Der Rhein-Rhône-Kanal (französisch Canal du Rhône au Rhin) ist ein Schifffahrtskanal, der in den französischen Regionen Bourgogne-Franche-Comté und Grand Est verläuft. Die zwischen 1784 und 1834 erbaute Wasserstraße verbindet den Rhein mit dem Rhône-Zufluss Saône. Nach Teilstillegungen Anfang der 1960er Jahre besteht der Kanal heute aus der eigentlichen Rhein-Rhône-Verbindung sowie den Verbindungen Rhinau–Straßburg und Breisach–Colmar, die beide vom Rhein aus zugänglich sind.

Geographie Der Kanal verbindet die Täler der Flüsse Saône und Rhein über die Wasserscheide der Burgundischen Pforte zwischen Vogesen und Jura. Er ist Teil eines Binnenwasserweges, der quer durch Europa eine schiffbare Verbindung zwischen den Küsten des Mittelmeeres und der Nordsee herstellt. Diese Strecke setzt sich aus folgenden Wasserwegen zusammen: Rhône (als kanalisierter Fluss) Saône (als kanalisierter Fluss) Rhein-Rhône-Kanal Rheinseitenkanal Rhein (als kanalisierter Fluss)

Rhein-Rhône-Verbindung Der Kanal beginnt in Saint-Symphorien-sur-Saône, wo er etwa vier Kilometer oberhalb der Einmündung des Canal de Bourgogne von der Saône auf einer Höhe von abzweigt. Von dort verläuft der Kanal zum Doubs, den er südlich von Dole erreicht. Ab hier bis zum Ort L’Isle-sur-le-Doubs nutzt er den kanalisierten Flusslauf des Doubs, steigt dann als künstlicher Kanal bis zur Scheitelhaltung auf eine Höhe von an und überquert bei Montreux-Vieux die Europäische Hauptwasserscheide zwischen den Flusssystemen der Rhône und des Rheins. Von Mülhausen bis Niffer verläuft der Kanal im ehemaligen Canal de Huningue. Bei Niffer mündet der Kanal nach einer Gesamtlänge von 237Die Angaben zur Kanallänge über den und den , abgerufen am 20. Dezember 2011, konnten nicht übernommen werden, da dieser den aufgelassenen Abschnitt bis Straßburg beinhaltet. Die Länge entstammt daher den nautischen Unterlagen (siehe Quellen). Kilometern in den Rhein, genau genommen in den Rheinseitenkanal (Grand Canal d’Alsace).

Bei Fesches-le-Châtel, 6,5 km östlich von Montbéliard, zweigt ein Stichkanal Richtung Belfort ab, der heute für die Schifffahrt gesperrt ist. Dieser Kanal ist das fertiggestellte Teilstück des Canal de la Haute-Saône, der ursprünglich zur oberen Saône führen sollte.

Koordinaten Ausgangspunkt des Kanals: Endpunkt des Kanals:

Durchquerte Départements Côte-d’Or Jura Doubs Territoire de Belfort Haut-Rhin

Orte am Kanal Saint-Symphorien-sur-Saône Dole Besançon Baume-les-Dames L’Isle-sur-le-Doubs Montbéliard Dannemarie Mülhausen Niffer

Technische Infrastruktur

Die Rhein-Rhône-Verbindung ist ein Wasserscheidenkanal, der einen Höhenunterschied von insgesamt rund 265 Metern überwindet, davon liegen circa 160 Meter auf der Seite des Saône-Tals, die mit 72 Schleusen überwunden werden, und etwa 105 Meter auf der Seite des Rheins, die 40 Schleusen benötigen. Die Schleusen wurden mehrfach umgebaut und haben unterschiedliche Abmessungen. Durchgängig befahrbar ist die Strecke aber nur für Schiffe der Freycinet-Klasse. Lediglich der Abschnitt zwischen Mülhausen und der Mündung in den Rheinseitenkanal ist für Schiffe mit 3 Meter Tiefgang ausgebaut. Die größere Kammer der Schleuse Kembs-Niffer, der einzigen in diesem Abschnitt, ist mit einer Länge von 190 Meter Länge und einer Breite von 12 Meter Breite für Schubverbände dimensioniert.Voies navigables de France, direction territoriale de Strasbourg (Hrsg.): Étude de définition d'un projet touristique et de sa gouvernance – CRR Branche Sud. Rapport de phase 3.2. Charte partenariale. Version provisoire Juin 2021, S. 6 (pdf, 1,06 MB). Neben den 112 ständig in Betrieb stehenden Schleusen gibt es im Tal des Doubs mehrere Sperrschleusen, die nur bei Hochwasser betrieben werden und dann verhindern, dass der Wasserstand in den dortigen Seitenkanälen zu hoch steigt.Canal du Rhône au Rhin bei French Waterways (abgerufen am 7. Mai 2025).

