Die Beziehungen zwischen Japan und Deutschland sind traditionell freundschaftlich.Grußwort von Cornelia Pieper vom 16. Oktober 2010, abgerufen am 23. September 2020. Sie weisen eine wechselvolle Geschichte auf.Deutsch-japanische Beziehungen auf der Website der Botschaft Berlin, abgerufen am 23. September 2020.

Frühe Kontakte Die Wurzeln der japanisch-deutschen Beziehungen gehen zurück bis ins 17. Jahrhundert, als die ersten Deutschen im Dienste der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) nach Japan kamen. Den ersten größeren historischen Beitrag leistete der Leipziger Chirurg Caspar Schamberger (1623–1706), der ein nachhaltiges japanisches Interesse an westlicher Medizin auslöste. Der Arzt und Kaufmann Andreas Cleyer (1634–1698) lenkte durch zahlreiche Briefe und Materialsendungen das Interesse der europäischen Gelehrten auf die japanische Flora. Unterstützt wurde er hierbei durch George Meister (1653–1713). Mit dem Lemgoer Arzt Engelbert Kaempfer (1651–1716) erreichte die Erkundung des Inselreichs einen ersten Höhepunkt. In seinen Amoenitates Exoticae (1712) wie auch der posthum durch den Schweizer Johann Caspar Scheuchzer edierten History of Japan (1727) setzte er Maßstäbe für die wissenschaftliche Beschreibung Japans, an denen sich noch Philipp Franz von Siebold (1796–1866) orientierte. Während Kaempfers Werk das westliche Japanbild im Zeitalter der Aufklärung prägte, übten Siebolds Nippon, Archiv zur Beschreibung von Japan wie auch seine Werke zur Flora und Fauna des Archipels einen großen Einfluss auf die sich im 19. Jahrhundert entfaltende moderne Japanologie aus.

Es ist nicht klar, seit wann man in Japan um die Existenz Deutschlands wusste, doch erwähnte z. B. bereits der neokonfuzianische Gelehrte Arai Hakuseki (1657–1725) in seiner um 1715 verfassten Schrift Seiyō Kibun„Aufzeichnungen über die Westliche Welt“. ein großes europäisches Land „Zerumania, auf Niederländisch hōgodoichi oder doichi genannt“ (), von dem er in seinen Gesprächen mit dem gefangenen italienischen Missionar Giovanni Battista Sidotti erfahren hatte. Und da man in China und Japan schon im 17. Jahrhundert westliche Weltkarten in Neueditionen publizierte, dürften die geographisch-politischen Verhältnisse zumindest in interessierten Kreisen einigermaßen bekannt gewesen sein.

19. Jahrhundert mini|Empfang der japanischen Gesandtschaft bei Seiner Majestät König Wilhelm I. Diplomatische Ebene Die ersten offiziellen Beziehungen zwischen einem deutschen Staat und Japan kamen durch die preußische Mission des Grafen von Eulenburg zustande, die am 24. Januar 1861 zum Abschluss eines Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen den beiden Staaten führte. Den Abschluss eines solchen Vertrags hatte der Kaufmann Louis Kniffler, der 1859 mit seinem Handelshaus L. Kniffler & Co. das erste deutsche Unternehmen in Japan gegründet hatte, bei der preußischen Regierung angeregt, um die Bedingungen für preußische Unternehmen in dem damals noch weitgehend abgeschotteten Land zu verbessern. 1861 wurde Kniffler preußischer Vizekonsul von Nagasaki und damit der erste dauerhaft akkreditierte Konsularbeamte eines deutschen Staates in Japan. 1862 traf eine Gesandtschaft des Shogunats am preußischen Königshof Wilhelms I. ein und wurde mit einer glanzvollen Zeremonie in Berlin empfangen. Japan und Preußen waren seit dem Abschluss des Freundschaftsvertrages, der bis heute die Grundlage der deutsch-japanischen Freundschaft bildet, in gegenseitiger Wertschätzung verbunden. 1866 hatte der niederländische Diplomat Dirk de Graeff van Polsbroek die preußische Vertretung übernommen und meldete dem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck das Zustandekommen der Tarifkonvention und die Reisefreiheit japanischer Staatsbürger auch nach Preußen.Google Buchsuche: Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan 1854-1868, S. 208. Von Holmer Stahncke 1873 folgte die Iwakura-Mission in Deutschland, bei der eine japanische Gesandtschaft Deutschland bereiste und Elemente für die Modernisierung des japanischen Staates übernahm. Auch diese Gesandtschaft wurde von Wilhelm I. im Schloss empfangen und fast einen Monat aufwendig betreut.

