mini|hochkant=1.5|Ricardo „Pelón“ Dominguez (links) gegen Rafael Ortiz, Leichtgewichtskampf, 9. August 2005 Boxen ist eine Kampfsportart, bei der sich zwei Kontrahenten unter festgelegten Regeln nur mit den Fäusten bekämpfen. Boxkämpfe werden auf mehrere Runden gleicher Dauer angesetzt, die jeweils von einer einminütigen Pause unterbrochen sind.
Ziel des Kampfes Es gewinnt derjenige, der entweder mehr regelkonforme Treffer als sein Gegner erzielen konnte (Punktsieg) oder die Kampfunfähigkeit des Gegners bewirken konnte (Knockout). Darüber hinaus können Kämpfe auch durch Abbruch durch den Ringrichter, durch Aufgabe oder durch Disqualifikation eines Sportlers entschieden werden. Die Kämpfer sind für gewöhnlich mit gepolsterten Handschuhen ausgestattet und müssen derselben Gewichtsklasse angehören.
Olympisches Boxen und Profiboxen Grundsätzlich ist zwischen Amateurboxen (olympisches Boxen) und Profiboxen zu unterscheiden. Das Profiboxen ist dabei nicht automatisch als qualitative Spitze der Sportart zu begreifen, sondern eher als eine eigenständige Disziplin des Boxsports zu sehen.
Das olympische Boxen und das Profiboxen unterscheiden sich in vielen Aspekten in relevanter Weise voneinander. Dies betrifft vor allem Fragen des Regelwerks sowie der Organisation der beiden Disziplinen in unterschiedlichen Verbänden.
Lange Zeit waren das olympische Boxen und das Profiboxen in der sportlichen Praxis komplett getrennt. Seit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro dürfen jedoch auch Profiboxer am olympischen Boxturnier teilnehmen, sofern sie sich in die Zuständigkeit eines von ihrem Nationalem Olympischen Komitee (NOK) anerkannten olympischen Boxverbandes begeben und in vorgeschalteten kontinentalen Qualifikationsturnieren eine Platzierung erzielen können, die zur Teilnahme am olympischen Boxturnier berechtigt.
Seitdem nimmt die strikte Trennung beider Disziplinen ab. Olympische Boxer können unter bestimmten Bedingungen Profiboxkämpfe bestreiten, ohne ihren Status als olympische Boxer zu verlieren, und Profiboxer können an Wettbewerben des olympischen Boxens teilnehmen.
Durchführung des Kampfes Boxring Boxkämpfe werden in einem quadratischen Boxring ausgetragen. (Das Wort „Ring“ kommt von dem Ring/Kreis, den die Schaulustigen früher um die Kämpfer bildeten, und existiert in dieser Bedeutung im Englischen seit dem 14. Jahrhundert.) Der Kampfbereich wird von drei oder vier straff gespannten Seilen eingegrenzt, die jeweils drei bis fünf Zentimeter stark sind und in den Höhen 40 – 80 – 130 Zentimeter (bei drei Seilen) oder 40 – 75 – 105 – 135 Zentimeter (bei vier Seilen) in die Ringpfosten eingehängt werden und auf jeder Seite zweifach mit einem senkrechten Verbindungsgurt gesichert sind.
Das Seilviereck des Kampfbereiches hat eine Seitenlänge zwischen etwa 5 und 6 Metern (genaue Mindest- und Maximalmaße können im Regelwerk unterschiedlicher Verbände leicht variieren). Die Verspannungen der Ringseile in den Ecken des Rings werden mit Eckpolstern abgedeckt. Zwei weiße Eckpolster werden als neutrale Ecken bezeichnet. Ein rotes und ein blaues Eckpolster liegen sich diagonal gegenüber und kennzeichnen die beiden Ringecken, die den Boxern zugewiesen sind. Der Ringboden ist mit einem sturzdämmenden Belag bedeckt und mit einer Plane bespannt. Der Bodenbereich außerhalb der Seile muss mindestens 50 Zentimeter breit sein.
Leitung des Kampfes Ein Boxkampf wird von einem Ringrichter geleitet, der die Einhaltung der Regeln überwacht, Regelverstöße ahndet und für die Sicherheit der Sportler verantwortlich ist. Der Ringrichter ist darüber hinaus verantwortlich für die vorzeitigen Entscheidungen des Wettkampfes wie z. B. K.o., Abbruch durch Verletzung und Disqualifikation.
Wertung des Kampfes Gewertet wird der Kampf von drei oder fünf Punktrichtern, die rings um den Ring sitzen. Jeder Punktrichter wertet jede Runde einzeln für sich. Die Rundenwertungen jedes einzelnen Punktrichters werden addiert und bilden die Wertung des betreffenden Punktrichters für den Kampf. Nach Punkten gewinnt, wen die Mehrheit der Punktrichter als Sieger errechnet hat.
