Das Steinkohlenwerk Freital war ein volkseigener Bergbaubetrieb auf Steinkohle mit Sitz in Freital in Sachsen. Er übernahm am 18. September 1945 die beiden noch in Förderung stehenden Schächte im Revier links der Weißeritz, die bislang zur Aktiengesellschaft Sächsische Werke gehört hatten. Bis zur völligen Erschöpfung der Vorräte baute das Werk bis 1959 im Revier links der Weißeritz und bis 1967 im Revier rechts der Weißeritz die letzten zur Energieerzeugung nutzbaren Steinkohlen im Döhlener Becken ab. Zum 1. Januar 1968 wurde der Betrieb an die SDAG Wismut übertragen.

Geschichte Am 18. September 1945 fasste die sächsische Regierung den Beschluss, die beiden noch fördernden Schächte der Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) im Revier links der Weißeritz unter der Bezeichnung „Steinkohlenwerk Freital“ in Landeseigentum zu überführen. Am 6. Januar 1946 wurde die Sächsische Steinkohlenwerke GmbH gegründet. Am 1. Juli 1946 wurde die Industrieverwaltung I, Steinkohle Zwickau gegründet, die die Aufgaben der Sächsische Steinkohlenwerke GmbH übernahm. Das Steinkohlenwerk Freital wurde als Zweigbetrieb geführt. Am 1. November 1946 übernahm das Steinkohlenwerk Freital das seit August 1945 in Betrieb befindliche Untere Revier. Im Januar 1947 wurde mit dem SMAD Befehl 323 die Industrieverwaltung I in die Direktion der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen, Verwaltung Zwickau umgewandelt. Schon am 18. April erfolgte auf Grund eines Beschlusses der Landesregierung Sachsen erneut eine Umwandlung in die Verwaltung der Kohlenindustrie Sachsen mit Sitz in Borna. Die Verwaltung der Steinkohlenwerke hatte ihren Sitz in Zwickau. Am 1. Juli 1948 erfolgte die Bildung der VVB (Z) Steinkohle Zwickau. Im Zuge dieser Gründung wurde der VEB Steinkohlenwerk Freital gegründet und der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) zugeordnet.

In den ersten 10 Jahren stand man vor der schweren Aufgabe, die schlechte Versorgung mit Kohle zu verbessern. Zur Verfügung standen nur noch Rest- und Splitterflächen im gesamten Döhlener Becken. Die Suche in der Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde wurde 1947 mit negativen Ergebnis eingestellt. 1952 wurde der Betrieb im Feldesteil Niederhermsdorf wegen Erschöpfung der Vorräte eingestellt. Im Unteren Revier, das zwischen 1947 und 1949 an die Wismut AG verpachtet war, wurde 1953 der Bergbau wegen Erschöpfung der Vorräte eingestellt. Um im Revier der Burgker Werke verbliebene Restkohlepfeiler abzubauen, wurde im Jahr 1950 in Gittersee mit der Teufe von 2 neuen Schächten begonnen. Zwischen 1952 und 1955 übernahm die Wismut AG das Revier. Im Jahr 1956 übernahm der VEB Steinkohlenwerk Freital die Reviere Heidenschanze und Gittersee von der SDAG Wismut. Am 28. August 1958 wurde das Werk in VEB Steinkohlenwerk „Willi Agatz“ umbenannt. Im Jahr 1959 wurde der Königin-Carola-Schacht (Paul-Berndt-Grube) in Döhlen und der Oppelschacht 3 (Arthur-Teuchert-Schacht) in Zauckerode wegen Erschöpfung der Vorräte stillgelegt. Nachdem 1957 mit der Aufwältigung des Marienschachtes im Marienschachtfeld begonnen wurde, konnte 1960 die erste Kohle geliefert werden. 1962 wurden die letzten Baue in den Terrassen des Roten Ochsen, die teilweise zum Baufeld Heidenschanze gerechnet wurden abgeworfen. Ab dem 1. April 1963 wurde neben Energie- auch Erzkohle im Rahmen eines Vertrages mit der SDAG Wismut gewonnen. Am 11. November 1967 wurde der Abbau von Energiekohlen wegen Erschöpfung der Vorräte endgültig eingestellt. Am 1. Januar übernahm die SDAG Wismut alle Anlagen und förderte unter der Bezeichnung Bergbaubetrieb „Willi Agatz“ bis 1989 Erzkohle in den Revieren Gittersee und Bannewitz.

