mini|Skizze der Bronzehand von Prêles Die Bronzehand von Prêles () ist ein aus Bronze und Gold gefertigtes Objekt in Form einer menschlichen Hand, gefunden nahe Prêles (dt. Prägelz), heute Teil der Fusionsgemeinde Plateau de Diesse im Verwaltungskreis Berner Jura des Schweizer Kantons Bern.

Die Bronzehand stammt aus der Mittleren Bronzezeit. Sie wurde im 16. oder 15. Jahrhundert v. Chr. angefertigt und einige Jahrzehnte später einer hochgestellten Persönlichkeit als Grabbeigabe mitgegeben. Es handelt sich somit um die älteste bekannte anthropomorphe Bronzeplastik Europas. Die Bronzehand wurde 2017 von illegalen Sondengängern entdeckt und befindet sich heute im Besitz des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern. Im September und Oktober 2018 wurde sie im Rahmen einer Sonderausstellung im NMB Neues Museum Biel erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.Susanne Lux: Spektakulärer Fund. In: restauro.de. 19. September 2018, abgerufen am 15. November 2020.

Entdeckungs- und Forschungsgeschichte Bergung durch illegale Sondengänger Die Hand inklusive einer Manschette aus Goldblech wurde angeblich am 7. Oktober 2017 zusammen mit drei abgebrochenen Fingern, einem Bronzedolch und einem Knochenbruchstück, das als menschliche Rippe identifiziert wurde, von Sondengängern entdeckt, die ohne Genehmigung unterwegs waren (sog. Raubgrabung).Andrea Schaer: Entdeckung, Nachgrabung und erste Untersuchungen am Grabfund von Prêles, Les Combettes. In: Andrea Schaer et al.: Das bronzezeitliche Grab und die Bronzehand von Prêles. Ergebnisse der Table Ronde vom 30. Oktober 2019 in Bern. 2021, S. 8. Am 9. Oktober lieferten sie ihre Funde beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern ab. Nach ihren Aussagen hatten sie die Objekte erst zwei Tage zuvor entdecktSchaer, Alterauge, Brechbühl, Kissling: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern/CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas?, Sonderdruck Archäologisches Korrespondenzblatt (Jahrgang 49, 2019, Heft 1), RGZM, S. 57 und ihre Bedeutung erst nach einer ersten Säuberung festgestellt.

Nachuntersuchung der Fundstelle Die angegebene Fundstelle wurde im März 2018 zunächst geoelektrisch prospektiert. Zwischen April und Juni folgte eine Grabung, bei der das stark gestörte Grab eines 25–45 Jahre alten Mannes entdeckt wurde. Es enthielt noch einige Skelettreste sowie als weitere Beigaben einige Keramikfragmente, eine Nadel und eine Spirale aus Bronze und weitere Fragmente der Bronzehand, die von den Sondengängern übersehen worden waren.Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 57, 61–62.

Ausstellungen und Tagungen Vom 18. September bis 18. Oktober 2018 wurde die Hand im NMB Neuen Museum Biel erstmals öffentlich ausgestellt.Die Bronzehand von Prêles. Die älteste Bronzeplastik Mitteleuropas. In: nmbiel.ch. Abgerufen am 15. November 2020. Am 30. Oktober 2019 fand an der Universität Bern eine Fachtagung statt. Teilnehmer waren Andrea Schaer (Archäologischer Dienst des Kantons Bern), Albert Hafner (Institut für Archäologische Wissenschaften, Universität Bern), Harald Meller (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle (Saale)), Heinzpeter Znoj (Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern) und Katharina Schmidt-Ott (Abteilung Konservierungsforschung, Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich) sowie als Moderator Marc-André Haldimann (Institut für Archäologische Wissenschaften, Universität Bern). In einem Tagungsband wurden anschließend die Ergebnisse festgehalten.Ergebnisse der Table ronde vom 30. Oktober 2019 in Bern, online

Vom 15. November 2019 bis 1. Juni 2020 war die Bronzehand in der Sonderausstellung Ringe der Macht im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) erstmals ausserhalb der Schweiz zu sehen.Ringe der Macht. 15. November 2019 bis 1. Juni 2020. In: landesmuseum-vorgeschichte.de. Abgerufen am 15. November 2020. Vom 17. Februar bis zum 17. Juli 2022 wurde sie in der Sonderausstellung The World of Stonehenge im British Museum in London ausgestellt.Simon Wälti: Ein Berner Fund im British Museum. In: bernerzeitung.ch. 22. Februar 2022, abgerufen am 12. Mai 2022. Vom 1. Februar 2024 bis zum 21. April 2025 ist die Bronzehand als zentrales Exponat der Sonderausstellung Und dann kam Bronze! im Bernischen Historischen Museum ausgestellt.Und dann kam Bronze! In: bhm.ch. Abgerufen am 30. Mai 2024.