Wortherkunft Ab dem 16. Jahrhundert wird das Verb „to box“ im Englischen nach und nach mit der Bedeutung „mit Fäusten schlagen“ und „jemanden schlagen“ verwendet, die weitere Herkunft ist ungeklärt. Ab dem 18. Jahrhundert taucht „boxen“ dann auch im Deutschen auf. Im heutigen Sprachgebrauch gilt „Faustkampf“ als Synonym bzw. als gehoben für „das Boxen, der Boxkampf“.
Geschichte Antiker Faustkampf
mini|hochkant|Der rechte Boxer signalisiert Aufgabe durch erhobenen Zeigefinger (ca. 500 v. Chr.) mini|links|Lederriemen des Faustkämpfers vom Quirinal (Bronzeskulptur, 4. Jahrhundert v. Chr.)
Während es Wettkämpfe Mann gegen Mann vermutlich bereits seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte gibt, können die Anfänge des Faustkampfes als organisierte Sportart bis zu den Olympischen Spielen der Griechen im Jahr 688 v. Chr. zurückverfolgt werden. Das moderne Boxen entwickelte sich aus regelmäßig veranstalteten Preiskämpfen im England des 17. und 18. Jahrhunderts. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Basisregeln des modernen Boxsportes, die sogenannten Queensberry-Regeln, festgelegt.
Die ersten nachgewiesenen Faustkämpfe zum Zwecke der Unterhaltung fanden bereits 3000 v. Chr. in Ägypten statt. In den darauffolgenden zwei Jahrtausenden breitete sich die Kampfform im ägäischen Raum aus.
Der Faustkampf wurde erstmals im Jahre 688 v. Chr. in Griechenland bei den 23. Olympischen Spielen der Antike ausgetragen. Im antiken Rom wurde er vor allem bei Gladiatorenkämpfen mit dem Caestus (Lederriemen mit Metalldornen) durchgeführt. Die hellenistische Bronzestatue des Faustkämpfers vom Quirinal ist hierfür ein eindrucksvolles archäologisches Beispiel. Wie alt der Faustkampf tatsächlich ist, lässt sich nicht genau feststellen. Die ältesten Darstellungen ähnlicher Kämpfe reichen bis zu 7000 Jahre zurück. Belege zeigen, dass er auch im alten Indien, China, Korea und Russland sowie unter den Ureinwohnern Amerikas und Afrikas Bestandteil von Kulten und Zeremonien war. Mit Boxen im modernen Sinne hatten diese Kämpfe jedoch nichts zu tun, bspw. gab es so gut wie keine Regeln.
Von Figg zu Queensberry Die Ursprünge des modernen Boxens liegen im England des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1681 organisierte der Herzog von Albemarle den ersten schriftlich belegten Kampf. Seit 1698 wurden im Londoner King’s Theatre regelmäßige Boxveranstaltungen durchgeführt. Dabei wurden die Hände in der Regel nicht bandagiert, sondern die Fingerknöchel lagen frei, was als Bare-knuckle-Boxen bezeichnet wird.
Die ersten (minimalen) Regeln der Neuzeit wurden durch den Fechtmeister James Figg aufgestellt. 1719 gewann Figg das erste offizielle Boxturnier seit der Antike und wurde Meister von England. Obwohl auch Boxerinnen wie Elizabeth Wilkinson populär geworden waren, boxten danach wegen strenger werdender Geschlechterrollen über 200 Jahre lang fast ausschließlich Männer.
1743 wurde das erste größere Regelwerk (Broughton Rules) veröffentlicht, das zuweilen auch schon als erste Fassung der London Prize Ring Rules (im weiteren Sinn) gilt. Man durfte keinen Gegner mehr schlagen, der kampfunfähig am Boden liegt, Tiefschläge waren ebenfalls verboten.
1838 wurden diese Regeln durch die London Prize Ring Rules (im engeren Sinne) abgelöst. Wichtigste Neuerungen: Die Einführung eines Boxrings, den es vorher nicht gab, und das Bandagieren der Hände, um Verletzungen zu vermindern.
Am 17. April 1860 kam es bei Farnborough (Hampshire) zu einem Aufsehen erregenden Boxkampf zwischen dem 33-jährigen inoffiziellen englischen Schwergewichtsmeister Tom Sayers (seit 1857, gegen William Perry) und dem sieben Jahre jüngeren, dazu größeren und schwereren US-Amerikaner John C. Heenan, genannt . Nach insgesamt 37 Runden in ca. 140 Minuten stürmten Zuschauer den Ring; der Kampf wurde als unentschieden gewertet – beide erhielten einen Gürtel, aber nur Heenan nannte sich Boxweltmeister bzw. englischer Meister im Schwergewicht.
