Der Panamakanal ist eine künstliche, etwa 82 km lange Wasserstraße, die durch die Landenge zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean im Staat Panama in Mittelamerika führt. Die Schiffsschleusen befinden sich jeweils in der Nähe der beiden Ozeane. Die Scheitelhaltung von Höhe zwischen ihnen ist etwa 57 km lang. Ab den Schleusen von Gatún in der Nähe von Colón am Atlantik findet die Schifffahrt über etwa 33 km auf dem See eines aufgestauten Flusses und erst danach in einem eigentlichen Kanal statt. Dieser reicht bis zu den oberen Schleusen in Panama-Stadt am Pazifik und ist ein Einschnitt in bis über hohes Gelände.
Seit dem Bau des Panama-Kanals wird der Schifffahrt die sehr viel längere und gefährlichere Fahrt um das Kap Hoorn oder durch die Magellanstraße an der Südspitze Südamerikas erspart. Sein Bau wurde von verschiedenen Aktiengesellschaften seit 1881 bzw. 1894 versucht, aber erst von den Vereinigten Staaten Amerikas erfolgreich beendet. Der am 15. August 1914 eröffnete und 2016 für größere Schiffe erweiterte Kanal ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Bei täglich 30–40 Passagen durchfahren ihn über 14.000 Schiffe pro Jahr (2021 waren es krisenbedingt 13.321; 2022 bereits wieder 14.239).
Die Abmessungen der Schleusen und Fahrrinnen des ursprünglichen Kanals genügten bis Mitte 2016 nur für Schiffe bis zur Panamax-Größe, also beispielsweise Containerschiffe mit 4.600 Standardcontainern (TEU), die nach den Maßstäben dieser Zeit lediglich mittelgroße Schiffe darstellten. Seit die 2007 begonnene Erweiterung am 26. Juni 2016 eröffnet wurde, können ihn Schiffe mit 14.000 TEU passieren (Neopanamax-Klasse).Nach neun Jahren Bauzeit: Größerer Panamakanal ist fertig. Münchner Merkur, 26. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.Frank Binder: Kanalstreik bremst Panama-Wachstum. In: Täglicher Hafenbericht vom 6. August 2014, S. 2.
Die durch den Panamakanal transportierte Warenmenge entspricht etwa fünf Prozent des weltweiten Seefrachtverkehrs. Der Kanal erwirtschaftete 2013 fast acht Prozent des panamaischen Bruttoinlandsprodukts.Deutsche Seeschifffahrt, Februar 2014, S. 30–33: Oh wie teuer wird Panama. (S. 32).
Ab November 2023 war die Kapazität des Kanals wegen eines beispiellosen Wassermangels reduziert. Für den Februar 2024 wurden nur 18 Durchfahrten pro Tag angeboten.Panama Canal making drastic cuts to booking slots as drought worsens, Seatrade Maritime News, 1. November 2023; “Despite all measures taken, the level of Gatun Lake has continued to decline to unprecedented levels for this time of year. The recorded precipitation for October has been the lowest on record since 1950 (41% below), and so far, 2023 ranks as the second driest year for the same period.” (englisch).
Übersicht mini|hochkant=1.5|Karte und Längsprofil des Panamakanals mini|Sicht vom Cerro Ancón (Panama-Stadt) auf den Panamakanal
Der Kanal ist einschließlich der Zufahrtskanäle ungefähr 82 Kilometer lang.Es werden Längen zwischen 76 und 82 Kilometern genannt, je nachdem, wo genau die Endpunkte angesetzt und wie die Kurven im Gatúnsee gemessen werden. Eine Pfadmessung auf Google Earth ergab 81,7 Kilometer. Er verläuft zwischen den Städten Colón an der Atlantikküste und Balboa, einem Vorort von Panama-Stadt an der Pazifikküste. Er ist durchgehend zweispurig für Gegenverkehr ausgelegt. Die dieser Beschreibung zugrunde gelegte Richtung vom Atlantik zum Pazifik gilt in der umgekehrten Richtung sinngemäß ebenso. Die Schiffe werden bei Colón durch die Gatún- bzw. die neuen Agua-Clara-Schleusen zu dem auf 26 Metern über dem Meeresspiegel aufgestauten Gatúnsee gehoben, fahren in ausgebaggerten Rinnen durch den Gatunsee und den Río Chagres, durchqueren im Gaillard-Kanal (auch Culebra Cut genannt) einen Bergrücken und werden mit den dicht aufeinanderfolgenden Pedro-Miguel- und Miraflores-Schleusen bzw. den neuen Cocoli-Schleusen wieder zum Pazifik hinabgelassen.
