieder nach München freigestellt, hingegen schon 1941 zum Wehrdienst einberufen. Nowak erlebte den Zweiten Weltkrieg unter anderem in Russland, im Baltikum und in Kurland; wo immer er konnte, malte er. 1943 wurde Nowak wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung in Warschau zum Tode verurteilt, weil er seine versprengte Einheit nicht aufsuchte, sondern lieber malte. Das Urteil wurde später zu dreieinhalb Jahren Festungshaft im niederschlesischen Glatz abgemildert. Auch während der Haft malte er weiter, lernte von anderen einsitzenden Künstlern und fertigte Auftragsarbeiten für die Soldaten der Wachmannschaft an. Es folgten Bewährungsbataillon und Verwundung durch Granatwirkung am rechten Arm und an der rechten Hand sowie anschließender Verwundetentransport Richtung Berlin.

Nach seiner Genesung setzte sich Nowak beim Weitertransport zum Kampfeinsatz an die anrückende Westfront von der Truppe ab und erreichte nach vielen Stationen Braunschweig. Einer der letzten Fliegerangriffe auf diese Stadt hatte zuvor seinen Vater getötet. Hier erlebte er auch das Kriegsende. Durch eine in der Kindheit nicht behandelte Mittelohrentzündung war Nowak auf dem rechten Ohr danach zeitlebens taub. Dies und die erlittene Verwundung nutzte Nowak als Begründung in einem selbst produzierten Entlassungsschein aus der Wehrmacht, der ihm eine Gefangenschaft ersparte, die „Urkunde“ – mit per Tusche-Pinsel gemaltem Stempel – ist abgebildet bei Dieckhoff/Glandt 1992.

Nach dem Krieg lebte er ausgebombt mit seiner Familie in Braunschweig, später dann für drei Jahre in Vorsfelde bei Wolfsburg, bevor die Familie 1957 eine Neubau-Wohnung in Braunschweig-Querum bezog. Der Propst der katholischen Aegidienkirche in Braunschweig, Johannes Stuke, förderte und bestärkte Nowak in dieser Zeit kurz nach Kriegsende darin, großformatige sakrale Kunstwerke zu schaffen. Galerien und Kunsthandel wurden nach dem Krieg früh auf ihn aufmerksam, und Nowak konnte sein Leben und das seiner Familie ausschließlich mit seiner Malerei bestreiten. Beim deutschlandweiten Verkauf seiner Gemälde unterstützte ihn sein Bruder und später, nach dessen unerwartetem Tod 1986, eine seiner Stieftöchter.

Ab 1952 zog es ihn immer wieder nach Frankreich. „Nowaks zweites Atelier wurde Paris. Auf dem Mont Martre findet er seine liebenswürdigen Objekte.“ Hier entstanden diverse seiner Bilder. Zusätzlich malte er geschätzt 50 Bilder in der Zeitspanne zwischen 1952 und 1955 unter seinem Pseudonym „Henry Cavon“. In dieser Periode begann seine langjährige Verbundenheit mit dem belgischen Porträt- und Landschaftsmaler Adolf Christmann aus Eupen. Dieser malte 1957 ein Kopfporträt von ihm; es ist mit „A Chris“ signiert. Ebenfalls ein Kopfporträt von Hans Nowak malte der böhmische Künstler Oskar Schmidt (1908–1982). Dieses Werk ist als Tuschzeichnung ausgeführt und befindet sich im Eigentum des Kreismuseums Peine.

Sein künstlerischer Durchbruch gelang Nowak unter dem eigenen Namen 1954 durch seine Beteiligung an der internationalen Ausstellung des Grand Palais an den Champs-Élysées: Unter Hunderten von Künstlern setzte sich Hans Nowak vor der Jury durch. Er war in diesem Jahrgang der einzige Deutsche im Frankreich der Nachkriegszeit, dem dies gelang. Es wurden vier seiner Bilder angenommen, ausgestellt und verkauft. Diesen Erfolg wiederholte er 1955 mit fünf seiner Werke. 1959 wurde Hans Nowak gar Mitglied der Société des Artistes Français, und es folgten weitere Ausstellungen mit Bildern von ihm in Frankreich.

Die Leistung Hans Nowaks bewirkte ein lebhaftes Medieninteresse. Der Journalist Georg Stefan Troller berichtete 1959 im Fernsehen in „Treffpunkt Studio D“ im NDR über ihn. Direkt in der Sendung durfte Nowak malen und später häufiger auch hinter den Kulissen. Er wurde mit weiteren Journalisten und Filmschauspielern wie Kurt Klopsch, Nadja Tiller, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar oder Will Quadflieg bekannt; den Letzteren porträtierte er auch. Es folgten Ausstellungen im In- und Ausland. Sein kirchlicher Förderer Stuke, inzwischen Domdechant in Hildesheim, ermöglichte es Nowak im Zusammenhang mit einem künstlerischen Wettbewerb, einen Entwurf des Heiligen Joseph im Vatikan einzureichen und auszustellen. Professoren, Kunstsammler und -kenner, wie der Komponist Michael Jary, kauften einen „Nowak“ an.

