Von den fast 50.000 bekannten Webspinnenarten sind von einigen, hier als Giftspinnen bezeichneten Arten, auch Vergiftungen beim Menschen bekannt geworden. Spinnen verfügen über Spinnentoxine, die sie eigentlich zum Beuteerwerb nutzen, wobei in fast allen Fällen andere Arthropoden die Beute sind. Als Faustformel sind nur Arten mit einer Körperlänge (ohne die Beine gemessen) von über 10 Millimeter in der Lage, mit ihren Kieferklauen, den Cheliceren, die menschliche Haut zu durchdringen. Nur von wenigen Arten sind ernsthafte Vergiftungsfälle bekannt geworden. Dabei wird auch in Ländern mit Vorkommen von Giftspinnen die Zahl der tatsächlichen Vorfälle oft weit überschätzt.
Es gibt allerdings – vor allem in subtropischen und tropischen Breiten – eine kleine Gruppe (nicht näher miteinander verwandter) Spinnenarten, bei denen möglicherweise die Giftwirkung zusätzlich zur Abwehr von für die Spinne möglicherweise bedrohlichen Wirbeltieren evolviert ist. Bei anderen Spinnenarten, insbesondere bei solchen, deren Biss nicht unmittelbar schmerzhaft ist, ist von einer nur zufälligen Wirkung auszugehen. Bisse von giftigen Spinnen treten vor allem bei Arten auf, die im engen Kontakt zum Menschen, oft innerhalb von Häusern (synanthrop) leben. Auch dann sind sie selten und ungewöhnlich, oft nur dann, wenn Spinnen versehentlich gedrückt oder gequetscht werden.
Tödliche Giftbisse durch Spinnen sind dokumentiert, aber selten. In einer Abschätzung wurde von unter 200 Fällen weltweit im Jahr ausgegangen, in den USA sind es im Durchschnitt etwa sechs im Jahr.
Diagnose Zahlreiche berichtete Fälle von Spinnenbissen durch Giftspinnen stellen sich bei Nachprüfung als irrtümlich heraus. So werden etwa im westlichen Nordamerika recht häufig Bisse der Braunen Einsiedlerspinne Loxosceles reclusa behandelt, obwohl diese Spinne dort gar nicht vorkommt. Spinnen verursachen durch ihr Bewegungsmuster, das haarige Aussehen und die vielen Beine bei vielen Menschen Angstgefühle, die sich bis zur krankhaften Arachnophobie steigern können. Oftmals werden am Körper entdeckte Läsionen so Spinnen zugeschrieben, obwohl in Wirklichkeit kein Zusammenhang ersichtlich ist. Für verifizierte Spinnenbisse gelten daher die folgenden Kriterien: es muss beim Biss zu tatsächlichen Symptomen gekommen sein; es muss tatsächlich eine Spinne vorgelegen haben (da Augenzeugenberichte unzuverlässig sind, am besten gefangen); diese Spinne muss von einem Experten als Giftspinne bestimmt worden sein. Das Vorhandensein von zwei roten Punkten, interpretiert als Einstichpunkte der Kieferklauen, das oft als Indiz angegeben wird ist nur ein unverlässlicher Hinweis.
Gattungen und Arten von Giftspinnen Für den Menschen tatsächlich bedrohliche Giftspinnen, deren Biss schlimmer ist als ein Wespen- oder Moskitostich, sind auf wenige Gattungen beschränkt.
Trichternetzspinnen Als sogenannte „Trichternetzspinnen“ (nicht mit der weitaus harmloseren Familie der Trichterspinnen (Agelenidae) zu verwechseln) werden vor allem Arten der Gattungen Atrax und Hadronyche bezeichnet, die traditionell in der Familie der Hexathelidae zusammengefasst wurden. Nach einer taxonomischen Revision im Jahr 2018 wurden sie in eine Familie Atracidae transferiert. Sie gelten nach toxikologischen Daten als die giftigsten Spinnen. Die am meisten gefürchtete Art ist die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus). Insgesamt umfasst die Gruppe 34 Arten, von denen bei mindestens sechs Arten Vergiftungsfälle beim Menschen dokumentiert sind. Die anderen fünf Arten wie zum Beispiel Hadronyche formidabilis leben aber nicht synanthrop, sondern fern des Menschen, meist an Baumstämmen, so dass es selten zum Kontakt kommt. Alle leben im Südosten Australiens (inklusive der Insel Tasmanien). Darüber hinaus zählte zur Familie der Hexathelidae auch die monotypische Familie der Macrothelidae, die nur die Gattung Macrothele umfasst. Zwei Arten der Gattung, wovon es sich bei einer um die Andalusische Trichternetzspinne (M. calpeiana) handelt, kommen auch im europäischen Mittelmeerraum vor. Die Arten beider Familien sind die einzigen Giftspinnen, die zur Unterordnung der Vogelspinnenartigen gehören.
