mini|Kopfdetail einer nassen Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) mit sichtbar werdender Schläfenleiste (genal carina) über dem Komplexauge. miniatur|Dunkle Erdhummel auf einer Lavendelblüte mini|Königin der Dunklen Erdhummel sammelt Nektar an einem Heidekraut miniatur|Dunkle Erdhummel miniatur|Dunkle Erdhummel, Bauchseite miniatur|Paarung mini|Mit Pollen zum Nest zurückkehrende Dunkle Erdhummel.
Die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) ist eine der in Europa am häufigsten vorkommenden und auch größten Arten der Hummeln. Sie ist ein schwarzes Tier mit zwei gelben Querbinden und einer weißen Hinterleibspitze. Die begatteten Jungköniginnen der Dunklen Erdhummeln zählen zu den frühesten, die in einem Kalenderjahr beobachtet werden können. Sie sind in der Regel bereits im Februar und März dabei zu beobachten, wie sie nach einer geeigneten Stelle für die Anlage des Hummelnestes suchen.Dave Goulson: Bumblebees: Behaviour and Ecology. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 019-852606-7. S. 4 Die Färbung der Dunklen Erdhummeln ähnelt derjenigen der Hellgelben Erdhummel so stark, dass sie in der freien Natur kaum unterschieden werden können. Schmarotzer der Dunklen Erdhummel ist die Keusche Kuckuckshummel (Bombus vestalis).
Die Dunkle Erdhummel ist die wichtigste Art in der kommerziellen Hummelzucht. Sie wird im Treibhausanbau vor allem zur Bestäubung von Tomaten eingesetzt. Entwichene Dunkle Erdhummeln haben Populationen in Japan und Südamerika begründet, die sich teils sehr problematisch auswirken.
Erscheinungsbild und Lebenszyklus Bombus terrestris ist eine kurzrüsslige Hummel, die Saugrüssel von Königinnen, Arbeiterinnen und Drohnen (Männchen) sind 9–10 bzw. 8–9 und ca. 8 Millimeter lang.Dunkle Erdhummel – Bombus terrestris; auf http://www.wildbienen.de; abgerufen am 28. Mai 2012
Die Königinnen sind 20 bis 30 mm lang, die Drohnen 14 bis 17 mm und die Arbeiterinnen 11 bis 17 mm. Die Königinnen überwintern in Erdlöchern oder unter trockenem Laub. Je nach Witterung legt die Königin im zeitigen Frühjahr das Nest in Erdlöchern von Maulwürfen oder Mäusen oder unter Steinen an. Darin werden tönnchenartige Zellen für Pollen, Nektar und die Brut gebaut. Wie bei allen bislang untersuchten Hummelarten wärmt auch die Königin der Dunklen Erdhummel ihre erste Brut. Sie produziert dabei durch Stoffwechsel im Thorax Wärme und leitet diese Wärme durch Regulation des Blutstroms zum Hinterleib. Sie presst diesen eng an die Wabe, die die Brut enthält, und stellt so sicher, dass die zur Entwicklung der Eier und Larven notwendige Temperatur erreicht wird. Dies ist energiezehrend, und geschätzt wird, dass eine Königin der Dunklen Erdhummeln täglich 600 mg Zucker bei den für Mitteleuropa typischen Temperaturen verbraucht, um ihre erste Brut großzuziehen. Um ausreichend Nahrung zu finden, muss sie in dieser Zeit bis zu 6000 Blüten besuchen. Ein reicher Bestand an nektarreichen Blumen in Nestnähe ist deswegen essentiell für die erfolgreiche Aufzucht.Dave Goulson: Bumblebees: Behaviour and Ecology. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 019-852606-7. S. 16 Das Nest liegt in bis zu 1,5 Metern Tiefe, wo es gut vor Frost geschützt ist. Das Nest wird dabei in Mäuseburgen und Maulwurfsgängen gebaut; gelegentlich auch in Hohlräumen nahe der Erdoberfläche: in Mauerlöchern, unter Dielen und in künstlichen Nisthilfen wie Hummelkästen.
