Die Bechtel Corporation (Bechtel Group) ist ein großes Bau- und Anlagenbau-Unternehmen der USA. 2009 beschäftigte Bechtel 44.000 Mitarbeiter in 900 Projekten bei einem Umsatz von 31,4 Milliarden US-Dollar.
Das Unternehmen nahm am Bau des Hoover Dam in den 1930er Jahren teil. Es war ebenfalls an anderen aufwendigen Bauprojekten, inklusive des Kanaltunnels, vielen Pipeline-, Raffinerie- und Kernkraftwerksprojekten, der Bay Area Rapid Transit in San Francisco, der Jubail Industrial City in Saudi-Arabien, dem Hong Kong International Airport, dem Grasberg Projekt (Grasberg-Mine) von Freeport, dem Bostoner Central Artery/Tunnel (Big Dig), der Abfallbeseitigungsanlage von Hanford Site des US-Energieministeriums, der Renovierung der Londoner U-Bahn und ab 2003 beim durch die United States Agency for International Development (USAID) geförderten Wiederaufbau der zivilen Infrastruktur des Irak beteiligt.
Die Familie Bechtel besaß das Unternehmen seit der Gründung in den 1920er Jahren. Bechtels Größe, sein politischer Einfluss und sein Hang zur Geheimhaltung machte es zum beständigen Ziel für Journalisten und Politiker seit den 1930er Jahren. Bechtel verfügt über enge Beziehungen zu Offiziellen der US-Regierung inklusive der (Ex-)Präsidenten Ronald Reagan, George H. W. Bush und George W. Bush. Das Unternehmen besitzt ebenso ausgezeichnete Beziehungen zu anderen Regierungen, insbesondere zur saudischen Königsfamilie.
Das Unternehmen kam in die Kritik für behauptetes Missmanagement des Big-Dig-Projekts, seine finanziellen Verbindungen zur Bin-Laden-Familie und die Weise, in der es die Irak-Wiederaufbauverträge nach der US-Invasion in den Irak 2003 erhielt. Politiker in den USA und Europa erhoben Korruptionsvorwürfe bezüglich der Beziehungen zwischen der Regierung Bushs und Bechtel.
Seit vielen Jahren tritt Bechtel für die Privatisierung von Versorgungseinrichtungen, Schnellstraßen, Flughäfen und anderen traditionell öffentlich geführten Einrichtungen und Unternehmen ein. Das Unternehmen besitzt und betreibt seine eigenen Kraftwerke, Ölraffinerien, Wasseraufbereitungssysteme und Flughäfen in verschiedenen Ländern inklusive der USA, der Türkei und Saudi-Arabiens. Bechtels Engagement bei Öl, Strom und Wasser in Übersee wurde dabei immer mehr zum Ziel von Globalisierungskritikern und Umweltbewegungen.
Unternehmensgeschichte Beginn Bechtel arbeitete immer als Familienunternehmen. Sein Gründer Warren A. Bechtel begann 1898 als Angestellter der aufkeimenden US-Eisenbahnindustrie, nachdem seine Viehranch in Oklahoma Pleite machte. In den folgenden 20 Jahren baute er ein ansehnliches Bauunternehmen auf, das auf Eisenbahn- und Schnellstraßenbau spezialisiert war.
1919 errichtete die Firma den Klamath Highway in Kalifornien. 1921 gewannen Warren Bechtel und seine Partner die Ausschreibung des Wassertunnels für die Caribou Hydroelectric Facility in Kalifornien. 1925 stiegen seine Söhne Warren jr., Stephen und Ken in sein Unternehmen ein, das daraufhin unter W. A. Bechtel Company firmierte. 1926 erlangte das neue Unternehmen den ersten wichtigen Auftrag, den Bowman Lake Dam in Kalifornien.
Die 1930er Jahre 1928 verabschiedete der US-Kongress den Boulder Canyon Project Act, in dem der Bau des Staudamms des Colorado River beschlossen wurde. Der Plan besaß anfangs noch den Namen „Boulder Dam“, aber nach einigen Auseinandersetzungen erhielt er den Namen „the Hoover Dam“ (Präsident Herbert Hoover ehrend). Der Bau war das seinerzeit größte Bauprojekt.
