mini|hochkant=2|Das Kurfürstentum Sachsen (rot) im Jahr 1517 auf einer Europakarte. Vom Thesenanschlag 1517 bis zur Wittenberger Kapitulation 1547 standen der Kurkreis und die ernestinischen Besitzungen von Sachsen im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit, da hier die erste Phase der Reformation verankert wurde, die sich weltweit verbreitete.

Das Kurfürstentum Sachsen, kurz Kursachsen oder Chursachsen, war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches.

1356 wurde das Herzogtum Sachsen-Wittenberg durch Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle zu einem der Kurlande erhoben. Seitdem stellten die Askanier einen Kurfürsten. Nach dem Aussterben der sächsisch-wittenbergischen Linie der Askanier im Mannesstamm 1422 belehnte 1423 der römisch-deutsche König Sigismund den meißnischen Markgrafen Friedrich den Streitbaren aus der Linie der Wettiner mit dem Herzogtum, wodurch auch die sächsische Kurwürde 1423 an diesen überging. Aufgrund der Kurwürde des Herrschers wurde in der Folge der Name Kurfürstentum Sachsen auch für die meißnischen und thüringischen Besitzungen der Wettiner verwendet, obwohl die Kurwürde nur an einen Teil der kurfürstlichen Gebiete, die Kurlande, geknüpft war. Im Fall des sächsischen Kurfürstentums war dies der Kurkreis, das Gebiet des früheren Herzogtums Sachsen-Wittenberg.

Im Leipziger Vertrag von 1485 wurde die Teilung des wettinischen Adelshauses in die Ernestinische Linie und die Albertinische Linie vereinbart, wobei der Kurkreis an die Ernestiner ging. 1547 fielen in der Wittenberger Kapitulation Kurkreis und Kurwürde an Herzog Moritz von der Albertinischen Linie. Die Albertiner blieben Kurfürsten bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 und erlangten danach durch ein Bündnis mit Napoleon die sächsische Königswürde. Aus dem Kurfürstentum Sachsen wurde das Königreich Sachsen, ein Mitgliedsstaat des Rheinbundes.

Das Land entwickelte eine für diese Zeit starke und effektive Verwaltung, es besaß eine diversifizierte Wirtschaft bei gleichzeitig hohem Wohlstand. Gesellschaftlich blieben die bürgerlichen Strukturen im Vergleich zu den westlichen Staatswesen dieser Zeit wie beispielsweise den Generalstaaten zurück und wurden durch den Adelsstand und die Verwaltung in ihrer Entfaltung eingeschränkt. Dafür kamen von Sachsen durch die von dort ausgehende Reformation wichtige humanistische und bildungsorientierte Impulse. Kultur und Künste blühten im 18. Jahrhundert auf.

In der Frühen Neuzeit war das Kurfürstentum bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts für etwa 200 Jahre das zweitbedeutendste Territorium und Schutzmacht der protestantischen Fürstentümer im Heiligen Römischen Reich. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung 1807 (ein Jahr nachdem es zum Königreich erhoben worden war) hatte Sachsen eine Größe von 636,25 Quadratmeilen, was 34.994 Quadratkilometern entspricht, und eine Bevölkerung von 2,010 Millionen erreicht.

Historische Geografie Politische Geografie mini|Kurfürstentum Sachsen um 1600. Das Territorium des Kurfürstentums erstreckte sich auf die vier heutigen Bundesländer Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. (schwarz: Grenzen heutiger Bundesländer) Ein territorial gefestigtes Kursachsen hat es nie gegeben. Durch Ämterkauf und -verkauf, Erbteilung und Erbanfall, Kriegsverluste und -gewinne veränderte sich das territoriale Gebilde fortwährend. Von 1356 bis 1422 bestand das Kurfürstentum lediglich aus dem Raum um Wittenberg. Durch die Übernahme der Kurwürde des meißnischen Markgrafen 1422 erweiterte sich der territoriale Raum des Kurfürstentums Sachsen und erstreckte sich bis ins Vogtland und ins Elbsandsteingebirge. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die beiden Lausitzen in den Staatsverbund inkorporiert. Dadurch vergrößerte sich das Landesgebiet nochmals erheblich und umfasste die weiter östlich gelegenen Gebiete entlang der Oder und Neiße. 1547 gingen nach der Wittenberger Kapitulation in Thüringen wiederum größere Teile dauerhaft für Kursachsen verloren.