Schächte, Schürfe, und Tagesstrecken Revier RevierinterneNummer Rasensohle m NN angeschlagene Sohlen Gesamtteufein m Lage Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde Schurfschacht 1 +207,60 1. 12,50 Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde Schurf 2 (Stolln) +196,00 Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde Schurfschacht 3 +244,00 1. 9,10 Niederhermsdorf Lichtloch 21 +233,40 Tiefer Weißeritzstolln 78,54 Niederhermsdorf Georgschacht (Wetterschacht) +234,61 Tiefer Weißeritzstolln 74,60 Zauckerode Oppelschacht 1(Blindschacht) +109,52 Tiefer Elbstolln2., 3., 5. 137,57 Zauckerode Oppelschacht 2(Wetterschacht) +190,43 Tiefer Elbstolln 84,40 Zauckerode Oppelschacht 3(Arthur-Teuchert-Schacht) +188,76 Tiefer Weißeritzstolln1. 105,00 Döhlen Königin-Carola-Schacht 1(Paul-Berndt-Grube) +213,86 6., 8., 10., 13. 414,80 Döhlen Königin-Carola-Schacht 2 +213,86 167,98 Döhlen Königin-Carola-Schacht 3(Wetterschacht) +213,86 80,00 Döhlen Mehnerschacht(Wetterschacht) +178,76 36,80 Unteres Revier Schacht 1 +190,60 Burgker Weißeritzstolln 26,20 Unteres Revier Schacht 2 +179,42 1. 90,80 Unteres Revier Schacht 3 +210,80 18,40 Unteres Revier Schacht 4 +164,31 6,89 Unteres Revier Bremsberg 203 +206,03 60,00 Unteres Revier Tagesstrecke 211 +192,80 2,90 Unteres Revier Tagesstrecke Unteres Revier +190,00 Unteres Revier Tagesstrecke Oberes Revier +192,00 Heidenschanze Schacht 4 +183,35 5 ½., 7. 192,30 Heidenschanze Schacht 8 +200,38 4., 5., 7., 8., 9. 269,34 Heidenschanze Schurf 60 +187,02 2. 43,30 Heidenschanze Wetterschurf +199,75 2. 45,47 Heidenschanze Fallort 300 +181,42 4. 55,87 Heidenschanze Fallort 350 +192,60 2. 45,00 Gittersee Schacht 1 +273,28 1., 2., 3. 545,90 Gittersee Schacht 2 +273,38 1., 2. 231,60 Gittersee Schacht 3 +250,74 1., 2. 165,72 Gittersee Schacht 5(Tagesstrecke) +215,30 54,60 Gittersee Meiselschacht(Blindschacht) +88,40 1. 183,60 Bannewitz Marienschacht +307,80 1., 3. 550,50

Technische Ausstattung und Haldenwirtschaft Schächte und Fördermaschinen Die Schachtkonstruktionen der zwischen 1945 und 1953 geteuften Schächte waren einfache Holzfördergerüste. Das betraf im Unteren Revier die Schächte 1 und 2, im Revier Heidenschanze die Schächte 4 und 8 sowie den Schurf 60, im Revier Gittersee den Schacht 3 und im Revier Döhlen den Oppelschacht 3. Über die eingesetzten Fördermaschinen ist nichts bekannt.

mini|Trommelfördermaschine Marienschacht Das Lichtloch 21 hatte einen Förderturm in Gemischtbauweise aus Holz- und Eisenteilen. Die Fördermaschine stammte vom 1934 stillgelegten Blindschacht im Feld des Königin-Carola-Schachtes. Es war eine Trommelfördermaschine mit einem Trommeldurchmesser von 2500 mm. Gefördert wurde mit einem doppeletagigen Fördergestell mit je einem Hunt auf der Etage.

Der Königin-Carola-Schacht I hatte ein gemauertes Schachtgebäude. Als Fördermaschine stand die von der Wilhelmshütte Sprottau 1874 gelieferten Dampffördermaschine in Reserve. Der Schacht II wurde 1914 umgebaut und erhielt ein Strebgerüst und wurde mit einer Trommelfördermaschine mit einem Trommeldurchmesser von 4000 mm ausgerüstet. Nach dem Schachtbruch im Jahr 1938 wurde mit der Maschine die Förderung im Schacht I betrieben. Gefördert wurde mit doppeletagigen Fördergestellen mit je einem Hunt auf der Etage.

mini|hochkant|Teufenanzeiger Marienschacht Der Schacht 1 in Gittersee hatte ein Strebgerüst gebaut vom VEB Stahl- und Brückenbau Ruhland und förderte mit einer Trommelfördermaschine des VEB Nobas Nordhausen mit einem Trommeldurchmesser von 3000 mm. Gefördert wurde mit doppeletagigen Fördergestellen mit je einem Hunt auf der Etage. 1958 wurde der Schacht komplett umgebaut. Er erhielt ein Vollwandgerüst des VEB Stahlbau Plauen und eine Trommelfördermaschine des VEB Nobas Nordhausen mit einem Trommeldurchmesser von 4150 mm. Gefördert wurde mit vieretagigen Fördergestellen mit je einem Hunt auf der Etage.

Der Schacht 2 in Gittersee hatte ein Strebgerüst gebaut vom VEB Stahl- und Brückenbau Ruhland und förderte mit einer Trommelfördermaschine des VEB Nobas Nordhausen mit einer Trommeldurchmesser von 3000 mm. Gefördert wurde mit doppeletagigen Fördergestellen mit je einem Hunt auf der Etage.

