hochkant=1.5|mini|Stadtzentrum

Widin [] (, geläufige Transkription Vidin, im 19. Jahrhundert und manchmal noch heute als Widdin) ist eine Stadt im äußersten Nordwesten Bulgariens und das administrative Zentrum der gleichnamigen Oblast Widin und der Gemeinde Widin. Weiterhin ist Widin Sitz der bulgarisch-orthodoxen Diözese von Widin.

Die Stadt entwickelte sich aus der keltischen Siedlung Dunonija. Später bauten die Römer ihre Festung Bononia ganz in der Nähe. Sie wurde zu einer bedeutenden Stadt in der römischen Provinz Moesia (Mösien). Diese Provinz umfasste das heutige Nordwestbulgarien und Serbien. In den folgenden Jahrhunderten wechselten sich verschiedene Herrscher ab, darunter Osmanen und bulgarische Zaren. Der sozialistischen Zeit im 20. Jahrhundert folgte ab 1990 die Zugehörigkeit zur demokratischen Republik Bulgarien. Über die Festung Bononia ist die Stadt seit 2012 mittelbare Namensgeberin für die Bononia Cove, eine Bucht von Nelson Island in der Antarktis.

Geografie mini|Widin in Bulgarien. Nachbarorte: Lom, Montana, Calafat, Negotin, Zaječar, Craiova, Turnu Severin

Widin liegt an der Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien am rechten Ufer der Donau und besaß bis 2013 mit der zwei Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums gelegenen Fährverbindung Widin-Calafat einen wichtigen Grenzübergang zu Rumänien. Etwas weiter außerhalb wurde die zweite Donaubrücke (Donaubrücke 2), nach der Freundschaftsbrücke in Russe, zwischen beiden Ländern errichtet. Der Bau begann im Frühjahr 2008 und wurde im Juni 2013 eröffnet. auf www.tagesschau.de, abgerufen am 14. September 2013

Zur Hauptstadt Sofia gibt es eine Fernverkehrsstraße und eine direkte Bahnlinie.

Die Stadt ist halbkreisförmig angelegt und zur Donau ausgerichtet. Es gibt drei Häfen: Widin-Nord (Donaukilometer 793,500 bis 793,800), Widin-Zentrum (Passagierterminal) (Donaukilometer 789,900 bis 791,300), Widin-Süd (Donaukilometer 785 bis 785,200).

Der Hafen in Widin ist ein Freihafen.

Geschichte Stadtname Die Byzantiner nannten die Stadt Widini, die Bulgaren Badin (bulg. Бъдин) oder Bdin (), die Slawen Pidin, die Magyaren Budin. In einem römischen Reiseführer wird auch der Name Ad Malum verwendet, was feste oder gute Festung bedeutet. Auf geografischen Karten des 15. und 16. Jahrhunderts sind die Namen Widin, Pidin, Bidin, Bodin, Bodony, Kiradenum oder auch Bischiteri zu finden.

Erste Besiedlungen ab der Steinzeit Eine Siedlung vom Ende der Steinzeit und aus der Kupferzeit (5000–3000 v. Chr.) wurde 1,5 km nordwestlich von Widin entdeckt, in der Nähe der ehemaligen Keramikfabrik „Katjuscha“.

Am Ufer der Donau lebte der thrakische Stamm der Moesi. Funde aus der thrakischen Zeit wurden in Widin in einer Tiefe von 5 bis 6 Meter in der Altstadt (Stadtviertel Kaleto – das zentrale Stadtviertel von Widin) gemacht. Diese Funde datieren aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Die Thraker lebten während der Bronze- und Eisenzeit in der Region. Ihre Siedlung lag am höchsten Punkt der heutigen Stadt, am Ufer der Donau.

Der Feldzug des makedonischen Königs Philipp II. (um 382–336 v. Chr.) gegen die Moesi war erfolglos, er erlitt eine Niederlage. Sein Sohn Alexander der Große hatte jedoch mehr Erfolg und machte sich die Donauregion untertan.

Erste urkundliche Erwähnung als Dunonia und Eroberung durch die Römer Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., als das Gebiet im Besitz der Kelten und Thraker war.Von Passau bis zum Schwarzen Meer. Donau, Reiseführer.JPM Guides 077; Ausgabe 2013, Seite 83 Zu dieser Zeit trug die Siedlung den Namen Dunonia, was „hoher und befestigter Platz“ bedeutet. An dieser Stelle entstand später, im 1. Jahrhundert n. Chr., die römische Befestigung und die Stadt Bononia. Die Römer haben offensichtlich den keltischen Namen der Siedlung nur modifiziert. Bereits damals gab es eine Festung aus solidem Stein. Die Stadt gehörte nacheinander zu den römischen Provinzen Moesia, Moesia superior, (Obermösien) und Dacia ripensis.

