mini|Campeon: Infineon-Hauptsitz in Neubiberg bei München Die Infineon Technologies AG ist ein deutscher Halbleiterhersteller. Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in Neubiberg (Landkreis München) und ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Es entstand im Jahr 1999 durch die Ausgliederung des Halbleitergeschäfts von Siemens.

Das Unternehmen gliedert sich in die Geschäftsbereiche Automotive, Power Systems und Edge Systems.

Geschichte Ausgliederung aus Siemens Die Siemens AG hatte Infineon im Jahr 1999 ausgegliedert und dann an die Börse gebracht, da sich der enorme Kapitalbedarf der Halbleiterindustrie am besten über die Börse finanzieren lässt und Siemens das Geschäft zu zyklisch war. Nach dem Börsengang reduzierte Siemens durch Paketverkäufe zunächst 2001 den Anteil auf unter 50 % und veräußerte in den Jahren 2004 und 2006 die restlichen Anteile.

Infineon ist ein Kofferwort und setzt sich aus infinity (englisch für ‚Unendlichkeit‘) und aeon (griechisch für ‚Zeitalter, Ewigkeit‘) zusammen.

2000 bis 2008 2005 verlegte Infineon den Unternehmenssitz nach Neubiberg bei München.

Zum 1. Mai 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte unter dem Namen Qimonda als eigenständige Gesellschaft mit 12.000 Mitarbeitern aus. Das neue Unternehmen wurde im August 2006 an der New York Stock Exchange (NYSE) gelistet. Infineon gelang es allerdings zunächst nicht, Altaktien zu platzieren. Stattdessen ging der gesamte Emissionserlös durch Ausgabe neuer Aktien an Qimonda, Infineon hielt im Oktober 2008 rund 77,5 Prozent aller Aktien an der Gesellschaft. Qimonda meldete am 23. Januar 2009 Insolvenz beim Amtsgericht München an und war zu diesem Zeitpunkt nach wie vor mehrheitlich im Besitz von Infineon.

Unmittelbar vor der Übernahme der in Baden-Württemberg erzielten Tarifeinigung der Metall- und Elektrobranche nach Bayern ist Infineon am 13. November 2008 aus dem bayerischen Arbeitgeberverband ausgetreten.Handelsblatt: Infineon verlässt Arbeitgeberverband. In: handelsblatt.com, 13. November 2008.

Seit 2009 Anfang Juli 2009 hat sich Infineon mit dem US-Investor Golden Gate Capital auf den Verkauf ihres Segments Wireline Communications über 250 Mio. Euro vertraglich geeinigt. Das dadurch neu entstandene Unternehmen firmierte als Lantiq. Ende Januar 2011 wurde der im August 2010 beschlossene Verkauf des bisherigen Geschäftsbereichs Wireless Solutions an Intel abgeschlossen. Das dadurch neu entstandene Unternehmen hatte rund 3500 Mitarbeiter und firmierte fortan als Intel Mobile Communications (IMC). Diese Verkäufe waren Teil einer größeren Umstrukturierung, neben der Insolvenz der Qimonda litt auch Infineon in dieser Zeit unter reduziertem Umsatz und machte im Jahr 2008 über 2 Mrd. Euro Verlust und im Jahr 2009 über 600 Millionen Euro Verlust. Daraufhin wurde durch Wandelanleihen neues Kapital beschafft.

Infineon gehört zu den ersten Unterstützern der FIDO-Allianz, die seit 2013 den Industriestandard Universal Second Factor (U2F) für eine allgemein anwendbare Zwei-Faktor-Authentifizierung entwickelt hat.

Am 20. August 2014 gab Infineon bekannt, International Rectifier bis Ende 2014 für einen Barpreis von zirka drei Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen.Infineon Technologies AG macht Angebot für die Akquisition der International Rectifier Corporation für 40 Dollar je Aktie oder ca. 3 Mrd. Dollar in bar. In: infineon.com, 20. August 2014, abgerufen am 5. Mai 2015. Die Übernahme wurde schließlich am 13. Januar 2015 abgeschlossen.Infineon Technologies AG schließt Akquisition von International Rectifier erfolgreich ab. In: infineon.com, 13. Januar 2015, abgerufen am 5. Mai 2015.