Australische Trichternetzspinnen mini|rechts|Drohgebärde einer Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) Australische Trichternetzspinnen (Atracidae) sind mit einer Körperlänge von 15 bis 45 Millimeter große bis sehr große Spinnen. Typisch sind die sehr massigen, parallel nach vorn stehenden („orthognathen“) Cheliceren-Grundglieder. Die Spinnen sind einfarbig schwarz oder dunkelbraun gefärbt. Sie bauen ein trichterförmiges Fangnetz, das in eine fingerförmige Röhre zusammenläuft; in deren Schutz lauert die Spinne auf Beute, die sich im Trichternetz verfängt. Die Sydney-Trichternetzspinne lebt oft in Gärten, zwischen Steinen oder in Trockenmauern. Insbesondere die Sydney-Trichternetzspinne ist für ihre hohe Reizbarkeit bekannt. Ein sich bedroht fühlendes Exemplar nimmt zuerst eine für Spinnen typische Drohgebärde ein, bei der der Körper aufgerichtet, die vorderen Extremitäten erhoben und die Cheliceren gespreizt werden. Ein Biss kann folgen, sollte die Spinne weiterhin provoziert werden. Giftbisse beim Menschen gehen überwiegend (in einer Untersuchung 88 Prozent) auf Männchen zurück, die deutlich mobiler als Weibchen sind, wenn sie in der Paarungszeit auf der Suche nach diesen sind. Berichtet wird von jährlich etwa fünf bis zehn Fällen, alle in Südost-Australien, in Küstennähe. In etwa einem Drittel der Fälle traten ernstere Symptome auf, die ausschließlich auf Bisse durch Männchen zurückzuführen waren. Bevor im Jahr 1981 ein Gegengift entwickelt und verbreitet wurde, sind 13 Todesfälle verbürgt. Seitdem kamen keine tödlichen Fälle mehr vor.
Als Symptome werden angegeben: Sofortiger, heftiger Schmerz, der etwa 30 Minuten anhält. Lokal kommt es zu Taubheitsgefühl, Hautrötung, Gänsehaut und Muskel-Faszikulationen. Nach etwa 10 Minuten bis einer Stunde kann es zu systemischen Reaktionen wie Muskelkrämpfen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Schweißausbrüchen und Atemnot kommen. Als Sofortbehandlung wird ein Druckverband empfohlen, im Krankenhaus können nach der Gegengiftgabe die Patienten meist nach zwei bis vier Stunden nach Hause entlassen werden. Als wesentliches Gift der Australischen Trichternetzspinnen wurden Delta-Atracotoxine identifiziert, Peptide, die als Neurotoxine wirken.
Europäische Trichternetzspinnen mini|Drohgebärde einer Andalusischen Trichternetzspinne (Macrothele calpeiana) In Europa kommen zwei Arten der Gattung Macrothele vor, die wie die der zu den Gattungen Atrax und Hadronyche gehörenden Arten zur Familie der Hexathelidae gezählt wurden und mit ihnen nah verwandt sind. Die Gattung Macrothele zählt mittlerweile zur monotypischen Familie der Macrothelidae, ist also deren einzige Gattung. Die beiden Vertreter sind die auf Kreta endemische Art Macrothele cretica und die Andalusische Trichternetzspinne (M. calpeiana). Der Biss beim Menschen und seine Folgen sind bei letzterer Art überliefert. Das Gift der Andalusischen Trichternetzspinne kann Kreislaufbeschwerden verursachen. Schwerwiegendere Folgen oder gar Todesfälle sind allerdings nicht belegt.
Entsprechend ihrer Verwandtschaft zu diesen ähneln die Arten der Gattung Macrothele denen der Gattungen Atrax und Hadronyche, bleiben aber insgesamt etwas kleiner. Die Gesamtlänge der Andalusischen Trichternetzspinne beträgt maximal 35 Millimeter. Ähnlich den Vertretern der anderen Gattungen legen auch die der Gattung Macrothele Trichternetze an, die etwa bei der Andalusischen Trichternetzspinne an der Basis von Baumstämmen oder unter Steinen angelegt werden. Ferner wird auch ihnen ein den australischen Verwandten ähnlich aggressives Verhalten nachgesagt. Ansonsten ist über die 15 Arten der von Europa bis zum Osten Chinas vertretenen Gattung Macrothele wenig bekannt.
