340px|right|Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1789
Die Verwaltungsstruktur des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel gliederte sich im Jahr 1793 in 118 Ämter. Davon waren 11 Städtische Gerichtsämter, 32 Haupt-Ämter, 19 Klostergerichte, 8 Fürstliche Gerichte, 22 adlige Gerichte mit Obergerichtsbarkeit, 21 adlige Gerichte ohne Obergerichtsbarkeit, 4 Glebasten-Gerichte ohne Obergerichtsbarkeit, und 1 adliges Komturei-Gericht. Alle diese Gebiete hatten die Zuständigkeiten eines Amts und Sitz und Stimme in der Braunschweigischen Ständeversammlung, obwohl sie von sehr unterschiedlicher Größe, Rechtsform und Bedeutung waren.
Systematik In unten stehender Systematik wird das Jahr 1793 als Stichjahr genommen, weil hier für alle Ämter statistische Angaben vorliegen. Die Verwaltungsgeschichte des Fürstentums und der meisten Länder verlief aber seit dem Hildesheimer Rezess von 1643 und der Rückeroberung der lange unabhängigen Stadt Braunschweig 1671 relativ kontinuierlich und unverändert. 1753/54 wurde die fürstliche Residenz wieder von Wolfenbüttel in das neu erbaute Schloss Braunschweig zurückverlegt.
Viele der 48 adligen Gerichte mit ihren althergebrachten Rechten umfassten oft nur ein oder zwei Dörfer. Die Klosterämter umfassten manchmal gar keine Dörfer, hatten aber trotzdem einen Sitz in der Landesversammlung. Sie beschäftigten aber Einwohner aus anderen Ämtern und zahlten Abgaben. Die Siedlungen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel (ohne Fürstentum Blankenburg und Kommunion Unterharz) umfassten zusammen 11 amtsfreie Städte, 12 Flecken und 434 Dörfer und Weiler.
Die Ämter waren in zwei Hauptgebiete (nördliche und südliche Ämter) und diese in je zwei Hauptbezirke eingeteilt. Zusätzlich gab es das exterritorial weit nördlich bei Bremen liegende kleine Amt Thedinghausen. Das Amt Thedinghausen gehörte seit 1679 zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Zugehörigkeit zum Landkreis Braunschweig endete erst 1972.
Seit 1731 war auch das Fürstentum Blankenburg im Südostharz dauerhaft mit Braunschweig-Wolfenbüttel in Personalunion verbunden, blieb jedoch bis 1805 selbständiger Reichsstand. Es wird darum hier nicht behandelt. Eine staatsrechtliche Besonderheit war ferner der Bezirk Kommunion Unterharz, der im 18. Jahrhundert gemeinsam mit dem Kurfürstentum Hannover verwaltet wurde.
Zu den nördlichen Ämtern zählten der Wolfenbüttelsche Bezirk um die Haupt- und Residenzstadt, sowie der etwas weniger bedeutsame Elmbezirk (auch nach dem Hauptort Schöningenscher Bezirk) um Helmstedt mit dem isoliert im heutigen Sachsen-Anhalt als Exklave liegenden Amt Calvörde. Die räumlich vom nördlichen Landesteil separat liegenden südlichen Ämter wurden vom Harzbezirk und dem Weserbezirk in einem schmalen Landgürtel zwischen dem Kurfürstentum Hannover und dem Hochstift Hildesheim gebildet.
Bei der unten stehenden Systematik werden die Ämter zunächst nach der Art der Ämterherrschaft geschieden und sodann unter ihrem geläufigsten Namen alphabetisch verzeichnet. Wie oben erläutert, gab es städtische Ämter (in etwa einer kreisfreien Stadt vergleichbar), Haupt-Dominialämter (am ehesten einem heute üblichen Landkreis vergleichbar) und mehrere Sonderformen von meist untergeordneter Bedeutung mit überkommenen Rechten: Klosterämter, fürstliche Gerichte, adlige Gerichte mit oder ohne Obergerichtsbarkeit (die niedere Gerichtsbarkeit hatten alle) und Glebastengerichte. Adliges Gericht o.O. bedeutet eine adlige Gerichtsherrschaft ohne Obergerichtsbarkeit.
In der Liste werden außerdem genannt: der Name des am ehesten dauerhaften Hauptorts (im Link dazu kann oft Näheres zur Ämtergeschichte nachgelesen werden), ein modernes Wappen aus einem der Orte des Amts (wo möglich, des Hauptorts), die Anzahl der Ortschaften, Dörfer und Weiler, für die das Amt zuständig war, die Anzahl der Feuerstellen (etwa vergleichbar der heutigen Haushalte), die Anzahl der Einwohner, Anmerkungen und weitere Informationen bezüglich historischer oder orthographischer Besonderheiten zum jeweiligen Amt und ein typisches Bild aus dem Amt. Wappen und Bilder wurden nur für die städtischen und die Hauptämter verwendet, auch zur besseren Unterscheidung. In vielen der Wappen findet sich der Braunschweigische Löwe. Zu den Wappen ist zu bemerken, dass viele der Wappen erst in den letzten Jahrzehnten entworfen wurden und sie nicht historisch korrekte Wappen der Ämter darstellen sollen. Es gibt keine Belege dafür, dass die Ämter eigene Wappen geführt haben.
