Dieser Artikel hat den FC Winterthur in der Saison 2019/20 zum Thema. Der FC Winterthur (FCW) spielte in dieser Saison in der Challenge League. Im Schweizer Cup schied er im Halbfinal erneut gegen Basel aus, nachdem er zuvor mit St. Gallen und Thun zwei andere Super-League-Vereine ausgeschaltet hatte. Die Meisterschaft beendete der Verein dank einer guten Spielbilanz im letzten Meisterschaftsviertel nach einer coronabedingten Zwangspause wie die Saison zuvor auf dem 4. Platz. Im November konnte mit einer entsprechenden Zusage von Mike Keller, dem Sohn des letzten Präsidenten Hannes W. Keller, eine fünfjährige Phase ohne Präsident beendet werden.

Saisonverlauf Vorbereitung Bereits zum Trainingsstart Mitte Juni konnte der FCW drei Verstärkungen präsentieren: Der Verteidiger Nils von Niederhäusern wurde als nomineller Ersatz für den Rechtsverteidiger Denis Markaj, der einen neuen Vertrag beim FCW ablehnte, verpflichtet. Eine weitere Neuverpflichtung war der Flügelspieler Nuno da Silva, der leihweise von Thun verpflichtet wurde. Als erster Königstransfer konnte die Verpflichtung des Stürmers Roman Buess (zuletzt beim FC Lausanne-Sport) vermeldet werden, der Taulant Seferi ersetzte – den zweitbesten Torschützen der Vorsaison. Anfang Juli vermeldete der FCW die Verpflichtung der beiden israelischen Offensivspieler Muhammad Mido Badarna und Anas Mahamid aus der zweitklassigen israelischen Liga Leumit. Kurz vor Saisonstart wurde wegen verletzungsbedingter Ausfälle Lekajs und Cavars der Innenverteidiger Mario Bühler verpflichtet. Daneben wurde noch Gjelbrim Taipi als Ersatz für Remo Arnold für das zentrale Mittelfeld verpflichtet.

Die Vorbereitungsspiele konnte der FCW erfolg- sowie auch torreich gestalten: Mit einem Torverhältnis von 24:7 Toren konnte er fünf von sechs Testspielen siegreich gestalten. Lediglich beim ersten Testspiel gegen den FC Zürich (2:2) resultierte ein Unentschieden, während unter anderem die Testspiele gegen den FC Luzern (4:2) oder den VfB Stuttgart (3:1) siegreich gestaltet werden konnten. Vor Saisonstart äusserte der Landbote in seiner Vorschau, dass ein Platz in der oberen Tabellenhälfte «keineswegs utopisch» sei.

Hinrunde Die Saison begann für den FCW zumindest resultatemässig gemischt: Die Löwen starteten mit einer guten Leistung mit einem Unentschieden gegen Aarau und konnten diese Leistung zunächst auswärts mit einem Sieg gegen FC Stade Lausanne-Ouchy bestätigen – um jedoch danach gegen den zweiten Verein aus Lausanne, den FC Lausanne-Sport, zuhause gleich mit 0:6 unterzugehen. Diese gemischte Bilanz setzte sich im ersten Meisterschaftsviertel fort, so konnte beispielsweise gegen den Aufstiegsfavoriten GC ein 2:2-Unentschieden erreicht werden, und bei den restlichen Spielen gab es eine Bilanz aus zwei Siegen und drei Niederlagen. Nach neun Spielen konnte Winterthur 14 Punkte verbuchen, da jedoch das auf dem Barrageplatz liegende GC nur drei Punkte entfernt war, sah Landbote den Verein weiterhin im Plan und attestierte ihm nach Hälfte der Hinrunde eine «ordentliche» Zwischenbilanz.

Richtig gut lief es den Winterthurern im Cup: Nach einem problemlosen Sieg gegen den Promotion-League-Verein SC YF Juventus Zürich warf der FCW in den folgenden Runden zwei Super-League-Clubs aus dem Cupwettbewerb. Zuerst schlug der FCW am 13. September den FC St. Gallen mit 2:0 und danach am 30. Oktober den FC Thun mit 1:0 – wodurch der FCW im Cup überwintern konnte.