Max von Brandt avancierte zum ersten diplomatischen Vertreter Preußens (und später des Deutschen Kaiserreiches) in Japan, zunächst Konsul, später Generalkonsul und mit Gründung des Deutschen Reiches Ministerresident. Sein Nachfolger Karl von Eisendecher wurde 1880 zum Gesandten erhoben, die deutsche diplomatische Vertretung in Japan damit zu einer Gesandtschaft, was als Anerkennung der Modernisierung Japans seit der Meiji-Restauration von 1868 zu verstehen ist.

mini|Albert Mosse, Kabinettsberater in Japan von 1886 bis 1890

Während der Meiji-Zeit (1868–1912) waren eine Reihe von Deutschen in Japan als Berater und Lehrer („Kontraktausländer“, o-yatoi gaikokujin) tätig. Die Bekanntesten unter ihnen sind die Juristen Albert Mosse (1846–1925) und Hermann Roesler (1834–1894), der Historiker Ludwig Riess (1861–1928), die Ärzte Benjamin Karl Leopold Müller (1822–1893), Theodor Eduard Hoffmann (1837–1894), Julius Scriba (1848–1905), Erwin Bälz (1849–1913), der Geologe Heinrich Edmund Naumann (1854–1927), der Mineraloge Curt Adolph Netto (1847–1909).

Militärische Ebene Der Militärberater Klemens Wilhelm Jacob Meckel (1842–1905) wurde 1885 von der japanischen Regierung eingeladen, als Berater des japanischen Generalstabs sowie als Lehrer an der Armeehochschule tätig zu werden und verbrachte drei Jahre in Japan. Er arbeitete eng zusammen mit Befehlshabern wie Katsura Tarō und Kawakami Sōroku und trug maßgeblich zur Modernisierung der japanischen Armee bei. In Japan hinterließ er eine treue Gruppe von Verehrern, die ihm nach seinem Tod eine Bronzestatue vor der Heereshochschule errichteten. In der Folge kam es zu einem regen Austausch vor allem von japanischer Seite, indem überwiegend Offiziere ihre militärische Ausbildung im Deutschen Kaiserreich absolvierten. Von allen ins Ausland delegierten stellten sie rund zwei Drittel. Laut einem Militärbericht der deutschen Gesandtschaft in Tokio aus dem Jahre 1902 befanden sich im Sommer dieses Jahres 42 japanische Offiziere in Europa, davon 28 in Deutschland. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg ihre Zahl auf mehr als 450.Rudolf Hartmann: Japanische Offiziere im Deutschen Kaiserreich. 1870–1914. In: Japonica Humboldtiana. 11, 2007, , S. 93–158, hu-berlin.de (PDF; 490 kB).

Kulturelle Ebene Auch auf anderen Feldern kam es zu einem regen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch. 1873 gründeten die Deutschen in Japan die Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), die noch heute existiert. Vorsitzende dieser Gesellschaft wurden zunächst die jeweiligen deutschen Botschafter in Tokio. 1913 wurde in Tokio durch deutsche Jesuiten die Sophia-Universität gegründet, noch heute eine bekannte Bildungsinstitution.

Japanische Verfassung Auch auf die Ausgestaltung der japanischen Verfassung von 1889 hatte Deutschland maßgeblichen Einfluss. Nach einem Besuch des Staatsmanns Itō Hirobumi in Deutschland, wo er mit den Verfassungsrechtlern Rudolf von Gneist und Lorenz von Stein über mögliche Formen einer Verfassung für Japan beriet, erhielt Japan die an der preußischen Verfassung orientierte Meiji-Verfassung, die 1889 verkündet wurde und 1890 in Kraft trat.

20. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg Mit den guten Beziehungen zwischen Deutschland und Japan war es jedoch bald vorbei. Als nach dem Vertrag von Shimonoseki Deutschland, vertreten durch seinen Botschafter Felix von Gutschmid, – zusammen mit Frankreich und Russland – in der sogenannten Triple-Intervention (auch „Intervention von Shimonoseki“) von Japan den Verzicht von territorialem Erwerb auf dem Festland forderte, kühlten sich die Beziehungen stark ab. Die Abkühlung wurde noch gesteigert durch die Propaganda Wilhelm II. von der „Gelben Gefahr“ (Gelbe Gefahr – die Angst einer heraufziehenden Bedrohung in Form eines modernisierten Japan im Bund mit dem bevölkerungsreichen China – den „asiatischen Massen“ oder „Horden“.) Deutlichster Ausdruck dieser vermuteten Bedrohung und der Vorbehalte in der internationalen Politik war die Hunnenrede des Kaisers sowie das sogenannte „Knackfuß-Gemälde“.

