mini|Kazimierz Nitsch mini|Kazimierz Nitsch (rechts) bei der Feldforschung (vor 1912)
Kazimierz Ignacy Nitsch (geboren 1. Februar 1874 in Krakau, Österreich-Ungarn; gestorben 26. September 1958 ebenda) war ein polnischer Slawist.
Leben Kazimierz Nitsch war ein Sohn des Architekten Maksymilian Nitsch (1843–1890). Er besuchte das Krakauer St.-Anna-Gymnasium und studierte ab 1891 Polonistik bei Lucjan Malinowski und Jan Baudouin de Courtenay an der Universität Krakau. Er machte 1897 das Lehrerexamen für Polnisch und Klassische Philologie, wurde 1898 promoviert und arbeitete bis 1910 als Gymnasiallehrer. 1901 forschte er über die Sprache der Kaschubei. Zwischen 1903 und 1905 studierte er an der Karlsuniversität Prag und der Universität von Paris und habilitierte sich 1905 in Krakau. Zwischen 1907 und 1909 forschte er auf dem Balkanhalbinsel, in Wien, St. Petersburg und Moskau.
1910 wurde er a. o. Professor für polnische Sprachwissenschaft in Krakau. 1911 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN) aufgenommen. 1913 heiratete er die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Aniela Gruszecka.
Während des Ersten Weltkriegs erhielt er 1917 eine Professur für Slawistik an der Universität Lwiw Lemberg. Bei der Pariser Friedenskonferenz gehörte er zur polnischen Delegation, als es um die Staatsgrenzen Polens ging. 1920 kehrte er nach Krakau zurück, wo er 1924 ordentliches Mitglied der PAU wurde und 1929 eine Professur für Polnische Sprache erhielt. Zum Ende des Studienjahres 1938/39 wurde er emeritiert. 1920 gründete er mit Jan Michał Rozwadowski und Jan Łoś die wissenschaftliche Gesellschaft Towarzystwo Miłośników Języka Polskiego. Seit 1919 war er Mitarbeiter der wissenschaftlichen Zeitschrift Język Polski, die er von 1929 bis 1958 mit der Unterbrechung während der Deutschen Besetzung Polens leitete.
Nach der Deutschen Eroberung Polens wurde Nitsch im November 1939 im Zuge der Sonderaktion Krakau mit 182 anderen Hochschullehrern von der deutschen Besatzungsmacht verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, wo er misshandelt wurde. Nach internationalen Protesten wurde er zusammen mit den älteren Professoren im Februar 1940 aus der Lagerhaft nach Krakau entlassen.
Dort schlug er sich als Bibliothekar in der Jagiellonischen Bibliothek durch und beteiligte sich an der Untergrunduniversität. Nach Kriegsende war er von 1946 bis 1957 Präsident der PAU und von 1953 bis 1958 Leiter des Instituts für Sprachwissenschaft der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) in Krakau. Als es nach 1945 um die Polonisierung der Wiedergewonnenen Gebiete ging, gehörte er 1946 zu der Komisja Ustalania Nazw Miejscowości (Sprachkommission). Seit 1947 war er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.
Schriften (Auswahl) Mowa ludu polskiego. Krakau : Frommer, 1911 Dialekty języka polskiego. 1915. Neuauflagen Studia z historii polskiego słownictwa. Krakau: PAU, 1948 Ze wspomnień językoznawcy. Wyd. 1. Warschau: PWN, 1960 Mały atlas gwar polskich. Breslau : Zakład Narod. Im. Ossolińskich, 1969
Literatur Kazimierz Nitsch, in: Jochen August (Hrsg.): „Sonderaktion Krakau“. Die Verhaftung der Krakauer Wissenschaftler am 6. November 1939. Hamburg : Hamburger Edition, 1997, ISBN 3-930908-28-X, S. 308 Aniela Gruszecka-Nitschowa: Całe życie nad przyrodą mowy polskiej. Kazimierz Nitsch i jego prace. Krakau : Wydawn. Literackie, 1977 Mieczysław Karaś: In memoriam Casimiri Nitsch, ksiega w stulecie urodzin. Polska Akademia Nauk, Komitet Językoznawstwa. Breslau : Ossolineum, 1975
Einzelnachweise
Kategorie:Sprachwissenschaftler Kategorie:Slawist Kategorie:Polonist Kategorie:Hochschullehrer (Nationale Iwan-Franko-Universität Lwiw) Kategorie:Hochschullehrer (Jagiellonen-Universität) Kategorie:Mitglied der Polska Akademia Umiejętności Kategorie:Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Opfer der Sonderaktion Krakau Kategorie:Häftling im KZ Sachsenhausen Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Komtur mit Stern) Kategorie:Träger des Goldenen Lorbeers der Polnischen Akademie für Literatur Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1958 Kategorie:Mann