miniatur|Burg Montfleury Das Castello di Montfleury ist ein Sommerschlösschen an der Stadtgrenze von Aosta, das nur aus Tradition fälschlicherweise als „Burg“ oder „Schloss“ bezeichnet wird.

Dieses Landhaus hat eine wechselvolle Geschichte: Vermutlich wurde es als Kultstätte eines Bauernhofes gebaut, der einem Konvent gehörte, wurde aber nach einigen Umbauten in ein Sommerschlösschen umgewandelt und es fanden dort Jahrzehnte lang mondäne und galante Veranstaltungen statt, darunter die von Xavier de Maistre; schließlich wurde es, nachdem es durch einige Hände gegangen war, in religiöses Eigentum umgewandelt. Es ist heute wieder in privater Hand und nicht öffentlich zugänglich. Es gehört zur regionalen Landwirtschaftsschule, dem Institut Agricole Régional und ist von Experimentierfeldern dieser Einrichtung umgeben; seit 2004 ist dort der regionale Kommunikationsausschuss (CoReCom) des Aostatals untergebracht.

Lage miniatur|Detail der Landkarte des französischen Katasteramtes von 1804 Das Landhaus erhielt seinen Namen nach dem gleichnamigen Ortsteil von Aosta, Teil der weitläufigsten Region von Saint-Martin-de-Corléans und wird offiziell als solches im Kataster des Königreichs Sardinien von Aosta im Jahre 1768 genannt, aber taucht auch in älteren Schriftstücken auf: Es ist ein Montfleury in der Freiheitsurkunde des Aostatals (frz. Charte des franchises) von 1191 als Teil der mittelalterlichen Untersiedlung von Saint-Genis dokumentiert. Das Gebäude liegt am westlichen Stadtrand zwischen den kultivierten Feldern und den fruchtbaren Wiesen der Schwemmebene der Dora Baltea, ist aber gegenüber dieser leicht erhöht, sodass es auf einem schönen, grasbewachsenen Hügel namens Tertre de Mont fleuri liegt, der laut Joseph-Auguste Duc, übernommen von abbé Joseph-Marie Henry, aus Trümmern der Überflutung von Gressan im 11. Jahrhundert besteht. Laut dem Geschichtswissenschaftler Jean-Baptiste de Tillier ist das Gebiet von Saint-Martin-de-Corléans, und somit auch Montfleury, frei von irgendwelchen echten Burgen und festen Häusern und wurde daher nie als besonders wertvoll angesehen, es sei denn, wegen der Fruchtbarkeit seiner Böden.

Geschichte Es gibt keine genauen Angaben über den Bau der Burg Montfleury. Wegen der Lückenhaftigkeit der Dokumente aus der entsprechenden Zeit kamen viele Hypothesen über seine Funktion auf, die oft Datierungsungenauigkeiten beinhalten, die nicht leicht zu entwirren und zu widerlegen sind.

miniatur|Eingangsfassade: Man bemerke die Veränderungen aus den 1950er-Jahren, darunter die eingesetzte Steintafel mit der Liste der Eigentümer Um dies zu beweisen, führt eine Steintafel auf:

VILLA DE MONT FLEURYCETTE VILLA A ÉTÉ CONSTRUITEPAR CLAUDE MICHEL BARILLIERVERS 1780. LES BARILLIEREN CONSERVÈRENT LA PROPRIÉTÉJUSQ’EN 1833 OÙ ELLE FUT ACHETÉEPAR LE DR. MEDÉCIN EMMANUEL BICHET RESTE EN POSSESSION DE SAFAMILLE JUSQ’EN 1887. A CETTEDATE LA FAMILLE PERROD PIERREALEXIS PERCEPTEUR EN DEVINTPROPRIÉTAIRE JUSQ’EN 1950 OÙELLE FUT ACQUISE PAR LA MAISONDU GRAND SAINT BERNARD. (dt.: Landhaus von Mont Fleury. Dieses Landhaus wurde gebaut von Claude Michel Barillier um 1780. Die Barilliers behielten das Anwesen bis 1833; dann wurde es von Dr. med. Emmanuel Bich gekauft und blieb in Besitz seiner Familie bis 1887. Zu dieser Zeit wurde die Familie Perrod Pierre Alexis Präzeptor Eigentümer bis 1950, als es vom Haus des Grossen St. Bernhard gekauft wurde.)

Diese Daten sind, obwohl sie am Eingang des Landhauses eingemeißelt sind, nicht immer zuverlässig: Jüngere Untersuchungen, wie die der Architektin des Polytechnikums Turin, Chiara Devoti, während der letzten Restaurierung, führen zu einer interpretativen, stilistischen und historischen Hypothese, die gelegentlich im Gegensatz zu klassischen Quellen der Geschichtsschreibung und der Architektur des Aostatals steht.