Eine schwere Belastungsprobe für die deutsch-japanischen Beziehungen stellte weiterhin der Doggerbank-Zwischenfall im Oktober 1904 dar, bei dem russische Kriegsschiffe während des Krieges mit Japan auf dem Weg in den Fernen Osten aufgrund eines Missverständnisses britische Fischerboote in der Nordsee beschossen. Dass die deutsche Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft mit ihren Transportschiffen Kohlen an die Russen lieferte, wurde von Japan als Bruch der Neutralität verstanden und führte zu einem schweren diplomatischen Konflikt zwischen den beiden Staaten.

Am 23. August 1914 erfolgte die Kriegserklärung Japans an Deutschland. Damit wollte Japan entsprechend der anglo-japanischen Allianz dem Vereinigten Königreich beistehen und seine Macht in Ostasien weiter festigen. Japan eroberte 1914 nach der Belagerung von Tsingtau die deutsche Kolonie Kiautschou sowie die Besitzungen auf den Karolinen, Marianen und Marshallinseln. Deutsche Kriegsgefangene blieben bis 1920 in Japan, einige beschlossen, auch danach ihr Leben in Japan zu verbringen. Im Vertrag von Versailles wurden Japan die deutschen Rechte über Tsingtau zugesprochen wie auch die übrigen deutschen Kolonien im Pazifik, nördlich des Äquators, als Treuhandmandat des Völkerbundes, also u. a. die Marianen-Inseln, die Marshall-Inseln (außer Guam) und die Karolinen-Inseln.

Zwischenkriegszeit mini|hochkant|Botschafter Wilhelm Solf, Restaurator der deutsch-japanischen Freundschaft Nach dem Krieg wurde 1920 Wilhelm Solf als Botschafter nach Japan entsandt und die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. In der Zwischenkriegszeit konzentrierten sich die deutsch-japanischen Beziehungen vor allem auf den kulturellen Bereich, es kam zum Abschluss eines Kulturabkommens und zur Gründung diverser kultureller Institutionen, wie das Japan-Institut (Berlin, 1926), das Japanisch-Deutsche Kulturinstitut (Tokio, 1927), und das Japanisch-Deutsche Forschungsinstitut (Kyoto, 1934).

In den 1930er Jahren wurden die deutsch-japanischen Beziehungen wieder enger, getrieben vom japanischen Militär, allen voran der Armee. Auf deutscher Seite bemühte sich vor allem Joachim von Ribbentrop um eine deutsch-japanische Annäherung – gerichtet gegen England. 1936 kam es zum Abschluss des Antikominternpakts, dem Italien ein Jahr später beitrat, später auch Spanien, Ungarn und weitere Staaten.

Seit dem Antikominternpakt von 1936 bestand zwischen Deutschland und Japan eine Allianz. Aber Deutschland und Japan waren sich nicht immer in allen Fragen der Politik einig und die Allianz hatte bis zum Ende (1945) kaum Wirkung, sondern blieb in erster Linie ein Propagandainstrument. Das Bündnis nahm im November 1936 mit dem Antikominternpakt und im September 1940 mit dem Abschluss des Dreimächtepaktes Gestalt an. Die Allianz hatte aber keine feste Grundlagen in gemeinsamen Interessen, sondern wurde vielmehr durch die Abwesenheit größerer Interessenkonflikte ermöglicht sowie in der gemeinsamen Feindstellung zu England und den USA. Beide Staaten betrieben vor allem eine Nichteinmischungspolitik in die Politik des Bündnispartners, aber es gab nur wenig Rücksichtnahme auf die übergeordneten Interessen der Allianz und ebenso wenig Raum blieb für die Berücksichtigung der Interessen des Bündnispartners. Daher kam es zu keiner wirklichen Kooperation in der Politik oder der Kriegführung nach Kriegsausbruch. Die Allianz zwischen Deutschland und Japan in den 1930er und 1940er Jahren ist daher auch „Allianz ohne Rückgrat“ genannt worden.

Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|Die japanische Botschaft in der Berliner Tiergartenstraße mit Hakenkreuzflagge, Flagge des Kaiserreichs Japan und Italien (September 1940), Aufnahme aus dem Bundesarchiv