Die Römer eroberten die thrakischen Gebiete nördlich des Balkangebirges bis zur Donau um die Zeitenwende. Ab der Mitte des 1. Jahrhunderts begann der Bau des Donaulimes und der Aufbau einer Donauflotte.

Aus strategischen Gründen wurde die Provinz Moesia im Jahre 86 in die Provinzen Moesia superior und Moesia inferior (Niedermösien) aufgeteilt. Ein Wendepunkt für die Römer war der siegreiche Abschluss der Dakerkriege im 2. Jahrhundert. Damit verschob sich die Grenze des Römischen Reiches weiter nach Norden, jenseits der Donau und von dieser weg. Eine relativ stabile Periode dauerte bis zum 3. Jahrhundert, als die Einfälle der Hunnen und Awaren begannen. Rom konnte die Gebiete nördlich der Donau nicht halten und unter Kaiser Aurelian verloren die Römer im Jahre 272 die Macht über Dakien. Die Grenze des Römischen Reiches verschob sich wieder nach Süden bis zur Donau. Unter Kaiser Diokletian (Herrschaftszeit 284–305) wurden verschiedene militärisch-administrative Reformen durchgeführt. Eine der neu gebildeten Provinzen war Dacia ripensis mit der Hauptstadt Ratiaria in der Region Widin. Die Provinz war großangelegt. Nach Norden reichte sie bis zur Donau, wobei sie auch die Gebiete um die Stadt Drobeta Turnu Severin umfasste, nach Süden reichte die Provinz bis zum Balkangebirge, im Westen wurde sie von der Wasserscheide der Flüsse Timok und March begrenzt und im Osten vom Fluss Vit (lat. Utus). In der Provinz Dacia ripensis wurden zahlreiche Truppen stationiert und die römische Donauflotte (Classis Pannonica) wurde reorganisiert. Nach der Notitia dignitatum wurden die Festungen Bononia und Dorticum (bei dem Dorf Wraw, bulg. Връв) zu ständigen Militärlagern umfunktioniert und mit Kavallerie ausgestattet. Die Maßnahmen zum Schutz des Donaugebietes zeigten gewisse Erfolge. Die Region Widin wurde zu einer der Kornkammern des Imperiums.

In der Spätantike (4. bis 6. Jahrhundert) drangen viele Stämme über die Donau in die römische Provinz ein. Einfälle der Goten erschütterten in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts das Byzantinische Reich. An den Einfällen waren auch die Slawen beteiligt, die sich später südlich der Donau niederließen. Der Versuch von Kaiser Justinian I. (527–565), sie aufzuhalten, indem er die zerstörten Festungen entlang der Grenze wieder aufbauen ließ, waren erfolglos. Die Awaren verwüsteten 586/587 die Provinz Dacia ripensis und zerstörten viele Festungen. Darunter befanden sich auch die Festungen Ratiaria und Bononia.

Frühes Mittelalter: Widin als Teil des Ersten Bulgarischen Reichs Bis zum 11. Jahrhundert hieß die Stadt Badin und danach Bdin (). Der erste bekannte Herrscher von Bdin war Glad. Er hatte den Titel eines Tarchan oder Comes. Er war protobulgarischen Ursprungs und beherrschte ein großes Gebiet zu beiden Seiten der Donau, bis zum Fluss Muresch (heute in Ungarn und Rumänien) hinauf. Er lebte Anfang des 10. Jahrhunderts und wurde im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Bulgaren und den Ungarn im Zeitraum 903–907 erwähnt. In der anonymen Chronik „Die Taten der Ungarn“ werden militärische Zusammenstöße von Glad mit den Ungarn beschrieben. Aus der Chronik geht hervor, dass Glad alleine mit seinen Truppen kämpfte, ohne eine Unterstützung der Zentralmacht, und dass er bevollmächtigt war, selbständig Friedensverträge abzuschließen.