Witwenspinnen mini|links|Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) Die Arten der zu den Kugelspinnen (Theridiidae) gehörenden Gattung der Echten Witwen (Latrodectus), deren giftigsten Arten „Schwarze Witwen“ genannt werden, sind vermutlich die bekanntesten der Giftspinnen. Die Bezeichnung als „Witwe“ geht darauf zurück, dass man früher annahm, das viel größere Weibchen würde das Männchen während der Paarung regelmäßig auffressen, tatsächlich ein Artefakt der Käfighaltung im Labor. Wie bei vielen Spinnen endet die Paarung für das Männchen manchmal tödlich, aber nicht regelmäßig. Mit der Europäischen Schwarze Witwe oder Malmignatte (Latrodectus tredecimguttatus) tritt eine Art auch in Südeuropa auf. Die Gattung umfasst gut 30 Arten, die meisten Vergiftungsfälle werden von der Südlichen Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans) berichtet. Mit verschiedenen Arten ist die Gattung in Europa, Südasien, Australien, Afrika und Nord- und Südamerika weit verbreitet, zwei Arten sind von Neuseeland belegt. Alle Arten bauen ein charakteristisches Haubennetz an dunkle Orte, nicht selten synanthrop an menschlichen Behausungen. Oft kommt es zu Vergiftungsfällen, wenn Spinnen versehentlich gequetscht werden, die sich in Kleidungsstücke wie Schuhe oder Gartenhandschuhe zurückgezogen haben. Früher wurden viele Fälle bei der Getreideernte oder in außen liegenden Plumpsklos gemeldet, was heute seltener vorkommt. Bisse werden fast nur von weiblichen Spinnen berichtet. In Australien ist die Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti) für etwa zwei Drittel der gemeldeten Giftbisse, darunter fast alle schwereren Fälle, verantwortlich.
mini|Ventralansicht einer Südlichen Schwarzen Witwe (L. mactans) mit der für die Echten Witwen (Latrodectus) typischen Sanduhrzeichnung. Die sogenannte „Schwarzen Witwen“ sind wie die Mehrheit der Echten Witwen entsprechend der Bezeichnung meist schwarz gefärbt mit einer typischen, sanduhrförmigen roten Zeichnung auf der Unterseite des Hinterleibs. Die europäische Art ist dort auffallend rot gefleckt und dadurch unverkennbar. In Afrika leben Arten mit weißer Zeichnung, einige Arten wie die Weiße Witwe (Latrodectus pallidus) sind überwiegend weiß, andere braun gefärbt. Die Arten haben die typische Gestalt der Haubennetzspinnen, die Unterscheidung der Gattung ist nur für Spezialisten möglich.
Symptome eines Giftbisses der Schwarzen Witwen sind unmittelbarer Schmerz und unspezifische Reaktionen wie Schweißausbrüche, Hypertonie, Unruhe, Fieber, Kribbeln und Jucken (Parästhesie). Der Schmerz hält normalerweise einen bis zwei Tage an, die anderen Symptome einen bis vier Tage. In vielen Fällen bleibt es bei der lokalen Schmerzreaktion, oder es treten überhaupt keine Symptome auf. Meist werden nur Schmerzmittel gegeben. Ein Gegengift ist vorhanden, es wird aber in den USA nur zögerlich und in schweren Fällen eingesetzt, da über häufige allergische Reaktionen darauf berichtet wurde (während es in Australien regelmäßig eingesetzt wird). Intramuskuläre Antigift-Gaben erwiesen sich als wirkungslos. Meist ist anhaltender Schmerz das wesentliche Symptom.
Hauptbestandteil des Gifts ist Alpha-Latrotoxin, ein als Neurotoxin wirksames Protein. Es bindet an bestimmte, als Neurexine und Latrophiline bezeichnete Membranrezeptoren der Nervenzelle und bewirkt eine übermäßige Ausschüttung von Neurotransmittern. Die Gifte der verschiedenen Latrodectus-Arten verursachen überall ähnliche Symptome, tatsächlich können die jeweils spezifischen Gegengifte auch gegen andere Arten der Gattung verwendet werden.
Sechsäugige Sandspinnen