Die Geschichte Dublins reicht bereits 2000 Jahre zurück, und für den Großteil des jüngeren Zeitraumes war Dublin sowohl die „Hauptstadt“ Irlands als auch das Zentrum von Kultur, Ausbildung und Industrie. Über die Jahre und Jahrhunderte hat die Stadt die unterschiedlichsten Zeiten erlebt. Die Geschichte Dublins ist eng mit der Geschichte Irlands verknüpft.
Gründung und frühe Geschichte Die früheste Referenz auf eine Siedlung im Raume Dublin findet sich in den Schriften des griechischen Astronomen und Kartographen Claudius Ptolemäus im Jahr 140 n. Chr., der den Ort Eblana Civitas nannte.Killeen, Richard (2009): Historical Atlas of Dublin. Dublin, S. 12f. Dies führt zu einer mindestens 2000 Jahre langen Historie des Platzes, denn die Siedlung (keine Stadt) musste bereits einige Zeit existiert haben, bevor Ptolemäus von ihr erfuhr.
Im 9. Jahrhundert gab es zwei Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Von Orkney stammende Wikinger errichteten hier zunächst Winterlager, bevor sie 841 die Siedlung Dyflin gründeten,Liam de Paor: The age of the Viking wars (9th and 10th centuries). In: Theodore W. Moody, Francis Xavier Martin (Hg.): The course of Irish history. Mercier, Cork, 17. Aufl. 1987, ISBN 0-85342-715-1, S. 91–106, hier S. 95. und zwar auf dem Gebiet um die heutige Christ Church Cathedral. Der Name Dyflin bezieht sich auf die irische Bezeichnung An Duibhlinn („Dunkler Tümpel“). Weiter flussaufwärts lag die ältere, aber weniger bedeutende keltische Siedlung Áth Cliath (dt. „Hürden-Furt“). Der Name der keltischen Siedlung ist heute wieder der Stadtname in der irischen Sprache, der Baile Átha Cliath lautet, während der englische Name der Wikingersiedlung entstammt. 852 landeten die Wikinger Ivar Ragnarsson (der Knochenlose) und Olaf der Weiße in Dublin und bauten die seit 841 bestehende Siedlung zu einer Festung aus. Die Wikinger gründeten das Königreich Dublin. Das Jahr 988, als der „König von Meath“ Máel Sechnaill II. Dublin kurzzeitig von den Wikingern zurückerobert hatte, gilt heute als offizielles Gründungsjahr der Stadt, die 1988 dementsprechend ihr 1000-jähriges Bestehen feierte. Die Wikinger ließen hier ab 977 Münzen prägen und beherrschten Dublin trotz ihrer Niederlage gegen den irischen Hochkönig Brian Boru in der Schlacht bei Clontarf 1014 über fast drei Jahrhunderte.
Dublin wurde zum Zentrum der englischen Macht in Irland, nachdem im 12. Jahrhundert die Normannen die südlichen Teile Irlands Munster und Leinster eroberten. Dadurch verlagerte sich das politische Machtzentrum von dem der gälischen Hochkönige in Tara (Grafschaft Meath) in die heutige Hauptstadt. Mit der Zeit wurden allerdings die anglo-normannischen Eroberer immer mehr in die irische Kultur integriert, so dass nur ein kleines Gebiet um Dublin, bekannt als „The Pale“, direkter englischer Kontrolle unterstand. Menschen außerhalb dieses Gebiets wurden als unzivilisiert betrachtet, was zu dem bekannten englischen Ausdruck „Beyond the Pale“ (Außerhalb des „Pale“ – in der Bedeutung von „völlig inakzeptabel“) führte.
Das mittelalterliche Dublin Nachdem die Normannen 1171 Dublin erobert und dort ein Feudalsystem errichtet hatten, verließen viele der ursprünglich skandinavischen Einwohner den alten Teil der Stadt südlich des Flusses Liffey und ließen sich nördlich davon nieder; diese Siedlung ist als „Ostmantown“ oder „Oxmantown“ bekannt. Dublin wurde 1171 unter Heinrich II. Hauptstadt der englischen Besetzer („Lordship of Ireland“ 1171–1541) und wurde von englischen und walisischen Siedlern beinahe überrannt. Auch im ländlichen Gebiet rund um Dublin (im Norden bis nach Drogheda) ließen sich viele Siedler der benachbarten Insel nieder. In Dublin selbst konzentrierte sich die englische Macht um das neugebaute Dublin Castle. Die Stadt war weiterhin Sitz des irischen Parlaments, das aus Abgesandten der englischen Gemeinschaften gebildet wurde. Wichtige Gebäude aus dieser Zeit sind die St. Patrick’s Cathedral, die Christ Church Cathedral und die St. Audoen's Church (in deren Krypta eine Rekonstruktion der Wikingersiedlung), die sich allesamt innerhalb eines Radius von 1 km voneinander entfernt befinden.