Die Königinnen der Dunklen Erdhummel geben ein Pheromon ab, das bewirkt, dass sich aus der Brut Arbeiterinnen entwickeln. Die Dunkle Erdhummel ist wissenschaftlich gut untersucht; die Larven reagieren in einem Alter von zwei bis fünf Tagen sehr sensibel auf dieses Pheromon. Ist es vorhanden, ist ihre Entwicklung zur Arbeiterin unumkehrbar; ist es nicht vorhanden, entwickeln sich Königinnen dann, wenn gleichzeitig im letzten Larvenstadium ausreichend Nahrung vorhanden ist.Dave Goulson: Bumblebees: Behaviour and Ecology. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 019-852606-7. S. 21 Nachdem ab März die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, wird das Nest nach und nach erweitert, so dass es für bis zu 500 Hummeln Platz bietet. Ab Ende Juni erreicht das Nest den Höhepunkt seiner Entwicklung, indem Jungköniginnen und Drohnen herangezogen werden.
Hummeln sind neben Ameisen die einzigen sozial lebenden Insekten, bei denen es innerhalb eines Staates auffällige Größenunterschiede gibt. Es ist in der Literatur noch strittig, ob es ähnlich wie bei Honigbienen eine Arbeitsteilung unter den Arbeiterinnen eines Hummelstaates gibt. Für die Dunklen Erdhummeln gibt es Untersuchungen, die sehr stark in diese Richtung weisen. So sind die Hummelarbeiterinnen, die im Nest verbleiben, auffällig kleiner als die Hummeln, die nach Nahrung suchen. Alle Arbeiterinnen verbringen ihre ersten Lebenstage damit, sich um Brut und Larven zu kümmern. Die kleinsten unter ihnen scheinen immer im Nest zu verbleiben, während die größeren umso früher das Nest verlassen, je größer sie sind.Dave Goulson: Bumblebees: Behaviour and Ecology. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 019-852606-7. S. 25 Als wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass es überwiegend größere Arbeiterinnen eines Staates sind, die Nahrung sammeln, gilt ihre besser ausgeprägte Fähigkeit, ihre Körperwärme zu regulieren. Sie können noch bei ungünstigeren Wetterbedingungen Nahrung sammeln als ihre Nestschwestern.Dave Goulson: Bumblebees: Behaviour and Ecology. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 019-852606-7. S. 29
In der Endphase eines Hummelnestes zeigen einige der Arbeiterinnen ein aggressiveres Verhalten sowohl gegenüber anderen Arbeiterinnen als auch gegenüber Eindringlingen. Einige der Arbeiterinnen beginnen selber Waben zu bauen und unbefruchtete und damit männliche Eier zu legen. Diese werden in der Regel von der Königin gefressen. Umgekehrt fressen einige der Arbeiterinnen die von der Königin frisch gelegten Eier. Dieses Verhalten ist nur in den ersten 24 Stunden nach Eiablage zu beobachten. Vermutlich sind Hummeln nur innerhalb dieses Zeitfensters in der Lage, zwischen ihren und den von anderen Hummeln ihres Staates gelegten Eiern zu unterscheiden. Dieses Verhalten ist neben der Dunklen Erdhummel auch für Hellgelbe Erdhummel, Steinhummel und Bombus fervidus beschrieben und ist möglicherweise ein Verhalten, das auch bei anderen Hummelarten vorkommt.Dave Goulson: Bumblebees: Behaviour and Ecology. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 019-852606-7. S. 31 und S. 32
Natürliches Verbreitungsgebiet In ganz Europa, Nordafrika und Kleinasien sind Erdhummeln in Wäldern, grasigen Wiesenhängen, Gärten und Feldern vom Tiefland bis in die Berge anzutreffen.