Nördliche Ämter 700px|Nördliche Ämter des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel, um 1795 Wolfenbüttelscher Bezirk Der Wolfenbüttelsche Bezirk, nach französischem Vorbild auch von seinem Hauptfluss her Okerbezirk genannt, war etwa 24,5 Quadratmeilen groß (etwa 1.396 Quadratkilometer). In den 170 Dörfern und 3 Städten lebten 1793 insgesamt 81.677 Menschen (ohne Militär), also etwa 58,5 Menschen pro Quadratkilometer. Darunter gab es 13.803 Hausväter, 17.126 Hausmütter, 2.649 ledige, sich selbst erhaltende Personen, 707 Hausbediente, 3.471 Knechte und Enken, 5.715 Mägde, 85 Gymnasiasten, 195 Ladendiener, 198 Ladenburschen, 1.719 Gesellen, 777 Lehrjungen, 1.228 Altväter und 2.232 Altmütter, 4.199 Söhne und 4.725 Töchter über 14 Jahre, 11.685 Söhne und 11.196 Töchter unter 14 Jahren. Insgesamt waren 39.076 Personen männlichen und 42.601 weiblichen Geschlechts, darunter 1.006 Witwer und 4.209 Witwen, sowie 365 Waisenkinder. In Städten lebten 35.340, auf dem Lande 46.337 Menschen.
Es gab im Jahr 1799 163 Kirchen und Kapellen, 106 Gemeinschaftsunterkünfte für Witwen (Witwenhäuser), 1 Ritterakademie, 3 Gymnasien, 45 Bürger- und 149 Landschulen und 3 Waisenhäuser. Zur Sozialstruktur der bäuerlichen Bevölkerung gab es 1799 folgende Daten: Es gab 488 Großbauernhöfe (Ackerhöfe), 498 Höfe mittlerer Größe (Halbspannerhöfe), 3.086 kleine Höfe (Kothöfe) und 1.080 Kleinst- und Nebenerwerbshöfe (Brinksitzer und Anbauer). Im ganzen Fürstentum gab es im Jahr 1799 3.998 Soldaten und Militärangehörige.
Zum Wolfenbüttelschen Bezirk zählten folgende Ämter: Amt/Gericht Hauptort Wappen Art der Ämterherrschaft Anzahl der Ortschaften Feuerstellen(Haushalte) Einwohner 1793 Bemerkungen Bild Amt Braunschweig Braunschweig 60px Städtisches Amt 1 k. A. 27.301 seit 1754 Residenzstadt und größte Stadt 120px|Braunschweiger Löwe Amt Wolfenbüttel-Stadt Wolfenbüttel 60px Städtisches Amt 1 898 6.397 Alte Hauptstadt mit Sitz hoher Ämter 120px|Wolfenbütteler Schloss Amt Scheppenstedt Schöppenstedt 60px Städtisches Amt 1 235 1.642 Stadtrechte seit 1474 120px|Braunschweiger Straße Amt Achim Achim 60px Haupt-Dominialamt 6 225 1.480 erst seit 1751 eigenes Amt, vorher zu Residenzamt 120px|Fachwerkhaus in Achim Amt Campen Campen 60px Haupt-Dominialamt 15 394 2.815 1706 im Tausch mit Hannover-Lüneburg endgültig erworben 120px|Burg Campen um 1650 Amt Eich Burg Dankwarderode 60px Haupt-Dominialamt 11 398 3.170 auch: Amt der Eich, alter Name: Burgamt 120px|Burg Dankwarderode Amt Gebhardshagen Gebhardshagen 60px Haupt-Dominialamt 5 246 1.948 120px|Burg Gebhardshagen Amt Lichtenberg Lichtenberg 60px Haupt-Dominialamt 19 1.053 7.751 altes Patrimonialamt 120px|Pfarrhaus Niederfreden Amt Neubrück Burg Neubrück 60px Haupt-Dominialamt 6 147 943 120px|Burg Neubrück Amt Salzdahlum Salzdahlum 60px Haupt-Dominialamt 8 273 1.918 120px|Schloss Salzdahlum 1771 Amt Winnigstedt Winnigstedt 60px Haupt-Dominialamt 5 202 1.272 120px|Grosses Bruch bei Winnigstedt Amt Wolfenbüttel (Residenzamt) Wolfenbüttel 60px Haupt-Dominialamt 42 1.557 11.196 größtes Dominialamt 120px|Schloss Wolfenbüttel 1654 Amt Kloster zur Ehre Gottes Kloster zur Ehre Gottes Klosteramt 0 1 18 Im Jahr 1701 in Salzdahlum gegründetes Jungfrauenkloster, 1791 nach Wolfenbüttel verlegt. Ohne Sitz in der Ständeversammlung. 