mini|Portal der Laeiszhalle (Johannes-Brahms-Platz) mini|Ort mit Musiktradition: Ehemaliger Dragonerstall um 1850, der seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu seinem Abriss bereits als Theater- und Konzertgebäude genutzt worden war.Jörg Schilling: Das (die) Gängeviertel. Hamburger Bauheft 18, Hamburg 2016, S. 12 ff.

Die Laeiszhalle (sprich: „Laißhalle“), ehem. Musikhalle Hamburg, ist ein traditionsreiches Konzerthaus am Johannes-Brahms-Platz in Hamburg. Errichtet im Stil des hanseatischen Neobarock, wurde die Laeiszhalle 1908 als ihrerzeit modernstes deutsches Konzerthaus eingeweiht. Der Große Saal bietet 2025 Sitzplätze und war mit der Walcker-Orgel ausgestattet. Der Kleine Saal hat 640 Sitzplätze.

Generalintendant der Laeiszhalle ist seit 2007 Christoph Lieben-Seutter. Er ist auch für die am 11. Januar 2017 eröffnete Elbphilharmonie zuständig. Die Symphoniker Hamburg sind das Orchester der Laeiszhalle.

Geschichte mini|Bei der Eröffnung am 4. Juni 1908 mini|Putten mit Lyra, Schriftzug „Laeiszhalle“

Die Laeiszhalle ist ein Beispiel bürgerlich-hanseatischen Mäzenatentums der alten Stadtrepublik. Der Hamburger Reeder Carl Laeisz vermachte der Stadt testamentarisch 1,2 Millionen Mark zur Erbauung „einer würdigen Stätte für die Ausübung und den Genuss edler und ernster Musik“. Seine Witwe Sophie Laeisz stockte den Betrag später auf 2 Millionen Mark auf. Die Musikhalle wurde von 1904 bis 1908 unter Leitung der Architekten Martin Haller und Emil Meerwein auf einem von der Stadt gestellten Grundstück am Wallring im Stil des für Hamburg eigentümlichen hanseatischen Neobarock errichtet.Johannes Gerhardt: Sophie Christine und Carl Heinrich Laeisz. (PDF; 918 kB).Elbphilharmonie: Laeiszhalle: Portrait und Geschichte. Die Einweihung fand am 4. Juni 1908 statt. Zur Zeit ihrer Eröffnung war sie das größte und modernste Konzerthaus Deutschlands.

Der Platz vor der Musikhalle hieß zunächst Holstenplatz (nach dem früher hier befindlichen Holstentor), wurde 1934 in Karl-Muck-Platz umbenannt und heißt seit 1997 Johannes-Brahms-Platz.

Die zentral gesteuerte Lüftungs- und Heizungsanlage stammte von der Hamburger Firma Rud. Otto MeyerChristoph Becher, Angela Jannelli: 100 Jahre Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg. Geschichte, Menschen, Sternstunden. Hamburg 2008, ISBN 978-3-00-024874-0. (später „Imtech“), die schon im 1897 vollendeten Hamburger Rathaus Fernwärme und Lüftung installiert hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den die Laeiszhalle unversehrt überstand, nutzten die britischen Besatzer sie vorübergehend als Funkhaus für ihren Militärsender BFN. Chris Howland startete hier seine Radio-Karriere.

Im Juni 2008 beging die Laeiszhalle mit zahlreichen Konzerten ihren hundertsten Geburtstag. Seit der Saison 2009/2010 werden hier neben den Konzerten verschiedener Musikveranstalter, Orchester und Ensembles auch hauseigene Konzerte der HamburgMusik gGmbH veranstaltet. Sie machen etwa ein Drittel des Gesamtprogramms aus. Mit Eröffnung der Elbphilharmonie wurden die Symphoniker Hamburg das „Residenzorchester“ der Laeiszhalle.