Der Schacht 3 in Freital-Burgk hatte ein Holzfördergerüst und förderte mit einer Trommelfördermaschine FW 13 mit einem Trommeldurchmesser von 1340 mm. Gefördert wurde mit einetagigen Fördergestellen mit einem Hunt auf der Etage. 1965 wurde der Schacht rekonstruiert und erhielt ein Strebgerüst.

Der ab 1886 geteufte Marienschacht hat den letzten in Deutschland errichteten Malakow-Turm als Schachtgebäude. Nach der Stilllegung des Schachtes im Jahr 1930 wurden alle Anlagen ausgebaut. Mit der 1957 begonnenen Aufwältigung wurde der Schacht mit der Fördermaschine des Schachtes 1 Gittersee ausgerüstet. Gefördert wurde mit einetagigen Fördergestellen mit einem Hunt auf der Etage. Im Nordtrum des Schachtes war die Containerförderung eingerichtet.

Horizontale Fördermittel Im Lichtloch 21 im Revier Niederhermsdorf wurde ab Mai 1943 auf der 2. Hauptstrecke eine Akkulok eingesetzt. Es war die erste Akkulok im Döhlener Revier. Geliefert wurde sie von Siemens & Schuckert. Die Spurweite betrug 560 mm. Die Batteriespannung betrug 60 V und die Stundenleistung 4,5 kW. Sie wog mit Akku 2,6 t und erreichte eine Geschwindigkeit von 4,7 km/h. Sie war nicht Schlagwetter geschützt. Die Streckenlänge betrug 400 m.

Im Revier Zauckerode, im Oppelschacht 3 wurde ab 1952 die Akkulok vom Lichtloch 21 auf der V. Hauptstrecke eingesetzt. Neben dieser Lok kam auch eine EGS Karlik zum Einsatz. Die Streckenlänge betrug 720 m.

Im Revier Zauckerode kamen ab 1915 Oberleitungsloks von Siemens & Schuckert zum Einsatz. Bis 1933 wurden 8 Loks gekauft. Diese waren 1945 noch alle im Einsatz. In den nächsten Jahren wurden 5 Loks abgegeben. 1959 waren nur noch eine Lok des Baujahres 1915 und die Loks der Baujahre 1925 und 1928 vorhanden. Zum Einsatz kamen sie nur auf der XIII. Hauptstrecke auf einer Länge von ca. 2000 m. Die Leistung der ersten 5 Loks betrug 26 kW bei einer Spannung von 250 V. Die letzten 3 Loks verfügten über eine Leistung von 37 kW bei einer Spannung von 250 V. Die Spurweite aller Loks betrug 560 mm. Die Länge der Loks der Baujahre 1925 und 1928 betrug 4.320 mm und das Dienstgewicht 6,8 t. Neben dem Endführerstand verfügten diese Loks am anderen Ende über einen Mitfahrerplatz. Die Lok des Baujahres 1915 war mit einer Länge von 4.050 mm und einem Dienstgewicht von 5 t etwas kleiner. Sie besaß auch nur einen Endführerstand.

Im Unteren Revier kamen keine Loks zum Einsatz. Der Streckentransport wurde mit Hunten im Handbetrieb abgewickelt. Die Spurweite betrug 560 mm.

mini|BBA Metallist am Besucherbergwerk Markus Semmler in Bad Schlema Im Revier Heidenschanze fand vom Schacht 8 aus auf der 5. und der 7. Sohle Lokbetrieb statt. Eingesetzt wurden zwei Akkuloks EGS Karlik und eine Akkulok Metallist. Die Spurweite betrug 560 mm.

mini|LEW EL 9 des Steinkohlenwerkes Willi Agatz mit der Nr. 10851 im Schloss Burgk – Haus der Heimat Freital Im Revier Gittersee wurden ab 1955 auf der 1. und 2. Sohle 6 Akkuloks Metallist eingesetzt. Zum Einsatz kamen sie nur in den schlagwetterfreien Bereichen. Die Spurweite betrug im gesamten Grubenfeld 600 mm. In den Schlagwetterbereichen wurden 3 EGS Karlik eingesetzt. Im Verbindungsquerschlag 12 zum Marienschacht kamen ab 1961 die 3 Siemensloks vom Revier Döhlen zum Einsatz. Um einsatzfähig zu sein, wurden sie in der Werkstatt am Marienschacht einer Generalreparatur unterzogen und von 560 mm auf 600 mm umgespurt. Im gesamten Grubenfeld Gittersee/Bannewitz wurden ab 1963 fünf Akkuloks EL 9 der Baujahre 1956/57 aus dem Kombinat Espenhain eingesetzt. Sie konnten nur in schlagwetterfreien Bereichen eingesetzt werden. Um Akkuloks im gesamten Grubenfeld einsetzen zu können, wurden vier schlagwettergeschützte EL 9 gekauft. 1964 wurde die Nr. 10569 geliefert und im Querschlag 17 eingesetzt. Im Jahr 1965 wurden die Nummern 10851, 10852 und 10853 geliefert.