120px|Klostergebäude in Wolfenbüttel, Klosterstraße 2 Amt Riddagshausen Kloster Riddagshausen Klosteramt 8 238 1.923 größtes Klosteramt im Fürstentum, Teile im Elmbezirk Amt St. Aegidius Aegidienkloster Klosteramt 0 1 16 Das Benediktinerkloster bildete die Aegidienfreiheit im Süden der Stadt Braunschweig, ab 1615 lutherischer Jungfrauenkonvent Amt St. Blasius Stift St. Blasius Klosteramt 0 1 11 Braunschweiger Dom Amt St. Crucis Kloster Heiligkreuz Klosteramt 0 8 84 zwei Vorwerk-Höfe, auch Amt Heilig Kreuz Amt St. Cyriakus Stift St. Cyriakus Klosteramt 0 1 7 südlich vor Braunschweig Amt Steterburg Stift Steterburg Klosteramt 2 25 285 Residenzamt hat Obergerichtsbarkeit Amt Saldern Schloss Salder Fürstliches Gericht 2 177 713 gemeinsame Justizverwaltung mit Amt Lichtenberg Amt Vechelde Schloss Vechelde Fürstliches Gericht 4 96 614 1807 wurde das Amt in das von Napoleon geschaffene Königreich Westphalen eingegliedert und aufgelöst. Nach dem Ende der sogenannten „Franzosenzeit“ wurde das Amt Vechelde restituiert. Um 1850 war Vechelde Verwaltungszentrum von 34 Dörfern des Herzogtums Braunschweig. 120px|Landschloss Vechelde um 1760, Verwaltungssitz des Amts Vechelde Amt Veltenhof Veltenhof Fürstliches Gericht 1 27 256 Kolonie Pfälzer Tabakbauern, später Spargelanbau Amt Wendhausen Schloss Wendhausen Fürstliches Gericht 1 42 322 seit 1751 Fürstliches Gerichtsamt Amt Brunsrode Burg Brunsrode Adliges Gericht 2 47 361 Enklave im Amt Campen Amt Destedt Destedt Adliges Gericht 5 167 1.136 größtes adliges Amt in Braunschweig-Wolfenbüttel Amt Duttenstedt Duttenstedt Adliges Gericht 2 55 411 Amt Glentorf Glentorf Adliges Gericht 1 42 311 Enklave im Amt Campen Amt Groß Vahlberg Rittergut Groß Vahlberg Adliges Gericht 1 48 293 Enklave im Residenzamt Amt Hedwigsburg Schloss Hedwigsburg Adliges Gericht 2 51 480 Amt Klein Vahlberg Klein Vahlberg Adliges Gericht 2 37 155 Enklave im Residenzamt Amt Lucklum Lucklum Adliges Gericht 1 19 288 Enklave im Residenzamt Amt Neindorf Neindorf Adliges Gericht 1 14 108 Enklave im Residenzamt Amt Schliestedt Schloss Schliestedt Adliges Gericht 20 260 Enklave im Amt Voigtsdahlum im Elmbezirk Amt Veltheim Schloss Veltheim Adliges Gericht 2 46 410 Enklave im Residenzamt Amt Watzum Rittergut Watzum Adliges Gericht 1 52 319 Amt Amtleben Burg Amtleben Adliges Gericht o. O. 1 28 226 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Burgdorf Burgdorf Adliges Gericht o. O. 2 75 526 Enklave im Amt Lichtenberg, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Engerode Engerode Adliges Gericht o. O. 1 11 67 Enklave im Amt Gebhardshagen, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Halchter Halchter Adliges Gericht o. O. 1 32 311 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Küblingen Küblingen Adliges Gericht o. O. 2 88 688 Stadtamt Scheppenstedt hat Obergerichtsbarkeit Amt Linden Linden Adliges Gericht o. O. 1 20 182 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Niedernsickte Niedernsickte Adliges Gericht o. O. 1 43 294 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Oelber Oelber am weißen Wege Adliges Gericht o. O. 1 65 366 Amt Lichtenberg hat Obergerichtsbarkeit Amt Scheppau Scheppau Adliges Gericht o. O. 1 25 176 Enklave im Amt Campe, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Wendessen Wendesser Gut Adliges Gericht o. O. 1 26 199 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Wendezelle Wendezelle Adliges Gericht o. O. 1 51 343 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Amt Bornum Bornum Glebastengericht 1 35 220 Enklave im Residenzamt, das Obergerichtsbarkeit hat Wolfenbüttelscher Bezirk 1799 170 10.317 86.920 mit Militärangehörigen
Elmbezirk