mini|Buchcover (Norbert Gstrein: Als ich jung war. Carl Hanser Verlag, München 2019, ISBN 978-3-446-26371-0) Als ich jung war ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers Norbert Gstrein und wurde am 16. Juli 2019 vom Carl Hanser Verlag veröffentlicht. Am Ende desselben Jahres gewann Gstrein mit seinem Roman den Österreichischen Buchpreis.

Im Text erzählt der Protagonist Franz von seiner Jugend als Hochzeitsfotograf, bis eines Tages unter mysteriösen Umständen eine Braut von einer Klippe stürzt. Daraufhin reist Franz nach Amerika, um als Skilehrer in Jackson zu unterrichten. Doch sein treuester Schüler, der Professor Jan Moravec, nimmt sich das Leben. Bis zum Ende ist unklar, was Franz mit den Vorfällen zu tun hat.

Inhaltszusammenfassung

Teil I: DIESE FREUDEN

Erstes Kapitel Franz’ Bruder Viktor eröffnet das Schlossrestaurant wieder, wo seine Familie früher jeden Sommer Hochzeiten geplant hat. Das Schlossrestaurant wird deshalb auch als Hochzeitsfabrik bezeichnet. An diesen Hochzeiten hat Franz fotografiert. Dreizehn Jahre vor der Wiedereröffnung ist eine Braut namens Iris an ihrer Hochzeitsnacht von einer Klippe gestürzt. Während der Hochzeit hat Iris ihren 15 bis 20 Jahre älteren Bräutigam geneckt, ihm aber trotzdem gesagt, wie glücklich sie sei. Sie glaubt auch, Franz hätte sich in sie verliebt. Am nächsten Morgen, nachdem die Leiche gefunden wurde und die Ermittlungen begonnen haben, wird Franz vom Kommissar besucht, der ihn befragt. Auf einem Bild der Hochzeit sind vier Männer zu erkennen, welche zuvor versucht haben, Iris zu «entführen». Nach der Aufnahme dieses Fotos haben sie es geschafft, dass Iris bei ihnen einsteigt. Vier Stunden später kehrt Iris mit ihnen zurück. Es stellt sich heraus, dass alle vier ehemalige Verehrer Iris’ sind und später gelten sie für ein paar Tage als Hauptverdächtige oder zumindest Beteiligte. Iris’ Vater fängt nach der Brautentführung einen Streit mit den Verehrern an und verjagt sie von der Hochzeit. Es stellt sich im Laufe der Ermittlungen heraus, dass zwischen der letzten Sichtung und dem Tod der Braut zwei Stunden vergangen gewesen sind, jedoch wird nicht geklärt, was in dieser Zeit geschehen ist.

Einige Wochen vor der Hochzeit von Iris hat eine andere Hochzeit stattgefunden, bei der Franz sich in Sarah Flarer, die Cousine der Braut, verliebt hat. Zum ersten Mal trifft er sie in der Kapelle, wo sie Geige spielt. Bevor Franz Sarah getroffen hat, ist er für drei Monate lang wegen einer Kellnerin jeden Abend in dasselbe Café gegangen.

Zweites Kapitel Franz erinnert sich an die Zeit, die er mit dem Professor erlebt hat, bevor dieser Selbstmord begangen hat: Franz zieht wenige Wochen nach dem Tod von Iris nach Jackson, Wyoming USA, wo anfängt, als Skilehrer zu arbeiten. Der Professor ist sein treuester Schüler, mit dem er auch oft nach Feierabend Zeit verbringt. Des Professors Name ist Jan. Die beiden gehen oft zu Kathy, die eine Bar und ein Diner betreibt. Es gibt zu dieser Zeit Gerüchte, dass der Professor schwul sei und sich in Franz verliebt habe und deshalb so viel Zeit mit ihm verbringen wolle. In einem Winter bringt der Professor eine Begleiterin, die er als seine Nichte vorstellt, die aber seltsamerweise nur für eine genau bestimmte Zeit zur Verfügung steht und nach vier Nächten flieht. Zweimal mietet der Professor einen Helikopter, damit er mit Franz an unerreichbaren Stellen Skifahren kann. Am Abend vor dem Suizid schenkt der Professor Franz eine Uhr, in der „Für unsere gemeinsamen Tage, für alles“ eingraviert ist. Am Tag darauf wird Franz von einer Studentin besucht, die ihm die Nachricht vom Suizid des Professors überbringt. Sie begeben sich gemeinsam mit der Gondel zu der Stelle, wo der Professor mit dem Kopf voraus in einen Baum gefahren ist.

