mini|Karthagische Münze, möglicherweise mit dem Abbild Hannibals in Gestalt des punischen Gottes MelkartPatrycja Matusiak: Obraz Hannibala w literaturze antycznej. Dissertation an der Schlesischen Universität Kattowitz, Katowice 2009, S. 122; vgl. Portraits of Hannibal. Am 15. Februar 2012 auf hannibal-barca-carthage.blogspot.de, abgerufen am 7. März 2017. Hannibal Barkas (in punischer Schrift: ; * um 247 v. Chr. in Karthago; † 183 v. Chr. in Bithynien) war ein karthagischer Stratege und Heerführer, der als einer der größten Feldherren der Antike gilt. Geboren als Sohn des Hamilkar, der zur Zeit des Ersten Punischen Krieges als Feldherr gekämpft hatte, wuchs Hannibal in Karthago auf. Nach dem Tod seines Vaters wurde er zum Kommandanten der Reiterei unter seinem Schwager Hasdrubal. In Hispanien konnte er durch sein taktisches Geschick Schlachten für sich entscheiden.
Im Jahr 221 v. Chr. wurde er nach der Ermordung des Hasdrubal zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannt und führte einen Feldzug gegen iberische Stämme. Als die Stadt Sagunt die Unterwerfung verweigerte, belagerte Hannibal 220 v. Chr. die Stadt, die jedoch ein Bündnis mit Rom geschlossen hatte. Obwohl Hannibal von den römischen Gesandten aufgefordert wurde, die Belagerung abzubrechen, eroberte er die Stadt. Dies löste einen Konflikt aus, der schließlich zum Zweiten Punischen Krieg führte. Während des Zweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.) fügte er dem Römischen Reich mehrere schwere Niederlagen zu und brachte Rom 216 v. Chr. in der Schlacht von Cannae an den Rand des Untergangs, wurde aber schließlich von dem römischen Feldherrn Scipio Africanus in der Schlacht von Zama besiegt. Nach dem Friedensschluss zwischen Karthago und Rom führte Hannibal als Sufet in Karthago mehrere Reformen durch, die die Aristokratie schwächten. Dadurch machte sich Hannibal viele Feinde innerhalb Karthagos und musste fliehen. Er nahm sich 183 v. Chr. das Leben, um eine Gefangennahme durch die Römer zu vermeiden.
Leben Herkunft und Familie mini|Bruder des Hannibal: Hasdrubal Hannibal war der älteste Sohn des karthagischen Feldherrn Hamilkar Barkas, der sich im Ersten Punischen Krieg und im Söldnerkrieg ausgezeichnet hatte. Hannibals jüngere Brüder waren Hasdrubal und Mago, die ebenfalls als karthagische Feldherren dienten.Pedro Barceló: Hannibal. 2. Auflage. München 2003, S. 13. Der erste Teil seines Namens, Hannibal, bedeutet wörtlich „Baal ist gnädig“; der zweite Teil („Blitz“) ist ein Beiname, den schon Hannibals Vater trug. Die römische Geschichtsschreibung berichtet, dass der neunjährige Hannibal zusammen mit seinen Brüdern den Römern ewige Feindschaft schwören musste, doch handelt es sich möglicherweise um eine Legende.Pedro Barceló: Hannibal. 2. Auflage. München 2003, S. 25. Hannibal wurde von dem Spartaner Sosylos erzogen, der später zu seinen Beratern gehörte.Pedro Barceló: Hannibal. 2. Auflage. München 2003, S. 24.
Jugend und hispanisches Kommando 237 v. Chr. begleitete Hannibal als neunjähriger seinen Vater auf die Iberische Halbinsel, welche reich an Bodenschätzen war. Dort eroberte Hamilkar Barkas große Gebiete, die zum einen die territorialen Verluste Karthagos im letzten Krieg gegen Rom ausgleichen und zum anderen die Machtgrundlage seiner Familie, der Barkiden, sichern sollten.Pedro Barceló: Hannibal. 2. Auflage. München 2003, S. 19–23. Nach Hamilkars Tod in einer Schlacht gegen aufständische iberische Volksstämme übernahm Hannibals Schwager Hasdrubal das Kommando in Hispanien. Dieser vergrößerte die neue karthagische Provinz erheblich, gründete mit Carthago Nova eine regionale Hauptstadt und schloss mit Rom den heute so genannten Ebro-Vertrag, der einen Fluss namens „Iberus“ als Grenze zwischen beiden Mächten festlegte (es ist unklar, ob es sich um den Río Segura oder den Ebro handelt). Hannibal hatte sich mittlerweile wieder nach Karthago begeben, kehrte jedoch 224/223 v. Chr. auf Wunsch seines Schwagers auf die Iberische Halbinsel zurück. Als Hasdrubals Kommandant der Reiterei konnte sich Hannibal in mehreren schweren Kämpfen gegen iberische Stämme hervortun. Die aus der iberischen Stadt Castulo stammende Imilke wurde Hannibals Gattin. Nach Jakob Seibert war sie eine Ibererin.Jakob Seibert: Forschungen zu Hannibal. Darmstadt 1993, S. 43. Ihr Name soll nach Lancel punischen Ursprungs sein.
