mini|Die „Original Salzburger Mozartkugeln“ der Konditorei Fürst werden heute in einer abweichenden, inversen Schichtung gefertigt – im Unterschied zur ursprünglichen Schicht-Rezeptur von Rudolf Baumann. mini|Die „Echten Salzburger Mozartkugeln“ in der ursprünglichen Baumann’schen Schichtung – Nougatkern im Zentrum, ummantelt von Marzipan und umhüllt von einer Schicht dunkler Schokolade. Der heutige Baumann/Karuth Nachfolger – die Confiserie Josef Holzermayr. Die Mozartkugel ist eine Süßware aus Schokolade, Pistazien, Marzipan und Nougat. „Mozartkugel“ ist eine Gattungsbezeichnung geworden; nach den Süßwaren-Usancen 1983 wird darunter eine Konditor-, Zucker- oder Schokoladeware in Kugel- oder kugelähnlicher Form verstanden, die mit Schokolade überzogen ist. Im „Großen Lexikon der Speisen“ wird die Mozartkugel ausgewiesen als „Österreichisches Konfekt: Schokoladenkugel, gefüllt mit Marzipanmasse (Pistazien-Marzipan, Rum-Mandel-Marzipan) und Nugat.“F. Jürgen Herrmann: Das Grosse Lexikon der Speisen, Fachbuchverlag Pfanneberg, Haan-Gruiten, 2012, ISBN 978-3-8057-0513-4, S. 643.

Die Mozartkugel wurde nach dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart benannt.

Historischer Hintergrund zur Namensgebung Im Rahmen der Entwicklung des Mozartkults im 19. Jahrhundert wurden nicht nur Denkmale für Mozart aufgestellt und Gebäude nach ihm bezeichnet, sondern auch Lebensmittel und Getränke u. a. Produkte erhielten seinen Namen. In Vorbereitung des Mozartfestes meldete die Neue Würzburger Zeitung am 1. September 1842 aus Salzburg: Überschwemmt ist die Stadt mit industriellen Erzeugnissen aller Art, die sämmtlich den Namen „Mozart“ als einladende Firma tragen. In Bäckerläden gibt’s Mozartgebäcke, in den Conditoreien Mozart-Lyren, Büsten, Statuen aus Chocolade, Zucker, Marzipan, in den Industrie-, Galanterie- und Kunst-Läden Mozart-Hüte, Hauben, Kappen, Cravatten, Knöpfe, Nadeln, Tuchnadeln, Ringe, woran das Porträt, die Büste oder das Standbild Mozarts sich finden… Selbst in den Weinschenken biete man den köstlichsten 34er Mozart-Wein.Neue Würzburger Zeitung, 9. September 1842, S. 3.

Während der Enthüllungsfeier für das Mozartdenkmal in Salzburg am 4. September 1842 gab es Mozartbüsten, Mozartnadeln, Mozartpfeifen, Mozartwein, Mozartbrot, Mozartbrödchen und Mozarttörtchen.Der bayerische Volksfreund, 16. September 1842, S. 1376 Zu den Feierlichkeiten anlässlich des 100. Geburtstages am 27. Jänner 1856 erhielt der beste Wein den Namen „Mozartwein“.

Zum ersten Musikfest 1877, initiiert von der Internationalen Mozartstiftung, wurde sogar ein Mozartbier kreiert. Es folgte 1880 die Gründung der Internationalen Stiftung Mozarteum.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der sog. „Zeitgeist“ dem Mozart auch eine Schokolade widmete, sei es mit der Bezeichnung „Mozartkugel“ (1881), „Mozart-Chokolade“ (1883) oder „Mozartbonbon“ (1888). Schließlich stand 1891 eine weiteres Jubiläum, der 100. Todestag vor der Tür. Später gab es auch Mozart-Creme, Mozartpasta, Mozartparfüm, Mozartcigarren, Mozartzigaretten, Mozarthandschuhe usw. Diverse Kreationen der Zuckerbäcker fanden Eingang in die Konditorei-Rezeptebücher, wie die Mozarttorte, Mozartkuchen, Mozartlocken, Mozartzopf, Mozartwürfel, Mozartkrapfen, Mozartkrapferln, Mozartbombe (Eis), Mozartschnitten usw. Aber mit Nachhaltigkeit und überregionaler Verbreitung hat sich nur die Mozartkugel durchgesetzt, mitunter auch eine Mozart-Praline in Form eines Riegels.Mozart Praliné Bar von Reber (Youtube-Video) Vereinzelt, wie in Berlin und Dresden, findet man noch das Mozart-Törtchen bzw. die Mozarttorte. und in Wien Mozart-Tee und Mozart-Kaffee.

