Der Griechische Ahorn (Acer heldreichii) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ahorne (Acer) innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Diese endemisch-reliktische submediterrane Pflanzenart ist in der südwestlichen, südlichen, zentralen und zentral-östlichen Balkanhalbinsel verbreitet.
Nutzung, Trivialnamen und Vorkommen Der Englischsprachige Trivialname ist meist Balkan maple, dies ist auch der internationale Handelsname für Tonholz des Griechischen Ahorns, serbisch Planinski javor. Der Griechische Ahorn ist an kühl-feuchte Klimabedingungen, frische und nährstoffreiche tiefgründige bis blockreiche Hochgebirgsstandorte in Nordhanglagen der subalpinen Höhenstufe angepasst und in seinem Lebensraum der klimahärteste Laubbaum. Auf Hochgebirgsstandorten ist er hier der wüchsigste laubwerfende Baum, der die Buche überwächst. Verbreitungs- und Genzentrum der Art sind die zentralen Südostdinariden zwischen Zelengora und Prokletije in Ostbosnien, Zentral- und Nordmontenegro, Südwestserbien und Nordalbanien.
Das in einzelne Gebirgsgruppen zersplitterte Areal reicht von den Hochgebirgen der Südostdinariden im Westen bis in den Zentralen Balkan im Osten, sowie vom Rudnik im Norden bis zum Parnass im Süden, wo er praktisch ausschließlich an der oberen Waldgrenze häufiger auftritt und in einigen Gebieten zusammen mit Schlangenhaut- und Rumelischer Kiefer auch die Baumgrenze zur alpinen Stufe bildet. In den Dinariden werden subalpine Grenzwaldökotone im Griechischen Ahorn-Wald in der pflanzensoziologischen Assoziation – Aceri heldreichii-Fagetum B. Jov. 1957 (Jovanović, 1986) (Syn.: Aceri visianii-Fagetum Fukarek 1969, Fago-Aceretum visianii Blečić et Lakušić 1970) zusammengefasst. Floristisch steht diese Assoziation zwischen den Verbänden des Eschen-Ahorn-Waldes (Fraxino-Aceretum) und dem Illyrischen Buchenwald (Fagion illyricum) was den pflanzensoziologischen Übergangscharakter des Griechischen Ahorn-Waldes unterstreicht. Durch aufgelockerten Bestandesschluss und ein lichtes Kronendach dringen insbesondere auch lichtliebende oro-mediterrane meridionale Elemente des Dinarischer Karst-Blockhalden-Tannenwaldes in die Gesellschaften des Griechischen Ahorns ein, was im Vergleich zu Tannen-Buchenwäldern auch zur höheren floristischen Diversität beiträgt.
Unterarten und Verbreitung Acer heldreichii ist in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet eine variable Art von der drei Unterarten und zahlreiche Varietäten beschrieben wurden. Aus dem südlichen Verbreitungsgebiet in Griechenland südliches Makedonien und südliches Albanien wird die Unterart Acer heldreichii subsp. heldreichii, nördlich davon die Unterart Acer heldreichii subsp. visianii in montanen Wäldern in Bulgarien, Makedonien, Serbien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina beschrieben. Im Kaukasus und Nordanatolien findet sich schließlich die Unterart Acer heldreichii subsp. trautvetteri.
Beschreibung mini|Buchen-Griechischer Ahorn Urwaldbestand (Aceri heldreichii-Fagetum) mit dominanten Überhälter eines Griechischen Ahorns (Acer heldreichii subsp. visianii) in einer pleistozänen Glazial-Mulde des Štrekanica-Kars an der Pazua im subadriatischen Orjen auf 1530 Meter
Erscheinungsbild, Holz und Borke mini|Blätter von Avre heldreichii subsp. visianii Der Griechische Ahorn wächst als laubabwerfender Baum. Nach dem Habitus und der Borke, die im Alter in großen dünnen unregelmäßigen Schuppen abblättert, ähnelt er dem Berg-Ahorn; dabei ist die Farbe der Borke etwas dunkler braun, sowie sind die Schuppen größer als beim Berg-Ahorn. Deutlicher unterscheidet er sich von diesem aber in Chorologie (Verbreitung), Ökologie (Standort), Phänologie, Blattform und Blütenstand.