Hannibal wurde 221 v. Chr. nach Hasdrubals Ermordung Oberbefehlshaber des Heeres. Sogleich führte er einen Feldzug gegen die noch unabhängigen iberischen Stämme. In einer Schlacht am Tajo gegen die Carpetani siegte Hannibal in offener Feldschlacht über einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner. Die Stadt Sagunt an der Mittelmeerküste verweigerte die Unterwerfung. Hannibal belagerte die Stadt ab 220 v. Chr., auch, um ihren Einfluss auf die iberischen Stämme einzugrenzen. Die Sagunter schlossen daraufhin ein Bündnis mit Rom.Pedro Barceló: Hannibal. 2. Auflage. München 2003, S. 26–37. Römische Gesandte forderten Hannibal auf, die Belagerung der Stadt abzubrechen. Dieser lehnte jedoch ab, da Sagunt die mit Karthago verbündeten Turboleten angegriffen hatte und Hannibal ihnen nun zur Hilfe kam. Hannibal fragte in Karthago bezüglich eines weiteren Vorgehens an. Unklar ist es, welche der beiden Seiten vertragsbrüchig wurde.
Im Konflikt um Sagunt wiederholten sich die Ereignisse, die zum Ausbruch des Ersten Punischen Krieges geführt hatten, als Rom die Stadt Messina als Anlass für einen Krieg mit Karthago genutzt hatte. Hannibal ließ 219 v. Chr. nach achtmonatiger Belagerung Sagunt stürmen und die Bevölkerung töten. Die Römer hatten nichts zur Hilfe Sagunts unternommen, ließen dem karthagischen Rat nun aber ausrichten, dass dieser einem Krieg nur durch die Auslieferung Hannibals entgehen könnte. Die Ratsherren standen jedoch zu ihrem Kommandeur.
Zweiter Punischer Krieg
mini|hochkant=1.4|Hannibals Feldzug gegen die Römer Hannibal zeichnete sich durch ein für seine Zeit ungewöhnliches Bewusstsein über die Möglichkeiten und Grenzen von Zeit und Raum für militärische Manöver aus. Um einem römischen Angriff auf Spanien zuvorzukommen, überschritt er die Alpen mit wahrscheinlich mehr als 50.000 Soldaten, 9.000 Reitern und 37 KriegselefantenSiehe zu den verschiedenen Zahlenspekulationen Jakob Seibert: Forschungen zu Hannibal. Darmstadt 1993, S. 179–183. Die genaue Anzahl an Elefanten (37) findet sich bei Appian, Hannibalica 1,4. über einen nicht mehr genau zu bestimmenden Pass (möglicherweise Col de Clapier, Col de Montgenèvre, Mont Cenis oder über den Col de la TraversetteArchaeometry 52, 156–172 (2010).) und gelangte durch das Gebiet der Salasser nach Aosta und Ivrea. Das Heer erlitt in den Alpen schwere Verluste, konnte jedoch mit Kelten aus der Po-Ebene verstärkt werden.
mini|Die Kesselschlacht bei Cannae Durch diesen überraschenden Zug gelangte Hannibal für die nächsten Jahre gegenüber den militärisch überlegenen Römern in die strategische Offensive, da er das römische Bundesgenossensystem als Basis der römischen Macht direkt bedrohte. In taktisch defensiven, aber selbstgewählten überlegenen Ausgangspositionen konnte er die taktischen Schwächen des römischen Militärsystems mehrfach mit enormem Erfolg ausnutzen und in den Schlachten am Ticinus, an der Trebia (beide 218 v. Chr.) und am Trasimenischen See (217 v. Chr.) die meist deutlich überlegenen römischen Legionen schlagen. Am 2. August 216 v. Chr. traf Hannibal bei Cannae auf eine römische Armee von 16 Legionen (etwa 80.000 Mann), die er mit seinen etwa 50.000 Soldaten durch ein Umfassungsmanöver fast vollständig vernichtete.
