mini|300px|Der Isis-Tempel um 1870 mini|Plan des Isis-Tempels (Norden ist unten links) mini|Marmorkopf der Isis von einer Kompositstatue (Akrolith) Der Isis-Tempel (als aedes Isidis in einer Inschrift bezeichnet) in Pompeji gehört zu den bestdokumentierten Tempeln dieser Göttin im römischen Reich. Er liegt im Süden der Stadt, nördlich des Theaters, neben dem Heiligtum des Zeus Meilichios. Der Tempel wurde 1764 entdeckt, was damals einige Aufregung verursachte. Es handelte sich um den ersten Tempel, der in Pompeji ausgegraben wurde, sowie um den ersten bekannten Isis-Tempel überhaupt. Am Eingang des Tempelkomplexes befindet sich eine Inschrift (heute nur eine Kopie vor Ort, das Original ist im Archäologischen Nationalmuseum Neapel, Inv. Nr. 3765), nach der der Tempel von Numerius Popidius Celsinus erbaut wurde. Die Inschrift belegt einen Neubau des Tempels nach dem Erdbeben von 62 n. Chr.: N(umerius) Popidius N(umeri) f(ilius) Celsinus / aedem Isidis terrae motu conlapsam / a fundamento p(ecunia) s(ua) restituit hunc decuriones ob liberalitatem / cum esset annorum sex{s} ordini suo gratis adlegerunt „Numerius Popidius Celsinus, Sohn des Numerius, stellte den Tempel der Isis, der bei einem Erdbeben eingestürzt war, auf eigene Kosten von Grund auf wieder her; diesen haben die Dekurionen wegen seiner Großzügigkeit, als er sechs Jahre alt war, kostenlos in ihren Stand aufgenommen.“ Der Vorgängerbau wurde wahrscheinlich am Ende des 2. oder am Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. errichtet.
Architektur Der Tempelbezirk ist von einer im Grundriss rechteckigen Umfassungsmauer umgeben. Die Innenseite der Mauer war aufwendig mit Malereien im vierten Stil dekoriert, die heute nicht mehr vor Ort erhalten sind. Der Haupteingang lag im Nordwesten an der heute so genannten Via del tempio d’Iside. Alle Bauten innerhalb der Mauer scheinen aus der Zeit nach dem Erdbeben zu stammen. Vom Eingang gelangt man in einen von Säulen umgebenen Hof mit jeweils acht Säulen dorischer Ordnung an den Langseiten, sieben an der Rückseite und vier Säulen sowie zwei Pfeilern an der Front, der damit eine vierseitige Portikus (Quadriportikus) bildet. Der ursprüngliche Hof hatte zehn mal acht Säulen.Coarelli: in Filippo Coarelli et al.: Pompeji, S. 94 Sie haben eher grobe Formen und waren einst reichlich mit Stuck überzogen. In der Mitte des Hofes steht der eigentliche Tempel. Er ist mit 8,15 mal 6,27 Meter breiter als tief und steht auf einem Podium, auf das man über eine vorgelagerte und in die tetrastyle Säulenstellung der Front einschneidende Treppe gelangt. Hier stehen Tuffsäulen korinthischer Ordnung. Links und rechts vom Eingang befinden sich kleine Kapellen mit Nischen, in denen einst Statuen standen. Die eigentliche Cella ist breitrechteckig. Der Bau ist außen mit Stuck dekoriert, der wiederum Quader nachahmt und ähnelt damit Dekorationen des ersten Stils römischer Wanddekoration. Die Dekoration an der Frontseite orientiert sich an dem vierten Stil, der zur Zeit der Renovierung vorherrschte. Das Innere zeigt stuckierte Marmorplatten und ist daher sehr einfach. Figürliche Motive fehlen weitestgehend. Der Boden war mit opus sectile und opus tessellatum (Mosaik) ausgelegt. Davon ist heute nichts mehr erhalten.Moormann: Divine Interiors, S. 150 Die einfache Dekoration des ersten Stils datiert mit Sicherheit nach dem Erdbeben und mag als Referenz zu einem altertümlichen Stil gewertet werden. Links vor dem Tempel befindet sich ein Purgatorium, ein Reinigungsriten dienender, nicht überdachter Bau, in dem einst Nilwasser in einem Krug aufbewahrt wurde. Eine Treppe im Innern führt in einen unterirdischen Raum. An den Außenwänden ist der Bau mit figürlichen Stuckaturen dekoriert.La Rocca et al. Lübbes archäologischer Führer Pompeji, S. 162.
An der Rückseite des Tempels befindet sich eine Nische, in der sich eine Bacchus-Statue fand.Eugenio La Rocca, Mariette de Vos Raaijmakers, Arnold de Vos: Lübbes archäologischer Führer Pompeji. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1979, ISBN 3-7857-0228-0, S. 163.