Name Während anfangs die Namen „Laeiszhalle“ und „Musikhalle“ parallel benutzt wurden, wurde das Haus während der Herrschaft der Nationalsozialisten in „Musikhalle“ umbenannt.Eng: Die Musikhalle heißt nun offiziell Laeiszhalle. In: Die Welt, 13. Januar 2005, abgerufen am 17. Januar 2022. Dieser Name wurde auch seit der Umwandlung in einen Landesbetrieb 1996 fortgeführt. Im Januar 2005 wurde die Musikhalle offiziell in „Laeiszhalle“ rückbenannt.

Veranstaltungsräume

Großer Saal, 2025 Plätze Kleiner Saal, 640 Plätze „Studio E“, 150 Plätze „Brahms-Foyer“, 80 Plätze an Tischen

Im Inneren ist am zentralen Treppenaufgang eine Gedenktafel für die Stifter angebracht. Die Treppe führt zum 1. Rang und zum „Brahms-Foyer“, in dem Max Klingers monumentales Johannes-Brahms-Denkmal von 1909 aufgestellt ist, und wo in den Konzertpausen Verpflegung angeboten wird.

Musiker-Büsten im „Brahms-Foyer“ Die ersten Büsten galten dem unmittelbaren Umfeld von Johannes Brahms.Christoph Becher, Angela Jannelli: 100 Jahre Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg. Geschichte, Menschen, Sternstunden. Hamburg 2008, ISBN 978-3-00-024874-0, S. 68 ff. Joseph Joachim von Adolf von Donndorf Clara Schumann von Friedrich Christoph Hausmann Julius Stockhausen von Robert Toberentz Hans von Bülow von Hermann Haas Felix Mendelssohn Bartholdy von Carl Seffner. 1937 entfernt und durch eine Büste von Franz Liszt ersetzt, die heute im Keller der Laeiszhalle eingelagert ist. Robert Schumann von Carl Seffner

Die Nischen in den beidseitigen „Wandelgängen“ wurden nicht von Anfang an (1908) aufgefüllt und sind noch heute nicht vollständig bestückt. Gustav Mahler von Milan Knobloch, 1996 von der Gustav-Mahler-Vereinigung aufgestellt Johann Adolf Hasse von Hartmut Wolf, 1999 von der Hasse-Gesellschaft Bergedorf aufgestellt Johann Sebastian Bach: Kopie von Hermann Haas nach Carl Seffner Ludwig van Beethoven von Gustav Adolph Kietz Die Bach- und Beethoven-Büsten wurden von Hermann Behn in Auftrag gegeben und der Musikhalle gestiftet. Sie waren bis 2000 im Depot der Hamburger Kunsthalle gelagert und wurden am 15. Dezember 2000 im Brahms-Foyer aufgestellt. Alfred Schnittke von Milan Knobloch, im Jahr 2000 aufgestellt Peter Tschaikowsky von Aschot S. Alachwerdjanz, 1960 vom inzwischen aufgelösten Tschaikowski-Studio der Kulturbehörde geschenkt

Veranstaltungen Regelmäßige Auftritte Die Laeiszhalle ist der Stamm-Aufführungsort der großen Hamburger Ensembles sowie für zahlreiche Laiengruppen: Albert Schweitzer Jugendorchester Altonaer Singakademie Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg Chor und Orchester der Universität Hamburg Ensemble Resonanz Hamburger Camerata Hamburger Oratorienchor Hamburger OrchestergemeinschaftWebsite der Hamburger Orchestergemeinschaft Harvestehuder Sinfonieorchester Hamburg Haydn-Orchester Hamburg KlassikPhilharmonie Hamburg Landesjugendorchester Hamburg NDR Chor Orchester ’91 Hamburg Philharmonisches Staatsorchester Hamburg (vgl. Staatsoper Hamburg) Symphoniker Hamburg Symphonischer Chor Hamburg