In der Regel werden sie zu 15 bis 30 Meter hohen, laubabwerfenden Bäumen mit aufstrebenden Ästen und einer hochgewölbten Krone, wächst er zu meist geradschaftigen, breitkronigen Bäumen mit beeindruckenden im Herbst leuchtend rot oder goldgelb verfärbten Laubblättern heran. Im seltenen Fall wird der Griechische Ahorn bis zu 400 Jahre alt und 35 m hoch, sowie bis über 100 cm stark.
Der Griechische-Ahorn zeigt nach Schädigung hohes Regenerationsvermögen und solcherart Exemplare können oft aus mehreren Stämmen aufgebaut sein. Die Fähigkeit, nach Schädigung (Lawinen, Verbiss) Stockausschläge zu bilden, hilft dem Griechischen Ahorn in seinem Hochgebirgshabitat zu überleben. Kernwüchse haben dagegen lange astfreie Schäfte. In der subalpinen Stufe können sie die Buche überwachsen und werden dort zu den dominanten Bäumen. Durch vielfache Übernutzung finden sich jedoch oft nur Degradationsformen und gerade in der beweideten subalpinen Stufe finden sich oft nur buschförmig wachsende Bäume. Als Solitär besitzt er eine eindrucksvolle Gestalt.
Der Griechische Ahorn ist wie der Berg-Ahorn in der Jugend sehr raschwüchsig. Das Wachstum lässt auf durchschnittlichen Standorten aber bereits relativ früh nach, so dass er in der Folge von der Rotbuche eingeholt und überwachsen werden kann.
Als einfache Unterscheidungsmerkmale zum morphologisch ähnlichen Berg-Ahorn können die viel tiefer eingeschnittenen Blätter, die beim Griechischen Ahorn dunkelgrün und glänzend sind, die immer dunkel-roten Knospen (beim Bergahorn hell-grün) und die aufrechten Blüten (Berg-Ahorn hängend) genommen werden. Das Holz hat ähnliche Qualität wie dasjenige des Berg-Ahorn. Holzanatomisch sind kaum Unterschiede auszumachen, beide Ahornarten besitzen ein in ihrer Gattung ungewöhnlich helles Holz, das bei etwa 3 % der Stämme mit Riegelung auftritt. Nur in der Größe der Tracheiden wurden Unterschiede erwähnt (größere beim Griechischen Ahorn), genaue Untersuchungen liegen jedoch bis heute nicht vor.
Zweig, Knospe und Blatt mini|Blätter (hier Acer heldreichii subsp. visianii) Die jungen Zweige sind kahl und rötlich gefärbt, an den Ästen bildet sich eine graue, glatte Borke, die im Alter von feinen Rissen durchzogen wird. Die Knospen sind auffallend groß, glänzend, kahl und rötlich gefärbt, etwa 5 mm lang.
Die gegenständigen, an grünen bis rötlichen 10 bis 15 cm langen, leicht rinnigen Stielen sitzenden, spitzen Laubblätter sind handförmig drei- bis fünflappig gespalten bis zerschnitten und am Rand ungleich, meist grob, gesägt. Die teils gelappten Lappen sind spitz. Die Basis ist leicht herzförmig oder gestutzt. Sie variieren in der Länge zwischen 4 und 15 cm sowie zwischen 5 und 17 cm in der Breite. Auf der Oberseite sind sie dunkelgrün und leicht glänzend, auf der Unterseite blaugrün und auf den Adern behaart. Im Herbst verfärben sich die Blätter leuchtend rot oder goldgelb.
Blütenstand, Blüte und Frucht Acer heldreichii ist einhäusig monözisch. Es werden endständige, aufrechte und reichblütige Rispen gebildet. Die kleinen und gestielten Blüten sind scheinzwittrig, gelb-grün mit fünfzähligen Blütenblattkreisen. Bei männlichen Blüten ist ein Pistillode sowie bis zu 8 vorstehende Staubblätter vorhanden und bei weiblichen Blüten sind Staminodien mit Antheroden vorhanden. Die Narbenäste sind weißlich bis grünlich und der oberständige, abgeflachte Fruchtknoten ist behaart. Es ist jeweils ein Diskus vorhanden.
