Das Craters of the Moon National Monument (seit dem Jahr 2000 auch Craters of the Moon National Monument and Preserve) ist ein Schutzgebiet vom Typ eines National Monuments im Zentrum der Ebene des Snake Rivers im US-Bundesstaat Idaho auf etwa 1750 m über dem Meer. Das Gebiet besteht aus großflächigen erkalteten Lavaströmen und einigen Schlackenkegeln. Die vulkanische Aktivität ruht, ist aber nicht erloschen. Der letzte Ausbruch im Craters-of-the-Moon-Gebiet liegt etwa 2000 Jahre zurück.
Die Craters of the Moon liegen in einer der abgelegensten Regionen der Vereinigten Staaten, wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts näher erkundet und 1924 unter Schutz gestellt. Zuvor mehrfach geringfügig erweitert, wurde das Gebiet im Jahr 2000 auf die 13-fache Fläche ausgedehnt. Seitdem stehen das ganze Vulkanfeld einschließlich des Wapi-Felds im Süden und die angrenzenden Präriegebiete unter Naturschutz. Die Erweiterungsgebiete unterliegen dem geringeren Schutzstatus einer National Preserve, weshalb die Jagd weiterhin zulässig ist und die bestehenden Verträge über die Nutzung der öffentlichen Flächen durch Herden privater Rinder-Rancher in Kraft bleiben. Das Schutzgebiet wird gemeinsam durch den National Park Service und das Bureau of Land Management verwaltet, zwei Behörden unter dem Dach des US-Innenministeriums.
Der Name des Schutzgebietes stammt vom lebensfeindlichen Eindruck, den frühe Besucher hatten. Im Rahmen des Apollo-Programms nutzten Astronauten das Gebiet kurzzeitig zur Ausbildung.
Geologie mini|links|Satellitenaufnahme: Das aus einzelnen Lavaflüssen zusammengesetzte Craters-of-the-Moon-Lavafeld und das Wapi-Feld südöstlich davon mini|links|Pahoehoe-Lavastrom mini|links|Indian Tunnel – Lavaröhre von innen mini|links|Vulkanische Bombe, Durchmesser ca. 25 cm
Das Craters-of-the-Moon-Gebiet liegt im Zentrum der vulkanisch geprägten Ebene des Snake Rivers, die sich durch den Süden Idahos zieht. Wie die gesamte Ebene fällt es leicht und gleichmäßig nach Süden ab. Die heutige Landschaft und ihr geologischer Untergrund wurden in drei charakteristischen Phasen geprägt.Soweit nicht anders angegeben, beruht dieses Kapitel auf: Sonja Melander: National Park Service, 2013
Yellowstone-Hotspot Der Untergrund der Ebene sind rhyolithischer Tuff und Gesteine aus verdichteter vulkanischer Asche. Sie entstanden durch einen Hotspot, der von einem Plume mit Magma aus dem Erdmantel gespeist wurde. Über diesen Plume verschiebt sich die Nordamerikanische Platte, eine der tektonischen Platten der Erdkruste, so dass die vulkanische Aktivität scheinbar von Südwest nach Nordost wandert. Der Hotspot liegt heute unter dem Yellowstone-Nationalpark und ist für die vulkanische Aktivität des Yellowstone-Supervulkans, seine Caldera, die Geysire und die sonstigen vulkanischen Erscheinungsformen des Nationalparks verantwortlich.National Park Service: Craters of the Moon – Geologic Activity (abgerufen am 17. April 2009)
Das heutige Schutzgebiet befand sich vor rund 11 Millionen Jahren über dem Hotspot. Das aus dem Erdmantel aufsteigende Magma schmolz Granitgestein der Erdkruste. Dabei wölbte sich die Erdoberfläche auf. Bei einer weiteren Steigerung der Energie kam es zur katastrophalen Eruption und der geschmolzene Granit wurde in Form von Rhyolith ausgeworfen. Dabei entstanden eine Caldera und großflächige Tuff- und Aschenschichten. Mit der scheinbaren Wanderung verschob sich der Ort der nächsten Eruption. Für die Snake River Plain sind 142 massive Eruptionen nachgewiesen, dazu kommen hunderte mittlere und kleinere. Die Calderen überlappen sich typischerweise. Auf diese Weise wurden rhyolitische Lava und die Aschen ausgestoßen, die heute den tiefen Untergrund der Snake River Plain prägen.Idaho State University: In der Erdkruste, in einer Tiefe von mindestens 10 km hinterließen die Schmelzvorgänge des Hotspots eine rund 10–15 km dicke Schicht aus basaltischer Schlacke, die bis heute weitgehend in geschmolzenem Zustand ist. Sie liefert seither die Energie für die vulkanische Aktivität in der Region. Die Oberfläche sank nach dem Abkühlen ab, es kam zu einer Senkung, die den Zugweg der Nordamerikanischen Platte über den Hotspot hinweg markiert: die Tiefebene der Snake River Plain.Robert Baer Smith, Lee J. Siegel: Windows into the earth: the geologic story of Yellowstone and Grand Teton. Oxford University Press, 2000. ISBN 0-19-510597-4,
