Elasomeran ist der internationale Freiname (INN) (Entwicklungsname: mRNA-1273) für eine Nukleosid-modifizierte mRNA (modRNA), die als Wirkstoff im COVID-19-Impfstoff Spikevax (Handelsname, zuvor COVID-19 Vaccine ModernaSpikevax (previously COVID-19 Vaccine Moderna), abgerufen am 23. Juni 2021.) eingesetzt wurde. Seit dem Ersteinsatz in der Wintersaison 2020/2021 wird die mRNA saisonal durch kleine Änderungen der Nukleotidsequenz an die jeweils aktuell kursierenden Virusvarianten von SARS-CoV-2 angepasst. Der Impfstoff wurde vom US-amerikanischen Biotechnologieunternehmens Moderna in Zusammenarbeit mit dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) entwickelt. Er gehört zu den RNA-Impfstoffen.
Am 18. Dezember 2020 erteilte die Food and Drug Administration (FDA) die Notfallzulassung in den USA.Moderna COVID-19 Vaccine, FDA, 18. Dezember 2020. Am 6. Januar 2021 wurde der Impfstoff in der Europäischen Union (zunächst bedingt) für Erwachsene zugelassen, inzwischen auch für Personen ab 6 Monaten. Im Juni 2022 erteilte die FDA dem Impfstoff eine Notfallzulassung für Kinder im Alter ab sechs Monaten.Coronavirus (COVID-19) Update: FDA Authorizes Moderna and Pfizer-BioNTech COVID-19 Vaccines for Children Down to 6 Months of Age, PM FDA vom 17. Juni 2022, abgerufen am 18. Juni 2022 Ab September 2022 wurden von der Europäischen Kommission Impfstoffvarianten zugelassen, die an SARS-CoV-2-Omikron-Mutationen angepasst sind. Für die Wintersaison 2026/2027 ist es Spikevax XFG. Mit ihm ist sowohl eine Grundimmunisierung als auch die Auffrischung des Impfschutzes möglich.
Struktur und Eigenschaften Der Wirkstoff ist eine Messenger-RNA (mRNA), deren Sequenz eine Kappe am 5'-Ende, die 5′-untranslatierte Region (UTR), den Open Reading Frame (ORF), die 3'-UTR und den 3'-Poly(A)-Schwanz umfasst. Sie kodiert für das S-2P-Antigen, bestehend aus dem SARS-CoV-2-Glykoprotein mit einem Transmembrananker und einer intakten S1-S2-Spaltstelle. S-2P wird in seiner Präfusionskonformation durch zwei aufeinanderfolgende Prolin-Substitutionen an den Aminosäurepositionen 986 und 987, am oberen Ende der zentralen Helix in der S2-Untereinheit, stabilisiert. Wie auch bei Tozinameran handelt es sich um eine Nukleosid-modifizierte mRNA, in der das natürlicherweise enthaltene Nukleosid Uridin durch N1-Methylpseudouridin ersetzt wurde. Trotz einer großen Ähnlichkeit ist der Wirkstoff nicht identisch mit Tozinameran, sondern weist Unterschiede sowohl in den steuernden Sequenzen als auch in der Codonverwendung im offenen Leserahmen auf, mit möglichen Auswirkungen auf die Stabilität des Moleküls und die Translationseffizienz.COVID-19 Vaccine Moderna – Public assessment report (PDF/3.07 MB), 6 January 2021. (PDF; 3,2 MB) EMA, S. 141/169, 20. Januar 2021. Als Referenz-Genom wurde wie bei Tozinameran das Isolat Wuhan-Hu-1 (Pango-Entwicklungslinie B)A. Rambaut, E. C. Holmes, Áine O’Toole, V. Hill, J. T. McCrone, C. Ruis, L. du Plessis, O. G. Pybus: A dynamic nomenclature proposal for SARS-CoV-2 lineages to assist genomic epidemiology. In: Nature microbiology. Band 5, Nummer 11, 11 2020, S. 1403–1407, doi:10.1038/s41564-020-0770-5, PMID 32669681, : Different nucleotides are present at those sites in viruses assigned to lineage B, of which Wuhan-Hu-1 (GenBank accession MN908947) sampled on 2019-12-26 is an early representative. von SARS-CoV-2 verwendet.Y. Bordon: Variant constraint by mRNA vaccines. In: Nature Reviews Immunology. Band 21, Nummer 5, 05 2021, S. 274–275, doi:10.1038/s41577-021-00548-5, PMID 33837367, : The two mRNA vaccines that have received emergency use authorizations – BNT162b2 (Pfizer/BioNTech) and mRNA-1273 (Moderna) – encode a stabilized ectodomain version of the spike (S) protein from the Wuhan-Hu-1 variant of SARS-CoV-2 (isolated in 2019).