Abseits des sportlichen Geschehens wurde im November ein für die Zukunft des FCW wichtiger Entscheid bekanntgegeben: Nach viereinhalb Jahren hatten die Gebrüder Mike und Tobias Keller, die Nachkommen des langjährigen Präsidenten Hannes W. Keller, entschieden, dass sie dem Verein weiterhin treu bleiben wollen. Damit hatten sie Abstand genommen von ihren bisherigen Absichten, sich vom Verein zu lösen. Dieser Entscheid fiel, nachdem die Kellers auch Gespräche mit potenziellen Investoren geführt hatten, die zumeist an der zu leistenden Defizitgarantie von 4 Mio. Fr. über vier Jahre gescheitert waren. Auch die Tatsache, dass die vielfach ausländischen Interessenten rein finanzielle Interessen am Verein hatten, bewogen die Brüder letzten Endes zu ihrem Entscheid. Aufgrund dessen übernahm Mike Keller, der zuvor schon Teil der Vereinsführung war, das vakante Amt des Präsidenten. Bezüglich der zukünftigen Pläne mit dem Verein kommunizierte der neue Präsident Keller auch, dass in den kommenden Jahren ein Aufstieg in die Super League angestrebt werden soll – ein Ziel, das es so unter der Ära Hannes W. Keller nicht gab.

Zunächst positiv verlief beim FCW der weitere Verlauf der Hinrunde, wobei er bis zur 14. Runde am 9. November immerhin eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlagen vorweisen konnte – unter anderem mit zwei Unentschieden gegen die beiden Spitzenreiter Lausanne-Sport und GC. Danach verlor er jedoch drei der verbliebenen vier Spiele, wobei insbesondere die beiden letzten Spiele gegen Wil (0:4) und Stade Lausanne-Ouchy (1:2) ungenügend waren. Auch wegen dieser schwachen Endphase beendete der FCW die Rückrunde auf dem 6. Platz mit neun Punkten Rückstand auf den 2. Platz und 15 Punkten auf Leader Lausanne. So stellten Trainer Ralf Loose sowie auch Captain Davide Callà gegen Ende der Hinrunde eine mangelnde Lauf- und Kampfbereitschaft fest.

Bei der Hinrundenbilanz war festzuhalten, dass Winterthur den zweitschlechtesten Sturm der Hinrunde hatte, selbst der zwölf Punkte hinter Winterthur liegende Tabellenletzte FC Chiasso schoss mehr Tore als Winterthur. Trotz der eher durchzogenen Bilanz am Ende der Hinrunde erhielten gleich sechs Spieler in der Notenbewertung des Landboten eine gute Note von 5, wobei davon Granit Lekaj mit der Variante einer «Guten 5» die beste Note erhielt. Mit Enrique Wild, der eine 3,5 erhielt, wurde nur ein Spieler mit einer ungenügenden Note bewertet.

Rückrunde Bereits zum Trainingsstart Anfang Januar standen mit der Rückkehr zweier ehemaliger Leihspieler die zwei wichtigsten Verstärkungen fürs Mittelfeld fest: Einerseits kehrte der Mittelfeldspieler Remo Arnold aus Luzern zurück, und anderseits konnte vom neuen Ligakonkurrenten GC Roberto Alves verpflichtet werden. Auf der anderen Seite musste der FCW Mitte Januar mit dem Transfer von Abwehrchef Sead Hajrović zum FC Viktoria Köln einen gewichtigen Abgang verzeichnen. Des Weiteren wurde der nur bis zur Winterpause geltende Vertrag mit Ralf Loose um ein Jahr verlängert. Insgesamt absolvierte Winterthur vor Rückrundenstart drei Testspiele gegen den Fehérvár FC, den FC Hermannstadt sowie gegen den SC Brühl St. Gallen, die er allesamt gewann.

Die Rückrunde begann für den FCW am 25. Januar mit einem 0:0-Unentschieden gegen den vier Punkte vor Winterthur liegenden Drittplatzierten SC Kriens. Beim darauf folgenden 3:2-Sieg beim Tabellenletzten FC Chiasso war vor allem das Siegestor bemerkenswert, da dieses vom Wind begünstigt durch den FCW-Torhüter Raphael Spiegel per Abkick von der eigenen Strafraumgrenze her geschossen wurde. Während die COVID-19-Pandemie in der Schweiz im Verlauf des Februars immer präsenter wurde, spielte der FCW noch drei Spiele, wobei die Bilanz mit zwei Niederlagen und einem Sieg eher mässig war – wodurch der FCW nach 23 Runden auf dem 5. Platz stand mit 6 Punkten Rückstand auf einen Barrageplatz.

Danach war vorerst Schluss mit Meisterschaftsspielen: Mit der am 28. Februar vom Bundesrat ausgerufenen besonderen Lage wurden Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten. Aufgrund dieses Entscheids setzte die Swiss Football League zuerst die anstehende Meisterschaftsrunde aus und sagte danach in Rücksprache mit den Vereinen auch die kommenden Spiele definitiv ab – die Fussballmeisterschaft war hiermit unterbrochen. Einzig die U16- und U18-Mannschaften konnten mit ihren Cup-Halbfinalspielen in der ersten Märzhälfte noch Ernstspiele bestreiten. Das Fanionteam spielte Anfang März zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch zwei Testspiele gegen den FC Luzern und den BSC Young Boys. Da sich die Lage danach schnell verschlechterte, schickte der Verein nach dem Testspiel vom 13. März seine Spieler zunächst in die Ferien und beantragte auf April Kurzarbeit für alle Mitarbeiter und Spieler.

