mini|150px|Logo mini|Stand der OCLC GmbH auf dem 106. Deutschen Bibliothekartag 2017 in Frankfurt OCLC, Inc. (vom Akronym für Online Computer Library Center) ist eine weltweit tätige Non-Profit-Organisation nach US-amerikanischem Recht und ein Dienstleister für Bibliotheken aller Art, die 1967 auf Initiative von Universitätsprofessoren in Dublin, Ohio, USA gegründet wurde. Ziel war es, ein auf Computer gestütztes Verbundsystem der Universitätsbibliotheken von Ohio aufzubauen, um durch kooperative Nutzung von Bibliotheksdaten die Arbeit effektiver zu gestalten, etwa durch die Übernahme von Titeldaten aus dem WorldCat.

Struktur und Finanzierung OCLC finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge. Um die von OCLC angebotenen Dienstleistungen nutzen zu können, ist es erforderlich, Mitglied zu sein. Der Hauptsitz von OCLC ist in Dublin, Ohio in den USA. Da OCLC weltweit arbeitet, gibt es die Kooperative OCLC EMEA B.V. (Abkürzung für Europe, Middle East, Africa) mit Hauptsitz im niederländischen Leiden, die für die Dienstleistungen des OCLC und die Betreuung der teilnehmenden Bibliotheken in Europa, Südafrika und im Nahen Osten verantwortlich ist.

Dabei teilt sich OCLC EMEA in drei Service-Center auf, die für bestimmte Regionen zuständig sind und in Zusammenarbeit mit der OCLC-Zentrale in Ohio Dienstleistungen für die teilnehmenden Bibliotheken entwickeln. Das Service-Center Mitte an der Universitätsbibliothek Leiden ist Ansprechpartner für die Beneluxländer, Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ein weiteres Service-Center Nord hat seinen Sitz in Sheffield und ist für Skandinavien, England, Osteuropa, das Baltikum, den Nahen Osten und Afrika verantwortlich. In Paris liegt das Service-Center Süd, das für Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Zypern, Slowenien und Israel zuständig ist, für Australien, Asien und Ozeanien arbeitet OCLC Inc. in den USA.

2008 setzten mehr als 60.000 Bibliotheken in vielen Ländern der Welt OCLC-Services ein. In Deutschland ist es zum Beispiel die SUB Göttingen, die z. B. über FirstSearch einen Zugang auf den WorldCat und die Datenbanken anbietet.

Im Geschäftsbereich von OCLC EMEA B.V. befinden sich folgende Niederlassungen:

Deutschland: OCLC GmbH mit Sitz in Oberhaching und Standorten in Berlin und Böhl-Iggelheim Frankreich: OCLC B.V. mit Büro in Paris Großbritannien: OCLC UK and Ireland mit Sitz in Sheffield Italien: OCLC S.r.l. mit Sitz in Florenz Niederlande: OCLC EMEA B.V., Zentrale mit Sitz in Leiden und einem Büro in Eelde Schweiz: OCLC AG mit Sitz in Basel

Der Geschäftsbereich arbeitet mit Fachkräften und Endnutzern aus akademischen und öffentlichen Bibliotheken, dem Gesundheitswesen sowie aus staatlichen und kulturellen Einrichtungen und vielen Vertriebspartnern zusammen. Eine Übersicht sämtlicher Niederlassungen und Vertriebspartner befindet sich auf der OCLC-Webseite.

Geschichte Am Anfang waren es nur Universitätsbibliotheken, die sich 1967 in Ohio zu einem Verbund unter dem Namen Ohio College Library Center zusammenschlossen. Ziel war es laut Fred Kilgour, dem ersten Präsidenten von OCLC, ein Computerbibliothekssystem zu entwickeln, mit dem die „Bibliotheksnutzer […] nicht mehr in die Bibliothek kommen müssen, sondern die Bibliothek zu ihnen“.Jay Jordan: GBV und Pica: Gemeinsam die Zukunft gestalten, S. 2. Hauptaufgabe des Bibliotheksverbundes ist es also, bibliographische Informationen bereitzustellen, wann und wo der Nutzer sie benötigt. Kern dieses Bibliothekssystems war der „Online Union Catalog“ (OUC, jetzt WorldCat), zu dem die Mitgliedsbibliotheken durch so genanntes „Online Shared Cataloging“ beitrugen. Der Online Union Catalog war eine Dienstleistung, der bei der Bereitstellung im Internet 54 Universitätsbibliotheken angehörten. Bis 1977 stand der Katalog allerdings nur Bibliotheken in den USA zur Verfügung. Im Oktober 1978 begann der erste Schritt in Richtung Internationalisierung durch die Bereitstellung von 750.000 Katalogdaten aus dem OUC für die Königliche Bibliothek der Niederlande für PICA.