Erfindung mini|Inserat vom 3. Februar 1881 mini|Auftakt-Inserat vom 31. Jänner 1881 mini|hochkant|Inserat vom 6. Februar 1881 mini|Herstellung von Mozart-Bonbons – Rundgewirkte Marzipankugeln mit eingeschlagenem Nougatkern, vor dem Schokoladentunk – Konditorei Fürst Foto datiert um 1920. Die Erfindung der Mozartkugel mit Zartbitterkuvertüre, Marzipan, Haselnuss-Nougat und Pistazien wird dem Konditor Paul Fürst für das Jahr 1890 zugeschrieben.Elfriede Iby: Österreichs Welterbe: Kulturdenkmäler und Landschaften unter dem Schutz der UNESCO. Brandstätter, 2002. ISBN 978-3-8549-8-1787. S. 61.SZ.de: Streit in Salzburg: Wer hat die Mozartkugel erfunden?, accessdate: 12. März 2026. Der Historiker Gerhard Ammerer fand 2025 ein Inserat in der Tageszeitung Die Presse vom 3. Februar 1881 über eine „Salzburger Spezialität Mozartkugeln – gefertigt von R. Baumann, Conditor, Salzburg“ ohne eine Beschreibung der Zusammensetzung. Zahlreiche Hersteller haben eigene Varianten entwickelt. Mozartkugeln sind Süßwaren in kugel- oder kugelähnlicher Form, deren Kerne aus mindestens 2 verschiedenen Füllungen (meist Marzipan- und Nougatmasse) bestehen und mit heller- oder dunkler Kuvertüre überzogen sind.

Im Jahr 1884 eröffnete Konditormeister Paul Fürst sein eigenes Geschäft in der Brodgasse 13. In einem Werbeinserat aus dem Jahr 1888 warb Paul Fürst erstmals mit dem Mozart-Bonbon Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat ein weiterer Wettbewerber auf den Plan: die Konditorei Schatz. Sie wurde 1877 vom Zuckerbäcker Karl (Carl) Schatz (1849–1904) gegründet und nach dessen Tod von dessen Frau fortgeführt, bis zur Übernahme durch August Mayer (1885–1937). Eine erste Anzeige für „Feinste Mozartkugeln“ veröffentlichte die „Conditorei Carl Schatz“ 1901 im Salzburger Volksblatt, eine weitere 1905 nach dem Todes von Karl Schatz. Im Salzburgischen Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender des Jahres 1906Inserate der Konditoreien Fürst und Schatz, in: Salzburgischer Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender des Jahres 1906 (ÖNB-Digitalisat) standen zwei Konditoreien im Wettbewerb um eine Salzburgerische Spezialität: Die Konditorei Paul Fürst warb für „Mozart-Bonbons“; die Konditorei Schatz für „Mozartkugeln“. Im Jahr 1905 ist Paul Fürst für seine Teilnahme bei der Exposition Internationale d’Alimentation et d’Hygiène Appliquée (Internationale Ausstellung für Ernährung und Hygiene) erwähnt, die von Ende Juli bis Anfang November stattfand.Exposition d'Alimentation et d’Hygiène Appliquée, in: Le Progrès moderne : journal hebdomadaire illustré, 23. April 1905, S. 6 Fürst fügte seinen Inseraten in den Jahrbüchern 1907, 1910, 1913 das Ehrendiplom und eine Medaille mit der Überschrift: Goldene Medaille Paris 1905 hinzu. In den Jahrbüchern für 1910 und 1913 wurden gleichlautende Inserate geschaltet.Inserat von Paul Fürst mit einem Ehrendiplom und einer Medaille im Salzburgischen Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1910 (ÖNB-Digitalisat)Inserat von Paul Fürst mit Ehrendiplom und Medaille im Salzburgischen Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1913 (ÖNB-Digitalisat) Schatz blieb von 1901 bis 1931Anzeige Konditorei Schatz in: Salzburger Amtskalender, 1931, S. 241. (ÖNB Digitalisat) und 1933Anzeige Konditorei Schatz, in: Salzburger Amtskalender, 1933, S. 231. beim Namen „Mozartkugeln“.