Nach einer zehnwöchigen Pause und dem Lockdown konnte die 1. Mannschaft am 25. Mai das Training mit entsprechendem Schutzkonzept im Hinblick auf den potenziellen Meisterschaftsneustart am 19. Juni wieder aufnehmen. Mit der am 29. Mai erfolgten Zustimmung der Vereine zum Meisterschaftsneustart mit Geisterspielen, für den sich auch der FCW eingesetzt hatte, wurde dieser Neustart wenig später definitiv angesetzt. Um die verbleibenden 13 Meisterschaftsrunden bis August zu beenden, wurden zwei Spiele pro Runde angesetzt, wobei der FCW aufgrund der Erneuerung des Rasens auf der Schützenwiese seine Heimspiele im Zürcher Utogrund austrug. Auf der Schützenwiese wurde von den Organisatoren des «Fussballschuppens» beim Bahnhof Töss ein maximal 300 Zuschauer fassendes Public Viewing organisiert. Als Vorbereitung auf den Meisterschaftsneustart wurden Testspiele gegen den YF Juventus Zürich (1:0), auf dessen Platz der FCW aufgrund des Austausches des Rasens auf der Schützenwiese Gastrecht genoss, sowie gegen YB (2:4) absolviert. Ein Tag vor dem Neustart gab Luca Radice noch seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Neben seinem Rücktritt gehörte es auch zu den sportlichen Eigenheiten der Saison, dass die Verträge von fünf Spielern zum offiziellen Saisonende am 30. Juni ausliefen, ohne dass die Meisterschaft sportlich fertig gespielt war.

Sportlich lief der Neustart der Meisterschaft zunächst eher harzig. In den ersten sechs Spielen schaute für Winterthur lediglich ein 5:2-Sieg gegen den FC Aarau heraus, gegenüber zwei 1:4-Niederlagen gegen Vaduz und einer 1:3-Niederlage gegen Wil. Gegen FC Stade Lausanne-Ouchy und GC gab es jeweils ein Unentschieden. Durch diesen schwachen Start verabschiedete sich Winterthur mit 20 Punkten Abstand von der Spitze. Sportlich hingegen konnte Winterthur sich zur Hälfte dieser Meisterschaft im Pandemiemodus erholen: Auch wenn dies inzwischen sportlich nicht mehr von Bedeutung war, verlor Winterthur zum Ende der Saison kein Spiel mehr. Winterthur gewann sechs der sieben letzten Meisterschaftsspiele und konnte im letzten Meisterschaftsspiel dem Kantonsrivalen GC Zürich mit einem diskussionslosen 6:0-Sieg die Teilnahme an der Aufstiegsbarrage verwehren – die der Zürcher Verein bei einem Sieg mit mindestens drei Toren Differenz gegen die Winterthurer erreicht hätte. Bemerkenswert war bei den insgesamt 20 Toren, die die Winterthurer bei ihren Gastspielen auf dem Utogrund erzielten, dass elf davon durch Kontertore fielen.

Unmittelbar (drei Tage später) an das Meisterschaftsende wurde der Cup-Viertelfinal angehängt, bei dem der FC Winterthur den Promotion-League-Verein FC Bavois, der jedoch seit Beginn der COVID-19-Pandemie in der Schweiz keinen Ernstkampf mehr bestritten hatte, mit 4:0 schlug. Der Halbfinal sowie der Final mussten planungsbedingt nach der coronabedingt gekürzten Sommerpause auf Ende August verlegt werden – sprich eigentlich schon in der neuen Saison, jedoch noch mit Spielern aus den alten Kadern, so galten auch Spieler, die den Verein verlassen werden, noch bis zur Beendigung des Cupwettbewerbs Ende August als Kaderspieler des FCW. Den Halbfinal am 25. August auswärts gegen den FC Basel verlor der FC Winterthur jedoch dann deutlich mit 1:6, wobei die Winterthurer bereits nach fünf Minuten mit 0:2 im Rückstand waren. Da die Winterthurer danach ihre vielen Chancen in der ersten Hälfte nur für ein Tor nutzten und wiederum schlecht in die zweite Spielhälfte starteten, war der Basler Sieg schliesslich ungefährdet.