Hinter dem eigentlichen Tempel liegt eine größere Halle. Es mag sich um einen Versammlungsraum für Gläubige handeln (Ekklesiasterion). Der Boden ist mit einem Mosaik dekoriert, das einen Bruder von Numerius Popidius Celsinus und beider Mutter Corelia Celsa nennt. Es ist heute verloren. Die Familie ist ansonsten nicht belegt.La Rocca et al. Lübbes archäologischer Führer, Pompeji, S. 163 Der Raum war einst mit Malereien des vierten Stiles ausgemalt. Bildfelder zeigen ägyptische Landschaften, aber auch Episoden aus dem Mythos der Io.Coarelli: in Filippo Coarelli et al.: Pompeji, S. 98 In einem anschließenden Raum fanden vielleicht Initiationsriten statt. Hier fanden sich diverse Statuen, darunter auch eine ägyptische mit einer Hieroglypheninschrift. In der Südwestecke des Bezirkes liegt eine kleine Raumgruppe mit Küche, Schlafzimmer und Tricinium, die vielleicht dem Priester der Isis als Wohnräume diente.Coarelli: in Filippo Coarelli et al.: Pompeji, S. 98
Die Wandmalereien mini|Io (mit Hörnern) wird von Isis (rechts, eine Kobra haltend und mit einem Krokodil zu ihren Füßen) in Ägypten begrüßt mini|Isis in einem Boot findet die Reste ihres Gemahls Osiris in einem Kasten Wandmalereien aus den Portiken Die Portiken waren reich mit Malereien dekoriert. Es fand sich hier eine Felderdekoration, die typisch für den vierten Stil ist. In der Sockelzone befanden sich gelbe Felder, in denen sich Meeresmonster und Sphingen, die sich mit Medusen-Köpfen abwechseln, gemalt befinden. Die Hauptzone bestand aus zarten gemalten Architekturen, die sich mit großen, roten Feldern abwechseln. Die Oberzone war weiß mit gemalten Architekturen. In den Architekturen fanden sich kleine Bilder von Landschaften, Stillleben mit Tieren und Mahlzeiten. Es gab mindestens acht Darstellungen von Seeschlachten. Auf den roten Feldern befanden sich kleine Vignetten von Landschaften, aber auch die Darstellungen von zwölf Priestern.Moormann: Divine Interiors, S. 151
Wandmalereien aus dem Ekklesiasterion Der Eingangsbereich zum Ekklesiasterion hat Pfeiler, die auf den Innenseiten Kandelaber auf weißem Grund mit Figuren von Isis und Priestern gekrönt zeigen. Das eigentliche Ekklesiasterion zeigte ähnliche Malereien wie die Säulenhallen. Die Felder zwischen den Architekturen enthielten großangelegte Landschaften. Es gibt vereinzelten ägyptische Motive, aber im Allgemeinen folgen diese Szenen Landschaften, die auch aus anderen pompejanischen Häusern bekannt sind. Die trennenden Architekturen hatten robust gemalte Säulen. Zwei mythologische Szenen sind erhalten, in denen jeweils Io eine bedeutende Rolle spielt. Die Oberzone in den Malereien war schon bei der Auffindung verloren. Insgesamt sind die Malereien von hoher Qualität, unterscheiden sich aber wenig von anderen Malereien aus gleichzeitigen Wohnhäusern.Moormann: Divine Interiors, S. 152–154
Die Malereien in dem sich südlich anschließenden Raum, der direkt an das Theater grenzt, sind dagegen ganz anders. Hier fanden sich großfigürliche Darstellungen von diversen Gottheiten. Die Wände sind nicht gegliedert, sondern die Figuren befinden sich auf dem weißen Hintergrund. Die Farbpalette ist klein, rot, braun und gelb sind fast die einzigen Farben. Der neapolitanische Staatsmann Bernardo Tanucci veranlasste, dass diese Malereien von der Wand genommen wurden, während der damalige Museumsdirektor Giuseppe Canart sie für unwichtig hielt und sie vor Ort belassen wollte. Die Westwand zeigte Isis und Osiris auf einem Thron sitzend. Neben Isis waren ein Skarabäus, ein Löwe und zwei Kobras wiedergegeben. Neben Osiris waren auch zwei Kobras gemalt. Die lange Nordwand, zeigt Bes auf einem Thron sitzend. Daneben sieht man Isis auf einem Boot wie sie Osiris entdeckt, dessen Reste sich in einem Kasten auf einem weiteren Boot befinden. Große Köpfe flankieren die Szene. Darunter finden sich wiederum Kobras dargestellt. Auf der Ostwand war der Apisstier dargestellt.Moormann: Divine Interiors, S. 155–157
Insgesamt haben die Malereien ein hohes Niveau. Es waren hier also geübte Maler am Werk. Ägyptisch Blau und Violet, zwei teure Farben, fehlen jedoch. Die Auftraggeber, offensichtlich Freigelassene der Popidii-Familie, waren wohlhabend, aber nicht übermäßig reich. Von ägyptischen Motiven abgesehen, sind die Dekorationsschemata in Portikus und Ekklesiasterion typisch für den vierten Stil. Vergleichbare Malereien sind auch in Wohnhäusern zu finden. Nur die Malereien in dem an dem Theater grenzenden Raum sind anders. Die Wände dort sind nicht gegliedert. Das Farbspektrum ist begrenzt.Moormann: Divine Interiors, S. 155 Die Darstellung von Kriegsschiffen in den Portiken scheint merkwürdig und es gibt verschiedene Erklärungsversuche, die jedoch alle wenig überzeugen. Jährlich fand ein Fest zu Ehren der Isis statt, bei dem auch Boote eine Rolle spielten. Besonders Kaufleute im Seehandel verehrten Isis. Eine Verbindung scheint jedoch in beiden Fällen unwahrscheinlich, da eindeutig Kriegsschiffe und keine Handelsschiffe dargestellt sind. Die Kriegsschiffe mögen dagegen ein Hinweis auf die Seeschlacht von Actium sein, in der Augustus die Ägypter besiegte. Die Mahlzeiten in den Stillleben sind als Opfer für Isis interpretiert worden. Allerdings sind solche Bilder grundsätzlich sehr häufig in Pompeji, so dass man den Eindruck gewinnt, dass viele Bilder in den Malereien aus einem Standardprogramm von Motiven genommen wurden, ohne Bezug zum Tempel.Moormann: Divine Interiors, S. 159–160
Funde mini|Inschrift des Sematauitefnacht