Orgeln Walcker-Orgel (1908–1950) Für den Großen Saal der Laeiszhalle baute die Firma E. F. Walcker & Cie. eine Orgel im deutsch-romantischen Stil mit 73 Registern auf drei Manualen und Pedal, zuzüglich einer Transmission. Bemerkenswert war das zur damaligen Zeit geradezu revolutionäre elektrische Traktursystem, das den Einbau eines in die Bühne versenkbaren Spieltisches ermöglichte.Zeitschrift für Instrumentenbau (1907), S. 1105, 1167 Die Disposition lautete:Günter Seggermann: Von der Alster an den Rhein. Das wechselvolle Schicksal der ersten Hamburger Musikhallen-Orgel (1907/08). In: Orgel International 2002, Heft 1, S. 36–43, hier speziell: S. 39.

mini|Walcker-Orgel bei der Einweihung

I Hauptwerk C–a3 1. Prinzipal 16′ 2. Bourdon 16′ 3. Prinzipal 8′ 4. Doppelflöte 8′ 5. Gemshorn 8′ 6. Gedeckt 8′ 7. Flauto octaviante 8′ 8. Viola di Gamba 8′ 9. Dolce 8′ 10. Oktav 4′ 11. Gemshorn 4′ 12. Rohrflöte 4′ 13. Quinte ′ 14. Oktav 2′ 15. Kornett III–V 8′ 16. Mixtur IV 2′ 17. Scharff III ′ 18. Fagott 16′ 19. Trompete 8′ 20. Clairon 4′ II Positiv C–a3 21. Gedackt 16′ 22. Prinzipal 8′ 23. Hohlflöte 8′ 24. Bourdon 8′ 25. Fugara 8′ 26. Salizional 8′ 27. Quintatön 8′ 28. Konzertflöte 8′ 29. Unda Maris 8′ 30. Oktav 4′ 31. Traversflöte 4′ 32. Viola d’amour 4′ 33. Pikkolo 2′ 34. Rauschquinte II ′ 35. Mixtur III ′ 36. Oboë 8′ 37. Horn 8′ III Schwellwerk C–a3 38. Salicional 16′ 39. Fernhorn 8′ 40. Geigenprincipal 8′ 41. Synthematophon 8′ 42. Lieblich Gedeckt 8′ 43. Echo-Gamba 8′ 44. Spitzflöte 8′ 45. Aeoline 8′ 46. Voix celeste 8′ 47. Principal 4′ 48. Flauto dolce 4′ 49. Salicet 4′ 50. Flautino 2′ 51. Sesquialtera II ′ 52. Cymbel II–III 2′ 53. Klarinette 8′ 54. Vox humana 8′ Tremolo (für Nr. 54) Pedal C–f1 55. Grand Bourdon 32′ 56. Prinzipalbass 16′ 57. Flötenbass 16′ 58. Violonbass 16′ 59. Subbass 16′ Salizetbass (= Nr. 38) 16′ 60. Quintbass ′ 61. Oktavbass 8′ 62. Flötenbass 8′ 63. Violoncello 8′ 64. Oktav 4′ 65. Kornett III ′ 66. Bombardon 32′ 67. Posaunenbass 16′ 68. Trompete 8′ 69. Clarine 4′ Piano-Pedal 70. Gedecktbass 16′ 71. Sanftbass 8′ 72. Dulcianabass 8′ 73. Fagottbass 16′ Koppeln: Normalkoppeln II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Generalkoppel Superoktavkoppeln II/I, III/I, III/II, III/III Suboktavkoppeln III/I, III/II, III/III Spielhilfen (Auswahl): 4 freie Kombinationen und Auslöser der Handregistrierung 3 Kollektivdrücker (Forte, Fortissimo, Tutti) Rollschweller für das ganze Werk und Auslöser Schwelltritte zum III. Manual, für die Vox humana, sowie für das ganze Werk Fortissimoknopf für das III. Manual Kalkantenglocke elektropneumatische Trakturen

Das Instrument von Walcker wurde 1950 in das wiederaufgebaute Wuppertaler Thalia-Theater umgesetzt und umgebaut. Der Prospekt verblieb in der Laeiszhalle für den Orgelneubau. Jedoch wurde das Thalia-Theater bereits 1953 an die UFA verkauft, die aber die Orgel nicht übernehmen wollte, so dass sie wieder zum Verkauf stand. 1954 fand das Pfeifenwerk Wiederverwendung beim Orgelneubau von Walter Seifert in St. Engelbert Köln-Riehl, wo sie 1971 umgebaut wurde und einen neuen Spieltisch erhielt (III/P/64). Johannes Klais Orgelbau aus Bonn orientierte sich bei einem eingreifenden Umbau 2008 wieder am Klangbild von 1908 (III/P/41).