Die Bewohner des „Pale“ entwickelten mit der Zeit eine eigene Identität, ähnlich derer anderer Kolonien, die von „barbarischen Eingeborenen“ räumlich eingeschlossen waren. Die Belagerungsmentalität der Dubliner im Mittelalter erkennt man am besten am jährlichen Marsch zu „Cullen’s field“ in Ranelagh wo 1209 500 Siedler aus Bristol vom Clan der O’Toole während eines Volksfestes massakriert wurden. Jedes Jahr am „Black Monday“ (Schwarzer Montag) marschierten Siedler aus Dublin zur Stelle der Gräueltat und hissten dort in Richtung der Wicklow Mountains eine schwarze Flagge; eine Geste der Herausforderung gegen die einheimischen Iren. Dieser Marsch war bis ins 17. Jahrhundert so gefährlich, dass die Teilnehmer durch Polizisten aus der Stadt gegen den „Feind aus den Bergen“ geschützt werden mussten.
Das mittelalterliche Dublin war ein eng umfasstes Gebiet südlich der Liffey von ca. 3 km² mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern. Jenseits der Stadtmauern befanden sich die Außenbezirke, wie z. B. die „Liberties“ auf dem Gebiet des Erzbischofs von Dublin oder „Irishtown“, wo die gälische Bevölkerung lebte, nachdem sie durch ein Gesetz aus dem 15. Jahrhundert aus dem Stadtgebiet vertrieben wurden. Obwohl die ursprünglichen irischen Bewohner weder in der Stadt noch in den umgebenden Gebieten leben sollten, taten dies dennoch viele, und so kam es, dass im 16. Jahrhundert die irische Sprache sich neben Englisch mehr und mehr etablierte.
Das Leben in Dublin im Mittelalter war gefährlich. 1348 wurde die Stadt von der tödlichen Beulenpest („Black Death“) heimgesucht, die im 14. Jahrhundert in ganz Europa wütete. Die Opfer der Krankheit wurden in Massengräbern beerdigt – in einer Gegend, die noch heute als „Blackpitts“ („schwarze Gruben“) bekannt ist. Die Krankheit brach in regelmäßigen Abständen, bis zu ihrem Höhepunkt 1649, immer wieder aus.
Neben der Krankheit war die Stadt auch Schauplatz immer wiederkehrender Gewalt unter den Einwohnern als auch in großen kriegerischen Schlachten. Es wurden sogar Schutzgelder („black rent“) an die benachbarten irischen Clans gezahlt, um deren räuberische Übergriffe zu vermeiden. 1314 brannte eine einfallende schottische Armee die Außenbezirke der Stadt nieder. Nachdem das englische Interesse an ihrer irischen Kolonie nachließ, ging die Verteidigung der Stadt gegen die umgebenden Iren an die Fitzgeralds (Earls of Kildare) über, die die irische Politik bis ins 16. Jahrhundert dominierten. Doch auch innerhalb des Herrscherhauses gab es Querelen. 1487, während des englischen Rosenkrieges, besetzten die Fitzgeralds mit Hilfe von französischen Truppen die Stadt und krönten den aus York stammenden Lambert Simnel zum König von England. 1536 belagerte das gleiche Herrschergeschlecht unter Silken Thomas aufgrund der Gefangennahme von Gerald FitzGerald, 9. Earl of Kildare das Dublin Castle. Heinrich VIII. schickte daraufhin eine große Armee, um die Fitzgeralds zu besiegen und sie durch englische Administratoren zu ersetzen. Dies war der Beginn der, nicht immer freundschaftlichen, engen Beziehung zwischen Dublin und der englischen Krone.