Basaltische Eruptionen Vor rund sechs Millionen Jahren begann im westlichen Nordamerika ein tektonischer Prozess, der zu einer Dehnung der Erdkruste führte, die eine Vielzahl weitgehend paralleler, grob in Nord-Süd-Richtung verlaufender Grabenbrüche zur Folge hatte. Damals entstand die Basin-and-Range-Region mit ihren parallelen Graben-und-Horst-Strukturen, die von Mexiko im Süden bis im Norden gerade noch nach Idaho reicht. Im Süden des heutigen Idahos wirkten die Kräfte auf die abgesunkenen Schichten aus eruptivem Gestein auf dem Zugweg des Hotspots. Hier führte die Dehnung der Kruste zu einer Vielzahl von Dehnungsbrüchen in Nordwest-Südost-Orientierung. Der größte der parallelen Dehnungsbrüche liegt im Zentrum der Ebene, hat eine Länge von rund 80 km bei etwa 2,5 km Breite und wird als Great Rift (of Idaho) bezeichnet. Nach anderen Interpretationen entstand der Great Rift unter dem Druck aufsteigender Lava aus dem Reservoir, das durch Belastung von oben plastisch verformt wurde und dabei Risse erzeugte.Scott S. Hughes, Richard P. Smith et al.: Mafic Volcanism and Environmental Geology of the Eastern Snake River Plain, Idaho (PDF; 2,4 MB). In: Scott S. Hughes, Glenn D. Thackray (Hrsg.): Guidebook to the Geology of Eastern Idaho, Idaho Museum of Natural History, 1999, ISBN 0-937834-64-5, Seiten 143–168
Im Great Rift, wie in den anderen Brüchen in der Snake River Plain, stieg basaltisches Magma in Dykes auf und trat in Form von Spaltenvulkanen, Schlackenkegeln und flachen Schildvulkanen an der Oberfläche aus. Im Zeitraum von vor rund 6 Millionen Jahren bis vor etwa 15.000 Jahren entstanden gewaltige Lavaströme, die mehrere bis zu 1200 m dicke Schichten im Zentrum der Snake River Plain bildeten, in die vereinzelt Schichten aus Sedimentgestein eingelagert sind. Sie bedecken etwa 95 % der Ebene.
Jüngste Aktivitäten Die bisher letzte Phase vulkanischer Aktivität im Crater of the Moon Gebiet begann vor etwa 15.000 Jahren. Am Great Rift traten drei und weiteren Brüchen fünf weitere junge Lavafelder aus. Die drei Felder des Great Rift, Craters of the Moon, Kings Bowl und Wapi, liegen innerhalb des Schutzgebietes. Es ist nach dem Craters-of-the-Moon-Feld benannt, das das größte Lavafeld in der Snake River Plain und zugleich in den Continental United States ist, das weit überwiegend aus dem Holozän, also den letzten 10.000 Jahren stammt. Es ist aus über 60 einzelnen Lavaströmen zusammengesetzt, die sich gegenseitig überlappen. Rund 30 km³ basaltische Lava traten in acht eruptiven Perioden aus und bedecken eine zusammengesetzte Fläche von rund 1600 km².
Rund 80 % der Lavafelder bestehen aus der gering viskosen Pāhoehoe-Lava. In erstarrter Form ist sie durch glatte Oberflächen und runde Formen gekennzeichnet, die vereinzelt einen blauen oder grünen Glanz annehmen können. Sie wird durch lange Flüsse gespeist, die beim Auslaufen und Erkalten hohle Lavaröhren hinterlassen können, langgestreckte Höhlen in und unter den Lavaflüssen. Fünf Lava-Röhren können im Gebiet begangen werden. Den Rest der Lavafelder macht die unregelmäßige Aa-Lava aus. Sie hat eine scharfkantige Oberfläche, die aus einzelnen Brocken von unter einem bis zu wenigen Zentimetern Größe zusammengesetzt ist. Ihre Gestalt ist teilweise wellenförmig mit bis zu 3 m hohen Berg- und Talstrukturen. Ihre Grenzen sind in der Regel durch eine steile Front gekennzeichnet.Mel A. Kuntz, Duane E. Champion, Richard H. Lefebre: Geology of the Craters of the Moon lava field, Idaho. In: Geological Society of America, Centennial Field Guide – Rocky Mountain Section, Band 2. Boulder, Colorado, Geological Society of America, 1987, ISBN 0-8137-5406-2, Seiten 123–126
Geochemisch bestehen die basaltischen Lavaflüsse im Craters-of-the-Moon-Feld aus olivinischem Tholeiit. Sie sind besonders reich an Eisen, Phosphor, Titan und Alkalimetallen.