In den nächsten zwei Jahren lagen verschiedene Unternehmen im Wettbewerb für den Bau des Staudamms. Um an der Ausschreibung teilzunehmen, trat die W. A. Bechtel Company mit seinen fünf Mitbewerbern einer neu gegründeten Six Companies Corporation (Sechs-Unternehmen-Gesellschaft) bei. Diese Arbeitsgemeinschaft wurde nur zum Zwecke des Baus des Hoover Dam eingerichtet und ihre vereinte Stärke garantierte das attraktivste Angebot. Am 11. März 1931 wählte das US-Innenministerium die Arbeitsgemeinschaft Six Companies zum Bau des Damms. Der Bau der Hoover-Talsperre begann Ende 1931 und wurde 1936, zwei Jahre vor dem Zeitplan beendet.
Warren A. Bechtel starb plötzlich während einer Auslandsreise 1933, als das Projekt Hoover Dam noch unvollendet war. Sein Sohn übernahm als Präsident das Unternehmen und blieb in dieser Position bis zur Nachfolge durch seinen Sohn Stephen jr. 1947.
Nach der Errichtung des Hoover Dam wuchs Bechtels Ruf schnell. Trotzdem wollte Stephen Bechtel mehr mit seinem Unternehmen erreichen als nur ein Bauunternehmen. Er entschied, dass die W. A. Bechtel Company komplexere Engineeringprojekte und Ölkontrakte übernehmen müsse.
1936 errichtete Bechtel die 13 Kilometer lange San Francisco-Oakland Bay Bridge. 1937 fusionierte Bechtel mit John McCones Bauunternehmen zur Bechtel-McCone Company.
Zweiter Weltkrieg Am 19. Juli 1940 unterzeichnete Präsident Franklin Delano Roosevelt den Two-Ocean Navy Act (Zwei-Ozean-Marine-Gesetz), der den Bau von zwei großen Kriegsflotten, je eine für den Atlantik und eine für den Pazifik vorsah. Die US Maritime Commission wählte Bechtel, um ihre neue Werft für die Pazifikflotte zu bauen. Bechtel baute die Bechtel Werft in Sausalito, Kalifornien und produzierte Hunderte von Frachtschiffen und Öltankern für die US-Marine. John McCones California Shipbuilding Company erlangte ebenfalls große und profitable Schiffsbauaufträge zu Beginn 1941, was bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs anhielt.
Während in den USA das sogenannte Arsenal der Demokratie errichtet wurde, machten sich amerikanische Kriegsstrategen wachsende Sorgen, was passieren würde, wenn die Achsenmächte die Weltölreserven unter Kontrolle bekämen. Die italienische Invasion Ägyptens im September 1940 verursachte ebenso große Sorgen, wie der Putsch im April 1941 im Irak, wo mit deutscher Unterstützung Raschid Ali al-Gailani Ministerpräsident der "Regierung der Nationalen Verteidigung" des Goldenen Quadrats an die Macht kam, die von britischer Seite jedoch binnen weniger Wochen beseitigt wurde.
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 erhielt das Thema Versorgungssicherheit mit Erdöl noch höhere Bedeutung. Die Kriegsstrategen gerieten in Besorgnis, dass die Japaner eine Invasion nach Alaska unternehmen und die nördlichen Ölfelder bedrohen könnten, die einen bedeutenden Teil der amerikanischen Ölversorgung zu werden versprachen. Im April 1942 stimmte die US-Armee dem Bau des Alaska Highway (ALCAN) zu, der die Bewegung von Truppen und Versorgungen nach Alaska erleichtern sollte. Kurz danach wurde der Bau der CANOL-Pipeline genehmigt.
Der Auftrag für die CANOL-Pipeline ging an das Konsortium Bechtel-Price-Callahan, bestehend aus der W. A. Bechtel Co., der H. C. Price Co. und der W. E. Callahan Construction Co. Als die Japaner im Juni 1942 auf den Aleuten vor der Küste Alaskas landeten, wurde der Bau dringend. Wegen der mangelhaften Planung der Armee und des Missmanagements der Vertragspartner floppte das CANOL-Projekt jedoch völlig. Die Pipeline verschlang mehr Öl, als sie hergab und kostete den Steuerzahler eine enorme Summe Geldes. Darüber hinaus wurde im Laufe der Zeit klar, dass die Japaner nicht die Ressourcen für eine Invasion in Alaska besaßen. Die CANOL-Pipeline wurde nach nur 11 Monaten aufgegeben.
In der amerikanischen Vorkriegszeit Ende 1940 und Anfang 1941 kamen verschiedene Skandale und Vorwürfe an die Öffentlichkeit, wonach eine Reihe von Auftragnehmern öffentlicher Verteidigungsaufträge in eine weitgespannte Korruption involviert seien. Auf Drängen von Senator Harry S. Truman richtete der US-Senat 1941 einen Untersuchungsausschuss für das Nationale Verteidigungsprogramm ein, bekannt als das „Truman Committee“. Dieser Untersuchungsausschuss, in dem Truman den Vorsitz hatte, untersuchte zwei Jahre lang Verschwendung und Korruption in der Rüstungsindustrie.