Als eingeführtes Insekt ist die Dunkle Erdhummel in Neuseeland, in Japan und in Südamerika vertreten. Während das Auftreten in Japan und Südamerika eine Folge der kommerziellen Nutzung im Treibhausanbau ist, wurde die Dunkle Erdhummel bereits im 19. Jahrhundert in Neuseeland eingeführt. Landwirte kämpften dort mit dem Problem, dass der ausgebrachte Rotklee kaum oder keinen Samen ansetzte, so dass sie gezwungen waren, Samen immer wieder aus Großbritannien zu importieren. Einem Hobby-Entomologen fiel schließlich auf, dass Hummeln in Neuseeland fehlten und dies die Ursache für den nicht samenden Rotklee war. Goulson: A Sting in the Tale, 2013, Position 278 Die ersten Versuche mit der Einführung von Hummeln scheiterten, weil es nicht gelang, die Hummeln lebend per Schiff über den Äquator zu transportieren. Dies gelang erst 1885: 282 überwinternde Jungköniginnen waren in Großbritannien gesammelt und im Dezember 1884 im Kühlhaus der SS Tongariro, eines der ersten Dampfschiffe mit einer solchen Einrichtung, untergebracht worden. Als das Schiff am 8. Januar 1885 in Christchurch anlegte, lebten noch 48 der Hummelköniginnen. Die SS Aorangi, ein Schwesterschiff der SS Tongariro, brachte einen Monat später weitere 49 lebende Hummelköniginnen nach Neuseeland. Goulson: A Sting in the Tale, 2013, Position 289 Die ausgewilderten Hummelköniginnen vermehrten sich in Neuseeland sofort sehr erfolgreich. Bereits 1886 wurden 100 Meilen südlich von Christchurch Hummeln gesichtet, und 1892 waren Hummeln bereits so häufig, dass Imker wegen der Nahrungskonkurrenz zu ihren Bienen besorgt waren. Goulson: A Sting in the Tale, 2013, Position 295
Die Dunkle Erdhummel als Bestäuberinsekt im Gemüseanbau Beginn der Verwendung 1985 setzte der belgische Tierarzt und Hobby-Entomologe Roland de Jonghe ein Nest Dunkler Erdhummeln in einem Treibhaus aus, in denen Tomaten heranwuchsen, und stellte dabei fest, dass sie dort sehr wirkungsvoll die Pflanzen bestäubten.Dave Goulson: A sting in the Tale. Random House, London 2013, ISBN 9780224096898, Position 2602. Tomaten sind wie die ebenfalls unter Glas angebauten Paprika sogenannte Vibrationsbestäuber. Um hier einen Fruchtansatz zu erzielen, war bis in die 1980er Jahre im Treibhausanbau von Tomaten eine arbeitsintensive manuelle Bestäubung mit elektrischen Bestäubungsgeräten notwendig. Artikel in der Welt zur Nutzung von Insekten aufgerufen am 3. April 2014 Pro Hektar fielen dafür Arbeitskosten von etwa €10.000 an.Dave Goulson: A sting in the Tale. Random House, London 2013, ISBN 9780224096898, Position 2607. Es war zwar bereits 1912 dem Entomologen Frederick Sladen gelungen, Hummelköniginnen in Gefangenschaft so zu halten, dass sie mit dem Nestbau begannen, und spätere Entomologen hatten aus wissenschaftlichen Gründen wiederholt ähnliche Versuche unternommen. In den 1970er Jahren waren die Erfahrungen mit der künstlichen Zucht und mit der Haltung unter Gefangenschaftsbedingungen von Hummeln so weit fortgeschritten, dass man in der Lage war, bei einzelnen Hummelarten einen vollständigen Jahreszyklus zu durchlaufen. Insbesondere die Dunkle Erdhummel schien besonders einfach unter künstlichen Bedingungen aufziehbar zu sein.Dave Goulson: A sting in the Tale. Random House, London 2013, ISBN 9780224096898, Position 2596. Erst de Jonghe erkannte jedoch die mögliche kommerzielle Bedeutung der Verwendung von Hummeln als Bestäuberinsekt. In wenig mehr als einem Jahrzehnt veränderte diese Erkenntnis die Form des Tomatenanbaus unter Glas nachhaltig. Verglichen mit Kosten für den hohen manuellen Aufwand bei der Bestäubung waren die Kosten der ebenfalls arbeitsintensiven Heranzucht von Hummeln gering. De Jonghe stellte außerdem fest, dass durch Hummeln bestäubte Pflanzen ertragreicher waren.
1987 gründete De Jonghe die Firma Biobest, die bis heute der größte kommerzielle Züchter von Hummeln ist. Wegen des Erfolgs gründeten sich innerhalb kurzer Zeit vor allem in den Niederlanden ähnliche Unternehmen. Dave Goulson: A sting in the Tale. Random House, London 2013, Position 2613. 1990 setzte man erstmals in Kanada künstlich aufgezogene Hummeln ein, ein Jahr später folgten die USA und Israel sowie wenig später Japan und Marokko. Zur Jahrtausendwende war es zum weltweiten Standard geworden, beim Anbau von Tomaten auf die Bestäubung von Hummeln zu setzen. Ausnahmen sind Länder wie Australien, wo Hummeln nicht natürlich vorkommen und wo die Gesetzgebung den Import nicht-einheimischer Tierarten strikt untersagt. Dave Goulson: A sting in the Tale. Random House, London 2013, Position 2613.
Auswirkungen