Der Kanal ist seit seiner Übergabe durch die Vereinigten Staaten an Panama am 31. Dezember 1999 unveräußerliches Eigentum des panamaischen VolkesArtikel 315 der Verfassung Panamas. und wird von der ACP () verwaltet und betrieben. Die ACP ist eine selbstständige panamaische Behörde mit (Stand 2010) rund 9000 Mitarbeitern., auf der Website der ACP. Sie ist an das Abkommen über die Neutralität des Kanals gebunden, das ein Bestandteil der am 7. September 1977 zwischen den Vereinigten Staaten und Panama abgeschlossenen Torrijos-Carter-Verträge ist. Deshalb ist die ACP verpflichtet, die Benutzung Schiffen aller Nationen (auch Kriegsschiffen) ohne Diskriminierung und zu gleichen Bedingungen gegen Bezahlung der Transitgebühren zu gewähren.
Durch die Schleusen und die Puente de las Américas war die Größe der Schiffe bis Juni 2016 auf die Panamax-Maße beschränkt. Schiffe, die maximal 294,3 Meter lang und exakt 32,3 Meter breit sind, hatten in den Schleusen auf beiden Seiten noch 61 Zentimeter Abstand zu den Wänden der Schleusenkammer. Seit der Eröffnung der Erweiterung am 26. Juni 2016 kann ein Teil der Postpanamax-Schiffe den Panamakanal passieren. Die größten erlaubten Schiffsabmessungen sind seither 366 Meter Länge, 49 Meter Breite und 15,2 Meter Tiefgang (New Panamax oder Neopanamax).
Die für die Durchfahrt benötigte Zeit wird vom Andrang und von dem nicht so seltenen Nebel beeinflusst. Für gebuchte Passagen betrug sie 2011 im Durchschnitt 15,2 Stunden für die gesamte Strecke und knapp 11 Stunden von der Einfahrt in die erste Schleuse bis zur Ausfahrt aus der letzten Schleuse.
Im Jahr 2011 fuhren 14.684 Schiffe durch den Kanal, davon 6.918 Schiffe der Panamax-Klasse. Das Transportvolumen betrug 322,1 Mio. PCUMS (Einheiten des Panama Canal Universal Measurement System); die Gebührenerlöse beliefen sich auf 1,73 Milliarden Balboa (= US-Dollar).Die ACP erzielte insgesamt einen Umsatz von 2,3 Milliarden Balboa, da sie auch Erlöse aus Strom- und Wasserlieferungen hat. Der Net Profit aus allen Aktivitäten betrug 1,229 Milliarden Balboa. Am 4. September 2010 fuhr der chinesische Schüttgut-Frachter mit dem Namen „Fortune Plum“ (Glückspflaume) als einmillionstes Schiff seit der Eröffnung durch den Panamakanal. auf der Website der Autoridad del Canal de Panamá/Panama Canal Authority.
Bedeutend ist der Kanal insbesondere für Transporte zwischen der Ost- und der Westküste der Vereinigten Staaten sowie für die Importe aus Asien, soweit sie zur Ostküste der Vereinigten Staaten transportiert werden. Die wichtigsten Nutzer des Kanals sind daher die Vereinigten Staaten und China. Die transportierte Warenmenge entspricht 68 % aller Waren, die in US-Häfen be- oder entladen werden; für China 23 % und für Japan 16 %.
Der Preis der Passage wird nach Art und Größe des Schiffes berechnet. Seit 2011 gilt eine komplexe Gebührentabelle mit Grund- und Nebengebühren wie beispielsweise Lotsen-, Schlepper- und Lokomotivgebühren. Als Anhaltspunkt für die anfallenden Gebühren können die Basisgebühren von 72 US-Dollar pro Standardcontainer und von 134 US-Dollar pro Passagier-Bett dienen.
Vor dem Bau des Kanals führte die kürzeste nutzbare Seeverbindung von der Ostküste zur Westküste Nordamerikas durch die Magellanstraße. Durch den Kanal wurde die Seestrecke New York–San Francisco von etwa 25.000 auf zirka 10.000 Kilometer verkürzt. Die Einsparung von 15.000 Kilometern (8.100 Seemeilen) entspricht bei einer angenommenen Schiffsgeschwindigkeit von 15 Knoten einer Verkürzung der Reisezeit um rund drei Wochen.
Der Kanal wurde 1984 von der American Society of Civil Engineers in die List of Historic Civil Engineering Landmarks aufgenommen.