Der Rhein-Rhône-Kanal durchquert zwei Kanaltunnel: Einen bei Thoraise (Länge 185 Meter), ca. 10 Kilometer westlich von Besançon, sowie einen unter der Zitadelle von Besançon (Länge 394 Meter). Beide Tunnel kürzen jeweils eine Flussschleife des Doubs ab, sind sechs Meter breit und erlauben nur einen Einbahnverkehr.

Nördlicher Abschnitt Zwei Teilabschnitte des alten Kanals zwischen Mülhausen und Straßburg sind heute noch in Betrieb, haben aber keine schiffbare Verbindung mehr mit der Route zwischen Rhein und Rhône: Zum einen der frühere Zweigkanal nach Colmar mit einer Zufahrt vom Rhein bei Breisach, zum anderen der nördlichste Teil des Hauptkanals zwischen Rhinau und Straßburg.

Seit 2024 wird der stillgelegte, 25 Kilometer lange Abschnitt von Artzenheim nach Friesenheim restauriert; die Wiedereröffnung ist für 2029 geplant. Nach der Inbetriebnahme werden die beiden Teilstücke bei Straßburg und bei Colmar wieder verbunden sein. Ziel ist die touristische Nutzung durch Hausboote.

Rhinau–Straßburg mini|Rhein-Rhône-Kanal bei Illkirch-Graffenstaden Dieser 34 Kilometer lange Teilabschnitt verbindet den Rhein unterhalb der Staustufe Rhinau (, ) mit der Ill im Süden von Straßburg (, ). Der Abschnitt besteht aus dem Canal de raccordement au Canal du Rhone au Rhin (deutsch: Verbindungskanal zum Rhein-Rhône-Kanal) und dem nördlichsten Teil des alten Rhein-Rhône-Kanals. Die 11 Schleusen sind für die Freycinet-Klasse dimensioniert. Bei Erstein kreuzt der Canal de Décharge de l'Ill (deutsch: Ill-Hochwasserkanal), der Hochwasser der Ill zum Rhein ableitet. Unterhalb der Gewässerkreuzung liegt eine weitere Schleuse, die als Sperrschleuse nur bei Hochwasser in Betrieb ist.River Ill and Canal du Rhône au Rhin (North) bei French Waterways (abgerufen am 23. Juni 2025).

Die französische Gewässerdatenbank SANDRE zählt den Straßburger Umleitungskanal zum Rhein-Rhône-Kanal. Der 5 Kilometer lange Kanal mit einer Schleuse führt vom Ende des Rhein-Rhône-Kanals zum Canal de la Marne au Rhin (deutsch: Rhein-Marne-Kanal) im Bereich des Straßburger Hafens (, ).Architekten- und Ingenieur-Verein für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Straßburg und seine Bauten. Karl J. Trübner, Straßburg 1894, S. 612–614.

Breisach–Colmar mini|Kanalhafen in Colmar Der Canal de Colmar beginnt an einem Hafen (, ) im Osten der namensgebenden Stadt, in den der von der Fecht abzweigende Logelbach mündet. Zunächst den Unterlauf der Lauch nutzend, quert der Kanal die Ill und verläuft dann in zwei langen Geraden nach Osten zur früheren Hauptstrecke des Rhein-Rhône-Kanals bei Artzenheim. Die Verbindung zum Rhein wird hergestellt über die Hauptstrecke zwischen Artzenheim und Kunheim und den Canal de Neuf-Brisach, der gegenüber von Breisach in den Rhein mündet (, ).

Auf den 23 Kilometer zwischen Colmar und Breisach liegen drei, für die Freycinet-Klasse dimensionierte Schleusen: Unterhalb der Illquerung, bei Baltzenheim sowie an der Mündung in den Rhein.

Wasserversorgung Die stillgelegten Abschnitte des Rhein-Rhône-Kanals und des Canal de Huningue werden als Speisekanäle weiterhin genutzt, so dass alle schiffbaren Kanalabschnitte über ein gemeinsames System mit Wasser versorgt werden.

Im Bereich der Scheitelhaltung ist die Wasserversorgung schwierig, da das dortige Einzugsgebiet klein ist. In der Oberrheinebene treten Probleme auf, weil sehr viel Wasser versickert. Auf der Schleusentreppe zur Saône ist die Versorgung einfach, weil der Kanal aus den parallel verlaufenden Flüssen gespeist werden kann.