Hannibal marschierte trotz seiner militärischen Erfolge nicht nach Rom. In der Geschichtsschreibung wurde dies häufig als strategischer Fehler bezeichnet. Der karthagische Reitergeneral Maharbal soll gesagt haben: „Du verstehst zu siegen, Hannibal. Den Sieg zu nutzen aber verstehst du nicht!“ Hannibals Ziel war allerdings nicht die Eroberung der Hauptstadt des Römischen Reiches, sondern die Vernichtung seines Bundesgenossensystems. Er hoffte darauf, die italischen Städte von Rom zu lösen und dadurch die Grundlage der römischen Großmachtstellung zu zerstören. Zudem dürfte es ihm an ausreichendem Belagerungsgerät gefehlt haben.
Zwar gingen einige italische Bundesgenossen Roms im Jahr 212 v. Chr. zu Hannibal über, darunter auch Capua, doch wurde der Krieg dadurch nicht entschieden. Die Römer hatten ihre anfängliche Strategie unter dem Einfluss des „Zauderers“ Fabius Maximus gewechselt und griffen die Karthager in Italien und Spanien nur noch in Hannibals Abwesenheit an. Als Capua 211 v. Chr. durch römische Truppen belagert wurde, unternahm Hannibal doch einen Scheinangriff auf Rom, um die Belagerer Capuas zum Rückzug zu bewegen. Laut Cicero (der rund hundert Jahre später lebte) soll dabei der berühmte Ausruf Hannibal ad portas ertönt sein („Hannibal bei den Toren“), der meist als Hannibal ante portas zitiert wird („Hannibal vor den Toren“).Vgl. Duden online: Hannibal ad portas Hannibal konnte jedoch den Fall Capuas nicht verhindern, was schon von antiken Historikern als Wendepunkt des Krieges angesehen wurde.
mini|257x257px|Schlachtverlauf bei Zama. Nach jahrelangem Kleinkrieg in Italien wurde Hannibal in die Heimat zurückbeordert, da der römische Feldherr Scipio nach der Eroberung Spaniens in Afrika gelandet war. Diesem war es zudem gelungen, den numidischen Reiterfürsten Massinissa zum Seitenwechsel zu bewegen, sodass Hannibal nicht mehr die für seine Taktik wichtige Kavallerie zur Verfügung stand. In der Schlacht bei Zama erlitt Hannibal 202 v. Chr. seine erste und kriegsentscheidende Niederlage gegen die Römer.
Hannibal als Reformator Nach dem Friedensschluss Karthagos mit Rom musste sich Hannibal mehrerer innenpolitischer Gegner aus der Aristokratie erwehren. Diese warfen ihm vor, einerseits den Marsch auf Rom verweigert und andererseits Beute unterschlagen zu haben. Der weiterhin beim Volk populäre Hannibal wurde in allen Punkten freigesprochen. Auf römischen Druck verlor Hannibal aber 200 v. Chr. seine Stellung als karthagischer Stratege.
Hannibal wandte sich von nun an der Innenpolitik zu, um die politische und militärische Macht der Stadt wieder aufzubauen. Er wurde 197 v. Chr. zum Sufeten gewählt und reformierte Politik und Wirtschaft Karthagos zu Ungunsten der Aristokratie. Er brachte ein Gesetz ein, das den bisher aristokratisch dominierten Gerichtshof der 104 schwächte: Die bisher auf Lebenszeit ernannten Mitglieder mussten von nun an durch die Volksversammlung gewählt werden und durften gemäß dem Annuitätsprinzip nach römischem Vorbild nur noch für ein Jahr amtieren. Hannibal verschaffte somit einer deutlich breiteren Schicht den Zugang zu hohen politischen Ämtern.Pedro Barceló: Hannibal. Stratege und Staatsmann. Stuttgart 2012, S. 218–220; Karl Christ: Hannibal. Darmstadt 2003, S. 140–141.
Die karthagische Bevölkerung hatte wegen der Kriegsreparationen an Rom hohe Abgaben zu tragen, die die Wirtschaft belasteten. Hannibal senkte die Abgaben, indem er gegen die Korruption in Karthago vorging. Dadurch vergrößerte er den Kreis seiner innenpolitischen Gegner weiter. Diese konnten ihn 195 v. Chr. ins Exil treiben, indem sie behaupteten, er würde gegen Rom konspirieren.Karl Christ: Hannibal. Darmstadt 2003, S. 142. Hannibals Reformen blieben jedoch bestehen und hatten einen großen Anteil an dem raschen ökonomischen Wiederaufstieg Karthagos nach dem Zweiten Punischen Krieg.
Exil mini|Antiochos III. (Münzporträt)