Johann Bartholomäus (Barthold) von Weyer (* um 1635/40 in Jülich; † 1708 in Düsseldorf) war ein römisch-katholischer Geistlicher. Er war einer der beiden Stifter der Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit in Derendorf.

Leben Johann Bartholomäus von Weyer war ein Sohn von Wilhelm von Weier d. J. (* um 1600/10; † 1653)Urkunden vom 27. Juni 1664, 30. Mai 1665, 27. Juni und 27. Dezember 1668; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Annuntiatinnen / Coelestinerinnen, Nr. 3–5). und ein Urenkel von Galenus Weyer.Alfons Alders: Vynen. Die „Königlichen“ Höfe. In: Studien zur Geschichte der Stadt Xanten 1228-1978. Rheinland-Verlag, Köln, 1978, S. 335–356, bes. S. 347 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Wilhelm von Weier konvertierte wie sein Landesherr Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Herzog von Jülich-Berg, zum Katholizismus und wurde um 1645/46 als Nachfolger seines gleichnamigen Vaters bis zu seinem Tod 1653 fürstlich pfalz-neuburgischer Schultheiß in Jülich.Anwartschaft auf die Nachfolge für den Sohn des Schultheißen zu Jülich, Weyer, 1645; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Jülich-Berg II, Nr. 50).Harald Goder: Die Kartause zum Vogelsang bei Jülich, Bd. II. (Analecta Cartusiana 162). Institut für Englische Sprache und Literatur, Salzburg 1970, S. 323 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Die Familie besaß ein von Galenus Weyer 1595 erworbenes Haus in der Düsseldorfer Flinger Straße.Vgl. „Flinger Straess … Wilhelm Weier“ in: Heinrich Ferber (Hrsg.): Das Landsteuerbuch Düsseldorf’s von 1632. W. Deiters, Düsseldorf 1881, S. 28 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Bartholomäus’ Mutter war Elisabeth Heistermann († 1658),Wolfgang Schindler: Geschichte und Stammfolge der Familie Heistermann (Heisterman von Ziehlberg). In: Westfälische Zeitschrift 158 (2008), S. 235–350, bes. S. 317. Tochter des fürstlich-neuburgischen Rates Lizentiat Theodor (Dietrich) Heistermann († 1627), Protonotar des jülichschen Hofgerichts in Düsseldorf, und der Helena Clunsch (Kleunsch) († nach 1632).Prozessakten, 1656–1661 (1592–1660); Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht, Nr. 2232 – Az. H 102/305).Vgl. „Aldt Stadt … Wittib Licentiati Heistermans“ in: Heinrich Ferber (Hrsg.): Das Landsteuerbuch Düsseldorf’s von 1632. W. Deiters, Düsseldorf 1881, S. 12; das Haus wurde bei der Pulver-Explosion 1634 stark beschädigt.

„Joh. Barthold de Weyer Juliac.“ immatrikulierte sich 1655 an der Alten Universität Köln. 1658 wurde er Kanoniker„Adm. R. D. (= Admirabilis Reverendissimus Dominus; Hochwürden) Joannes Bartholdus à Weier, Canonicus“; Theodorus Rhay SJ: Confusa confessio Trementium seu Quackerorum. Wilhelm Friessems, Köln 1666, S. 11 (Google-Book). der Pfarr- und Kollegiatkirche Beatae Mariae Virginis assumtae (St. Lambertus mit dem Titel St. Mariä Himmelfahrt) in Düsseldorf.Richard Pick: Miscellen 10. Zur Verehrung des h. Apollinaris in Düsseldorf. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 26/27 (1874), S. 414–416, bes. S. 415f. Das Ernennungspatent der brandenburgisch-klevischen Regierung für sein Düsseldorfer Kanonikat kaufte er für 600 Reichstaler von der Reformierten Gemeinde in Düsseldorf,August Franzen: Die Kölner Archidiakonate in vor- und nachtridentischer Zeit. (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 78/79). Aschendorff, Münster 1953, S. 356f. die erfolgreich Anspruch auf die Pfründe des Lorenz Bischof († 1658) erhoben hatte.Brandenburgische Stiftung der Gefälle eines Kanonikats an der Stiftskirche zu Düsseldorf für die Reformierte Gemeinde (und Schule) daselbst; Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland Düsseldorf/Moers (4KG 005 Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf, 198). Nach einem Schriftwechsel zwischen Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dem Kölner Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern, Pfalzgraf Philipp Wilhelm, Herzog von Jülich-Berg, dem VatikanBreve Alexanders VII. an den Herzog Philipp Wilhelm betreffend die durch Simonie erworbenen Kanonikalpräbende des Johann Berthold Weier vom 17. Juli 1660; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Stift, Urkunden, Nr. 405). und der Regierung in KleveAugust Franzen: Die Kölner Archidiakonate in vor- und nachtridentischer Zeit. (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 78/79). Aschendorff, Münster 1953, S. 372; Karl Dieter Dahmen: Die Kirchenpolitik der ersten Hohenzollern am Niederrhein. (diss. phil. 1969). Kleikamp, Köln 1971, S. 81. überließ Johann Barthold von Weyer 1662 als Teil der Zahlung dem in Kleve für die Reformierte Kirche in Kleve-Mark und Jülich-Berg gestifteten Aerarium ecclesiasticumHeinrich Engelbert: Das aerarium ecclesiasticum der reformierten Kirchen in Kleve, Mark, Jülich und Berg. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 21). Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf 1966. eine Rentenverschreibung Herzogs Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg von 1566 für ein Darlehen seines Ururgroßvaters Johann Weyer über 400 Taler.Brandenburgische Stiftungen, 1566–1683 und 1613–1730; Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland Düsseldorf/Moers (Bestand 4KG 005 Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf, Nr. 198 und 199).