Durch seine künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolge fühlte sich Nowak in seinem Tun bestätigt. Anfang der 1960er-Jahre erwarb er ein Haus in Mödesse im Landkreis Peine. Dieses großzügige und bereits „Malerhof“ genannte Haus war von April 1961 bis Juli 1962 „Aufenthaltsmöglichkeit“, Atelier, Ausstellungsraum und diente den dort verkehrenden Theaterleuten aus Braunschweig zum Teil als Probenraum. mini|Der Malerhof in Voigtholz-Ahlemissen, links im Foto die Einfahrt zum Malerhof, in der Mitte die Kapelle mit dem Glockenturm und rechts das Atelier mit Showroom Dort lernte er seine spätere zweite Ehefrau Ingeborg Upmann kennen, die ihm als Ersatz für den schon bald abzustoßen geplanten ersten Malerhof eine Scheune im eigenen Wohn-Bereich anbot. 1962/63 zog Hans Nowak zu ihr auf den Upmann-Hof – dadurch wurde aus diesem alten Bauernhof in Voigtholz-Ahlemissen bei Edemissen der in der Region bekannte zweite Malerhof. Neben dem Umbau des alten Bauernhofs zum Wohnhaus gestaltete er den ehemaligen Kuhstall zu seinem Atelier um, später durch ein Neubau-Atelier ersetzt. Hier lebte und arbeitete Nowak bis zu seinem Lebensende. Auch andernorts richtete er Ateliers für sich ein, so in Rothenburg ob der Tauber, in Niederbayern oder, nach einem Atelierbrand im September 1990, in einem leeren Verwaltungsgebäude der damaligen Preussag Stahl AG in Peine.

Mit einer öffentlichen Kunstaktion – siehe die Details dazu unter Werkbeispiele –, in der er seine alt-meisterlichen Maltechniken mit seinen selbst geschaffenen Ölfarben einsetzte, erhöhte er 1968 durch Presseartikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel und in vielen anderen Presseorganen seinen Bekanntheitsgrad weiter. Da Nowak diverse Kunstexperten bei dieser Eulenspiegelei blamierte und durch einen Artikel im Stern-Magazin bewusst bloßstellte, siehe dazu auch den Artikel in Die Zeit, mieden ihn anschließend viele Museen sowie andere öffentliche Träger. In Folge kauften diese kaum noch Werke von Nowak an. Kunstkritiker und Restauratoren ächteten ihn gleichfalls, was Nowak im weiteren Leben den öffentlichen künstlerischen Erfolg kostete. Andererseits, durch seine breite internationale Bekanntheit – auch das Life Magazine aus den USA plante über ihn zu berichten – hatte Nowak keine Probleme, seine Werke über Galerien an private Sammler gut zu verkaufen. Er konnte das Leben eines unabhängigen Bohémien führen.

Die einzige private, evangelisch-lutherisch gesegnete Kapelle in Niedersachsen errichtete Nowak 1979 zusammen mit ihm bekannten Handwerkern auf dem Malerhof. Eine Renovierung fand nach seinem Tod im Jahr 2005 statt. Die „Lukas-Kapelle“ steht weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung und hat 40 bis maximal 100 Sitzplätze. Sie wird für Zusammenkünfte des ev.-luth. Kirchenkreises Peine, für Trauungen der Gemeinde Edemissen, für Konzerte oder für sonstige Veranstaltungen genutzt.

In einer Auswertung aus dem Jahr 2010 gehörte Hans Nowak im Landkreis Peine zu den Personen, nach denen am häufigsten im Internet gesucht wurde.

Privates Hans Nowak heiratete 1944 in Posen in einer Kriegstrauung Irmgard Johanna Bremer (* 2. August 1924 in Altona; † 17. September 1991 in Murnau), als er seine Festungshaft durch Meldung zu einem Bewährungsbataillon beendete. Zusammen hatten sie zwei Töchter, die 1946 und 1950 zur Welt kamen. Irmgard Nowak erkrankte nach der Geburt der Kinder an Tuberkulose und wurde häufiger für längere Zeit in Sanatorien behandelt, was das gemeinsame Eheleben stark belastete. Während ihrer langen Abwesenheit kümmerte sich Nowaks Mutter um die Kinder. Wegen der besseren Luftqualität zog Irmgard Nowak 1963 in die Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Dort starb sie fast 30 Jahre später. Während Hans Nowak schon Jahre vorher mit Ingeborg Upmann zusammengelebt hatte, ging er mit ihr im Jahr 1983 seine zweite Ehe ein. Zuvor war er im selben Jahr offiziell von seiner ersten Frau geschieden worden. Ingeborg Upmann, geboren am 14. Dezember 1928, brachte zwei Töchter und zwei Söhne mit in ihre Ehe ein. Sie starb am Pfingstmontag 2012. Zuvor führte sie nach dem Tod ihres Ehemannes Besucher durch sein früheres Atelier, über den Malerhof und durch seine Kapelle. Ihre Töchter setzten diese Aufgabe später fort.

Künstlerische Tätigkeit