+ Sequenzinformation zu Elasomeran und seinen VariantenINN nos. 12065, 12625, 12834 und 13097 auf MedNet INN services. Abgerufen am 26. April 2024. Name Target Gesamtlänge (Zahl der Nukleotide) Positionen mutierter Nukleotide Positionen der Stop-Codons Elasomeran Sars-CoV-2-Wildttyp 4101 3014-3019 (kodiert K986P und V987P) 3878-3886 Imelasomeran Omikron-Variante BA.1 (B.1.1.529; GISAID: EPI_ISL_6640919) 4092 3005-30010 (kodiert K983P und V984P) 3869-3877 Davesomeran Omikron-Varianten BA.4-5 (B.1.1.529.4 und B.1.1.529.5, GISAID: EPI_ISL_12548717) 4089 2999-3004 (kodiert K981P und V982P) 3863-3871 Andusomeran Omikron-Variante XBB.1.5 (GISAID: EPI_ISL_15948646) 4102 3002-3007 (kodiert K982P und V983P) 3866-3874
Wirkprinzip Der Wirkstoff Elasomeran (mRNA-1273) ist die Boten-RNA (mRNA) des Spike-Glykoproteins von SARS-CoV-2 (Spike-Protein, S-Protein), mit dem die Coronaviren an den Epithelzellen andocken. Die mRNA ist in Lipid-Nanopartikel eingebunden, die nach der intramuskulären Injektion von Körperzellen aufgenommen werden.Safety and Immunogenicity Study of 2019-nCoV Vaccine (mRNA-1273) for Prophylaxis of SARS-CoV-2 Infection (COVID-19), U.S. National Library of Medicine. Stand 4. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020. Die Zellen stellen dann das S-Protein her. Es wird vom Immunsystem als fremd erkannt, was die Bildung von protektiven Antikörpern anregt.
Pharmazeutische Formulierung Nackte mRNA ist instabil.Design und Funktionsweise von mRNA-basierten Impfstoffen zum Schutz vor Infektionskrankheiten Trillium Immunologie, Heft 3/2019. Um ohne vorherigen Abbau an den Wirkort zu gelangen und die Wirkung entfalten zu können, wird die mRNA in Lipid-Nanopartikel („Lipidkügelchen“) eingebettet („verpackt“). Die aus vier Lipiden (SM-102, Cholesterin, 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholin (DSPC) und 1,2-Dimyristoyl-rac-glycero-3-methoxypolyethylenglykol-2000 (DMG-PEG2000)) bestehende Lipid-Nanopartikelkapsel wird in einem festen Verhältnis von mRNA und Lipid hergestellt. Die wässrige Dispersion, die als weitere Bestandteile Trometamol, Essigsäure und Natriumacetat zur Einstellung eines geeigneten pH-Wertes sowie Saccharose zum Schutz der Partikel beim Gefrierprozess enthält, ist gebrauchsfertig und muss vor Verabreichung nicht verdünnt werden. Die Dispersion gibt es mit 100 µg mRNA/ml im Mehrdosen-Durchstechfläschchen oder mit 50 µg mRNA pro Einzeldosis-Durchstechfläschchen oder pro Fertigspritze. Für Kinder von 6 Monaten bis 11 Jahren werden die erforderlichen niedrigeren Dosen als Teilmenge aus den Durchstechfläschchen entnommen.
Stabilität und Lagerung mini|Entnahme einer Dosis aus einem Injektionsfläschchen mini|Lagerung des Impfstoffs in einem Kühlschrank Der pharmazeutische Wirkstoff wird bei −70 °C transportiert und gelagert.
Das Impfstofffertigpräparat ist bei einer Temperatur von −25 bis −15 °C bis zu sieben Monate haltbar, ungeöffnet kann es im Kühlschrank vor Licht geschützt bei 2 bis 8 °C für maximal 30 Tage gelagert werden.
Der ungeöffnete Impfstoff durfte zunächst nur bis zu 12 Stunden bei 8 bis 25 °C aufbewahrt werden. Nach Anbruch ist der Impfstoff innerhalb von sechs Stunden zu verimpfen, danach sind Reste unbrauchbar. Ein Injektionsfläschchen enthält zehn Dosen zu je 0,5 ml bzw. 100 Mikrogramm mRNA.
In den Vereinigten Staaten sind demgegenüber seit April 2021 24 Stunden (bei Raumtemperatur), 12 Stunden (Verimpfung nach Anbruch) sowie 10 bis 11 Dosen je Injektionsfläschchen zulässig. Darüber hinaus wurden Injektionsfläschchen genehmigt, aus denen 13 bis 15 Dosen entnommen werden können sollen.