1665 schenkte Johann Bartholt von Weyer dem Konvent der Cölestinerinnen in Düsseldorf (am Platz des heutigen Palais Spinrath), in dem seine Schwester Maria Viktoria Weyer lebte, den „Halbscheid“ (eine Hälfte) des Plönneshofes in Osterath (heutiger Straßenname Am Plöneshof), den seine Großeltern „Dietherich Heystermans“ und Helena Clunsch 1593 gekauft hatten, behielt sich aber die Leibzucht (ein Wohnrecht) daran vor und erhielt eine Zahlung von 300 Reichstalern. Der Übertragung einer „Gewalt“ Holz (Holzungsberechtigung) im Bilker Gemarkenbusch aus dem Erbe ihres Großvaters Theodor Heistermann an das Düsseldorfer Jesuiten-Kollegium durch seinen Bruder Magister Franciscus Weyer stimmte Johann Barthold „Weijer“ 1669 zu.Urkunde vom 23. Oktober 1669; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0205 Düsseldorf, Jesuiten, Urkunden, Nr. 103).

1675/76 war Johann Barthold von Weyer, Kanoniker der Kollegiatkirche zu Düsseldorf, als „Konsorte“ von Michael von Schaesberg zu Streithagen und Ferdinand Albrecht Weisweiler genannt Scheiffart (Scheffert) zu AlkenVerheiratet mit Agnes Margarethe von Schaesberg. in einen Prozess gegen den Jülicher Schultheiss Lic. Peter Codonaeus († 1679),1656–1679 Schultheiß von Jülich. Gerichtsschreiber Johann Wilhelm Düssel und Lic. Johann von Inden um das adlige Gut Nierstein in Koslar verwickelt. Er hatte als Sicherheit für ein Darlehen an seine Konsorten einen Anspruch gegen die Witwe des Adam von Grein zu Nierstein auf Immission in das Haus abgetreten.Prozessakten 1675/76; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht AA 0627, Nr. 4917 - Az. S 321/1033). Der Anspruch ging auf eine Pfandverschreibung an Wilhelm Weyer zurück.Adam von Greyn zu Nierstein kraft Vollmacht seiner Ehefrau Clara von Gritteren, dem Schultheißen von Jülich Wilhelm Weyer zur Einlösung verschiedener Capitalien, auf dem Hause Nierstein bestand, eine Erbpachtrente von 20 Malter Roggen zu Muntz, wofür … das Haus Nierstein minder als Unterpfand gesezt wird, Jülich o. D.; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland (Jülich, Kartause Vogelsang, Rep. u. Hs., Copiare des Karthäuserklosters zum Vogelsang, Band 1).

„Joannes Bartholdus a Weier“ stiftete 1675 das Ölbild Befreiung eines Mädchen von einem Dämon zu einem Zyklus von 10 Bildern aus dem Leben des Hl. Apollinaris für die Stiftskirche.Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 3,1). L. Schwann, Düsseldorf 1894, S. 43 (Digitalisat im Internet Archive). 1677 wurde Weyer Scholaster und Thesaurar am Kollegiatstift St. Lambertus, trat jedoch (nach 1703) von dem Amt als Thesaurar wieder zurück. 1691 stifteten die Kanoniker Johann Barthold von Weyer und Heinrich Arnold Sommers die Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Derendorf.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. 6. Aufl. Triltsch, Düsseldorf 1976, S. 63.

