mini|Max Liebermann: Bildnis Frau Margarete Oppenheim, Zeichnung, 1917, Stedelijk Museum Amsterdam Margarete Oppenheim (geboren als Margarete Eisner am 10. Oktober 1857 in LeipzigEs gibt unterschiedliche Angaben zum Geburtsort: Leipzig als Geburtsort findet sich beispielsweise in Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880 - 1933, S. 120. Die Familie Eisner lebte in Leipzig von 1849 bis 1876, also auch im Geburtsjahr von Margarete Eisner. Abweichend gibt es die Angabe von Berlin als Geburtsort beispielsweise in Bruno Jahn: Der Kaiser Friedrich Museumsverein (KFMV) und seine ehemaligen jüdischen Mitglieder/Mitglieder jüdischer Herkunft, S. 57.; gestorben am 2. September 1935 in Berlin) war eine deutsche Kunstsammlerin und Mäzenin. Sie gehörte zu den ersten Persönlichkeiten, die in Deutschland Werke der Modernen Kunst sammelten. Schwerpunkt waren hierbei Arbeiten von Paul Cézanne.Walter Feilchenfeld: Zur Rezeptionsgeschichte Cézannes in Deutschland in Götz Adriani: Cézanne - Gemälde, S. 304. Die Sammlung wurde nach ihrem Tod aufgelöst, einzelne Stücke finden sich heute in unterschiedlichem Museumsbesitz.

Leben Margarete Eisner kam 1857 als Tochter von Isidor Isaak Eisner und seiner Frau Alwine (Lea), geborene Schlesinger, in Leipzig zur Welt.Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 120. Sie war das zweitjüngste von sechs Kindern. Der Vater war Mitbegründer des Leipziger Unternehmens Callmann & Eisner, das mit deutschen und englischen Manufakturwaren handelte.Anna-Carolin Augustin, Anna-Dorothea Ludewig: Kunst und Leben, Die Sammlerinnen Felicie Bernstein und Margarete Oppenheim in Elke-Vera Kotowski: Salondamen und Frauenzimmer, Selbstemanzipation deutsch-jüdischer Frauen in zwei Jahrhunderten, S. 80. Die Familie gehörte zum wohlhabenden jüdischen Bürgertum. Über die Jugend und schulische Ausbildung von Margarete Eisner ist nichts bekannt.

Die Familie zog 1876 nach Berlin. Im selben Jahr heiratete Margarete Eisner den promovierten Chemiker Georg Reichenheim,Anna-Carolin Augustin, Anna-Dorothea Ludewig: Kunst und Leben, Die Sammlerinnen Felicie Bernstein und Margarete Oppenheim in Elke-Vera Kotowski: Salondamen und Frauenzimmer, Selbstemanzipation deutsch-jüdischer Frauen in zwei Jahrhunderten, S. 79. dessen Familie Textilfabriken in Schlesien besaß. Anlässlich oder kurz nach der Hochzeit konvertierte Margarete Reichenheim und nahm den evangelisch-christlichen Glauben an. Die Eheleute bezogen zunächst eine Wohnung im Haus Viktoriastraße Nr. 26 im vornehmen Berliner Tiergartenviertel. 1877 kam die Tochter Charlotte zur Welt, 1879 wurde der Sohn Hans geboren. Der Sohn starb 1900 als Student in München. Die Tochter heiratete 1902 den Bankier Paul von Mendelssohn-Bartholdy, von dem sie sich 1927 scheiden ließ. Danach heiratete sie Georg Graf von Wesdehlen. Zum familiären Umfeld gehörte auch der Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen James Simon, der 1878 Georg Reichenheims Schwester Agnes geheiratet hatte.