Der Griechische Ahorn blüht im Mai, nach oder mit dem Laubaustrieb.
Die auffällig großen, anfangs roten Früchte sind geflügelte, zweiteilige Spaltfrüchte, bei der Unterart heldreichii stehen die beiden Flügel meist stumpfwinklig zueinander, während sie bei der Unterart trautvetteri fast parallel zueinander stehen. Für die Unterart visianii sind auch Varietäten beschrieben worden, wo die Flügel entweder in großem Winkel auseinanderstehen (var. vulgare K. Maly) und solche, wo die Flügel im oberen Bereich wenig weit auseinanderstehen (var. pancicii K. Maly), sowie welche, wo sich die Flügel im oberen Teil decken (var. pancicii forma cruciatum Jov.). Jeder Flügel erreicht 4 bis 5 Zentimeter Länge, damit gehören sie zu den größten innerhalb der Gattung.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.
Wachstum, Verjüngung und Vermehrung Bislang ist Holz des Griechischen Ahorns nur in begrenztem Umfang verfügbar und wird dann zumeist als Bauholz genutzt. Langfristig wird Griechischer Ahorn aber bei Aufforstungen stärker berücksichtigt. Die guten Wuchsleistung wie sie im mittleren Balkangebirge beobachtet werden, wo der Griechische Ahorn auf 1100 m. ü. Meer ein Alter von 200 Jahren, Baumhöhen von 28 m und Durchmesser (BHD) von 120 cm erreicht, empfehlen diesen auf geeigneten Standorten forstwirtschaftlich zu fördern. Dabei ist in Altbeständen mit gut ausgebildeten Kronen die natürliche Astreinigung auffällig: hier werden nicht selten Bäume mit 12 m langem astfreien Stamm beobachtet.
In 80–90-jährigen Mischbeständen des Westlichen Balkan-Gebirges (Stara Planina) in 1600 m. ü. Meer erweist sich der Griechische Ahorn den mitvergesellschafteten Laubbaum-Arten als wuchsüberlegen: Zuwachswerte für Höhe und Stammstärke übertreffen diejenigen des Berg-Ahorns um 20,8 % bzw. 6,7 % und die der Buche um 30,3 % bzw. 13,8 %.
Auch hinsichtlich der Fähigkeit zur Verjüngung übertrifft der Griechische Ahorn im Westlichen-Balkan (Stara Planina) die konkurrierenden Arten: Während die Regeneration der Buche im schneereichen Gebirgsklima generell erschwert ist, wurde beim Berg-Ahorn 4000 Sämlinge je Hektar, beim Griechischen Ahorn 6000 Sämlinge gezählt.
Phänologie Blütezeit und Blattaustrieb beginnen beim Griechischen Ahorn 8–10 Tage nach dem Berg-Ahorn. Der Blattaustrieb erfolgt vor der Blütezeit, die je nach Höhenlage im Mai oder Juni beginnt.
Systematik, botanische Geschichte und Variabilität mini|Ikonographie von Acer macropterum Visiani (ein Synonym von Acer heldreichii subsp. visianii) aus Visianis Plantarum serbicarum pemptas 1860. Dieser stammt aus einer serbischen Aufsammlung von Josif Pančić
Innerhalb der Gattung Acer bilden die Arten Berg-Ahorn, Samt-Ahorn, Kaukasischer Ahorn und Griechischer Ahorn in Europa und dem vorderen Orient die Gruppe der so genannten Bergahorne (Sektion Acer Serie Acer ser. Acer).
Der Griechische Ahorn gedeiht in Höhenlagen von 1200 bis 2000 Metern und verlässt auch in den stärker ozeanischen Gebirgen im Nordwesten seines Areals kaum die hochmontanen Wälder und wird selten unter 1400 Meter, mindestens 1200 Meter angetroffen.
Botanische Geschichte