Auszeichnung Der Fund selbst wurde beim International Archaeological Discovery Award, der zu Ehren von Khalid al-Asʿad benannt ist, unter die Top 5 der archäologischen Entdeckungen des Jahres 2018 gewählt.International Archaeological Discovery Award “Khaled al-Asaad” (5th edition), Mediterranean Exchange of Archaeological Tourism (BMTA); abgerufen am 2. Mai 2021

Strafprozess Gegen die Finder der Bronzehand eröffnete die Staatsanwaltschaft Bern im September 2018 ein Strafverfahren wegen Grabräuberei.Bronzehand von Prêles: Wurde das Grab geplündert? In: Berner Zeitung. 18. September 2018, abgerufen am 21. November 2020. Im September 2019 wurde einer von ihnen zu einer Geldstrafe von 2500 Franken verurteilt. Obwohl die Sondengänger ihre Funde freiwillig beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern abgeliefert hatten, folgte der Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft, da dem Angeklagten noch vier weitere Verstösse gegen das Denkmalschutzgesetz nachgewiesen werden konnten.Schweizer macht Fund seines Lebens – und wird nun dafür gebüsst. In: Aargauer Zeitung. 25. September 2019, abgerufen am 21. November 2020. Der Mann habe gegen das Denkmalpflegegesetz verstossen, so im Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland in Moutier (BE). Nach Ansicht des Archäologischen Dienstes bestand die Gefahr, dass durch das Graben eine archäologische Stätte zerstört werde. Ihm wurde zugutegehalten, nicht aus Habgier gehandelt zu haben, sondern aus Enthusiasmus, aber er hätte für das Absuchen des Untergrundes nach archäologischen Objekten unter Verwendung technischer Hilfsmittel eine Bewilligung der kantonalen Fachstelle einholen müssen. Dass die Funde als solche für Laien nicht archäologisch bewertbar waren, wurde nicht als Entlastung akzeptiert.Berner «Schatzsucher» muss 2500 Franken Strafe zahlen: Weil er einen Metalldetektor ohne Bewilligung benützt hatte, wurde ein Mann im Berner Jura zu einer Geldstrafe verurteilt – trotz Sensationsfund. auf www.derbund.ch, Online am 26. September 2019; abgerufen am 25. November 2019

Die Fundstelle Die Fundstelle () liegt auf dem Flurstück «Les Combettes» südöstlich von Prêles auf einer markanten Geländeterrasse am Fuss der höchsten Erhebung des Berner Jura, des Chasseral, und oberhalb des Bielersees. Nach Osten wird die Geländestufe vom Einschnitt der Twannbachschlucht begrenzt. In Richtung Süden fällt das Gelände relativ steil zum Bielersee hin ab. Von der Geländeterrasse aus hat man eine, sicher auch in der Bronzezeit, sehr gute Aussicht auf die Seenplatte südlich des Juras, in das Schweizer Mittelland inklusive des Alpenbogens vom Säntis bis in Richtung des Mont-Blanc-Massivs. Das Plateau mit der Fundstelle ist von mehreren Felsrippen durchzogen, die sich im heute landwirtschaftlich genutzten Gelände nur noch schwach abzeichnen. Die Fundstelle liegt am Fuss einer solchen Rippe in einer schwachen Senke.Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 57

Bis zur Entdeckung der Hand waren aus Prêles und der unmittelbaren Umgebung keine bronzezeitlichen Funde bekannt, allerdings war die Gegend bislang auch nie systematisch prospektiert worden. Die nächstgelegenen mittelbronzezeitlichen Siedlungen befinden sich in Cressier «La Baraque» (Kanton Neuenburg), auf dem Jolimont bei Gals (Kanton Bern), in Murten-Löwenberg (Kanton Freiburg), bei Coffrane «Les Favergettes» und Colombier «Plantée de Rive» (beide Kanton Neuenburg).Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 58–59