1867–1889 Übergangsphase: Bare-knuckle-Boxen und modernes Boxen existieren nebeneinander 1867, etwa 100 Jahre nach Einführung der ersten Regeln, wurden die London Prize Ring Rules von einem Bekannten des Marquess of Queensberry so verändert, dass daraus die ersten Boxregeln für das Boxen mit Handschuhen, die sog. Queensberry-Regeln, hervorgingen.
Der erste offizielle Boxweltmeister nach den Regeln des Marquess of Queensberry wurde am 7. September 1882 John L. Sullivan. Er kämpfte aber auch noch teilweise bare-knuckle, letztmals 1889 gegen Jack Kilraine.
Ab 1892 – nur noch Queensberry-Boxen mini|Boxen, 1954
Erst ab Sullivans Nachfolger Jim Corbett 1892 boxte man nur noch nach Queensberry-Art. Am 6. April 1893 fand der längste Boxkampf der Geschichte statt. Andy Bowen und Jack Burke kämpften über 110 Runden (sieben Stunden). Der Kampf endete unentschieden.
Zu der Zeit gab es aber einige wichtige Regeln noch nicht. Unter anderem wurde erst ab den 1920er Jahren der Boxer, der einen Niederschlag erzielt hat, in die neutrale Ecke geschickt; vorher konnte er den aufstehenden Boxer sofort wieder zu Boden schlagen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Idee durch, dass ein zu Boden geschlagener Boxer immer bis acht angezählt wird (Mandatory-Eight-Count), vorher wurde der Kampf wieder aufgenommen, wenn der Boxer wieder aufgestanden war. Heutzutage wird auch mit anderen Handschuhen (acht oder zehn Unzen) geboxt als Ende des 19. Jahrhunderts (vier bis sechs Unzen). Solche Regeländerungen werden aber nicht als neues Regelwerk aufgefasst. Daher sagt man, dass noch immer nach den Queensberry-Regeln gekämpft wird, selbst wenn der Kampfablauf heute ein anderer ist.
Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis feierte der Boxsport seine Premiere als olympische Sportart. 1906 wurde in Köln der SC Colonia 06 gegründet und ist damit der älteste aktive Amateur-Boxclub Deutschlands. Am 5. Dezember 1920 schlossen sich in Berlin unter dem Namen „Deutscher Reichsverband für Amateurboxen“ die deutschen Amateurboxer zusammen. Am 6. Dezember 1920 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften durchgeführt. Die Sieger wurden ab diesem Zeitpunkt in einer Bestenliste registriert.
Regeln Grundregeln Bei einem Boxkampf sind nur Schläge erlaubt, die mit der geschlossenen Faust ausgeführt werden. Jegliche Benutzung eines anderen Körperteils (beispielsweise des Fußes, der Innenhand etc.) wird nicht als Zähler anerkannt und muss vom Ringrichter als Foul gewertet werden und zur Ermahnung, zu Punktabzügen oder im schlimmsten Fall zur Disqualifikation führen. Ein regulärer Schlag ist dann ausgeführt, wenn der Treffer auf der Vorderseite des Kopfes, des Halses, des gesamten Korpus bis zur imaginären Gürtellinie am Bauchnabel oder auf den Armen landet. Schläge unter die Gürtellinie sind verboten, sie gelten als Foul und führen zum Punktabzug. Außerdem werden Treffer auf die Arme oder auf den Handschuh von den Punktrichtern nicht als Zähler gewertet, da ein derartiger Schlag als blockiert gilt. Häufig sieht man, dass sich Boxer ineinander verklammern. Dies kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel muss ein Boxer, der sich in einer für ihn ungünstigen Entfernung zum Gegner befindet, klammern, damit der Ringrichter die Kontrahenten trennt und sie auffordert, einen Schritt zurückzutreten, so dass wieder Distanz geschaffen wird. Meistens jedoch verschaffen sich erschöpfte oder angeschlagene Boxer auf diese Weise eine Pause. Klammern stellt einen Regelverstoß dar, der aber aufgrund der Häufigkeit von den Ringrichtern manchmal geduldet wird. Allerdings muss ein Ringrichter, um einen flüssigen Kampfablauf zu gewährleisten, ab einem gewissen Grad Verwarnungen und damit Punktabzüge aussprechen.
Olympisches Boxen mini|US-Amateurboxer in Kalifornien, 2006