Johann Barthold von Weyer verkaufte 1703 den nach seinem Urgroßvater, dem Arzt Galenus Weyer, benannten Weyerhof („Doktorhof“) zu Oberlörick im Amt Linn für 2500 Taler an den Düsseldorfer Kreuzbrüder-KonventUrkunde vom 16. April 1703; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Urkunden Nr. 194). und setzte seinen „Neffen“ (Vetter) Liz. Cornelius von Groin (1642–1723)Aus Rees (Resa-Clivensis), Besuch des Gymnasiums in Deventer, immatrikuliert 1661 in Duisburg, 1664 in Heidelberg, 1666 juristische Promotion in Heidelberg, königlich preußischer Rat und Advocatus fisci (Staatlicher Vertreter bei zivilrechtlichen Streitigkeiten) in Kleve.Emil Dösseler, Friedrich Wilhelm Oediger (Bearb.): Das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen A 8), Bd. VIII Die Lehnsregister des Herzogtums Kleve. Respublica-Verlag, Siegburg 1974, ISBN 978-3-87710-064-6, S. 549. in Kleve, Sohn von Bartholomäus’ Tante Gertrud Weyer (* vor 1625; † nach 1677) und Eberhard van Groin (* um 1610; † 1657/77), testamentarisch zum Erben ein. Dies führte bei einer Testaments-Anfechtung durch das Düsseldorfer Cölestinerinnen-Kloster zu prozessualen Problemen um den Gerichtsstand, weil Cornelius van Groin nicht wie der Erblasser der katholischen Konfession angehörte, sondern evangelisch war.Burkhard Gotthelf Struve: Corpus actorum et graviminum religionis des Heiligen Röm. Reichs, Bd. II. Birckner, Frankfurt am Main / Leipzig 1724, S. 328; vgl. S. 344 (Digitalisat und Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); Gründliche Ex Actis Judicialibus et Evidentia Facti gezogene Und mit bewehrten Documentis Verificirte Beantwortung der… unwahren und unbegründeten Religions-Beschwerden. Krütinger, Regensburg 1724, Nr. LXXII, S. 30 (Google-Books).

Familie Johann Bartholomäus von Weyers Geschwister – weitere in Jülich geborene Kinder von Wilhelm von Weyer und Elisabeth Heistermann – waren: (vermutlich) Andreas Johannes Weyer (* 1635/40; † 1654/64), 1654 als „Andr. Joh. Weyer Juliac.“ immatrikuliert in Köln, Johann Rutger Weyer (* 1635/40; † um 1661), 1655 als „Joh. Rutg. de Weier Juliac.“ immatrikuliert in Köln, der Ordensgeneral Goswin Nickel SJ – geboren in Koslar bei Jülich – verfasste 1660 im „Collegio iuridico Coloniae“ für ihn einen Stammbucheintrag,Stammbuch des Wilhelm Weyer, eingeklebter Eintrag von 1660, Bl. 130; Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (Sign. S 1945; Digitalisat). 1664 als verstorbenerRegest fälschlich: „verstoßener“. Bruder erwähnt, (vermutlich) Johann Heinrich Weyer (* um 1640; † 1658/64), 1658 als „Joh. Henr. Weyer Juliac.“ immatrikuliert in Köln, Franciscus Weyer SJ (* um 1640; † zwischen 1691 und 1708), 1659 als „Franc. Weyer Juliac.“ immatrikuliert in Köln,Vielleicht identisch mit einem Stammbucheinträger 1656 in Groningen. Magister, 1669 in Düsseldorf, Priesterweihe 1670 im Bistum Münster,Wilhelm Kohl: Die Weiheregister des Bistums Münster. 1593–1674. Aschendorff, Münster 1991, S. 297. 1688–1691 Superior der Jesuiten-Niederlassung in Jülich.Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern Deutscher Zunge, Bd. III. Herder, Freiburg 1921, S. 45f (Digitalisat im Internet Archive). P. Franz Weyer hinterließ dem Jesuitenkolleg in Emmerich am Rhein (Embrich) seinen Erbteil an einer „lösbaren Renten-Verschreibung“ über 1000 Goldgulden, die auf eine brandenburgische bzw. (ab 1701) königlich preußische Domäne im Herzogtum Kleve ausgestellt war, vermachte aber seinem Bruder Bartholomäus in Düsseldorf den Nießbrauch daran. Ein nach dem Tod der Brüder vom Jesuitenkolleg erwirktes Sicherungs-Mandat (mandatum manutenentiae)Manutenenz = obrigkeitlich gewährter Schutz für umstrittene Besitzrechte. der Regierung in Kleve wurde auf Antrag des Neffen Cornelius von Groin kassiert,