Die Familie Reichenheim verkaufte 1888 ihre Fabriken und konzentrierte sich auf die Verwaltung des Vermögens.Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 121. Georg Reichenheim widmete sich nun verstärkt dem Aufbau einer Kunstsammlung. Unklar ist, in welchem Umfang seine Frau hieran mitwirkte. Margarete Reichenheim war jedoch sicher bei Ausbau der Sammlung involviert, teilweise lief über sie der Briefverkehr mit dem Museumsdirektor Wilhelm Bode, der spätestens ab 1890 zu Reichenheims Beratern in Kunstfragen gehörte. In einem Brief an Bode hob Georg Reichenheim 1892 das Kunstinteresse seiner Frau hervor. Bode wiederum bescheinigte Georg Reichenheim als „Kunstfreund von ungewöhnlichem Qualitätssinn und ausgesprochener Vorliebe für objets de vitrine“. Zu diesen objets de vitrine (Objekte für die Vitrine) gehörten Kunsthandwerk und kleine Skulpturen aus verschiedenen Jahrhunderten. Möglicherweise war die stetig wachsende Sammlung der Grund, 1890 in eine neue Wohnung in die Viktoriastraße/Ecke Margaretenstraße umzuziehen. 1903 starb Georg Reichenheim. Sein auf 4.700.000 Mark geschätzter Nachlass fiel je zur Hälfte an die Tochter Charlotte und an Margarete Reichenheim als Ehefrau.Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 122.

Nach dem Tod ihres Mannes und finanziell nunmehr unabhängig, sammelte Margarete Reichenheim zwar nach wie vor Kleinplastiken und Kunstgewerbe, begann aber ab 1904 zugleich moderne Gemälde und Arbeiten auf Papier zu erwerben. Sie kaufte derartige Kunstwerke zu einer Zeit, als diesen Arbeiten noch eine breite Anerkennung fehlte. Der Historiker Felix Gilbert merkte hierzu an, dass „man sie in der Familie für verrückt“ hielt, „so viele dieser schrecklichen modernen Gemälde zu kaufen.“ Erst in den 1920er Jahren habe sich diese Einstellung gewandelt und Margarete Reichenheim sei für ihren Mut bewundert worden.Felix Gilbert: Lehrjahre im alten Europa. Erinnerungen 1905–1945, S. 68, zitiert in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 125.