Die Ursprünge: Das 17. Jahrhundert und die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert wechselten in der Region um Montfleury kleine Parzellen mit Gemüsegärten, Weinbergen oder Feldern häufig den Besitzer aufgrund von Zusammenlegungen von Bauernhöfen und Grundstücken. Vermutlich in dieser unsicheren Zeit wurde ein Bauernhof an dieser Stelle erbaut, aber die damaligen Quellen verwechseln häufig das Gebiet von Montfleury mit dem des benachbarten Champferré, was es schwierig macht, die in diesen Dokumenten erwähnten Anwesen und Bauernhöfe genau am Tertre de Mont fleuri zu verorten. Bei Lin Colliard heißt das frühere Montfleury auch „Cartaz“.

miniatur|Katasterkarte von 1890 miniatur|Das Landhaus stand und steht immer noch in einer landwirtschaftlich genutzten Gegend. Foto von 2012. miniatur|links|Gemälde eines unbekannten Künstlers vom Ende des 18. Jahrhunderts, das die Burg Montfleury zeigt. Es sind schon die vom Eigentümer Brillier veranlassten Umbauten zu erkennen. Im 17. Jahrhundert gehörte die Gegend laut einiger Quellen der Adelsfamilie Vallaise, die 1696 das Eigentum an dem Gelände, das als Montfleury identifiziert wurde (aber nicht das Gebäude, das heute „Schloss“ heißt) Anderen übergab und später, zu einem nicht bekannten Zeitpunkt, an den Konvent der Schwestern des Ordens von der Heimsuchung Mariens oder ohne Vermittler an sie weitergab. Offizielle Dokumente zur Unterstützung dieser Hypothese fehlen noch (obwohl architektonische Untersuchungen bestätigt sind), aber es gibt einige Zeugnisse, unter denen die Aufzeichnungen des Kanonikers Dominique Noussan (1847–1933) hervorstechen:

„(...) [die Burg Montfleury] gehört dem [Orden der] Heimsuchung Mariens, ebenso wie das Haus von Signayes (...)“

Dies wird bestätigt von Monseigneur Duc:

„Nicht weit vom Dorf Saint-Martin-de-Corléans erhebt sich auf einem Damm mitten in fruchtbarem Grasland ein achteckiges Gebäude, das durch seine besondere Form auffällt. Es ist Montfleuri. Einst gehörte es dem Orden der Heimsuchung Mariens und bildete einen ihrer Bauernhöfe.“

Dieser Hypothese zufolge gab der Orden das Anwesen schließlich an die Adligen Barillier.

Nach anderen Quellen kaufte das Anwesen ein gewisser André-Joseph Millet von den Vallaises, aber dessen Sohn, der Anwalt Grat-Joseph Millet, verkaufte es 1731 weiter an die Propstei des Grossen St. Bernhard. 1754 wies die „Spaltungsbulle“ von Papst Benedikt XIV. die Besitzungen des Aostatals dem Ritterorden der hl. Mauritius und Lazarus zu, womit er faktisch die Propstei des Großen Sankt Bernhard enteignete. 1745 verkaufte derselbe Grat-Joseph Millet den landwirtschaftlichen Erlös (den „Zusatzwert“) dieses Geländes an den Kanoniker Pierre-François Bizel; ein vom Anwesen getrennter Verkauf war damals keine Seltenheit.

Worüber sich die Quellen einig sind, ist, dass die Barilliers am 9. Juli 1746 einen Bauernhof in der Nähe des Anwesens Montfleury von den Perrone di San Martinos kauften, und zwar für denselben Bizel: Laut Sandra Barbieri war dies vielleicht das Eigentum an die Burg Montfleury, während Chiara Devoto es ausschließt, dass dies bereits der Kauf von Montfleury und das Landhaus durch die Barilliers sein kann. Für Bruno Orlandoni stellt dieses Datum jedenfalls einem Termin „post quem“ dar, wenn nicht gar eine zuverlässige Zertifizierung ohne eine komplette Dokumentation.

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts Einige Quellen, wie Lin Colliard und Bruno Orlandoni, terminieren den Bau des Landhauses gleich nach diesem Kaufakt durch die Barilliers und datieren ihn damit auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Die Barilliers ließen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch das einzige Beispiel eines Wohnhauses im Rokokostil in Aosta, das Maison Barillier in der Croix-de-ville-Strasse bauen. Die Datierung des Baus des Maison Barillier ist unsicher, aber dessen Klärung würde auch die Klärung der Datierung des Landhauses von Montfleury erlauben.