1981 wurde die erste europäische OCLC-Niederlassung in Birmingham eröffnet (im gleichen Jahr wurde das Unternehmen umbenannt in OCLC Online Computer Library Center Inc.). Dies war der erste Schritt zur Errichtung eines globalen Netzwerkes von Bibliotheken. Neben der oben schon erwähnten Königlichen Bibliothek der Niederlande haben sich bis heute auch noch andere Nationalbibliotheken dem OCLC-Verbund angeschlossen, unter anderem die British Library, die Deutsche Nationalbibliothek und die Französische Nationalbibliothek. Im Jahr 2000 wurde die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen erstes deutsches Vollmitglied im OCLC-Verbund.

Die folgenden Personen waren Präsidenten von OCLC:

1967–1980: Frederick G. Kilgour 1980–1989: Rowland C. W. Brown 1989–1998: K. Wayne Smith 1998–2013: Robert L. „Jay“ Jordan seit 2013: David „Skip“ Prichard 2012 wurde Jack B. Blount als Präsident zunächst angekündigt, die Ankündigung aber 12 Tage später ohne Angabe von Gründen zurückgezogen.

Produkte und Dienstleistungen (kostenpflichtig) OCLC bietet verschiedene Dienstleistungen an, die sich entweder an die Bibliotheken selbst oder den Bibliotheksbenutzer richten. Die meisten Dienstleistungen sind allerdings Tools zur Optimierung oder Vereinfachung bibliothekarischer Arbeitsgänge. Diese Dienstleistungen werden zum Beispiel in den Bereichen der Katalogisierung oder der Fernleihe eingesetzt; der Bibliotheksbenutzer kommt höchstens mit FirstSearch und damit auch dem WorldCat in Kontakt. Einige der wichtigsten Dienste sind: BibliothecaPlus: Windows-basiertes Bibliotheksverwaltungssystem für Öffentliche Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Connexion: ist eine Werkzeugsammlung zur Online-Katalogisierung und wird zur Herstellung von Titelaufnahmen verwendet. CatExpress: ist ein webbasiertes Tool zur vereinfachten Katalogisierung, besonders geeignet für Bibliotheken, deren Mitarbeiter wenig Erfahrung im Katalogisieren haben. CONTENTdm: Anwendung zum Aufbau, Präsentation und Sicherung digitaler Sammlungen mit Dokument-, Bild-, Video- und Audiodateien. WorldCat Collections Sets: bietet Zugang zu Sammlungen von MARC Datensätzen auf Mikrofilm, Mikrofiche oder als elektronische Ressource. Neue Aufnahmen werden wiederum automatisch in den WorldCat übertragen (in der Regel einmal pro Woche). Zurzeit sind mehr als 200 Sammlungen vorhanden, zum Beispiel American Architectural Books, Early English Books 1475–1700 und History of Women. Dewey Services: Thesauri für die Dewey Decimal Classification sind seit 1988 bei OCLC verfügbar, mittlerweile in der 22. Ausgabe (auch als Elektronische Ressource verfügbar (WebDewey)). FirstSearch: ist ein Werkzeug zur Suche im WorldCat und ausgewählten Datenbanken. Dabei soll der Nutzer in die Lage gebracht werden, selbständig zu suchen. Je nach Niveau hat er mehr oder weniger Suchmöglichkeiten. Durch den Zugriff auf den WorldCat und anderen von OCLC gehosteten oder erstellten Datenbanken bietet Firstsearch folgende Features: Zugriff auf über 58 Millionen Aufnahmen Zugang zu Millionen von Volltextartikeln Besitznachweise von Bibliotheken Umfasst verschiedene Medienarten vom Buch bis zu MP3-Dateien Zugriff auf die vom Consortium of European Research Libraries (CERL) entwickelte „Hand Press Book Database“, eine spezielle buchhistorische Datenbank, die etwa drei Millionen historische Bücher aus der Zeit zwischen ca. 1455 und 1830 enthält. SISIS-SunRise: Linux-basiertes Bibliotheksverwaltungssystem mit Client-Server-Architektur für Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz, unter anderem als Lokalsystem beim Bibliotheksverbund Bayern (BVB) im Einsatz. SISIS-SunRise wird von OCLC nicht mehr weiterentwickelt und daher beim BVB bis Ende 2026 durch das Open Source Bibliothekssystem Folio abgelöst. WorldCat: ist ein weltweiter, gemeinsamer Katalog mit mehr als 15.000 beteiligten Institutionen, die den WorldCat gemeinsam pflegen und erweitern. Pro Sekunde kommt im Durchschnitt mehr als ein Datensatz hinzu. Nachgewiesen werden Medien in über 400 Sprachen, die einen Zeitraum bis zurück in das Mittelalter abdecken. Der WorldCat ist aufgrund seines Datenumfangs die größte bibliographische Datenbank der Welt, gleichzeitig bildet er das Rückgrat vieler Dienstleistungen. Ein Import bzw. Export von MARC- und DC-Datensätzen ist möglich World Share Management Services (WMS): Cloudbasiertes, integriertes Bibliothekssystem. Open WorldCat: Seit 2003 gibt es das Open WorldCat-Projekt. Dabei haben Internet-Benutzer die Möglichkeit, über Yahoo oder Google bei einer Suchanfrage auch im WorldCat zu recherchieren. WinIBW: Bei vielen Bibliotheksverbünden und Nationalbibliotheken verwendeter Katalogisierungs-Client. Eine vollständige Liste der Produkte befindet sich auf der OCLC-Webseite.