Beschreibung Das Grab Die ursprüngliche Hügelschüttung des Grabes ist heute völlig verschleift. In 40–50 cm Tiefe unter dem heutigen Bodenniveau wurden zahlreiche Kalkkiesel entdeckt, die wahrscheinlich zur Hügelschüttung gehörten. Im Zentrum des Befunds lagen die Steine weniger dicht. Dort wurden Reste der Bestattung sowie vier von den Sondengängern verursachte Störungen festgestellt.Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 62.

Unter der Bestattung und durch eine dünne Erdschicht klar von ihr abgetrennt wurde eine ältere, trapezförmige Steinsetzung mit einer Länge von 12 m und einer Breite zwischen 1 m und 5 m festgestellt. Die Struktur wurde nicht näher untersucht, da ihr durch ihre tiefe Lage keine Gefahr durch landwirtschaftliche Tätigkeit droht. Ihre genaue Zeitstellung ist bislang unklar, es wird aber davon ausgegangen, dass sie zu einer in der Mittelbronzezeit oberirdisch sichtbaren Struktur gehörte und somit bewusst für die Anlage des Grabes ausgewählt wurde.Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 65–66.

Die Skelettreste Das Skelett des Bestatteten war nur schlecht erhalten. Es wurden Schädelfragmente, acht einzelne Zähne, Teile des rechten Unterarms, des linken Oberarms, des linken Schulterblatts, der linken Rippen, beider Ober- und Unterschenkel sowie geringe Reste des Beckens und der Wirbelsäule gefunden. Einige Knochenfragmente sind an den Stellen, an denen Bronzegegenstände auflagen, grün verfärbt. Nur an diesen Stellen ist die ursprüngliche Knochenoberfläche erhalten. Anhand der Überaugenregion und der eher kräftigen Statur des Skeletts konnte der Bestattete als männlich identifiziert werden. Sein Sterbealter konnte aufgrund des Abnutzungsgrades der Zähne grob auf 25–45 Jahre bestimmt werden. Die Körperhöhe liess sich nicht mehr ermitteln.Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 63–64.

Die Bronzehand Das Objekt hat die Form einer geöffneten rechten Hand. Es hat ein Gewicht von 502 g und eine Länge von 17,8 cm. Die Handfläche ist massiv, die Innenseite ist konkav und der Handrücken konvex gestaltet. Der Armansatz ist als Tülle gefertigt, die Rückseite ist abgebrochen und fehlt. Die Tülle hat einen Aussendurchmesser von 7,2 cm, eine lichte Weite von 5,5 cm, eine Tiefe von 6,4 cm und eine Wandstärke von etwa 0,3 cm. Auf den Armansatz ist eine Manschette aus Goldblech aufgeklebt, auch dieses fehlt auf der Rückseite. Es ist zwischen 3 cm und 4,1 cm breit und 0,5 mm dick. Am unteren Ende und in der Mitte weist das Goldblech je eine umlaufende Rippe auf. Die untere Rippe wurde durch das Unterlegen von zwei Bronzedrähten erzeugt. Die obere Rippe wurde mit der Bronzehand gegossen. Die Manschette wird so in zwei Zonen aufgeteilt, die beide ein Dekor aus Kreisaugenpunzen und Punktreihen aufweisen. Die Finger der Hand sind abgebrochen; drei wurden von den Sondengängern gefunden, der kleine Finger erst später bei der Nachuntersuchung. Der grösste Teil des Daumens fehlt. Die Handfläche hat eine Breite von 7,3 cm bzw. 9 cm mit dem erhaltenen Daumenansatz.Andrea Schaer et al.: Die Bronzehand von Prêles (Kt. Bern / CH) – die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? 2019. S. 59–60.Andrea Schaer: Entdeckung, Nachgrabung und erste Untersuchungen am Grabfund von Prêles, Les Combettes. In: Andrea Schaer et al.: Das bronzezeitliche Grab und die Bronzehand von Prêles. Ergebnisse der Table Ronde vom 30. Oktober 2019 in Bern. 2021, S. 9–10.