Drittes Kapitel In Jackson verunfallt Franz zum zweiten Mal, nachdem er sich im vorangegangenen Winter bei einem Sprung das Knie ins Auge gerammt hat, und kann nicht mehr als Skilehrer arbeiten. Er hat sich diesmal beim Tiefschneefahren das linke Knie zerschlagen und die Bänder darin gerissen. Dreieinhalb Monate später kehrt Franz nach Österreich zu Viktor zurück, mit dem er seit dem Tod ihres Vaters fünf Jahre zuvor nicht mehr gesprochen hat. In der Nacht nach dem Begräbnis haben sich die Brüder gestritten. Im darauffolgenden Jahr ist das Hotel in den Bergen niedergebrannt, wo sie zuvor ihre Winter verbracht haben. Viktor ist mittlerweile mit Johanna, einer ehemaligen Finanzprüferin, verheiratet. In Österreich nimmt Franz das Entspannungszimmer, welches für die Hochzeitspaare gedacht ist, ein. Drei Wochen später kündigt Viktor an, er wolle wieder Hochzeiten ausführen. Ein Anwalt, der mit Viktor befreundet ist und mehrmals monatlich zum Abendessen kommt, möchte gerne die Hochzeit seiner Tochter Kira bei Viktor feiern und schlägt vor, den Betrieb wieder aufzunehmen.

In der Kindheit von Franz und Viktor streiten sich ihre Eltern oft, sodass Franz nicht einschlafen kann und ihnen zuhört. Der Streit handelt oft darum, dass die Mutter Alkoholikerin ist und dem Vater immer wieder droht, sich das Leben zu nehmen. Franz schleicht oft frühmorgens in die Küche, um sicherzugehen, dass die Mutter noch lebt. Viktor erzählt, dass der erste Gast, der nach der Wiedereröffnung des Restaurants dieses besucht hat, der Kommissar gewesen sei. Dort erkundigt er sich nach den Speisen der Unglückshochzeit und nach Franz, da sein Umzug nach Jackson einer Flucht gleicht. Zudem erwähnt Viktor Franz gegenüber, dass ihr Vater auf dem Sterbebett erzählt hat, dass er Franz in der Nacht des Unglücks draußen getroffen habe.

Franz hat sich wirklich draußen aufgehalten, als er nach Einbruch des Morgens aufgestanden ist und auf dem Parkplatz fünf fremde Wagen entdeckt. Von außen schaut er in den Gastraum, wo er die letzten Gäste sieht. Weil er seiner Mutter nicht begegnen will, geht er in Richtung Lichtung und entdeckt seinen Vater hinter dem Haus. Dieser wühlt in den Mülltonnen, auf der Suche nach dem Ehering des Bräutigams. Die Mutter hat diesen um drei Uhr morgens in eine Serviette gewickelt und später in die Mülltonne geworfen. Nach Aussagen des obduzierenden Arztes wäre die Braut während des Gesprächs vom Vater und Franz noch für kurze Zeit am Leben, bereits tot oder gerade am Verunglücken.

Franz hat weder seinem Vater noch Viktor von seiner ersten Begegnung mit Sarah erzählt. Er hat sie nach ihrem Geigenspiel angesprochen und den Rest vom Tag fast ausschließlich mit ihr verbracht. Sie erzählt ihm von ihren Zukunftsplänen und davon, dass diese ganze Heiraterei nicht mag. Am Abend gehen sie zusammen auf den Schlossberg. Franz fällt auf, dass Sarah hinkt.

Viertes Kapitel Der Professor hat Franz eine Korrespondenz hinterlassen. Franz erfährt, dass der Professor möglicherweise eine Affäre mit einer um einiges jüngeren Frau namens Aura führt, da er ein Päckchen mit ihren ausgedruckten Chatverläufen erhält.

Franz fährt nach Anweisung von zwei Skilehrern nicht bis zur Unglücksstelle des Professors. Er beobachtet, wie der Professor in einem schwarzen Sack weggebracht wird. Danach besucht Franz Kathy, welche im Jahr zuvor dabei gewesen ist, als der Professor Franz angeboten hat, ihn zu adoptieren. Franz hat jedoch abgelehnt. Durch die Mitteilung über den Tod des Professors ist Kathy aufgebracht, niedergeschlagen und wütend. Franz erinnert sich an den starren Günther, da der Professor gewisse Ähnlichkeiten mit ihm hatte. Der starre Günther ist ein Stammgast im Tirol gewesen, der auch Suizid begangen hat. Kathy sagt zu Franz, dass er für den Professor die Person gewesen sei, die ihm am nächsten gestanden sei. Franz reagiert darauf abwehrend.

