mini|Aussichtspunkt Pindarplatz
Der Pindarplatz ist ein Aussichtspunkt auf einem Felsvorsprung am Alpsee im Landkreis Ostallgäu, in der Nähe von Schloss Hohenschwangau. Er liegt etwa 30 m höher als der See. Vom Alpsee-Rundweg aus ist er über einen kurzen Stichweg zu erreichen.
Geschichte Bereits König Ludwig I. von Bayern würdigte den antiken griechischen Dichter Pindar (517 bis 438 v. Chr.), indem er seinen Thronsaal im Königsbau der Münchner Residenz mit Reliefbildern dekorieren ließ, die von den „Siegesgesängen“ Pindars inspiriert sind; diese Reliefs wurden von Ludwig Schwanthaler entworfen.Ernst Osterkamp, Thorsten Valk: Imagination und Evidenz: Transformation der Antike im ästhetischen Historismus. Berlin [u. a.], W. de Gruyter 2011; insbes. Seite 86. Der Bayerische Kronprinz Maximilian, später König Maximilian II., las schon im Alter von zwölf Jahren Originaltexte Pindars, gemeinsam mit dem Altphilologen und Philhellenen Friedrich Wilhelm Thiersch.A. Baumeister über Thiersch in der Allgemeinen Deutschen Biographie 38 (1894), online
Maximilian entdeckte den Aussichtspunkt am Alpsee. Thiersch weilte im August 1839 auf Einladung des Kronprinzen auf Schloss Hohenschwangau. In einem Brief an seine Frau schrieb er am 17. August 1839 über den Gang zu dem Aussichtspunkt:H. W. J. Thiersch, F. W. Thiersch: Friedrich Thiersch's Leben 1830–1860, Leipzig [u. a.] 1866; Seite 525 (Scan 585), online bei der Bayerischen Staatsbibliothek zu lesen.
Vermutlich war dieses Erlebnis für Maximilian der Grund, den Aussichtspunkt nach Pindar zu benennen. Er ließ dort den Aussichtsplatz herrichten und mit einem Geländer sichern. In späterer Zeit stand dort ein heute nicht mehr existierender Pavillon (oder „Parapluie“).
mini|hochkant|Alpsee und Schloss Neuschwanstein, vom Pindarplatz gesehen Der Pindarplatz gehörte auch zu den Lieblingsplätzen von König Ludwig II. So war es ganz natürlich, dass er Richard Wagner, als er ihn im November 1865 nach Schloss Hohenschwangau eingeladen hatte, zum Pindarplatz führte (am 16. Nov.). Wagner notierte dazu in seinem Tagebuch: „Mit dem Trauten [d. h. König Ludwig] aus dem Schlosse … nach d. Pindarplatz, Ruhe so erhebend, so wohlthuend …“Richard Wagner, Sämtliche Briefe, Band 17. Hrsg. v. Martin Dürr. Breitkopf und Härtel, Wiesbaden u. a. 2006; Seiten 416 und 421.
Im Baedeker Deutschland und Österreich von 1872 ist der Pindarplatz mit einem Sternchen ausgezeichnet und mit der allerdings ungenaue Bemerkung „wo König Ludwig stets Pindar las“ versehen.
Der Pindarplatz in der Lyrik Der Dichter Friedrich Beck besang in Stillleben: Lyrische Dichtungen in neuer Auswahl von 1861 den Pindarplatz:Becks Stillleben ist online vollständig zu lesen bei der Bayerischen Staatsbibliothek, BSB
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Schwangau) Kategorie:Aussichtspunkt in Bayern Kategorie:Ludwig II. (Bayern) Kategorie:Richard Wagner