Beckerath-Orgel (1950–2021) Im Jahr 1950 baute der Hamburger Orgelbauer Rudolf von Beckerath ein neues Instrument mit 59 Registern und 4527 Pfeifen auf vier Manualen und Pedal hinter dem Prospekt von Walcker. Es trug dem sich wandelnden Zeitgeschmack Rechnung und war neobarock konzipiert. Nach dem Opus 1 in St. Elisabeth (Hamburg-Harvestehude) war dies Beckeraths erstes großes Orgelwerk und erregte weites Aufsehen. Die Spieltrakturen wurden mechanisch und die Registertrakturen elektrisch ausgeführt. Der Orgel fehlte es jedoch von Anfang an an Gravität, im hinteren Teil des Saales war sie nur eingeschränkt hörbar, weshalb es (vergebliche) Versuche, die Klangfülle mit elektronischen Mitteln aufzubessern, gab. Die Disposition lautete wie folgt:

I Rückpositiv C–g3 1. Prinzipal 8′ 2. Gedackt 8′ 3. Quintadena 8′ 4. Prinzipal 4′ 5. Rohrflöte 4′ 6. Quinte ′ 7. Ital. Prinzipal 2′ 8. Quinte ′ 9. Sesquialtera II 10. Scharf IV–VI 1′ 11. Dulcian 16′ 12. Bärpfeife 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 13. Prinzipal 16′ 14. Oktave 8′ 15. Rohrflöte 8′ 16. Oktave 4′ 17. Nachthorn 4′ 18. Oktave 2′ 19. Flachflöte 2′ 20. Rauschpfeife II ′ 21. Mixtur VI ′ 22. Trompete 16′ 23. Trompete 8′ III Schwellwerk C–g3 24. Quintadena 16′ 25. Violflöte 8′ 26. Koppelflöte 8′ 27. Violflöte 4′ 28. Blockflöte 4′ 29. Nasat ′ 30. Waldflöte 2′ 31. Nachthorn 1′ 32. Nonenkornett III ′ 33. Scharf VI 1′ 34. Zimbel III ′ 35. Feldtrompete 8′ 36. Vox humana 8′ 37. Feldtrompete 4′ Tremulant IV Kronwerk C–g3 38. Holzgedackt 8′ 39. Holzprinzipal 4′ 40. Kleinflöte 2′ 41. Sifflöte 1′ 42. Terzian II ′ 43. Scharf III–IV ′ 44. Dulcian 8′ Tremulant Pedalwerk C–f1 45. Prinzipal 16′ 46. Subbaß 16′ 47. Quintbaß ′ 48. Oktave 8′ 49. Gedackt 8′ 50. Oktave 4′ 51. Nachthorn 2′ 52. Rauschpfeife III ′ 53. Mixtur VI–VIII 2′ 54. Posaune 32′ 55. Posaune 16′ 56. Dulcian 16′ 57. Trompete 8′ 58. Trompete 4′ 59. Kornett 2′ Koppeln: I/II, III/I, III/II, IV/II, II/P+I/II+III/II, III/P, IV/P

mini|Neobarocke Orgelarchitektur in der Laeiszhalle Geplante Rekonstruktion der Walcker-Orgel Das Orgelwerk von Beckerath, zuletzt kaum noch ertönte, wurde 2021 wegen seiner klanglicher Defizite – unter anderem sind die Ansprüche an eine Konzertsaalorgel mit einer neobarocken Disposition nur bedingt zu erfüllen – zum symbolischen Preis von einem Euro an die evangelische Stadtkirche Peter und Paul im fränkischen Münchberg verkauft. Es wurde vereinbart, das Orgelwerk als Ganzes zu erhalten.