Scheitelhaltung Die Wasserversorgung der Scheitelhaltung erfolgte anfänglich ausschließlich aus den Bächen Lutter (auch Loutre) und Suarcine , die von Süden kommend in die Haltung münden. Bereits 1804 wurde eine Zuleitung von der Largue für notwendig gehalten. Der für 1,2 m³/s ausgelegte, 14,3 Kilometer lange Speisegraben ging 1834 in Betrieb; er führt von Friesen zum östlichen Ende der Scheitelhaltung bei Valdieu . Trotz der Ausbaumaßnahme blieb die Wasserversorgung schwierig. Zwischen 1927 und 1932 wurde die Scheitelhaltung neugebaut, um 4,2 Meter auf abgesenkt und von 2,85 auf 5,45 Kilometer verlängert, wodurch drei Schleusen entfielen. Durch die Tieferlegung konnte Wasser vom Saint-Nicolas bei Foussemagne abgezweigt und über einen Speisegraben zur Scheitelhaltung geleitet werden.M. Kirchner: Approfondissement du bief de partage du Canal du Rhône au Rhin. In: Annales des ponts et chaussées. Mémoires et documents relatifs à l'art des constructions et au service de l'ingénieur. Nr. 102 (1932), S. 207–223, hier S. 207–211, 223 (Digitalisat bei L'Héritage des Ponts et Chaussées).

Zwischen 1937 und 1949 wurde die Rigole de Belfort gebaut, die von einer Kanalhaltung des Canal de la Haute-Saône bei Bavilliers zur Scheitelhaltung bei Montreux-Château führt. Der Speisegraben wird vor allem in den Sommermonaten genutzt. Er ist 16,2 Kilometer lang, wovon 9,8 Kilometer oberirdisch, 4,3 Kilometer in Tunneln und 2,2 Kilometer in Dükern verlaufen. Der Graben ist für einen Abfluss von 0,7 m³/s dimensioniert; der tatsächliche Abfluss ist deutlich geringer. Die Wasserversorgung des Canal de la Haute-Saône erfolgt aus dem Rahin, dem bei Plancher-Bas Wasser entnommen werden kann, das in den Stausee Bassin de Champagney fließt. Wenn bei trockenen Verhältnissen dem Rahin nicht genügend Wasser entnommen werden kann, erfolgt die Versorgung des Kanals aus dem Stausee mit einem Nutzvolumen von rund 13 Millionen Kubikmeter.Mélanie Begey: Diagnostic du système alimentaire du Canal du Rhône au Rhin Branche Sud entre Mulhouse (68) et Bourogne (90). Diplomarbeit, Straßburg 2014 (Download), S. 16 f.

Durch die große Entfernung zwischen dem Bassin de Champagney und der Scheitelhaltung ist es nicht möglich, Verbrauchsschwankungen sofort mit Wasser aus dem Stausee auszugleichen. Deshalb wurde die neue Scheitelhaltung so gebaut, dass der Wasserstand um 0,8 Meter schwanken kann. Zudem wurde neben dem Kanal ein Reservoir angelegt. Damit kann das Wasservolumen in der Scheitelhaltung um 120.000 m³ variieren, ohne dass die Schifffahrt beeinträchtigt wird.Kirchner, Approfondissement du bief de partage du Canal du Rhône au Rhin, S. 209.

Oberrheinebene In der Oberrheinebene zwischen Straßburg und Mülhausen stehen unter dem Boden sehr wasserdurchlässige Schichten, oft Kies, an, so dass die Versickerung aus dem Kanal erheblich ist. In den 1920er Jahren wurden Abdichtungsarbeiten mit Betonplatten durchgeführt, die das Ziel hatten, die Versickerung von 230 auf 70 bis 90 Liter pro Sekunde und Kilometer zu reduzieren.M. Kirchner: Le Canal du Rhône au Rhin. État actuel et améliorations désirables. Étude technique. In: Région du Sud-Est. Aménagement et Utilisation des eaux. Congrès de Grenoble-Lyon (16–22 juillet 1925). Rapports. Discussions. Voeux. S. 247–257, hier S. 252 (Digitalisat bei L'Héritage des Ponts et Chaussées). Diese Werte liegen weit über den Erfahrungswerten für ältere Kanäle in Frankreich, die 2002 mit 6 bis 17 Liter pro Sekunde und Kilometer angegeben wurden.Centre d’études techniques maritimes et fluviales (Hrsg.): Alimentation en eau des voies navigables. CETMEF Editions 2002, S. 59 (Download). Das Wasser für den Kanal wurde überwiegend dem Rhein entnommen; bei Niedrigwasser im Rhein traten Probleme auf. Zudem führte der große Wasserverbrauch zu hohen Fließgeschwindigkeiten, die die Schifffahrt behinderten. Um einen Frachtkahn nach Mülhausen zu treideln, waren 1921, vor den Abdichtungsarbeiten, 4 statt wie üblich 2 Pferde notwendig.

Die Wasserversorgung des 100 Kilometer langen Kanals zwischen Mülhausen und Straßburg erfolgte vor der Umgestaltung des Kanalnetzes Anfang der 1960er Jahre hauptsächlich über folgende Speisemöglichkeiten: Der 1828 fertiggestellte Canal de Huningue versorgt den 37 Kilometer langen Abschnitt zwischen Mülhausen und Kunheim. Er zweigt in Huningue vom Rhein ab und mündet östlich von Mülhausen in den Rhein-Rhône-Kanal.