1906 heiratete Margarete Reichenheim in zweiter Ehe den Chemiker Franz Oppenheim, der als Generaldirektor für das Unternehmen Agfa arbeitete.Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 125. Franz Oppenheim war ebenfalls verwitwet; seine beiden bereits erwachsenen Kinder waren der Chemiker Kurt Oppenheim und Martha Oppenheim, die mit dem Unternehmer und späteren Diplomat Ernst von Simson verheiratet war. Franz Oppenheim zog nach der Hochzeit – ungewöhnlich für die Zeit – in die Wohnung seiner Frau in der Viktoriastraße. Möglicherweise war die umfangreiche Kunstsammlung von Margarete Oppenheim dort besser untergebracht. 1913 erwarb Franz Oppenheim das ebenfalls im Tiergartenviertel gelegene Grundstück Corneliusstraße Nr. 7 als gemeinsamen Stadtwohnsitz.Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 124. Das dort nach Plänen des Architekten Hugo Wach errichtete Stadthaus war mit Galerieraum und speziellen Wandvitrinen auf die Bedürfnisse der Sammlerin Margarete Oppenheim abgestimmt.Siehe hierzu ausführliche Beschreibung des Hauses in Erich Blunk: Stadt- und Land-Wohnbauten. Architekt: H. C. C. Wach in Deutsche Bauzeitung, Jahrgang 50, Nummer 83 vom 17. Oktober 1925. Darüber hinaus ließ sich das Paar einen Sommersitz in der Villenkolonie Alsen in Berlin-Wannsee errichten. Hierzu wurden drei zusammenhängende Grundstücke erworben, auf denen nach Plänen des Architekten Alfred Messel das Landhaus Oppenheim entstand. Die Villa verfügte über einen eigenen Galerietrakt für die Sammlung von Margarete Oppenheim.Anna-Carolin Augustin, Anna-Dorothea Ludewig: Kunst und Leben, Die Sammlerinnen Felicie Bernstein und Margarete Oppenheim in Elke-Vera Kotowski (Hrsg.): Salondamen und Frauenzimmer, Selbstemanzipation deutsch-jüdischer Frauen in zwei Jahrhunderten, S. 82. Auch wenn Franz Oppenheim seine Frau beim Aufbau der Kunstsammlung unterstütze, so machte er in einem Brief an Wilhelm Bode deutlich, welche Aufgabenteilung er im Hause Oppenheim sah: „Die Leitung der Fabrik besorge ich, das Departement Kunst untersteht meiner Frau.“ Brief von Franz Oppenheim an Wilhelm Bode vom 30. September 1909 zitiert in Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 124. Im weitläufigen Garten des Landhauses kam ein Brunnen mit Pinguinfiguren des Bildhauers August Gaul zur Aufstellung. Ferner legte der Gartenarchitekt Willy Lange für die Rosenzüchterin Margarete Oppenheim einen Rosengarten an.Anna-Carolin Augustin: Berliner Kunstmatronage: Sammlerinnen und Förderinnen bildender Kunst um 1900, S. 241. Zu den Nachbarn am Wannsee gehörte der befreundete Maler Max Liebermann, der Margarete Oppenheim 1917 in verschiedenen Zeichnungen porträtierteEine Zeichnung befindet sich im Stedelijk Museum in Amsterdam, eine weitere in Privatbesitz. und verschiedene Ansichten des Gartens malte. Ein weiterer Nachbar am Wannsee war der Chirurg Ferdinand Sauerbruch, der ebenfalls zum Freundeskreis der Oppenheims gehörte. Von ihm ist überliefert, dass das Landhaus Oppenheim nur im Sommer bewohnt war und Möbelwagen im Frühjahr Möbel, Teppiche und Gemälde vom Stadthaus an den Wannsee brachten und im Herbst ein entsprechender Rücktransport erfolgte.Ferdinand Sauerburch: Das war mein Leben, S. 415f, zitiert in Anna-Carolin Augustin: Berliner Kunstmatronage: Sammlerinnen und Förderinnen bildender Kunst um 1900, S. 241.

Auch in der Öffentlichkeit trat Margarete Oppenheim als kunstsinnige Frau auf. Sie war seit 1906 Mitglied im Kaiser Friedrich Museumsverein, dem Förderverein des von Wilhelm von Bode geleiteten Museums (heute Bodemuseum).Sebastian Panwitz: „das Departement Kunst untersteht meiner Frau“. Margarete Oppenheim und ihre Sammlung in Anna-Dorothea Ludewig: Aufbruch in die Moderne: Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933, S. 127. Der Abteilung christliche Bildwerke im Kaiser Friedrich Museum stiftete sie 1905 die Skulptur Herkules mit dem Löwen und 1913 eine Büste König Heinrichs IV. von Frankreich.Anna-Carolin Augustin: Berliner Kunstmatronage: Sammlerinnen und Förderinnen bildender Kunst um 1900, S. 416. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt das Berliner Kunstgewerbemuseum drei Stücke aus ihrer Sammlung. Weitere Objekte überließ sie dem Kunstgewerbemuseum als Dauerleihgabe zur Ausstellung im Berliner Schloss.Anna-Carolin Augustin, Anna-Dorothea Ludewig: Kunst und Leben, Die Sammlerinnen Felicie Bernstein und Margarete Oppenheim in Elke-Vera Kotowski: Salondamen und Frauenzimmer, Selbstemanzipation deutsch-jüdischer Frauen in zwei Jahrhunderten, S. 83. Zusammen mit dem Bankier Robert von Mendelssohn stiftete sie der Nationalgalerie 1917 das Gemälde Die Gartenbank von Max Liebermann anlässlich des 70. Geburtstag des Künstlers. Margarete Oppenheim, die eine große Sammlung mit chinesischem Kunsthandwerk besaß, wurde zudem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst.