mini|Slata Roschal beim Erlanger Poetenfest 2022 Slata Roschal (* 28. Januar 1992 in Sankt Petersburg), verheiratete Slata Kozakova, ist eine deutsche Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin.
Leben und Werk Roschal zog mit ihren Eltern 1997 nach Deutschland und wuchs in Schwerin zweisprachig auf. Nach dem Abitur studierte sie Slawistik, Germanistik und Komparatistik an der Universität Greifswald. Sie promovierte 2021 an der Ludwig-Maximilians-Universität München.Slata Kozakova, Dr. phil., online, abgerufen am 27. Dezember 2024
Im Jahr 2017 gab sie gemeinsam mit Matthias Friedrich eine Lyrik- und Prosaanthologie zur Gegenwartsliteratur aus dem Ostseeraum heraus. Sie veröffentlichte Lyrik, Prosa und Übersetzungen aus dem Russischen in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften und gewann 2018 den Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern. Roschal wird gemeinsam mit Matthias Friedrich, Berit Glanz, Dirk Uwe Hansen, Tobias Reußwig und Christoph Georg Rohrbach zu den Autorinnen und Autoren der sogenannten „Greifswalder Schule“ gezählt.
Ihr lyrisches Debüt Wir verzichten auf das gelobte Land wurde 2019 im Verlag Reinecke & Voß veröffentlicht. Darauf folgten im Jahr 2021 Gedichte und Prosaminiaturen unter dem Titel Wir tauschen Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere aus im hochroth Verlag München. Die Publikation wurde unter die zehn besten Independent Bücher Bayerns 2021 und auf die Liste der Lyrik-Empfehlungen 2022 gewählt.
Seit Mitte der 2010er veröffentlicht Roschal Rezensionen, insbesondere von Werken der Gegenwartslyrik, und äußert sich in journalistischen Texten zu Fragen des Literaturbetriebs, etwa in Bezug auf Macht und Konkurrenz sowie „nichtdeutsche“ Namen von Autorinnen und Autoren. Hierzu hielt sie 2024 auch eine Poetikvorlesung am Institut für Deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München unter dem Titel Geld, Macht & Konkurrenz im Literaturbetrieb.
Ihr Debütroman 153 Formen des Nichtseins erschien im Februar 2022 beim Homunculus Verlag. Er kam auf die SWR-Bestenliste und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Der Roman erhielt in den Jahren 2022 und 2023 zahlreiche weitere Auszeichnungen sowie Positionen auf Bestenlisten und wurde 2024 als Taschenbuch im Penguin Verlag herausgegeben. Im selben Jahr erschien der Roman in estnischer Übersetzung von Elsbeth Hanna Aarsalu im Puänt Verlag.
Im Februar 2024 erschien ihr zweiter Roman Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten im Claassen-Verlag, der zu den Ullstein-Verlagen gehört; darauf folgte im Jahr 2025 ihr Gedichtband Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt im Verlag Das Wunderhorn.
Im Sommer 2024 hielt Slata Roschal drei Vorträge im Rahmen der Münchner Poetikvorlesung an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema Werkstatt und Maschinenraum und wurde von Studierenden interviewt.
Seit 2026 gehört Roschal neben Dirk Uwe Hansen und Christoph Georg Rohrbach zum Team des Podcasts Lyrik im Dialog im Literaturportal Bayern, der sich der Besprechung zeitgenössischer Gedichtbände widmet.
Slata Roschal wurde von Klaus Kastberger zur Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Preis 2026 mit ihrem Text Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet eingeladen. Sie war die erste Autorin in der Geschichte des Wettbewerbs, die ihren Text, wie zuvor in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung angekündigt, las, von ihrem Platz im Studio aufstand und den Raum verließ. Sie tue das „[n]icht aus Protest“, sondern um auf die soziale Lage der Schriftsteller hinzuweisen. Der gleichnamige Roman erschien am 30. Juli 2026 im Claassen-Verlag.
Werke mini|Slata Roschal auf einer Lesung Eigenständige literarische Publikationen Über Unkraut diskutieren. Fünf Erzählungen. Rostock 2017. Wir verzichten auf das gelobte Land. Gedichte. Reinecke & Voß, Leipzig 2019, ISBN 978-3-9429-0136-9. Wir tauschen Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere aus. Gedichte und Prosaminiaturen, Hochroth Verlag, München 2021, ISBN 978-3-903182-81-3. 153 Formen des Nichtseins. Roman. Homunculus Verlag, Erlangen 2022, ISBN 978-3-946120-94-0. 2024 als Taschenbuch im Penguin Verlag. ISBN 978-3-328-11096-5. Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten. Roman. Claassen-Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-546100-76-2. Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt. Gedichte. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-88423-726-7. Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet. Roman, Claassen-Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-546-10075-5.