Bei den Eruptionen wurden außer den Lavaströmen rund 25 Schlackenkegel aufgeworfen, die häufig durch mehrere naheliegende Schlote entstanden, so dass sich die Kegel überlappen oder vollkommen ineinander liegen. Außerdem wurden vulkanische Bomben verschiedener Typen und Größen ausgestoßen. Die ausströmende Lava bildete mehrere flache Schildvulkane, darunter das Wapi-Feld, das aus nur einer Eruption entstanden ist.
Die jüngsten Erscheinungen sind kleinere Lavaströme im Norden des Craters-of-the-Moon-Felds. Darunter ist der North Crater Flow, der auf ein Alter von etwa 2000 Jahren datiert wurde. Auch wenn die vulkanische Aktivität im Craters-of-the-Moon-Gebiet seither ruht, ist sie nicht erloschen.
mini|Kipukas, Inseln aus verwitterter Lava von jüngeren Lavaflüssen umschlossen mini|Federgras vor Lavablöcken im Devils Orchard
Ökosysteme Das Gebiet der Craters of the Moon liegt im Bereich der östlichen Snake-River-Basalt-Ebene. Das Klima ist semi-arid, kontinental mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Die Böden sind jung, soweit vorhanden ist die Humusauflage gering. Zu unterscheiden sind drei Bodentypen: die jungen Lavafelder, Flächen älterer Lavaströme, in denen bereits eine Bodenbildung stattgefunden hat, sowie Böden auf äolischen, durch Wind verfrachteten Sedimenten aus Sand und Löss. Spezifisch für das Schutzgebiet – und untypisch für die Region – ist das kleinräumige Mosaik der Lebensräume. Mehrere hundert Kipukas, mittelgroße und kleine Inseln von verwitterten Böden, sind in jüngere Lava-Flüsse eingelagert und bilden jeweils abgeschlossene Ökosysteme.Dieses Kapitel bezieht sich auf die Beschreibung der Klasse-IV-Ökosysteme: Environmental Protection Agency: und .Die Beschreibung der Pflanzengesellschaften beruht maßgeblich auf: Jack Bell, Dan Cogan et al.: Vegetation Inventory Project – Craters of the Moon National Monument and Preserve Natural Resource Technical Report NPS/UCBN/NRTR—2009/277. National Park Service, Fort Collins, Colorado.
Die jungen Lavaflächen sind zumeist ohne jede Vegetation. Vereinzelt stehen Büschel von Federgräsern. In Spalten und Rissen wachsen diverse Arten, die extreme Trockenheit ertragen. Darunter sind die Bartfaden-Art Penstemon deustus, die Flammenblume Phlox hoodii, das Sperrkrautgewächs Aliciella leptomeria und Fingerkräuter. An den Vulkankegeln und einigen Hügelflanken gibt es lokal genug Wasser für montane Busch- und Waldgesellschaften. Hier wachsen Wacholder, die Amerikanische Zitterpappel und die Nevada-Zirbel-Kiefer (Pinus flexilis).
Auf verwitterten Lavafeldern ist die typische Pflanzengesellschaft eine Strauchsteppe mit Wüsten-Beifuß als Leitart. Der namensgebende Wüsten-Beifuß bildet großflächig niedriges Gebüsch, ansonsten ist der Boden locker mit Gräsern der Prärie bedeckt. Die häufigste Grasart ist das Blaubüschel-Weizengras (Agropyron spicatum – auch: Pseudoroegnaria spicata), das in Büscheln wächst. Daneben kommen verschiedene Federgräser und Indianisches Reisgras (Oryzopsis hymenoides) vor. Purshia tridentata ist ein häufiger Strauch. Die Dach-Trespe tritt als Neophyt auf.
Die gleichen Pflanzengesellschaften bedecken auch die Böden außerhalb der Lavafelder. Die Vegetation ist dichter, weshalb die Flächen zur extensiven Weidenutzung mit Rindern dienen. Die Prärien im Zentrum und Süden des Gebietes sind durch historische und anhaltende Beweidung stark gestört.