Im Juli 2016 gab Infineon die Absicht bekannt, das zum Unternehmen Cree Inc. gehörende Tochterunternehmen Wolfspeed zum Preis von 850 Millionen US-Dollar zu kaufen. Dadurch sollte die Marktpräsenz im Bereich Galliumnitrid auf Siliziumkarbid (GaN auf SiC) gestärkt werden. Kurz vor der Umsetzung wurde die Übernahme jedoch durch den Genehmigungsausschuss für ausländische Investitionen der neuen US-Regierung unter Präsident Trump als Risiko für die nationale Sicherheit eingestuft und vereitelt.Wolfspeed-Übernahme durch Infineon gescheitert, heise online, 17. Februar 2017, Abruf 9. April 2017, boerse.ARD.de, 9. Februar 2017, Abruf 9. April 2017

Im Oktober 2016 gab Infineon den Kauf von Innoluce BV bekannt. Das 2010 gegründete Halbleiterunternehmen entwickelt mikro-elektromechanische Systeme (MEMS) in Kombination mit Miniatur-Laser-Scanning-Modulen, die zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung (Lidar) für das autonome Fahren benötigt werden. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Im Mai 2018 verkündete Infineon die bis dato größte Einzelinvestition ihrer Unternehmensgeschichte. Am Standort in Villach sollen 1,6 Mrd. Euro in ein Halbleiterwerk und Forschungszentrum investiert werden. Im September 2021 war der Bau abgeschlossen.

Im Juni 2019 wurde bekannt, dass Infineon eine Übernahme der Cypress Semiconductor Corporation für rund neun Milliarden Euro anstrebt. Die Übernahme wurde im April 2020 abgeschlossen.

Im Februar 2023 gab Infineon die geplante Erweiterung des Dresdener Werks bekannt. Der Konzern investiert fünf Milliarden Euro und bekommt eine Milliarde Euro staatliche Fördermittel.

Im selben Jahr übernahm Infineon den kanadischen Mitbewerber GaN Systems für 830 Mio. Dollar und das schwedische Startup Imagimob, das Machine-Learning-Lösungen für Edge-Geräte entwickelt.

Im August 2024 gab Infineon bekannt, durch Abbau oder Verlagerung in Niedriglohnländer wie zum Beispiel Malaysia 2800 Stellen in Hochlohnländern in Europa, Asien und Nordamerika einsparen zu wollen und machte dafür Kostengründe geltend. Zuvor hatte Infineon zum dritten Mal innerhalb weniger Monate den avisierten Umsatz anpassen müssen.Infineon will 2.800 Jobs abbauen oder verlagern. In: tagesschau.de, 5. August 2024, abgerufen am 1. Oktober 2026. Mit dem Sparprogramm sollten angesichts eines im Vergleich zum Vorjahr halbierten Gewinns die Kosten um eine dreistellige Millionensumme gesenkt werden. Bereits im Juni hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es am Standort Regensburg zu rund 500 betriebsbedingten Kündigungen kommen werde.Joachim Hofer: Darum streicht Deutschlands größter Chiphersteller 1400 Jobs. In: handelsblatt.com, 7. August 2024, abgerufen am 1. Oktober 2026.

Im April 2025 erwarb Infineon die Automotive-Ethernet-Sparte von Marvell für 2,5 Milliarden Dollar. Im Oktober 2025 teilte Infineon mit, dass im Werk Warstein ein Abbau um mehrere hundert Stellen vorgenommen werden soll. Als Grund wurde der schwache Absatz von Hableitertechnologie im Elektroautomarkt angegeben.Infineon plant Stellenabbau in Warstein. In: wdr.de, 30. Oktober 2025, abgerufen am 1. Oktober 2026. Im März 2026 berichtete eine Lokalzeitung, dass es konkret um 500 Jobs ginge, die wegfallen sollen.Alexander Lange: „Schwierige Situation“: Infineon äußert sich zum Stellenabbau in Belecke. In: soester-anzeiger.de, 5. März 2026, abgerufen am 1. Oktober 2026.

2026 beteiligte sich Infineon an den europäischen Pilotlinienprojekten CHAMP-ION, SUPREME und SPINS zur Entwicklung von Quantentechnologien.

Im Februar 2026 vereinbarte Infineon den Erwerb des nichtoptischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorangebots von Ams-Osram für 570 Millionen Euro.

Unternehmensstruktur Die Infineon Technologies AG hat ihren Sitz in Neubiberg. Der Vorstand besteht aus Jochen Hanebeck als Vorstandsvorsitzendem, Sven Schneider als Finanzvorstand, Alexander Gorski als Chief Operations Officer, Elke Reichart als Chief Digital and Sustainability Officer sowie Andreas Urschitz als Chief Marketing Officer.

Geschäftsbereiche Ab Juli 2026 wird die Unternehmensstruktur vereinfacht und es gibt fortan durch eine Konsolidierung nur noch drei Geschäftsbereiche:

Automotive (ATV): Bleibt in seiner bisherigen Form bestehen. Power Systems (PS): Vereint alle Leistungshalbleiter und -module aus GIP und PSS. Edge Systems (ES): Zuständig für Produkte an der "Edge", also beispielsweise Haushaltsgeräte und humanoide Roboter.

