mini|Blick vom Landek auf Koblov mini|Siedlungshäuser in der Straße Antošovická mini|Straßenunterführung der unvollendeten Bahnstrecke Deutsch Krawarn-Annaberg bei Amerika mini|Bergarbeiterkolonie Amerika
Koblov (deutsch Koblau, polnisch Kobłów oder Koblów) ist ein Ortsteil der Stadt Ostrava (Ostrau) in der Mährisch-Schlesischen Region im Osten der Tschechischen Republik. Er liegt fünf Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Ostrava am linken Oderufer und gehört zum Stadtbezirk Slezská Ostrava.
Geografie Das Waldhufendorf Koblov befindet sich am Übergang von der Vítkovská vrchovina (Wigstadtler Berge) zum Ostrauer Becken. Die Straße Antošovická führt nordwärts erst durch die Kolonie Amerika und dann nach Antošovice (Antoschowitz). Im Westen führt eine Straße nach Petřkovice (Petershofen). Östlich und südlich des Dorfes fließt die Oder. Im Süden erhebt sich der Landek (Landecke; 280 m. n.m.), gegenüber dem die Ostravice (Ostrawitza) in die Oder mündet. Nördlich von Koblov verläuft die Trasse der unvollendeten Bahnstrecke Kravaře ve Slezsku–Chałupki, dahinter erstreckt sich der Černý les (Schwarzwald). Im nordöstlichen Teil der Gemarkung liegen in den Oderauen drei größere Baggerseen: der Koblov, der Antošovické jezero und der Mžíkovec. Südlich – am rechten Oderufer – führt die Autobahn D 1 an Koblov vorbei; sie überquert bei Vrbice (Wirbitz) auf einer Schrägseilbrücke den Fluss und den Antošovické jezero, umfährt Koblov-Vrbina (Tabulki) und Antošovice, im nördlichsten Zipfel der Gemarkung Koblov quert die Autobahn erneut die Oder in Richtung Starý Bohumín (Oderberg Stadt).
Nachbarorte sind Šilheřovice (Schillersdorf), Annin Dvůr (Annahof), Rakowiec, Chałupki (Annaberg), Paseky (Passek) und Antošovice im Norden, Pudlov (Pudlau) und Vrbice im Nordosten, Rychvald (Reichwaldau) und Heřmanice (Herzmanitz) im Osten, Hrušov (Hruschau) im Südosten, Přívoz (Oderfurt) im Süden, Lhotka (Ellguth-Hultschin) im Südwesten, Petřkovice im Westen sowie Ludgeřovice (Ludgerstal) und Markvartovice (Markersdorf) im Nordwesten.
Geschichte Archäologische Funde belegen eine frühzeitliche Besiedlung der Gegend. Auf dem Hügel Landek befand sich eine Siedlungsstätte von Mammutjägern des Gravettien. In den Feuerstätten wurden Kohlenreste entdeckt, die aus dem Flözausbiss unterhalb des Hügels stammen. Als bedeutendster Fund gilt die Landeker Venus, außerdem wurde in den Anschwemmungen der Oder ein Schwert aus der Zeit der Urnenfelderkultur gefunden. Am Fuße des Hügels verlief eine Trasse der Bernsteinstraße. Im 8. Jahrhundert entstand eine slawische Burgstätte und in der Mitte des 13. Jahrhunderts ließ Markgraf Ottokar II. Přemysl die mährische Grenzburg Landek anlegen. Es wird angenommen, dass Koblov kurz nach der Errichtung der Burg, spätestens aber um 1300, an der eines herrschaftlichen Pferdehofes als Suburbium gegründet wurde.