Entsprechend den politischen Grenzen von 1550 wurde Sachsen im Süden und Osten vom durch die Habsburger beherrschten Königreich Böhmen, von der Markgrafschaft Niederlausitz, der Markgrafschaft Oberlausitz sowie im Norden durch das aufstrebende Brandenburg begrenzt. Im Südwesten grenzte Sachsen an das Fürstentum Bayreuth und das Hochstift Bamberg. Im Westen grenzte es an die Landgrafschaft Hessen und das Fürstentum Anhalt. Daneben gab es einige kleinere Grafschaften und Fürstentümer im Grenzbereich. Sachsen hatte im Westen selbst eine sehr unregelmäßig gegliederte Grenze. Auch innerhalb Sachsens gab es einzelne Enklaven. 1635 wurde mit den beiden Lausitzen ein geschlossenes Territorium angegliedert, seitdem grenzte Sachsen an das habsburgisch regierte Schlesien.

Landschaftsgliederung Die Landschaften Kursachsens reichten vom Norddeutschen Tiefland bis zur deutschen Mittelgebirgszone, die Vegetation von karger Heidenvegetation bis zum Mischwald. Die naturräumliche Gliederung teilt das kursächsische Land in drei große Zonen: die sächsische Bergland- und Mittelgebirgszone, die sächsische Lössgefildezone einschließlich des heutigen südlichen Sachsen-Anhalts und das nordsächsische Flachland einschließlich der heutigen südbrandenburgischen und ostsachsen-anhaltischen Gebiete.

In der Mittelgebirgszone lebte ein Großteil der Bevölkerung, am dichtesten besiedelt war der Raum um Annaberg und Freiberg im Erzgebirge. Der Boden war für die landwirtschaftliche Nutzung nur wenig ergiebig. Dafür dominierten Gewerbe, Manufakturen und Bergwerke. Im südlichen Sachsen sind das historische Vogtland, und die Oberlausitz mit dem Zittauer Gebirge, dem Lausitzer Bergland, die sächsische Schweiz räumlich prägnante Differenzierungen des kursächsischen Territoriums.

Zentralsachsen zerfällt in die Leipziger Tieflandsbucht, das sächsische Elbland und das Mittelsächsische Hügelland. Die mittlere Zone Sachsens wurde agrarisch sehr stark genutzt und war ein überregionales Verkehrsknotenzentrum mit den Zentren Leipzig und Dresden. Der Leipziger Raum entwickelte sich nach Dresden zum zweiten Zentrum in Sachsen.

Historische Landschaftszonen und Naturräume auf dem nördlichen Gebiet von Kursachsen sind der Fläming, der Spreewald, die Niederlausitz mit dem Lausitzer Grenzwall. Das ehemalige Zentrum Sachsens um Wittenberg bis Torgau war zunächst genau so dicht besiedelt wie beispielsweise der Elbkessel, fiel aber nach 1547 in der Entwicklung deutlich zurück, während der Dresdner Raum stark an Bevölkerung gewann. Der nördliche Bereich galt daher agrarisch und auch gewerblich wenig ergiebig und war insgesamt geringer bevölkert als die südlicheren Landesteile.Karl Czok: August der Starke und Kursachsen, Koehler & Amelang, Leipzig 1987, S. 59. Größere Siedlungen waren selten.

Der Hauptfluss des Kurfürstentum Sachsens war die Elbe mit der Saale als längstem Nebenfluss. Weitere Wasserstraßen waren die Schwarze Elster, die Neiße und die Weiße Elster.

Anthropogeografische Einwirkungen mini|Historischer Kalkofen (Rumfordofen) aus dem Jahr 1856 mini|Steinbruch Borna mini|Von rechts kommend lief an dieser Stelle das Wasser des Überlaufs des Pechöfer Grabens in den Jugelbach Kursachsen ist ein rohstoffreiches Land gewesen, so dass sich frühzeitig eine heterogene Produktionssparte im Bergbau entlang der Mittelgebirgszone im Süden Kursachsens, das Erzgebirge bildete. Neben Silber wurden dort seit Ausgang des Mittelalters Kupfer- und Zinnerze, Eisen, Kobalt und Wolfram abgebaut. Kalk wurde unter anderen im Kalkwerk Lengefeld seit 1528 abgebaut, im Kalkabbaugebiet von Maxen erfolgte seit 1546 der Abbau von Kalkstein und im Kalktagebau Borna wurde seit 1551 produziert. Von dort wurde unter anderen auch Marmor für den Ausbau der Dresdner Residenz bezogen. Das Kalkwerk Crottendorf lieferte seit 1587 Marmor, ebenso produzierten das Kalkwerk Hammerunterwiesenthal und das Kalkwerk Hermsdorf Marmor. Die Bedeutung des Bergbaus für die sächsische Wirtschaft stieg im 16. Jahrhundert stark an, so dass Kursachsen nach einer langen Wachstumsphase eines der wichtigsten Montanreviere Europas besaß. Negative Einwirkungen im Landschaftsbild durch den Bergbau zeigten sich vor allem durch den Holzeinschlag in den Wäldern des Erzgebirges. Das Holz wurde zur Befeuerung der Schmelzhütten benötigt, um Erz und Silber aus dem Erzgestein der Minen zu gewinnen.