Auf dem Nachhauseweg wird Franz wegen vermeintlicher Trunkenheit vom Hilfssheriff angehalten. Dieser stellt die Vermutung über den Professor an, dass dieser sein Gesicht zerschmettert hat, weil es ihm so nicht mehr genommen werden könne: „Was er selbst ausradiert, kann er nicht mehr verlieren“ (S. 94).

Am nächsten Tag wird Franz vom Sheriff besucht und sie unterhalten sich über den Abend vor dem Suizid und über den Professor. Der Sheriff erwähnt, dass die Überreichung der Uhr wie ein Heiratsantrag ausgesehen hat und Franz ihn hat abblitzen lassen. Daraufhin besucht Franz das Hotel, in dem der Professor untergebracht gewesen ist und erkundigt sich nach dem Boten, der ihm die Korrespondenz des Professors gebracht hat.

Fünftes Kapitel Viktor verreist mit seinen italienischen Jagdkameraden an die Adria. Während seiner Abwesenheit folgt Johanna Franz auf die Klippe und befragt ihn über die Zeit von Iris’ Hochzeit und Tod. Franz vermutet, dass Viktor sie auf ihn angesetzt hat, da sie zuvor kaum ein Wort mit ihm gewechselt hat. Franz erwähnt, dass er sich in der Nacht der Hochzeit mit Sarah auf dem Schlossberg getroffen hat. Er verschweigt ihr aber, dass er Sarah gegen ihren Willen geküsst hat. Johanna fängt an, über den Tod der Braut zu spekulieren. Ihr Gespräch führt zu den Hochzeitsfotos, welche Franz damals geschossen hat. Sie beschließen, sie nach all diesen Jahren anzuschauen. Es scheint jedoch nichts merkwürdig. Johanna fährt daraufhin weg und kommt erst spät abends zurück.

Franz beschließt, sich als Englischlehrer zu bewerben, obwohl er keine Ausbildung dazu hat.

Viktor kommt euphorisch von seinem Ausflug zurück.

Sechstes Kapitel Aura Moreno ist eine Frau aus Puerto Rico. Der Professor lernt sie bei einem Symposium für Weltliteratur in der Wüste außerhalb von Los Angeles kennen. Der Professor kauft Aura eine zweibändige Ausgabe des Don Quijote und sie wechseln ein paar Worte, was schon bald in einer vermeintlichen Affäre resultiert. Sie beginnen, sich gegenseitig „kleines Mädchen“ und „alter Mann“ zu nennen. Nach einer kurzen Reise nach Guadalajara wird Jan kalt gegenüber Aura und sie wirft ihm vor, sie einmal „Sarah“ genannt zu haben. Sie sehen sich nicht mehr, bis Aura dem Professor nach einem Jahr einen Überraschungsbesuch abstattet. Der Professor bittet sie nur ungern hinein und sie bleibt für vier Tage in einem Hotel, wo er sie nur einmal besucht. Das Treffen läuft jedoch schief und sie brechen den Kontakt ab.

Drei Wochen später bekommt der Professor Post von einem Anwalt, da anscheinend in Guadalajara etwas zwischen den beiden vorgefallen ist. Daraufhin schreibt er Aura, dass all dies mit ihrem Einverständnis passiert sei.

Dies alles erfährt Franz aus der Korrespondenz des Professors. Auf einem Ausflug mit zwei Skischülern verteidigt Franz den Professor, da sie schlecht über seinen Suizid gesprochen haben. Später gehen sie in eine Bar und Franz wird vom Hilfssheriff ertappt, wie er betrunken heimfahren will und ermahnt ihn ein letztes Mal.

Siebtes Kapitel Franz erinnert sich an seine Kindheit und wie sich seine Eltern immer gestritten haben. Er möchte mit Viktor seine Mutter besuchen gehen. Während er auf Viktor wartet, geht er zum Schwesternfriedhof und stößt auf Schwester Antonia. Diese stellt ihm Fragen über die tote Braut und behauptet, dass eine alte Nonne Iris in der Hochzeitsnacht an die Klostertür klopfen gesehen habe. Sie erwähnt auch, dass Männer Frauen „schubsen“, bis sie zerbrechen. Daraufhin fragt sich Franz, ob er der erste Schubs bei Sarah gewesen ist. Als Viktor kommt, besuchen sie ihre Mutter, die jetzt nicht mehr trinkt.

Achtes Kapitel