Vorher folgte die Aufteilung folgenden vier Geschäftsbereichen: Automotive (ATV): Infineon liefert Halbleiterprodukte wie Mikrocontroller, Leistungshalbleiter und Sensoren für den Automobileinsatz. Green Industrial Power (GIP): In der Industriesparte des Unternehmens sind Leistungshalbleiter und -module gebündelt, die bei Erzeugung, Übertragung und Verbrauch elektrischer Energie zum Einsatz kommen. Die Leistungshalbleiter werden für die erneuerbare Energieerzeugung in Solar- und Windkraftanlagen sowie zur Energieübertragung und -wandlung einschließlich der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität eingesetzt. Infineon benannte die Sparte 2023 von Industrial Power Control (IPC) in Green Industrial Power (GIP) um. Zu den Anwendungsfeldern zählen außerdem Frequenzumrichter für die Steuerung von elektrischen Antrieben für Industrieanwendungen. Power & Sensor Systems (PSS): Die Division PSS fasst das Geschäft mit Chips für energieeffiziente Stromversorgungen und Hochfrequenz-Anwendungen zusammen. Diese werden vor allem in Konsumgütern wie Fernsehern, Spielekonsolen, PCs, mobilen Endgeräten sowie in Computer-Servern eingesetzt. Connected Secure Systems (CSS): Der Geschäftsbereich CSS liefert Mikrocontroller für SIM-Karten der Mobiltelefonie, Sicherheitschips für Bezahlkarten und Zugangsberechtigungskarten sowie chipbasierte Systeme für behördliche Dokumente. So liefert Infineon beispielsweise einen beträchtlichen Teil der Chips für den deutschen Personalausweis.Computerwoche Infineon liefert Chips für neuen Personalausweis, 7. Dezember 2010. Darüber hinaus entwickelt CSS Halbleitertechnologie für Bezahlfernsehen, Trusted Computing sowie der Near Field Communication (NFC).

Die beiden Divisionen IPC und PSS waren 2011 durch Aufteilung des Geschäftsbereichs Industrial & Multimarket entstanden,Pressemitteilung vom 28. Oktober 2011: Arunjai Mittal wird Vorstand für Vertrieb, Marketing und Strategieentwicklung – Infineon teilt Industrial & Multimarket Geschäft in zwei Divisionen auf. In: infineon.com. wobei das Segment PSS bis März 2020 unter der Bezeichnung PMM (Power Management & Multimarket) geführt wurde. Das Segment CSS entstand im August 2020 durch Umbenennung des vorherigen Segments Digital Security Solutions (DSS).

Regionen Infineon ist weltweit tätig und steuert seine Aktivitäten auch über Landesgesellschaften: in den Vereinigten Staaten aus Milpitas (Kalifornien), im asiatisch-pazifischen Raum aus Singapur und in Japan aus Tokio.Infineon Regional Subdidiaries. In: infineon.com (englisch). Im Geschäftsjahr 2025 wurden nach Regionen aufgeteilt 38 Prozent des Umsatzes in Greater China (Festland-China, Hongkong und Taiwan), 24 Prozent in Europa, im Nahen Osten und in Afrika (davon 10 Prozent in Deutschland), 17 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Greater China und Japan), 13 Prozent in Amerika und 9 Prozent in Japan erzielt.

Standorte in Deutschland und Österreich mini|Infineon Standort Dresden Im deutschsprachigen Raum hat der Konzern neben den direkt zugeordneten Betrieben der Infineon Technologies AG (beispielsweise im Raum München, Augsburg, Erlangen, Duisburg, Hannover, Regensburg, Karlsruhe) beziehungsweise der Infineon Technologies Austria AG (in Villach, Graz, Linz und Wien), mehrere Standorte Tochterunternehmen zugeordnet:

Der größte Fertigungsstandort mit 3.250 Beschäftigten (Stand 2023) ist die (1994 unter dem Namen Siemens gegründete) Infineon Dresden GmbH & Co. KG.

Die Danube Integrated Circuit Engineering GmbH & Co. KG (DICE) mit Sitz in Linz konzentriert sich auf die Entwicklung von ICs für Radarsysteme der Automobil- und Industriebranche. Außerdem werden ICs für die mobile Kommunikation und Navigation angeboten. Infineon ist seit 2000 an der DICE mehrheitlich beteiligt. Seit 2019 hält Infineon 100 % an der DICE.