Das Elbsandsteingebirge war wichtiger Baustofflieferant für die sächsischen Residenzen. Sandstein prägt die Altstadt und Neustadt Dresdens ganz erheblich. Die Tafelberge wurden auch als Festung genutzt. Die Festung Königstein ist ein solches Beispiel. Lausitzer Granit wurde vor allem in vielen Steinbrüchen der Ober-, insbesondere der Westlausitz gewonnen. Landschaftlich bedeutsame anthropologische Einwirkungen der Kursächsischen Zeit waren die vielen Kunstgräben, wie zum Beispiel der Pechöfer Graben, die zum Betrieb der vielen Bergwerke errichtet wurden. Weitere bedeutende heute noch existente Infrastrukturbauten aus der Zeit des Kurfürstentum sind: Erzkanal im Freiberger Nordrevier Neugraben (Großer Galgenteich) Neugrabenflöße Elsterfloßgraben Quergraben Altväterbrücke

Die Bodenwerte und auch das gemäßigte mitteleuropäische Klima ermöglichten eine allgemein extensive Landwirtschaft in Kursachsen außerhalb der südlichen Gebirgszone.

Die verkehrsseitige Durchdringung des Raums war in der vormodernen Zeit problematisch, da Wege und Flussübergänge und genaue Verzeichnisse nur geringe Standards aufwiesen. Zur Überwindung der Flüsse setzte frühzeitig ein behördlich regulierter Brückenbau in Sachsen ein. Viele dieser Brücken werden heute noch benutzt.

Territorialbestandsänderungen mini|Die drei Sekundogeniturfürstentümer Sachsens 1656

Die Wettiner ermöglichten ihren nachgeborenen Söhnen die Bildung von Nebenlinien innerhalb des Gesamthauses. Diese so genannten Sekundogenituren bedeuteten keine Landesteilung, weil sie nach dem Aussterben der begünstigten Linie wieder an die Stammlinie zurückfielen. In Sachsen gab es zeitweise folgende Nebenlinien: Sachsen-Weißenfels von 1656/57 bis 1746 Sachsen-Zeitz von 1656/57 bis 1718 Sachsen-Merseburg von 1656/57 bis 1738 In dieser Aufstellung werden diese Länder flächenbezogen nicht zum Gesamterbe Sachsens dazugerechnet. 1697 wurde die Erbvoigtei von Quedlinburg, der Petersberg und drei Ämter an Brandenburg-Preußen (Umfang 2 geographische Quadratmeilen zu 7.420,439 Metern, 110 Quadratkilometer) verkauft. 1718 folgte der Erbfall der Länder der Linie von Zeitz (Umfang 62,28 Quadratmeilen, 3429,3 Quadratkilometer). 1736 erhielt Sachsen als Ausgleich für seine Ansprüche an Hanau die Ämter Landeck, Frauensee und den hessischen Anteil von Treffurt (Umfang 5,10 Quadratmeilen, 280,8 Quadratkilometer). 1737 fielen durch Erbschaft die Länder der Linie von Merseburg an Sachsen (Umfang 96,90 Quadratmeilen, 5335,6 Quadratkilometer). 1743 wurden Landeck und Frauensee an Hessen-Kassel verkauft (Umfang 5 Quadratmeilen, 275,3 Quadratkilometer). 1746 fielen die Länder der Linie Weißenfels an Sachsen (Umfang 60,75 Quadratmeilen, 3345 Quadratkilometer). 1780 kam das halbe Mansfeld hinzu (Umfang 8,50 Quadratmeilen, 468 Quadratkilometer). Bereits als Königreich: 1807 erhielt Sachsen als Ergebnis des Vierten Koalitionskriegs den Cottbuser Kreis von Preußen (Umfang 20 Quadratmeilen, 1101 Quadratkilometer). 1808 trat Sachsen den größten Teil von Mansfeld, Treffurt, Dorla, Barby und Gommern an das Königreich Westphalen ab (Umfang 6,5 Quadratmeilen, 357,9 Quadratkilometer).

1807 umfasste das ein Jahr vorher zum Königreich erhobene albertinische Sachsen den territorialen Höchstbestand von 636,25 Quadratmeilen, 34.993,75 Quadratkilometern.Georg Hassel: Statistischer Umriß der sämmtlichen Europäischen und der vornehmsten außereuropäischen Staaten, in Hinsicht ihrer Entwickelung, Größe, Volksmenge, Finanz- und Militärverfassung. Heft 1. Verlag des Geographischen Instituts, Weimar 1823, S. 69.