Zugelassene Anwendungsgebiete + In der EU zugelassene Anwendungsgebiete (Stand August 2026) Virus-Target (Frei)name der mRNA EU-Zulassung Alter: 6 Monate bis 5 Jahre Alter: 6 bis 11 Jahre Alter: ab 12 Jahre Original Elasomeran ab Januar 2021 GI GI + AIG GI + AIG Original / Omicron BA.1 Elasomeran + Imelasomeran (1:1) September 2022 - AIG AIG6 Monate bis 4 Jahre5 bis 11 Jahreab 12 Jahre Original / Omicron BA.4-5 Elasomeran + Davesomeran (1:1) Oktober 2022 I I I Omicron XBB.1.5 Andusomeran September 2023 I I I Omicron JN.1 SARS-CoV-2-JN.1-mRNA September 2024 I I IOmicron LP.8.1SARS-CoV-2-LP.8.1-mRNAJuli 2025IIIOmicron XFGSARS-CoV-2-XFG-mRNAJuli 2026IIIGI = Grundimmunisierung, AIG = Auffrischimpfung nach Grundimmunisierung, I = Immunisierung mit oder ohne vorhergehende Impfung oder SARS-CoV-2-Infektion, gemäß den offiziellen Empfehlungen
Studien Tierexperimentelle Studien zeigten eine akzeptable Verträglichkeit, eine Entwicklung von Antikörpern und einen Schutz vor einer Infektion.
Die klinische Phase-1-Studie für den Impfstoffkandidaten mit dem Entwicklungsnamen mRNA-1273 startete Moderna am 16. März 2020 in Zusammenarbeit mit dem Vaccine Research Center (VRC) am National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), einer Sektion des National Institutes of Health (NIH).
Am 29. Mai 2020 begann eine Phase-2-Studie mit 600 Probanden. Der letzte Teilnehmer wurde am 8. Juni eingeschlossen.
Eine Phase-3-Studie mit 30.000 Probanden begann in den USA am 27. Juli 2020. Die erwarteten etwa 30.000 Probanden erhielten, jeweils im Abstand von etwa 28 Tagen, entweder je eine 100-µg-Dosis des Impfstoffkandidaten oder ein Placebo. Letztlich wurden 30.420 Probanden in 99 Zentren in den Vereinigten Staaten eingeschlossen. Mehr als 7000 Probanden waren über 65 Jahre alt, mehr als 5000 hatten Vorerkrankungen. Am 23. Oktober 2020 wurde die letzte erste Dosis gegeben. Mehr als 96 Prozent der Probanden erhielt auch die zweite Injektion, die 28 Tage nach der ersten erfolgt. Beobachtet wurde insbesondere, wie viele symptomatische Fälle von Covid-19 ab dem 14. Tag nach der 2. Impfung auftraten.
Nach 95 aufgetretenen Covid-19-Fällen wurden am 16. November 2020 erste Zwischenergebnisse der Studie veröffentlicht. Von den 95 bis 7. November beobachteten Covid-19-Fällen traten 90 in der Kontrollgruppe und 5 in der geimpften Gruppe auf. Die Wirksamkeit wird damit auf 94,5 Prozent geschätzt. Alle 11 beobachteten schweren Covid-19-Fälle traten in der Kontrollgruppe auf. Schwere Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten. Die Antikörper-Titer lagen noch nach drei Monaten im Durchschnitt höher als bei Rekonvaleszenten nach einer COVID-19-Erkrankung.
Dem Antrag auf Notfallzulassung in den Vereinigten Staaten am 30. November 2020 lag ein Zwischenstand zugrunde, der Fälle bis zum 21. November 2020 berücksichtigte. Am 30. Dezember 2020 wurden diese vorläufigen und zwischenzeitlich einem Peer-Review unterzogenen Ergebnisse der Phase-3-Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht: Nach durchschnittlich 64 Tagen nach Verabreichung der 2. Dosis waren 196 Covid-19-Fälle diagnostiziert worden, wovon 11 auf die Impfstoff- und 185 auf die Placebo-Gruppe entfielen. Dies entspricht einer Wirksamkeit von 94,1 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: 89,3 bis 96,8 Prozent). In den betrachteten Untergruppen lag diese Wirksamkeit zwischen 86,4 (bei Über-64-Jährigen) und 97,5 Prozent (in „Communities of color“). Alle 30 beobachteten schweren Covid-19-Fälle wurden in der Placebo-Gruppe beobachtet.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) veröffentlichte pädiatrische Untersuchungspläne (, PIP) für den von BioNTech und Pfizer entwickelten COVID-19-Impfstoff BNT162b2 und für den von Moderna entwickelten Impfstoff mRNA-1273.EMEA-002893-PIP01-20. EMA; abgerufen am 2. Januar 2021. Dabei arbeitet die EMA eng mit der FDA zusammen, die dafür im Juni 2020 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen haben. Die Pläne sehen ein beschleunigtes Verfahren vor, bei dem die Bearbeitungszeiten der Daten verkürzt werden sollen.
Mitte Januar 2021 begann in Japan eine Phase-1/2-Studie mit voraussichtlich 200 Personen.