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Kolonial-Dublin Dublin und seine Einwohner veränderten sich durch die Umbrüche im 16. und 17. Jahrhundert in Irland. Diese sahen die erste vollständige Eroberung der Insel unter den Tudors. Während die alte englische Gemeinde von Dublin und „The Pale“ glücklich über die Eroberung und die Entwaffnung der irischen Einwohner waren, waren sie doch auch verunsichert durch die protestantische Reformation in England; waren sie doch nahezu alle römisch-katholisch. Zusätzlich fürchteten sie Zwangsabgaben für die englische Garnison mittels einer speziellen parlamentarischen Steuer, die „cess“ genannt wurde.
Etliche Dubliner wurde wegen ihrer Teilnahme bei den Desmond-Rebellionen in den 1560er bis 1580er Jahren hingerichtet. Die Unzufriedenheit in der Stadt verschärfte sich während des Neunjährigen Krieges in den 1590er Jahren, als die Einwohner von Dublin per Dekret englische Soldaten beherbergen mussten. Dadurch, dass die Verwundeten mangels vernünftigem Hospital in der Straßen liegen blieben breiteten sich Krankheiten schneller aus. 1597 explodierte das Schießpulver-Lager in der Winetavern Street. Dabei kamen fast 200 Dubliner ums Leben. 1592 gründete Elisabeth I. das Trinity College, das damals noch östlich außerhalb der Stadt lag, als eine protestantische Universität für den irischen Adel. Jedoch verschmähten die wichtigsten irischen Familien die Universität und schickten ihre Söhne stattdessen auf katholische Universitäten in Europa.
Als Ergebnis all dieser Spannung betrachtete die englische Herrschaft Dublin als unzuverlässig und ermutigten daraufhin englische Protestanten dorthin überzusiedeln. Diese „Neu-Engländer“ bildeten die Basis der englischen Regierung in Irland bis ins 19. Jahrhundert. Protestanten wurden die Mehrheit in Dublin in den 1640er Jahren, als Tausende von ihnen vor der Irischen Rebellion 1641 flohen. Als die Stadt danach immer mehr von katholischen irischen Kräften bedroht wurde, wurden die katholischen Iren von der englischen Garnison aus der Stadt vertrieben. In den 1640er Jahren wurde die Stadt zweimal während der Irischen Konföderationskriege belagert: 1646 und 1649. Doch beide Male wurden die Belagerer vertrieben, bevor die Belagerung Wirkung zeigte. Bei der zweiten Belagerung 1649 wurde eine Gruppe aus irischen Konföderierten und englischen Royalisten, die von einer englischen Regierungsgarnison geleitet wurden, in die Schlacht von Rathmines geführt, die in den südlichen Außenbezirken der Stadt stattfand. Nach der Eroberung Irlands durch Cromwell in den 1650er Jahren war es Katholiken zwar verboten innerhalb der Stadtgrenzen zu wohnen, doch wurde dieses Gesetz niemals streng durchgesetzt. Ironischerweise führte diese religiöse Diskriminierung dazu, dass die alte englische Gemeinde die Wurzeln zu ihrer Heimat verlor und sich selbst als Teil der irischen „Ureinwohnerschaft“ ansah. Am Ende des 17. Jahrhunderts war Dublin die Hauptstadt des Königreich Irlands – befehligt von der protestantischen neuen englischen Minderheit. Niemals in ihrer bisherigen Geschichte war Dublin größer, friedlicher und florierender als zu dieser Zeit.
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Das Georgianische Dublin Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die Engländer ihre Machtposition gestärkt und die strengen Strafgesetze, die Penal Laws, eingeführt, die sich vornehmlich gegen die katholische Mehrheit der Iren wandte. In Dublin gedieh jedenfalls die protestantische Vorherrschaft, und die Stadt wuchs bereits seit dem 17. Jahrhundert rapide an. Um 1700 übertraf die Einwohnerzahl 60.000 und machte Dublin zur zweitgrößten Stadt des Britischen Empires nach London. Während der Englischen Restauration unternahm James Butler, 1. Duke of Ormonde (später „Lord Deputy von Irland“) die ersten Schritte zur Modernisierung der Stadt, indem er anordnete, dass die Häuser entlang des Flusses Liffey diesem zugewandt sein müssen. Weiterhin bekamen diese Häuser eine neue, hochwertigere Fassade. Dies stand im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen die Bürger der Stadt den Fluss nicht achteten und ihn sogar als Müllhalde nutzten.