Bevor Samuil Zar der Bulgaren wurde, war er sehr wahrscheinlich Herrscher der Region Bdin, wofür die folgende Indizien sprechen: Bei der Flucht von Boris II. und Roman, den Söhnen von Peter I., aus Konstantinopel nach Bulgarien im Jahre 976 wurde Zar Boris II. an der Grenze zu Bulgarien erschlagen, da er byzantinische Kleidung trug und nicht erkannt wurde, während sich Roman nach Widin retten konnte. Zu dieser Zeit waren die vier Söhne von Comes Nikola die Herrscher Bulgariens. Jeder von ihnen regierte einen Teil Bulgariens (Erstes Bulgarisches Reich). Die Brüder Mojsej und Dawid herrschten im Süden und Südwesten. Aron herrschte in der Region um Sofia. Folglich ist es sehr wahrscheinlich, dass Samuil in Widin herrschte und dass Roman Schutz bei den Söhnen von Nikola gesucht hat.

Nach Angaben eines byzantinischen Chronisten war Samuil der Herrscher über die Region Widin.

Es lässt sich nicht sagen, was geschah, nachdem Roman Widin erreichte. Nach einer gewissen Zeit wurde Samuil Zar der Bulgaren. Er unterhielt gute diplomatische Beziehungen zum ungarischen Königreich. Sein Sohn Gawril Radomir wurde mit der Tochter des ungarischen Königs Géza verheiratet.

Im Jahr 1003 wurde Widin acht Monate durch die Truppen des byzantinischen Kaisers Basileios II. belagert und dann eingenommen. Die Verteidigung wurde von Gawril Radomir geleitet, dem Sohn von Samuil. Diese Ereignisse wurden von dem byzantinischen Chronisten Johannes Skylitzes beschrieben. Die Bewohner verteidigten sich gegen das Griechische Feuer, eine gefürchtete Brandwaffe, indem sie es in Tongefäßen auffingen und somit die Ausbreitung verhinderten. Auch danach wurde Widin noch mehrmals eingenommen.

13. Jahrhundert: Widin wird Teil des Zweiten Bulgarischen Reichs Im Jahr 1213 brach in Widin ein Aufstand gegen Zar Boril aus. Mit Hilfe des ungarischen Königs Andreas II., der seinen Župan Joakim schickte, wurde der Aufstand niedergeschlagen.

In den 1230er Jahren suchte der russische Fürst Jakow Swetoslaw (gest. 1275) in Widin Zuflucht, nachdem er vor den Angriffen der Mongolen bzw. Tataren auf die russischen Fürstentumer fliehen musste. Als bulgarischer Boljarin erlangte er eine hohe Stellung in der bulgarischen Gesellschaft. 1258/1259 heiratete er die Enkelin von Iwan Assen II. (die Tochter des byzantinischen Kaisers Theodor II Dukas Laskaris und Elena Assenina von Bulgarien). Jakow Swetoslaw unterstützte den Zaren Konstantin Tich Assen in seinem Kampf gegen den Thronanwärter Mizo Assen. Für diese Unterstützung erhielt er den Titel Despot von Widin, was der zweithöchste Titel nach dem Zarentitel war. Später gelang es ihm, durch Lavieren in den diplomatischen Beziehungen mit den bulgarischen Zaren in Tarnowo und dem ungarischen Königreich zu einem der aussichtsreichsten Thronanwärter auf den bulgarischen Thron aufzusteigen. Er begann Kupfermünzen mit dem Bild des Heiligen Demetrios zu prägen, dem Beschützer des Hauses der Assenen. Wahrscheinlich wurde dieser Heilige schon damals in der Stadt Widin verehrt. Später errichteten die Bewohner ihm zu Ehren eine Kirche. Die Politik von Fürst Jakow Swetoslaw war so erfolgreich, dass er zur Bedrohung für Maria Palaiologa (Frau und Mitregentin von Konstantin Tich Assen, nach dessen Tod jedoch Regentin) wurde, die ihn dann um das Jahr 1276 vergiftete.

Von den Schischmaniden beherrscht mini|Das Königreich Widin und das Tarnower Bulgarenreich zur Zeit von Zar Iwan Alexander

Im 13. und 14. Jahrhundert war Widin die Hauptstadt des Hauses Schischman, einer der bulgarischen Boljarenfamilie und Zarendynastie des Mittelalters und einer Nebenlinie der Dynastie der Assenen. Sie herrschten nicht nur über das bulgarische Reich in Tarnowo, sondern konnten sich abspalten und das Königreich Widin gründen.

Die Dynastie der Schischmaniden stammte vom Boljaren Schischman I. ab, der als Despot die Region um Widin von 1280 bis 1312/1313 beherrschte. Er war mit der Enkelin des bulgarischen Zaren Iwan Assen II. verheiratet. Der Vater von Schischman war der Sebastokrator Petar, seine Mutter Anna-Teodora war die Tochter des bulgarischen Zaren Iwan Assen II. aus dem Hause Assen.