Die erste schriftliche Erwähnung von Kobelau erfolgte im Jahre 1377Zakládání sídel hlucinskavlastiveda.cz im Zuge der Teilung des Herzogtums Troppau. Das Dorf war zu dieser Zeit ein Lehen des Kastellans von Landek und verblieb beim Troppauer Anteil, der den Brüdern Herzog Wenzel I. und Přemysl I. zugefallen war. Nachdem die Burg Landek 1474 im Ungarisch-böhmischen Krieg von Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus erobert und schwer beschädigt worden war, wurde der Herrschaftssitz auf das Schloss Hultschin verlegt. Im Jahre 1492 verpfändete der böhmische König Ladislaus Jagiello das Gut zusammen mit der Herrschaft Hultschin und Burgruine Landek an den Teschener Herzog Kasimir II. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ließ der Troppauer Herzog Sigismund die zum Räubernest verkommene Burgruine stürmen und die Burgmauern schleifen. Nachfolgende Besitzer waren die Herren von Zwole und ab 1542 die Freiherren von Würben und Freudenthal. Karl von Würben vereinigte 1567 die Güter Haatsch, Schilgersdorf, Kobillau und Groß Darkowitz zur Herrschaft Schilgersdorf. Im Jahre 1609 wurde die Herrschaft mit den zugehörigen Gütern an Bohunka Stosch von Kaunitz veräußert. Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte die Herrschaft an Gräfin Barbara Perpetua von Ursenberg, die sie 1674 dem Troppauer Jesuitenkolleg verkaufte.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Koblau 1742 wie fast ganz Schlesien an Preußen. Die neue Grenze wurde entlang der Oder gezogen; die Gegend rechtsseitig des Flusses verblieb bei der k.k. Monarchie, wobei bei der Landstrich östlich von Koblau zu Österreichisch-Schlesien und der oberhalb der Mündung der Ostrawitza zu Mähren gehörte. 1743 wurde Koblau dem neugebildeten Kreis Leobschütz zugeordnet. Das Gut blieb zunächst weiterhin im Besitz der Jesuiten, wurde jedoch unter die Verwaltung des nun ebenfalls in Preußen liegenden Neisser Jesuitenkollegs gestellt. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde die Herrschaft Schillersdorf mit den zugehörigen Gütern von der königlich-preußischen Kammer verwaltet. Sie verkaufte die Herrschaft 1787 an Karl von Larisch, der sie im gleichen Jahr an Johann Friedrich von Eichendorff veräußerte.
Nachdem der Markscheider Scholze 1781 durch den Flözausbiss an den Hängen der Landecke eine Steinkohlenlagerstätte erkannt hatte, wurde im Jahr zunächst auf Petrzkowitzer Flur unter primitiven Verhältnissen mit deren Abbau begonnen. Im Jahre 1783 hatte Koblau 233 Einwohner. 1795 erhielt das Dorf eine eigene Schule, die bis 1821 auch die Kinder aus Petrzkowitz besuchten. Nach der Entdeckung eines Kohleflözes an der Ostseite der Landecke ließ der Besitzer der Herrschaft Schillersdorf Johann Friedrich von Eichendorff im Jahre 1803 dort die Grube „Nanette“ eröffnen. Am 19. Februar 1805 erfolgte die Verleihung der Abbaurechte auf den Flözen „Philippine“, „Johannes“ und „Clementine“ an von Eichendorff. Im Zuge der Kreisreform vom 1. Januar 1818 wurde Koblau dem Kreis Ratibor zugewiesen. 1819 erbte Johann Friedrich von Eichendorffs Witwe Maria Anna, geborene von Hoverden, die Herrschaft Schillersdorf und die Schillersdorfer Gruben in Koblau. In den Jahren 1820–1821 wurde das alte Schulhaus abgebrochen und an seiner Stelle ein Schulneubau errichtet. 1825 standen in Koblau bzw. Koblow 79 Häuser; das Dorf hatte 329 katholische Einwohner. Im Ort bestanden eine katholische Schule, eine Sägemühle und eine dreigängige Wassermühle. Außerdem gab es zwei, im Eigentum der Gemeinden Petrzkowitz und Koblau stehende Sandsteinbrüche. Grundherr war die Freiherrin von Eichendorff. Das Dorf war nach Hultschin eingepfarrt.Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Graß, Barth und Comp., Breslau 1830, S. 341 Im Jahre 1830 vermachte Maria Anna von Eichendorff die Schillersdorfer Gruben ihrem Neffen Emanuel von Hoverden. Der Abbau in der Grubenfeldern „Philippine“ und „Clementine“ wurde im selben Jahr eingestellt und diese mit der Grube „Johannes“ vereinigt. 1834 wurde der Bau eines neuen Schulhauses bewilligt, im selben Jahre erfolgte der Verkauf des alten hölzernen Schulgebäudes. 1835 erwarb Franz Hubert Stücker von Weyershof die Herrschaft einschließlich der Schillersdorfer Gruben. Stücker erhielt im selben Jahr die Abbaurechte für das Flöz „Rosalie“ und ließ zur Lösung der Schillersdorfer Gruben den „Hubert-Erbstollen“ anlegen. 1842 wurde ihm das nach seiner Mutter benannte Grubenfeld „Euphemiens Hoffnung“ und zwei Jahre später noch die Grube „Carolina Anna“ verliehen. Am 5. Dezember 1844 verkaufte Stücker zusammen mit der Grundherrschaft auch die Schillersdorfer Gruben an Salomon Meyer von Rothschild, der sie mit seinen Hultschiner Gruben vereinigte. Im Gegensatz zu diesen war der Bergbau der Schillersdorfer Gruben weniger intensiv; insgesamt wurden sieben Bergwerke mit fünf Hauptstollen betrieben.