miniatur|links|Gravierung in Holz eines unbekannten Künstlers um die Mitte des 19. Jahrhunderts Wenn man dieser Hypothese folgt, die das Jahr 1746 für den Kauf der Parzelle, auf dem das Landhaus erbaut wurde, ausschließt, so nimmt Chiara Devoti an, dass die Barilliers im Übrigen in den Folgejahren zum Kauf des Bauernhofes kamen, der dann in ein Landhaus in der Gegend von Montfleury umgewandelt wurde: Tatsächlich bestätigt das Kataster von Aosta bereits die Existenz eine „Château“ in Montfleury und im Gebiet von Champferré eines „Mas“ (dt.: Ansammlung von ländlichen Wohnhäusern) – vielleicht der im Dokument von 1746 erwähnte Bauernhof – und schreibt Claude-Michel Barillier den Besitz der Parzelle in Montfleury zu, von denen einige für Devoto (vermutlich vom Orden der von der Heimsuchung Mariens, wenn auch die Akte fehlen,) zwischen 1746 und 1748 gekauft worden seien:

„1768 stellte sich das «Scheunengut von Montfleury», wie folgt, zusammengesetzt dar: «drei Wohnhäuser und eine Burg, Hof und Platz, Garten, Wiese, Feld, Sumpf und Weinberg», insgesamt 10877 «toises»“

Was sicher ist, ist, dass das Gebäude in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Die Architekturwissenschaftler des Aostatales sind sich darüber hinaus über die Tatsache ziemlich einig, dass diese Schönheit über einem bereits bestehenden Gebäude entstanden sein könnte; für einige wäre der Einfluss der bestehenden Struktur auf die besonderen architektonischen Entscheidungen des Landhauses denkbar, für andere wären die Beweise für einen Neubau zu dünn.

Nach jüngeren und bestätigten Hypothesen war, wie ausgeführt, das Gebäude vor allen Dingen Teil eines Bauernhofes, der dem Konvent der Schwestern des Ordens von der Heimsuchung Mariens (auch Visitandinerinnen genannt) gehörte, die laut dem Kataster von Aosta von 1768 auch Eigentümer anderer Anwesen in einem Gebiet, das an das der Barilliers angrenzte, waren, vermutlich der Kapelle des nämlichen Bauernhofes. Die Visitandinerinnen gaben demnach das Landhaus an die Adelsfamilie Barillier ab: Es ging in die Hände von Emmanuel Bichs Schwiegervater, des Kaufmanns Claude-Michel Barillier aus dem Aostatal über, (vielleicht 1760 oder auch zwischen 1746 und 1768) der die Struktur verfeinern wollte, um es in eine Sommerresidenz für seine Reisen außerhalb der Stadt umzuwandeln, wobei der die malerische Lage auf dem Weg nach Frankreich und den weiten Raum für einen großen Ballsaal schätzte.

Die Vorstadtvilla wurde im 18. Jahrhundert bekannt als Szenerie für die galanten Versammlungen von Xavier de Maistre und Marie-Delphine Petey, der Witwe von Jean-Joseph Barillier und Eigentümerin des schönen Landhauses, vom Schriftsteller in seinem Roman Voyage autour de ma chambre von 1794 und anderen Werken unter dem Pseudonym „Elisa“ porträtiert.

19. Jahrhundert mini|Gemälde eines unbekannten Künstlers von Baron Emmanuel Bich (1800–1866), der am 10. Dezember 1827 Josephine-Aspasie Bich Barillier (1807–1864) aus der Familie Barillier heiratete und Schlusserbe der Adelsfamilie De Tillier aus dem Aostatal war Anfang des 19. Jahrhunderts kaufte der Baron Emmanuel Bich (1800–1866) die Burg Montfleury, laut André Zanotto war dies 1833. Zwischen den 1870er- und 1880er-Jahren (1877, 1880 oder 1887 nach unterschiedlichen Quellen) wechselte es in das Eigentum der Adelsfamilie Perrod aus dem Aostatal.

Für eine gewisse Zeit – die genauen Daten kennt man nicht – war in der Burg Montfleury laut Überlieferung auch die Freimaurerloge von Aosta untergebracht, wie Lin Colliard berichtet.

Vom 20. Jahrhundert bis heute 1913 gehörte das Landhaus Henry Perrod. Die Perrods behielten die Burg Montfleury bis 1950. Von da ab waren die Eigentümer der Hospitaliterorden des Grossen St. Bernhard, der es gekauft hatte, um dort die Landwirtschaftsschule einzurichten.

miniatur|links|Karte der Restaurierungen, Abrisse und Neubauten durch den Hospitaliterorden des Grossen St. Bernhard 1053–1954 Die Kanoniker (des Ordens) führten im Lauf weniger Jahre eine Restaurierung des Gebäudes durch und ließen einige Wohngebäude abreißen, die daran angebaut waren, und schufen so funktionellere Strukturen in geringer Entfernung, die heute noch in Gebrauch sind.