Beschreibung Der Kanal mini|Gatún-Schleuse, Blick von der obersten Kammer, hinten der Zufahrtskanal
Der Staat Panama erstreckt sich etwa 700 Kilometer entlang des neunten Breitengrades, so dass der Atlantik beziehungsweise die Karibik nördlich und der Pazifik südlich von Panama liegen. Da der Kanal von der Einfahrt auf der atlantischen Seite aus in südöstlicher Richtung verläuft, liegt diese atlantische Einfahrt westlicher als die pazifische Ausfahrt bei Panama-Stadt. Mit anderen Worten: Der Panamakanal führt auf Grund dieser geographischen Besonderheit in West-Ost-Richtung von dem östlicher gelegenen Atlantischen Ozean in den westlich gelegenen Pazifischen Ozean.
Auf der atlantischen Seite gilt die Einfahrt in die Limón Bay (Bahía Limón) zwischen den Wellenbrechern von Colón und Fort Sherman (Fuerte Sherman) als Beginn des Kanals. Die Limón Bay dient als Reede für wartende Schiffe. Ihr 8,7 Kilometer von der Einfahrt entferntes südliches Ende ist gleichzeitig der Beginn des 3,1 Kilometer langen Zufahrtskanals zu den Gatún- und den Agua-Clara-Schleusen.
In den Gatún- bzw. den Agua-Clara-Schleusen werden die Schiffe zu dem im Mittel 26 Meter über dem MeeresspiegelGenauer: 85 Fuß = 25,9 Meter.FAQ Physical Characteristics auf der Website der Autoridad del Canal de Panamá/Panama Canal Authority. liegenden, künstlich aufgestauten Gatúnsee gehoben.
Von den Gatún-Schleusen aus ist in südwestlicher Richtung der Gatún-Damm zu sehen, ein 2.300 Meter langer Erddamm, in dessen Mitte eine bogenförmige Betonmauer mit 14 großen Stahltoren den Abfluss aus dem See steuert. Hinter dem Damm liegt ein Wasserkraftwerk, das den Schleusenbetrieb und die Steuerung des Damms mit Strom versorgt. Mit dem Damm wurde der Río Chagres so weit aufgestaut, dass die Schiffe große Strecken im Gatúnsee fahren können und außerdem der Durchstich des Kanals durch die Berge nicht bis unter den Meeresspiegel ausgehoben werden musste.Bei der Beurteilung der Einsparung ist das V-förmige Profil des Einschnitts zu beachten: jede Vertiefung des Einschnitts bedeutet auch eine Erweiterung des Profils und damit ein Vielfaches an notwendigem Aushub.
mini|Gaillard-Durchstich, Centennial-Brücke und Gold Hill (rechtes Ufer)
Im Gatúnsee folgt der Kanal in einer ausgebaggerten und gut betonnten,Vgl. Das Foto in , S. 17. etwa 29 Kilometer langen Fahrrinne dem früheren Bett des Río Chagres. Die Fahrrinne umgeht dabei verschiedene Inseln, unter anderem die größte und bekannteste Insel, Barro Colorado Island (BCI) mit der gleichnamigen Forschungsstation der Smithsonian Institution. Auf Grund der seit 1946 durchgeführten intensiven Beobachtung durch internationale Forscher gilt der tropische Regenwald auf BCI als der besterforschte der Erde. Kleinere Boote wie die Dienstboote der Panama Canal Authority und private Segeljachten können im Gatunsee eine Banana Cut genannte Abkürzung durch eine enge Passage zwischen zwei kleineren Inseln nehmen.
Der Gatúnsee geht in den immer noch aufgestauten Teil des Río Chagres über, dem die Schiffe über 8 Kilometer lang bis zu dem Ort Gamboa folgen. Dort beginnt der rund 13 Kilometer lange Culebra Cut oder Gaillard-Durchstich durch die Berge der kontinentalen Wasserscheide. Der Kanal war auf dieser Strecke ursprünglich nur 152 Meter breit, so dass für große Schiffe kein Begegnungsverkehr möglich war. 2002 wurde der Abschnitt auf 192 Meter in den Geraden und auf 222 Meter in Kurven erweitert. Seither kann ständig in beide Richtungen gefahren werden, was zu einer durchschnittlichen Zeitersparnis von mehr als 16 % führte. (7. November 2001). (21. November 2002).
Kurz vor dem Ende des Gaillard-Durchstichs überquert die Puente Centenario (Centennial Bridge, Jahrhundertbrücke), eine sechsstreifige Schrägseilbrücke, den Kanal in 80 Metern Höhe.