Identifikatoren und Linked Data Jedem neuen Titeldatensatz in WorldCat wird von OCLC eine eindeutige, fortlaufend vergebene „OCLC Control Number“ (OCN) zugewiesen. Im September 2013 machte OCLC die Nummern öffentlich. Die Kontrollnummern verknüpfen die WorldCat-Datensätze mit den Datensätzen lokaler Bibliothekssysteme, indem sie bibliotheksübergreifend einen gemeinsamen Referenzschlüssel für einen Datensatz liefern. OCNs dienen auch als Identifikatoren für Bücher und andere bibliografische Medien, die keine ISBN besitzen (zum Beispiel vor 1970 erschienene Bücher) und werden auch als Identifikatoren für Wikipedia und Wikidata verwendet.

OCLC verwaltet seit 2012 das Hosting, die Software und die Daten für das Virtual International Authority File (VIAF), eine virtuelle internationale Normdatei, die vom VIAF-Rat beaufsichtigt wird. Dieser setzt sich aus Vertretern von Institutionen zusammen, die Daten zur VIAF beisteuern. VIAF-Nummern werden weitgehend als Standardidentifikatoren verwendet, auch in Wikipedia und Wikidata.

Fusionen und Akquisitionen

1999: Am 1. Januar Übernahme von WLN, einem Anbieter von Online-Katalogisierungsdiensten an der nordwestlichen Pazifikküste der USA 2002: Erwerb von NetLibrary, einen Anbieter elektronischer Bücher und Lehrbücher, wurde 2010 weiter an EBSCO Industries weiterverkauft 2003: Am 12. November Übernahme von CAPCON, einem Anbieter von Schulungen und Unterstützung von OCLC-Bibliotheksdiensten im District of Columbia, Maryland and Virginia 2005: Übernahme der Sisis Informationssysteme GmbH. OCLC PICA B.V., die Sisis Informationssysteme GmbH und die Fretwell-Downing Informatics Ltd. ändern ihren Namen zu OCLC PICA. 2006: Fusion mit der Research Libraries Group (RLG) und Openly Informatics sowie Übernahme von DiMeMa, dem Hersteller von CONTENTdm. 2007: Seit Mitte 2007 besitzt OCLC 100 % der Anteile an OCLC PICA, einem Unternehmen für Bibliotheksautomatisierungssysteme und -dienste mit Hauptsitz in Leiden in den Niederlanden. OCLC PICA und OCLC schließen sich Ende 2007 zusammen und werden in „OCLC“ umbenannt. 2008: Am 11. Januar Erwerb von EZproxy und OAIster. Der Prozess begann im Januar 2009 und seit dem 31. Oktober 2009 sind OAIster-Datensätze über WorldCat.org frei verfügbar. Ebenfalls 2008 Übernahme von Amlib, ein australisches, auf Bibliotheksmanagementlösungen spezialisiertes Softwareunternehmen. 2011: Übernahme der BOND GmbH & Co. KG, ein Anbieter integrierter Systeme für Öffentliche Bibliotheken in deutschsprachigen Ländern. 2013: Übernahme des niederländischen Bibliotheksautomatisierungsunternehmens Huijsmans en Kuijpers Automatisering BV HKA und dessen integriertes Bibliothekssystem Wise, das OCLC als „Community-Engagement-System“ bezeichnet, das „die Leistungsfähigkeit von Kundenbeziehungsmanagement, Marketing und Analysen mit ILS-Funktionen kombiniert“. 2019 begann OCLC, Wise für Bibliotheken in den Vereinigten Staaten anzubieten.