Im Jahre 1840 bestand Koblau, auch Kobelau an der Oder bzw. Koblów genannt, aus 86 Häusern. In dem Dorf mit 549 Einwohnern, darunter vier Juden, gab es eine katholische Schule, eine viergängige Wassermühle, eine Sägemühle und ein Wirtshaus. Eine siebengängige Wassermühle an der Oder war im Bau begriffen. Die gewerkschaftliche Steinkohlengrube „Johannes Philippine“ förderte im Jahr 220 t Kohle. Außerdem bestanden noch die Grube „Nanette“ und der dicht an der Oder gelegene und mit einer 24 PS starken Dampfmaschine ausgestattete „Hubert-Stollen“.Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, nebst beigefügter Eintheilung des Landes nach den Bezirken der drei Königlichen Regierungen, den darin enthaltenen Fürstenthümern und Kreisen, mit Angabe des Flächeninhaltes, der mittleren Erhebung über der Meeresfläche, der Bewohner, Gebäude, des Viehstandes u.s.w. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 293 Pfarrort war nunmehr Ludgierzowitz, wobei die Bewohner eher die Hl. Messe in Hruschau besuchten. 1852 erfolgte zwischen der Gemeinde Koblau und der Herrschaft Schillersdorf – als Besitzer der Oderfähre – eine vertragliche Vereinbarung, wonach die Bewohner von Koblau vom tariflichen Fährentgelt freigestellt wurden, und stattdessen jeder Bauer jährlich vier Metzen Korn, die Gärtner und Häusler 60 Pfennige sowie die Inlieger 50 Pfennige an den Fährpächter zu entrichten hatten. Dies führte mehrmals zu Streitigkeiten, wenn die Fährpächter Entgelte bei außergewöhnlichen Transporten erhoben.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in Koblau ein reges Baugeschehen ein, wobei neben Häuslerstellen zunehmend auch Einliegerstellen für Beschäftigte der Kohlen- und Industriewerke geschaffen wurden. Die Felder der Koblauer Bergwerke wurden 1860 der Grube „Anselm“ bei Petrzkowitz zugeschlagen. Im Jahre 1861 bestand die Gemeinde Koblau bzw. Koblovo aus 14 Bauernhöfen, drei Halbbauern, vier Gärtnern und 31 Häuslern sowie der Odermühle. Koblau hatte 690 Einwohner, die insgesamt 1342 Morgen Land, davon 1222 Morgen Acker und 100 Morgen Gärten bewirtschafteten. In der Schule wurden 119 Kinder unterrichtet. Nach Hruschau verkehrte eine Oderfähre. Ein Teil der Bewohner arbeitete in den österreichischen Kohlengruben.Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien; Breslau 1864; Erste Hälfte, S. 710. Die an der Oder liegenden Felder hinter der Mühle und in der Flur Chmeliska wurden oftmals bei Hochwasser überflutet. 1868 gab es Pläne die Gemeinde und Feldmark Antoschowitz nach Koblau einzugliedern, was jedoch nicht realisiert wurde.