Herausgeberschaften Als Slata Kozakova mit Matthias Friedrich: Einbildung eines eleganten Schiffbruchs. Gedichte aus dem Ostseeraum. Reinecke & Voß, Leipzig 2017, ISBN 978-3-9429-0124-6. Als Slata Kozakova mit Matthias Friedrich: Weniger eine Leiche als vielmehr eine Figur. Erzählungen aus dem Ostseeraum. Reinecke & Voß, Leipzig 2017, ISBN 978-3-9429-0126-0.
Eigenständige literaturwissenschaftliche Veröffentlichungen Als Slata Kozakova: Der Mann im Untergrund. Zu einem Männlichkeitstypus in der russischen Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2022, zugleich Diss. LMU München 2021, ISBN 978-3-666-36769-4.
Journalistische Veröffentlichungen (Auswahl) Was Putin mit einer Zeichentrickfigur gemein hat. In: Süddeutsche Zeitung, 28. April 2022. Textreihe mit Nadire Yilmaz Biskin, Mara-Daria Cojocaru, Alexander Estis, Ksenia Gorbunova, Magdalena Jagelke, Vladimir Kholodkov zu „Nichtdeutschen Namen im Literaturbetrieb“ im Literaturportal Bayern und in neues deutschland 2022/23. Gemeinsam mit Cécil Joyce Röski: Macht und Konkurrenz im Literaturbetrieb. In: temporär & prekär, Der Literaturpolitik-Podcast: Wettlesen, Literaturpreis(geben) & Konkurrenz, Folge 03, 12. Juni 2023. Gemeinsam mit Alexander Estis: Aber es geht doch um Literatur! Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. September 2023 – Teil einer Textreihe mit Konstantin Ames, Alexander Estis, Selene Mariani, Eva Müller zu Macht und Konkurrenz im Literaturbetrieb. Gemeinsam mit Katharina Bendixen: Gefangen im Elfenbeinturm. Herausgabe einer Textreihe zu Absurditäten von Residenzstipendien. In: Jadu-Magazin des Goethe-Instituts, 29. Januar 2025. Gemeinsam mit Alexander Estis: Genug ist genug. Herausgabe einer Textreihe zum Antisemitismus im deutschen Literaturbetrieb. In: FAZ online, „Bilder und Zeiten“ vom 8. November 2024.
Auszeichnungen und Stipendien Auszeichnungen 2018: Auszeichnung mit dem Jury-Preis und dem ersten Publikumspreis beim Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern 2022: Longlist zum Deutschen Buchpreis mit 153 Formen des Nichtseins 2022: Bayerischer Kunstförderpreis für 153 Formen des Nichtseins 2023: Förderpreis des Schubart-Literaturpreises der Stadt Aalen 2023: Christine-Literaturpreis 2023: Zweiter Preis beim Feldkircher Lyrikpreis
Stipendien (Auswahl) 2020: Arbeitsstipendium des Freistaates BayernFrisch ans Werk: Verleihung der Arbeitsstipendien an sechs Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Bayern www.stmwk.bayern.de, abgerufen am 26. Oktober 2020. 2020: Arbeitsstipendium der Stiftung Zurückgeben zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft 2023: Märkisches Stipendium für Literatur, freiwillige Aufteilung des Stipendiums mit den Nominierten Fatma Aydemir und Nastasja Penzar 2023: Writer in Residence der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Innsbruck 2023: Writer in Residence am Künstlerhaus Edenkoben 2023/24: Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfondshttps://deutscher-literaturfonds.de/aktuelles/ergebnisse-der-kuratoriumssitzung-des-deutschen-literaturfonds-vom-13-14-juni-2023/ 2023/24: Writer in Residence an der Universität Nancy/Frankreich 2024: Residenzstipendium am Stuttgarter Schriftstellerhaus 2025: Residenzstipendium am Heinrich-Heine-Haus Lüneburg 2025: Residenzstipendium im Künstlerdorf Schöppingen 2025: H.C. Artmann-Residenzstipendium Salzburg 2025/2026: Stadtschreiber von Graz
Weblinks
Slata Roschal auf Literaturport.de Website von Slata Roschal Interview im April 2023 zur Verleihung des Schubart-Förderpreises der Stadt Aalen. One Day – Ein Tag Spurensuche in der Lyrik-Bibliothek des Lyrik Kabinetts mit Slata Roschal (2023) – Interviewfilm
Einzelnachweise
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