Aus der Bezeichnung von Paul Fürst als Erzeuger der Mozart-Bonbons wurde bei Gustav Fürst auf Erzeuger der Original Mozartkugeln in Werbeanzeigen im Dezember 1925 umgeschwenkt, im Salzburger Volksblatt (12. und 22. Dezember) und in der Salzburger Chronik (17. /19. Dezember) sowie am 30. April 1926. Die Illustrierte Kronen Zeitung berichtete zu den „Mozartkugeln“: Der Konditor Gustav Fürst in Salzburg, der die sogenannten „Original Mozartkugeln“ herstellt, ersucht uns mitzuteilen, daß sein jetzt 81-jähriger Vater Paul Fürst der Erfinder dieser bekannten Salzburger Spezialität ist und nicht der vor einigen Tagen verstorbene Herr August Mayer. August Mayer (1885–1937) war der Nachfolger von Karl Schatz. Die Kronenzeitung hatte zu dessen Ableben berichtet, dass die von ihm erstmalig hergestellten und „Mozartkugeln“ benannten Schokoladebonbons auf der ganzen Welt erzeugt (werden). Die Konditorei Schatz schrieb dagegen Die 1880 von Carl Schatz gegründete Konditorei Schatz gilt als Erfinder des Namens „Mozartkugel“. Schatz verkaufte die runde Praline etwa um 1900 erstmalig [sic!] unter dem heute geläufigen Namen.Webseite der Konditorei Schatz, abgerufen am 14. September 2025. Louise Karuth ging 1919 in den Ruhestand. Sie starb am 2. Jänner 1928. 1919 übernahm die Konditorfamilie Rudolf Holzermayr das Karuth’sche-Unternehmen und stellt auch heute noch Mozartkugeln in Salzburg in der Tradition von Rudolf Baumann her. Die neuen Anzeigen-Funde aus den Jahren 1881 und folgenden Jahren führten zu neuen urheberrechtlichen Streitigkeiten um den Erfinder-Status der Salzburger Mozartkugel zwischen der Confiserie Holzermayr und der Konditorei Fürst.Maximilian Neumair: Kampf um die Mozartkugel: Historiker entdeckt wahren Erfinder, in: Abendzeitung München, 2. September 2025.Historiker zweifelt an Urheberschaft der Konditorei Fürst – Neuer Streit um Erfindung der Mozartkugel, in: Südtirol News, 30. August 2025.

Auszeichnung im 20. Jahrhundert mini|Auszeichnung in Paris 1905: Orden mit Insignien (Medaille und Stern) Paul Fürst erhielt ein Diplôme D'honneur (Urkunde) für seine Teilnahme in Paris 1905. Er fügte seinen Inseraten einen Orden und eine Medaille mit der Überschrift: Goldene Medaille Paris 1905 hinzu. In den Jahrbüchern für 1910 und 1913 wurden gleichlautende Inserate geschalten.Inserat von Paul Fürst mit Orden und Medaille im Salzburgischen Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1910 (ÖNB-Digitalisat)Inserat von Paul Fürst mit Orden und Medaille im Salzburgischen Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1913 (ÖNB-Digitalisat) In einer Anzeige von 1902 im Salzburger Volksblatt bezeichnete sich Paul Fürst als Erzeuger der Salzburger Spezialität: Mozartkugeln nach dem der Konditor Carl Schatz erstmals ein Werbeinserat 1901 mit „empfiehlt Feinste Mozartkugeln“ (Salzburger Specialität) geschaltet hatte.

Auszeichnungen im 21. Jahrhundert Das Fachmagazin Der Feinschmecker wählte in der Ausgabe 01/2006 bei einem Test verschiedener Mozartkugeln die Original Salzburger Mozartkugel auf den ersten Platz. Angemerkt wurde dazu, sie sei handgemacht und weise einen Nougatgeschmack mit einer leicht bitteren Marzipan-Pistazien-Note auf. Beim 2. Internationalen Trüffelwettbewerb der Konditorenfachmesse ÖKONDA in Wels wurde im September 2005 der Original Salzburger Mozartkugel eine Goldmedaille verliehen.

Rezept-Geschichte Standard und Variationen Zu einer Mozartkugel gehören standardmäßig folgende Zutaten: Marzipan, Nougat und Schokolade. Mit Schokolade wird eine kugelige Marzipan-Nougat-Kombination umhüllt. Die Mozart-Schokoladenkugel wird seit ihrem Ursprung in Stanniolpapier eingewickelt, auf welches sich ein Mozartporträt befindet. Rezepte aus der Entstehungszeit im 19. Jahrhundert sind nicht überliefert. Die Mozartkugeln unterschiedlicher Hersteller können sich unterscheiden: Nach innerer Strukturierung: Marzipan-Kern und Nougat als Zwischenschicht, oder umgekehrt, oder hälftig Nach unterschiedlichem Verhältnis der Anteile von Nougat und Marzipan Nach verschiedenen Aromen, insbesondere Zusätzen von Haselnüssen, Pistazien, Rum o. ä. Nach äußerer Form: vollständige Kugel oder Halbkugel mit Sockel (Bombenform) Nach Unterschieden in der Kuvertüre: Vollmilchschokolade, Bitterschokolade oder beides.

Tabellarischer Überblick über Rezepte (Auswahl)