Das Truman Committee gab 1943 ein vernichtendes Urteil über das 143 Millionen US-Dollar teure CANOL-Projekt ab, wonach dieses für die Kriegsanstrengungen schädlicher gewesen sei als alle Sabotageakte der Feinde. Das Urteil hob das Konsortium Bechtel-Price-Callahan für ihre Rolle bei der Kostenüberschreitung und das Missmanagement, die das Projekt plagten, hervor. Der Untersuchungsausschuss kritisierte später die Werftenindustrie für ihre Kriegsaktivitäten, einschließlich Betrug, Bestechung und anderer Korruptionsformen.
Nachkriegsära Nach dem Krieg kaufte die W. A. Bechtel Company John McCones Aktienanteil an Bechtel-McCone auf und firmierte als Bechtel Corporation um. John McCone übernahm den Vorsitz der United States Atomic Energy Commission und später der CIA.
1947 expandierte Bechtel seine Ölpipeline-Aktivitäten mit dem Bau der Transarabischen Pipeline in Saudi-Arabien. Mit einer Länge von 1600 Kilometern stellte sie zu ihrer Zeit die längste Pipeline der Welt dar. Zusätzlich zur Pipeline selbst errichtete Bechtel große Teile der modernen Infrastruktur Saudi-Arabiens und Kuwaits, inklusive Flughäfen, Seehäfen und Ölraffinerien.
1946 beschloss der US-Kongress mit der Verabschiedung des Atomic Energy Act of 1946 die Erforschung der Kernenergie. Dieses Gesetz führte die Atomenergiekommission ein, in der Bechtels früherer Partner John McCone den Vorsitz übernahm. Entsprechend der berühmten Rede von Präsident Dwight D. Eisenhower „Atome für den Frieden“ 1953 wurde kommerzielle Forschung zur Kernenergie genehmigt.
1956 erhielt Bechtel das Recht, den weltweit zweiten kommerziellen Kernreaktor Dresden-1 in Illinois in Betrieb zu nehmen. Sein Bau begann 1957 und die Anlage wurde 1960 fertiggestellt. 1959 gewann die Arbeitsgemeinschaft Parsons-Brinckerhoff-Tudor-Bechtel die Ausschreibung für San Franciscos Bay Area Rapid Transit System. Das System, das 1972 fertiggestellt wurde, diente anderen städtischen Massentransportsystemen auf der Welt als Modell.
Die 1960er und 1970er Jahre Während der 1960er und 1970er Jahre expandierte Bechtel seine Kraftwerksaktivitäten. 1963 begann Bechtel mit dem Bau des Kernkraftwerks San Onofre in Kalifornien.
Zu dieser Zeit diversifizierte das Unternehmen auch in andere Branchen. Ende der 1960er Jahre begann Bechtel seinen Zweig für Entwicklung, Finanzierung und Investment unter dem Namen Bechtel Enterprises Holdings, Inc. Dieses Unternehmen brachte Bechtels Erfahrung, sein Kapital und seine Beziehungen zur Regierung in Schwung, um mit anderen Engineeringunternehmen auf der ganzen Welt in Konkurrenz zu treten. 1972 gewann Bechtel eine 13-Milliarden-US-Dollar-Ausschreibung für das Baie-James-Wasserkraftprojekt im Nordwesten Québecs. Das Projekt wurde 1985 fertiggestellt und zog Kritik der wachsenden Umweltbewegung in den USA und Kanadas auf sich.
1976 erhielt Bechtel den Auftrag zum Bau der Industriestadt al-Dschubail in Saudi-Arabien. Bis 1992 war die 930 Quadratkilometer große Stadt Jubail mit einer Bevölkerung von über 70.000 Personen eine der modernsten Städte in Saudi-Arabien. Nach der erfolgreichen Fertigstellung des Projekts Ende der 1980er Jahre wurde Bechtels Auftrag durch die saudische Regierung bis 2007 verlängert.
1980er Jahre und danach Privatisierte Wasserversorgung in Bolivien Bechtels jüngste Geschichte ist befrachtet von Kontroversen: 1988, nachdem Saddam Hussein internationale Verurteilung für den Einsatz von Giftgas gegen Tausende kurdischer Landsleute erfuhr, unterzeichnete Bechtel Verträge mit dem Irak, Dual-Use-Chemiefabriken in Bagdad zu errichten.